{"id":6978,"date":"2017-01-02T13:21:31","date_gmt":"2017-01-02T12:21:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6978"},"modified":"2017-01-08T13:27:48","modified_gmt":"2017-01-08T12:27:48","slug":"orpheus-in-der-unterwelt-coburg-landestheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6978","title":{"rendered":"ORPHEUS IN DER UNTERWELT &#8211; Coburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jacques Offenbach (1819-1880), Op\u00e9ra-bouffon in 2 Akten, Libretto: Hector Cr\u00e9mieux u. Ludivic Hal\u00e9vy, Mischfassung 1858 und 1874 nach Jean-Christophe Keck, Ouvert\u00fcre von Carl Binder (Wien, 1860),; in deutscher Sprache (von Gunter Selling und Ansgar Weigner) mit deutschen \u00dcbertiteln, UA: 21. Oktober 1858 Paris, Th\u00e9\u00e2tre des Bouffes-Parisiens Paris (erste Fassung), 1874, Paris (zweite Fassung): 7. Februar 1874 Paris,<br \/>\nTh\u00e9\u00e2tre de la Ga\u00eet\u00e9, Paris<\/p>\n<p>Regie: Ansgar Weigner, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Kristopher Kempf<\/p>\n<p>Dirigent: Dominik Tremel, Philharmonisches Orchester, Ballett Coburg, Chor des Landestheater Coburg, Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio<\/p>\n<p>Solisten: David Zimmer (Orpheus), Ana Cvetkovic-Stojnic (Eurydike), Barbara Ullmann (\u00d6ffentliche Meinung), Dirk Mestmacher (Pluto), Salomon Zulic del Canto (Jupiter), Kora Pavelic (Juno), Anna G\u00fctter (Diana), Emily Lorini (Venus), Nadja Merzyn (Cupido), Costas Bafas (Mars), Sascha Mai (Merkur), Thorsten K\u00f6hler (John Styx) u. a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 28. Dezember 2016<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Coburg-Orpheus.bmp\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6979\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Coburg-Orpheus.bmp\" alt=\"coburg-orpheus\" width=\"640\" height=\"414\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Orpheus und Eurydike haben sich auseinander gelebt. Orpheus, der die Nymphe Chloe verehrt, freut sich, da\u00df seine Frau von Pluto, der sich als Aristeus ausgegeben hat, in die Unterwelt entf\u00fchrt wird. Die \u00d6ffentliche Meinung jedoch verlangt von ihm, da\u00df er Eurydike von den G\u00f6ttern zur\u00fcck erbittet. Zusammen mit dem Olymp tritt Orpheus die Reise in die Unterwelt an. Dort versucht Jupiter Eurydike in Gestalt einer Fliege zu verf\u00fchren. Von Pluto ermahnt, sie Orpheus zur\u00fcckzugeben, stellt er ihm die Bedingung, sich beim Verlassen des Hades nicht umzublicken, sonst m\u00fcsse Eurydike in der Unterwelt verbleiben. Als Jupiter einen Blitzstrahl entsendet, blickt sich Orpheus erschrocken um, und Eurydike verweilt voller Freude von nun an bei den G\u00f6ttern als Bacchantin.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Wir befinden uns im Wohnhaus von Orpheus und Eurydike. Es handelt sich um einen modernen Bungalow mit Flachdach, mit gestreifter Tapete (passend zu Orpheus Anzug) und Designersofa. Orpheus gibt eine \u201eGeigenstunde\u201c, w\u00e4hrenddessen feiert Eurydike mit Freundinnen ein frivoles Kaffeekr\u00e4nzchen mit Sliptausch und einem aus einem Karton gezauberten Dildo. Das Weizenfeld im Hintergrund pa\u00dft zu Aristeus im karierten Hemd \u2013 inklusive Schaf. Der Olymp ist eine gro\u00dfe Cocktail-Bar mit Spieltischen f\u00fcr die \u201eupper class\u201c. Die Kennzeichen der G\u00f6tter \u2013 wie Herzchen f\u00fcr Cupido, Geweih f\u00fcr Diana \u2013 sind als Mode-Accessoires in die hellen topmodischen Kost\u00fcme integriert. An der Wand prangt der Spruch <em>Fortschritt ist nicht, den \u00dcberflu\u00df jener zu mehren, die viel haben, sondern denen genug zu geben, die zu wenig haben!<\/em> (Hermann Abs war von 1937-1976 Aufsichtratvorsitzender der Deutschen Bank).<\/p>\n<p>Als die Revolte gegen Jupiter im ges\u00e4ttigten Phlegma versandet, zeigt man das wahre Motto des Olymp: \u201eIn tranquilitate vis \u2013 In der Ruhe liegt die Kraft\u201c. Pluto betreibt im Rosaanzug im Hades als Ausbeuter eine Versandfirma, in der alles gekauft werden kann, die Produkte h\u00e4ngen als Dekor an der Wand. John Styx ist ein Untoter aus \u201eThe Walking Dead\u201c, der H\u00f6llengalopp ist wie alle Tanznummern eine etwas asymmetrische Choreographie.