{"id":6985,"date":"2016-12-14T12:05:02","date_gmt":"2016-12-14T11:05:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6985"},"modified":"2025-10-10T17:25:04","modified_gmt":"2025-10-10T16:25:04","slug":"konzert-koelner-philharmonie-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6985","title":{"rendered":"Konzert &#8211; K\u00f6lner Philharmonie"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Dirigent: Fran\u00e7ois-Xavier, G\u00fcrzenich-Orchester<\/p>\n<p>Camille Saint-Sa\u00ebns: <em>Danse macabre<\/em> g-Moll op. 40, Klavierkonzert Nr. 5 F-Dur Op. 103<\/p>\n<p>Sinfonie Nr. 3 c-Moll Op. 78<\/p>\n<p>Konzertbesuch: 13. Dezember 2016<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Bekannte Komponisten fallen in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung in der Regel in zwei Kategorien. Da sind zum einen Komponisten, die aufgrund eines repr\u00e4sentativen Querschnitt ihres Lebenswerks bekannt und ber\u00fchmt sind, wie Brahms, Beethoven, Bach, Mozart, Schubert, Wagner etc. Dem gegen\u00fcber stehen Komponisten, die ihre Bekanntheit haupts\u00e4chlich einem oder nur wenigen Werken verdanken, wie Sergei Rachmaninow, George Gershwin, Paul Dukas, Georges Bizet, C\u00e9sar Franck und Camille Saint-Sa\u00ebns.<\/p>\n<p>Da\u00df GMD Fran\u00e7ois-Xavier Roth sich dergestalt f\u00fcr seinen gro\u00dfen Landsmann Saint-Sa\u00ebns (1835-1921) einsetzt, ist nicht nur verst\u00e4ndlich, sondern auch h\u00f6chst ehrenvoll. Kaum mehr bekannt ist doch heute, da\u00df Camille Saint-Sa\u00ebns als eines der gr\u00f6\u00dften Wunderkinder der Menschheitsgeschichte startete, mit drei Jahren bereits lesen konnte, im zehnten Lebensjahr als Pianist deb\u00fctierte, mit 13 Jahren ins Pariser Conservatoire aufgenommen wurde und mit f\u00fcnfzehn Jahren seine erste Symphonie schrieb. Achtzehnj\u00e4hrig erhielt er seine erste Organistenstelle in Paris (Saint-Merri), bevor er 1858 (mit 23 Jahren) zur Kirche Madeleine wechselte, wo er zwanzig Jahre die sonnt\u00e4glichen Messen gestaltete. Als er mit 86 Jahren starb war er schon zu Lebzeiten zur Legende geworden. Seine heutige Bekanntheit verdankt er haupts\u00e4chlich dem <em>Danse Macabre<\/em> dem <em>Karneval der Tiere <\/em>und der Oper <em>Samson und Dalila<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Roth brachte im Konzert drei Hauptaspekte von Saint-Sa\u00ebns\u2018 Orchesterschaffens zu Geh\u00f6r: die Programmusik, das Solokonzert und die Sinfonie. Mit dem schwungvollen <em>Danse Macabre<\/em> er\u00f6ffnete Fran\u00e7ois-Xavier Roth das Konzert. Seine glasklare Struktur und durchsichtige Instrumentation funkelte und spr\u00fchte nur so im vollbesetzten Konzertsaal. Gefolgt wurde er vom hierzulande selten geh\u00f6rten f\u00fcnften Klavierkonzert, dem sogenannten <em>\u00c4gyptischen Konzert<\/em> (1896), bei dem der erstmals mit dem G\u00fcrzenich-Orchester spielende Pianist <strong>Jean-Fran<\/strong><strong>\u00e7<\/strong><strong>ois Heisser<\/strong> den Solopart \u00fcbernahm. Nach der Pause folgte die sogenannte <em>Orgelsinfonie<\/em>. Unter Organisten ist dieses Orgelkonzert ziemlich bekannt. Es ist n\u00e4mlich das einzige gro\u00dfe Konzert f\u00fcr Orgel und Orchester in\u00a0 Frankreich des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts. In der \u00d6ffentlichkeit kennt man es weniger, vielleicht auch, weil die Orgel als Instrument der Kirche ohnehin wenig \u00f6ffentliche Akzeptanz besitzt. In letzter Zeit sind allerdings einige gro\u00dfe Konzerts\u00e4le gebaut worden, die die Orgel als zentralen Blickfang der S\u00e4le zeigen, so zuletzt in Hamburgs neuer Elbphilharmonie. Da\u00df Roth das m\u00e4chtige Werk als letztes St\u00fcck des Konzerts pr\u00e4sentierte, ist gutzuhei\u00dfen. Aber GMD Fran\u00e7ois-Xavier Roth hatte bei der Konzertvorbereitung sicher auch seinen ber\u00fchmten Vater im Kopf: <strong>Daniel Roth<\/strong>, der an der weltbesten Orgel von St. Sulpice in Paris seit 1985 seinen Dienst versieht und hier die Gelegenheit wahrnehmen sollte, zusammen mit ihm ein Konzert zu gestalten.