{"id":6968,"date":"2016-11-01T08:58:30","date_gmt":"2016-11-01T07:58:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6968"},"modified":"2016-12-28T09:01:11","modified_gmt":"2016-12-28T08:01:11","slug":"die-grossherzogin-von-gerolstein-kassel-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6968","title":{"rendered":"DIE GROSSHERZOGIN VON GEROLSTEIN &#8211; Kassel, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jacques Offenbach (1819-1880), Operette in drei Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, deutsche Textfassung: Wolfgang B\u00f6hmer, UA: 12. April 1867 Paris, Th\u00e9\u00e2tre des Vari\u00e9t\u00e9s<\/p>\n<p>Regie: Adriana Altaras, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Yashi<\/p>\n<p>Dirigent: Alexander Hannemann, Staatsorchester und Opernchor Staatstheaters Kassel, Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti<\/p>\n<p>Solisten: Belinda Williams (Gro\u00dfherzogin), Gideon Poppe (Fritz), Jaclyn Bermudez (Wanda), Marc-Olivier Oetterli (General Bumm), Tobias H\u00e4chler (Prinz Paul), Daniel Holzhauser (Baron Puck), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. Oktober 2016 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kassel-Gerolstein.bmp\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6969\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kassel-Gerolstein.bmp\" alt=\"kassel-gerolstein\" width=\"639\" height=\"426\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Fritz, ein Soldat, liebt Wanda. Sein Vorgesetzter General Bumm ist von diesem Verh\u00e4ltnis nicht begeistert, da er sich selber erfolglos um Wanda bem\u00fcht hat. Als die Gro\u00dfherzogin von Gerolstein ihrem Regiment einen Besuch abstattet, wirft sie ein Auge auf Fritz und ernennt ihn zum General, was Prinz Paul mi\u00dff\u00e4llt, der hofft von der Gro\u00dfherzogin endlich erh\u00f6rt zu werden. Siegreich kehrt Fritz zur\u00fcck von einem \u201eScheingefecht\u201c zur\u00fcck und erbittet von der Gro\u00dfherzogin die Verm\u00e4hlung mit Wanda. In der Hochzeitsnacht werden Komplotte von (Ex)-General Bumm und der eifers\u00fcchtigen Gro\u00dfherzogin geschmiedet, um Fritz zu degradieren. Doch am Ende bekommt mehr oder weniger jeder das, was er will.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das Publikum blickt drei Akte lang auf einen Vielzweckbau, geschm\u00fcckt mit vielen schwarz-rot-goldenen Fahnen, der Schriftzug \u201eBundes\u201c verweist auf eine \u00c4hnlichkeit mit dem Bonner Kanzler-Bungalow. Per Hebeb\u00fchne blickt man in verschiedene Stockwerke: mal in den Garten, ein Treppenhaus (das nicht genug Kapazit\u00e4t f\u00fcr den Auf- und Abtritt des Chors hat), mal in ein Schafzimmer und in einen rundum verglasten Versammlungsraum. Die d\u00fcmmliche Schickeria-Gesellschaft tr\u00e4gt heutige Mode, die von den biederen Farben und Schnitten der f\u00fcnfziger Jahre in Deutschland inspiriert ist. Die eine H\u00e4lfte der Truppe ist als Bundeswehr zu erkennen, die andere H\u00e4lfte als US Army. General Bumm tr\u00e4gt eine Fantasieuniform. Eine vierk\u00f6pfige Ballettgruppe untermalt die Musikst\u00fccke ohne Bezug zur Handlung als Milit\u00e4rgruppe.