{"id":6961,"date":"2016-12-23T17:11:54","date_gmt":"2016-12-23T16:11:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6961"},"modified":"2025-10-10T17:23:59","modified_gmt":"2025-10-10T16:23:59","slug":"konzert-koelner-philharmonie-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6961","title":{"rendered":"Konzert &#8211; K\u00f6lner Philharmonie"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Dirigent: Daniel Barenboim, Wiener Philharmoniker<\/p>\n<p>Bedrich Smetana (1824-1884) Mein Vaterland \u2013 M\u00e1 Vlast<\/p>\n<p>Zyklus sinfonischer Dichtungen f\u00fcr Orchester<\/p>\n<p>Konzertbesuch: 21. Dezember 2016<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber die Wiener Philharmoniker wurde in OPERAPOINT Heft 3\/2016 ausf\u00fchrlich berichtet, sowohl \u00fcber ihre besondere Organisationsform als auch ihre klangliche H\u00f6chstqualit\u00e4t. Beim Zuh\u00f6ren dr\u00e4ngt sich der Begriff <em>Klangk\u00f6rper <\/em>auf und erh\u00e4lt pl\u00f6tzlich eine ganz intensive, bildhafte Bedeutung.<\/p>\n<p>Das Konzert begann ungew\u00f6hnlich, denn Daniel Barenboim griff zun\u00e4chst zum Mikrofon und bat das Publikum mit bewegter Stimme, sich zu einer Schweigeminute f\u00fcr die Opfer des Anschlags auf dem Berliner Weihnachtsmarkt zu erheben. Die danach einsetzenden Harfenkl\u00e4nge des Vyserad-Motivs kann man sich sch\u00f6ner gespielt nicht vorstellen.<\/p>\n<p>Der Zyklus <em>Mein Vaterland <\/em>schildert in sechs verschiedenen sinfonischen Dichtungen Landschaftsbilder und Episoden aus der Geschichte Tschechiens. Auch zu Smetanas Lebzeiten war das Land von Zerrissenheit und politischen Machtk\u00e4mpfen gepr\u00e4gt, so da\u00df das Werk zu einem politischen Bekenntnis wurde und Smetanas Ruf als Nationalkomponist gefestigt wurde.<\/p>\n<p>Fels und Burg Vyserad sind der sagenumwobene Ursprung der tschechischen Besiedlung, die Harfen symbolisieren den Gesang eines Barden, der von einer versunkenen Zeit berichtet. Nach bewegten lautmalerischen Erz\u00e4hlungen erklingen sie auch wieder zum Schlu\u00df des ersten Teils.<\/p>\n<p>Der bekannteste Teil des Zyklus ist <em>Die Moldau. <\/em>Smetana beschreibt sie von ihren beiden Quellen an bis zu ihrem Entschwinden in die Ferne, wo sie irgendwo in die Elbe m\u00fcndet. Die musikalischen Bilder, die der Komponist hier entwickelt, sind meisterlich gestaltet. Rasche L\u00e4ufe der Fl\u00f6ten suggerieren das sanfte Pl\u00e4tschern der beiden Quellen, eine Jagd wird nat\u00fcrlich durch H\u00f6rnerkl\u00e4nge erkennbar, eine Bauernhochzeit durch eine muntere Polka, der Vorbeiflu\u00df an der Burg Vyserad durch die Aufnahme des Anfangsthemas.<\/p>\n<p>Das St\u00fcck <em>Sarka <\/em>ist eine Rachegeschichte f\u00fcr eine verratene Liebe. Sarka lockt mit einer List die Ritter, die die Herrschaft aus\u00fcben, in den Wald, um sie mit ihrem Gefolge erbarmungslos niederzumetzeln. Die Personen werden durch Instrumente symbolisiert, Sarka durch die Klarinette, Ctirad, der Anf\u00fchrer der Ritter, durch ein Violoncello.<\/p>\n<p>Die vierte sinfonische Dichtung tr\u00e4gt den Titel <em>Aus B\u00f6hmens Hain und Fluren <\/em>und gibt laut Smetanas eigener Aussage <em>einen Gesamtausdruck der Gef\u00fchle wieder, welche die Betrachtung der tschechischen Landschaft erwecken.<\/em><\/p>\n<p>T\u00e1bor und Blanik zeigen zum Schlu\u00df die Glaubensk\u00e4mpfe, die schon im Mittelalter stattfanden und auf die Hussitenkriege verweisen.<\/p>\n<p>Autor Oliver Binder, der einen hervorragenden Programmtext verfa\u00dft hat, schreibt dazu lapidar: <em>Seit jeher wei\u00df im Krieg jedes Lager Gott auf seiner Seite. <\/em>Der Choral <em>Die ihr Gottes K\u00e4mpfer seid <\/em>bildet das Grundmotiv, das durchg\u00e4ngig immer wieder angerissen wird.<\/p>\n<p>Am Ende schlie\u00dft sich buchst\u00e4blich ein Kreis, indem das anf\u00e4ngliche Vyserad-Motiv mit dem Choral verwoben wird.<\/p>\n<p>Daniel Barenboim hat die Wiener Philharmoniker teils mit empathischen Gesten, aber \u00fcberwiegend mit minimaler Gestik gef\u00fchrt. Seine Ausstrahlung ist so enorm, da\u00df es oft aussah, als w\u00fcrden die Musiker ihn anspielen. So konnte er sich auch einfach zur\u00fccklehnen und das Orchester die Musik entwickeln lassen, ohne da\u00df der gro\u00dfartige Spannungsbogen jemals abbrach. Das ist absolut h\u00f6chstes K\u00f6nnen. Die einzelnen Instrumentengruppen, vor allem Holz und Blech, haben ihre solistischen Aufgaben meisterhaft erf\u00fcllt, ein solcher Wohlklang ist bei kaum einem Orchester in dieser Qualit\u00e4t zu finden.<\/p>\n<p>Starker Beifall und von einem begeisterten von den St\u00fchlen sich erhobenen Publikum in der restlos ausverkauften Philharmonie.<\/p>\n<p>Dorothee Riesenk\u00f6nig<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dirigent: Daniel Barenboim, Wiener Philharmoniker Bedrich Smetana (1824-1884) Mein Vaterland \u2013 M\u00e1 Vlast Zyklus sinfonischer Dichtungen f\u00fcr Orchester Konzertbesuch: 21. 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