<\/p>\n<p>Bei dieser Orgelsinfonie mu\u00df der Zuh\u00f6rer auf den Klang der Orgel ein wenig warten. Erst zu Beginn des zweiten Satzes erscheint die Orgel mit klangvollen Akkorden, in denen sich der Streicherchor wie eingebettet bewegt. Das Klangergebnis ist nur mit \u201eweihevoll\u201c zu umschreiben. Der Pariser Organist Roth spart hier auch nicht mit Farben. Nach der etwas abrupten Unterbrechung durch das Scherzo, bei dem Saint-Sa\u00ebns auch noch das Klavier einsetzt, beginnt die Orgel mit einem m\u00e4chtigen C-Dur Akkord die Endphase dieses gro\u00dfangelegten Tonst\u00fccks. Daniel Roth gelingt es, das Forte der Orgelregister so einzurichten, da\u00df die K\u00f6nigin der Instrumente die m\u00e4chtigen Bl\u00e4sergruppe von vier H\u00f6rnern, drei Trompeten, Posaunen Tuba und Piccolo-Fl\u00f6te noch um einiges \u00fcbert\u00f6nt, ohne dabei aufdringlich zu werden. So gl\u00fcckte es Daniel Roth dieses monumentale Tonst\u00fcck w\u00fcrdig zu beenden. Dem Publikum hat\u2018s gefallen, der Applaus war \u00fcberschwenglich.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Neben der inhaltlichen Ebene passen die drei Werke auch atmosph\u00e4risch gut zusammen und bieten ein abwechslungsreiches, nie langweiliges Programm. Interessanterweise bringt das in dieser Hinsicht wenig bekannte f\u00fcnfte Klavierkonzert einen H\u00f6hepunkt und wird vom Publikum ausgiebig applaudiert. Denn es ist auch eine wahre Perle der Konzertliteratur! Jean-Fran\u00e7ois Heisser spielt exzellent, sowohl strukturell als auch musikalisch genau ausgeh\u00f6rt. Kein Akkordwechsel, der banal oder aus der Standardkiste gezogen kl\u00e4nge! Man sp\u00fcrt, wie lange der Pianist das Werk schon im Repertoire hat, ohne da\u00df es ihm geschadet h\u00e4tte. Im Gegenteil: das St\u00fcck ist mit dem Solisten auf eine unnachahmliche Weise zusammengewachsen.<\/p>\n<p>Fran\u00e7ois-Xavier Roth begleitet den Solisten wie gewohnt sowohl rhythmisch pr\u00e4zise als auch klanglich gut abgewogen. Da\u00df der Raum der Philharmonie den Klavierklang eher schluckt als unterst\u00fctzt, ist einer der wenigen Wermutstropfen des Abends.<\/p>\n<p>Das Programm mit der Konzentration nur auf Saint-Sa\u00ebns kann ohne Vorbehalt als gelungen gelten. Nicht nur widerlegt Fran\u00e7ois-Xavier Roth die M\u00e4r vom zweitklassigen Klassizisten Saint-Sa\u00ebns, dem ein Gl\u00fcckstreffer mit dem <em>Karneval der Tiere<\/em> gelungen w\u00e4re, er macht das Publikum dar\u00fcber hinaus mit wertvoller, selten geh\u00f6rter Musik bekannt. Zu guter Letzt zeigt die Philharmonie, besonders im Klavierkonzert, wieder einmal ihre baulich bedingte klangliche Schw\u00e4che, gegen die auch ein so guter Pianist wie Heisser in den Ecks\u00e4tzen des Klavierkonzerts nicht ankommt. In einem normalen, kastenf\u00f6rmigen Konzertsaal, wo das Podium erh\u00f6ht ist, profitiert der Konzertfl\u00fcgel von seinem Platz vorne an der Trib\u00fcne, das klanglich m\u00e4chtigere Orchester im R\u00fccken. In der Philharmonie mit ihrer amphitheatralischen Form \u201e\u00fcberfl\u00fcgelt\u201c der Orchesterklang bereits sp\u00e4testens ab der zehnten Reihe einfach den Klavierklang.<\/p>\n<p>Philipp Kronbichler und Olaf Zenner<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dirigent: Fran\u00e7ois-Xavier, G\u00fcrzenich-Orchester Camille Saint-Sa\u00ebns: Danse macabre g-Moll op. 40, Klavierkonzert Nr. 5 F-Dur Op. 103 Sinfonie Nr. 3 c-Moll Op. 78 Konzertbesuch: 13. 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