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das <em>Degen-Thema<\/em> beherrscht die musikalische Seite, taucht in den Orchesterst\u00fccken immer wieder auf. Auch die Gro\u00dfherzogin schwingt den <em>S\u00e4bel ihres Vaters<\/em>. <strong>Belinda Williams<\/strong> tut dies mit Charme, Charisma, einem ansteckend strahlenden L\u00e4cheln und viel Leuchtkraft in der Stimme. Sie bringt eine stimmungsvolle Regierungschefin auf die B\u00fchne, die am Regieren wenig Interesse hat. <strong>Gideon Poppe<\/strong> kann ihren Liebhaber Fritz mit sehr melodi\u00f6ser tenoraler Stimmf\u00fchrung und mit den Effekten eines Operetten-Offiziers gestalten. <strong>Jaclyn Bermudez<\/strong> ist ein sehr dramatischer Sopran (und keine Soubrette!), die beim Publikum f\u00fcr Wanda weder stimmlich noch szenisch Liebesgef\u00fchle aufkommen l\u00e4\u00dft. Etwas mehr Durchschlagskraft und Volumen w\u00e4re f\u00fcr einen alten K\u00e4mpfer notwendig, damit <strong>Marc-Olivier Oetterli<\/strong> dem General Bumm Gewicht verleihen k\u00f6nnte. Die Rolle des Prinzen Paul singt <strong>Tobias H\u00e4chler<\/strong> mit Verve und Ausdruck; er ist ein Operettentenor mit Anlage zum Heldentenor. Ohne Durchschlagskraft bleibt er hier leider zu bla\u00df. Aufmerksamkeit erregt hingegen <strong>Daniel Holzhauser<\/strong> als Baron Puck, dem verschlagenen Strippenzieher. Guttural klingendes baritonales Timbre verleiht ihm die entsprechende Eloquenz. Das <strong>Staatsorchester<\/strong> und der <strong>Opernchor<\/strong> des Staatstheaters Kassel gelingt es das Feuer der franz\u00f6sischen Operette \u2013 einer Opera Bouffe \u2013 zum Lodern zu bringen. Mit spielerischer Leichtigkeit wird das Klangbild zelebriert: die politische Karikatur franz\u00f6sischer Zust\u00e4nde und Lebensart lebt in der Musik Offenbachs fort.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der Abend f\u00e4llt beim Publikum durch: eine bei\u00dfende Satire auf den franz\u00f6sischen K\u00f6nig Napoleon III. und seinen Staat wird auf die heutige deutsche Gesellschaft, eine Staatsf\u00fchrung umgem\u00fcnzt, in der auch die Gro\u00dfherzogin nur das Niveau der \u201eBunten-Bussi-Bussi-Bilder\u201c erreicht \u2013 diese schickt allen Ernstes die Bundeswehr in einen Krieg mit den Nachbarn (gegen welchen denn?). Als auch die flachen Witzchen in den neu-\u00fcbersetzten Dialogen beim Publikum nicht z\u00fcnden, nutzt dieses schon die Pause zur Flucht. Man h\u00e4tte doch das s\u00fcffisant \u00fcberzeugende L\u00e4cheln der Gro\u00dfherzogin Belinda Williams nutzen k\u00f6nnen, um politisches Kabarett zur aktuellen Milit\u00e4rpolitik zu machen, unter dem Motto \u201eJede Laydenszeit geht mal zu Ende\u201c. Oder vielleicht Lokalkolorit? Der Bruder Napoleons (J\u00e9rome Napoleon) war K\u00f6nig von Westphalen mit Dienstsitz in Kassel, die Br\u00fcder Grimm standen in seinen Diensten. Einzig die bezugslose Ballettgruppe erhielt nennenswerten Schlu\u00dfapplaus, musikalisch ist es aber ein franz\u00f6sisches Feuerwerk.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Nils Klinger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Dieter H\u00f6nig (General Bumm), Hansung Yoo (Baron Puck), Stefanie Schaefer (Gro\u00dfherzogin von Gerolstein), Daniel Jenz (Prinz Paul), dahinter Herren des Opernchores<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jacques Offenbach (1819-1880), Operette in drei Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, deutsche Textfassung: Wolfgang B\u00f6hmer, UA: 12. 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