{"id":696,"date":"2009-06-06T20:38:46","date_gmt":"2009-06-06T18:38:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=696"},"modified":"2010-03-21T23:42:53","modified_gmt":"2010-03-21T22:42:53","slug":"bielefeld-stadttheater-helges-leben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=696","title":{"rendered":"Bielefeld, Stadttheater &#8211; HELGES LEBEN"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Mark Moebius (geb. 1973) und Karola Oberm\u00fcller (geb. 1977), Oper nach dem Theaterst\u00fcck von Sibylle Berg, Libretto: Christin Bahnert, Tobias Kratzer, J\u00f3n Philipp von Linden, Florian Lutz, Janina Moelle, Juliane Scherf, Mark Moebius und Karola Oberm\u00fcller. UA: 31. Mai 2009, Stadttheater Bielefeld<br \/>\nRegie: Florian Lutz, Juliane Scherf, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Rainer Sellmaier, Dramaturgie: J\u00f3n Philipp von Linden<br \/>\nDirigent: Carolin Nordmeyer und Witolf Werner, die Bielefelder Philharmoniker<br \/>\nSolisten: Hubert Wild (Helge), Christiane Linke (Tina), S\u00fcnne Peters (Helga\/Krankenschwester), Sebastian Pilgrim (Helmut), Elisabeth Umierski (Frau Gott), Diana Amos (Frau Tod), Jens Krogsgaard (Helges Angst), Melanie Hirsch (Tinas Angst), Jan Andreesen (Tapir), Helmuth Westhausser (Schnapphamster), Nicole Paul (Reh)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 31. Mai 2009 (Premiere, Urauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"bielefeld-helges-leben.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/bielefeld-helges-leben.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"bielefeld-helges-leben.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/bielefeld-helges-leben.jpg\" \/><\/a>Ferne Zukunft: Die Menschen sind Geschichte geworden. Tapir, Reh und Schnapphamster lassen sich allabendlich von den Entertainerinnen Frau Gott und Frau Tod unterhalten. So sehen sie sich dieses Mal Ein ganz normales Menschenleben an: Helmut und Helga gr\u00fcnden eine Familie: Helge wird geboren. Als st\u00e4ndiger Begleiter gesellt sich die Angst zu ihm. Arbeitslosigkeit und Alkoholprobleme f\u00fchren zum Scheitern der Ehe. Der inzwischen achtj\u00e4hrige Helge versucht, sich die Pulsadern zu \u00f6ffnen. Tapir empfiehlt Helge, mit seinem Vater zu reden, was er auch versucht. Als dieser ihm nicht antwortet, erschl\u00e4gt er ihn. Helge beginnt eine Psychotherapie. Jahre sp\u00e4ter lernt er Tina kennen, schw\u00e4ngert und verl\u00e4\u00dft sie. Nachdem Helge zwei Frauen brutal ermordet hat, wird er von Frau Gott zwanzig Jahre festgesetzt &#8211; Zeitsprung. Als alter Mann im Krankenbett liegend, wird ihm von einer Krankenschwester sein Alter und Siechtum vor Augen gef\u00fchrt. Schlie\u00dflich stirbt auch Helges Angst, und er bleibt allein zur\u00fcck.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nLaute Sirenen und die Lautsprecherdurchsage <em>Achtung, Achtung, infolge einer technischen St\u00f6rung mu\u00df das Geb\u00e4ude unverz\u00fcglich ger\u00e4umt werden<\/em> schien als \u00e4u\u00dferst ungew\u00f6hnlicher Opernbeginn, entpuppte sich aber als ernstgemeinte Aufforderung aufgrund eines defekten Rauchmelders. Nach dieser Verz\u00f6gerung \u00f6ffnet sich der Vorhang und Helga und Helmut treten in hautfarbenen Adams- und Eva-Kost\u00fcmen auf die in rotem Licht geh\u00fcllte B\u00fchne Sie ist mit rotbraunem Sand ausgelegt und zeigt im Hintergrund eine sandbelegte Anh\u00f6hung. Frau Tod und Frau Gott bringen eine T\u00fcr auf die B\u00fchne, hinter der die angedeutete Zeugung Helges unsichtbar fortgesetzt wird.