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Es spricht f\u00fcr das Landestheater Coburg, da\u00df man alle Rollen mit hauseigenen Kr\u00e4ften besetzen kann \u2013 auch wenn man etwas erfinderisch sein mu\u00df. Der Operettentenor am Haus,<strong> David Zimmer<\/strong>, besetzt die Titelrolle. Er ist der leichte, stimmlich immer trittsichere jugendliche \u201ePopper\u201c-Orpheus. <strong>Ana Cvetkovic-Stojnic<\/strong> ist seine ideale Gegenspielerin Eurydike. Sie verf\u00fcgt \u00fcber eine leuchtende und (manchmal etwas zu) durchschlagsstarke Stimme. Die hohen T\u00f6ne erreicht sie mit Kraft und Nachdruck. Kein Wunder, da\u00df Orpheus sie loswerden will.<\/p>\n<p><strong>Dirk Mestmacher<\/strong> ist als Spieltenor vom Haus ein liebestoll gelenkiger Herr der Unterwelt und entspricht den Erwartungen an Ausdruck und Gestaltung. <strong>Thorsten K\u00f6hler<\/strong> ist ein wahrer H\u00f6hepunkt als lebender Toter John Styx. Er z\u00e4hlt zum Schauspielensemble und kann <em>Als ich noch Prinz war von Arkadien <\/em>unaufgeregt und souver\u00e4n Leben einhauchen. Weniger lebendig ist da <strong>Salomon Zulic del Canto<\/strong> als Jupiter. Trotz volumin\u00f6ser Stimme fehlt ihm die Ausdruckskraft bzw. die mitrei\u00dfende Gestaltung als \u201efliegender Liebhaber\u201c.<\/p>\n<p><strong>Kora Pavelic<\/strong> verf\u00fcgt mit leichten Mezzo \u00fcber das richtige herbe, m\u00e4nnlich dominante Klangbild f\u00fcr die wahre Chefin Juno mit Haaren auf den Z\u00e4hnen. Ebenso <strong>Anna G\u00fctter<\/strong> als etwas hart fokussierende, jugendlich leichte Diana w\u00e4hrend <strong>Nadja Merzyn<\/strong> dagegen ein beschwingt leichter Cupido ist. <strong>Sascha Mai<\/strong> als Merkur ist am Haus der erfahrene kleine Tenor f\u00fcr Nebenrollen. Aber der Abend wird getr\u00fcbt, indem das Philharmonische Orchester unter <strong>Dominik Tremel<\/strong> den Abend eher als Kurmusik-Operettenrevue sieht und nicht als franz\u00f6sische Operette mit viel Feuer, Amor und Emotionen. Nett und beschwingt geht es durch diese deutsche Sylvesterfeier, der etwas z\u00e4he H\u00f6llengalopp wird freundlich beklatscht, aber eine Reprise des \u201ePaket-Zusteller-Balletts\u201c wird nicht gefordert.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine Kapitalismuskritik der heutigen Zeit als Rahmenhandlung f\u00fcr Offenbachs Orpheus? Es geht auf, die Umsetzung h\u00e4tte aber mutiger und lustiger ausfallen k\u00f6nnen: einige Witze zwischen SED und Nazis, zwischen Kapital (G\u00f6tter) und Arbeiterklasse (Hades) mit \u201eWollt ihr den totalen&#8230;.\u201c greifen leider zu kurz: <em>La\u00df den Zirkus endlich sein! <\/em>ruft man Jupiter w\u00e4hrend der Revolte im Olymp zu. \u00dcbrig bleibt eine solide Operettenrevue, die auf glitzernde Unterhaltung abzielt, an die sich auch das musikalische Niveau anpa\u00dft, der aber naturgem\u00e4\u00df das franz\u00f6sische Feuer Offenbachs fehlt \u2013 trotz einer fehlerfreien S\u00e4ngerleistung. Am Ende freundlicher Applaus f\u00fcr eine garantiert jugendfreie Produktion.<\/p>\n<p>Das dazu passende Zitat liefert Komarovsky in dem Film Doktor Schiwago nachdem der Arbeiterchor die Feier der Gesellschaft gest\u00f6rt hat: <em>Hoffentlich singen sie nach der Revolution besser<\/em>!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Henning Rosenbusch<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Dirk Mestmacher (Pluto) im rosa Anzug, Salomon Zulic del Canto (Jupiter), Kora Pavelic (Juno) hinten Mitte<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jacques Offenbach (1819-1880), Op\u00e9ra-bouffon in 2 Akten, Libretto: Hector Cr\u00e9mieux u. Ludivic Hal\u00e9vy, Mischfassung 1858 und 1874 nach Jean-Christophe Keck, Ouvert\u00fcre von Carl Binder (Wien, 1860),; in deutscher Sprache (von Gunter Selling und Ansgar Weigner) mit deutschen \u00dcbertiteln, UA:<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6978\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6979,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12,1],"tags":[],"class_list":["post-6978","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-coburg-landestheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6978","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6978"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6978\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6980,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6978\/revisions\/6980"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6979"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6978"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6978"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6978"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}