<br \/>\nDie weitere Handlung vollzieht sich auf parallel laufenden Ebenen: Tapir, Reh und Schnapphamster, mit Sprechstimmen besetzt, nehmen die Beobachterposition ein, k\u00f6nnen aber aktiv in die Handlung eingreifen. Sie bewirken eine Werbepause, das Vorspulen der Handlung oder raten Helge zu einem Gespr\u00e4ch mit seinem Vater. Frau Gott und Frau Tod f\u00fcllen die Zeitellipsen, die Helges Lebensabschnitte komprimieren, mit gesanglichen Zusammenfassungen. Die Angst von Tina und Helge ist personifiziert und sucht diese in ihren Handeln zu lenken. Die Szenen, in denen Helge seinen Vater sowie zwei Frauen ermordet, werden in der Inszenierung ausgedehnt dargestellt.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDas Orchester steht unter der Leitung von <strong>Carolin Nordmeyer<\/strong> und <strong>Witolf Werner<\/strong>, zwei Dirigenten, die, wie die Komponisten, Regisseure und Dramaturgen dieser Oper, Stipendiaten der <em>Akademie Musiktheater heute<\/em> (Deutsche Bank Stiftung) sind. Die instrumentale Zuordnung zu den handelnden Personen ist konsequent beibehalten: die Bl\u00e4ser den \u00c4ngsten (Helges Angst \u00fcberwiegend von der Solo-Posaune und anschwellenden Akkorden) und Tinas Angst von den Holzbl\u00e4sern. Frau Tod wird von einem B\u00fchnenmusiker am Cembalo unterst\u00fctzt, Frau Gott durch pr\u00e4gnante Dur-Akkorde einer Orgel. Helge und Tina sind meist vom Streicherklang begleitet. An manchen Stellen ist der Orchesterapparat deutlich zu lautstark. Unter den Vokalisten singt<strong> Diana Amos<\/strong> (Frau Tod) wahrhaft exzellent. Der Bariton <strong>Hubert Wild<\/strong> (Helge) hat ein breites Stimmenspektrum und bringt dieses mit Volumen und Ausdruckskraft vor. Der Handlungsverlauf, der sich \u00fcberwiegend in schlichte, instrumental begleitete Rezitative und unbegleitete Sprechszenen vollzieht,  l\u00e4\u00dft die gesanglichen Leistungen der \u00fcbrigen Vokalisten im Hintergrund.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nViele Leute gingen mit einem Schmunzeln in die Pause und so manche Pl\u00e4tze blieben nach der Pause unbesetzt. Die brutalen Mordszenen und der sexistisch herbe Jargon, wie beispielsweise die h\u00e4ufige Verwendung des Wortes<em> Ficken<\/em> oder <em>schnappende M\u00f6sen<\/em>  positionieren das Werk in eine sehr gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftige Musiktheaterrichtung. Das Libretto ist im Programmheft nicht abgedruckt, so da\u00df eine entsprechende Vorbereitung auf diesen Jargon fehlt. Diese Oper zeigt aus der Zukunftsperspektive einen Blick auf einen komprimierten, knallharten und sehr einseitigen Ausschnitt unseres jetzigen Daseins.<\/p>\n<p>Britta Winkelnkemper<\/p>\n<p>Bild: Philipp Ottend\u00f6rfer<br \/>\nDad Bild zeigt von links nach rechts: Christiane Linke (Tina), Hubert Wild (Helge), Jens Krogsgaard (Helges Angst), Jan Andreesen (Tapir) und  Nicole Paul (Reh).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Mark Moebius (geb. 1973) und Karola Oberm\u00fcller (geb. 1977), Oper nach dem Theaterst\u00fcck von Sibylle Berg, Libretto: Christin Bahnert, Tobias Kratzer, J\u00f3n Philipp von Linden, Florian Lutz, Janina Moelle, Juliane Scherf, Mark Moebius und Karola Oberm\u00fcller. UA: 31. 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