{"id":6934,"date":"2016-12-07T20:31:57","date_gmt":"2016-12-07T19:31:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6934"},"modified":"2016-12-07T20:32:08","modified_gmt":"2016-12-07T19:32:08","slug":"don-giovanni-paris-theatre-des-champs-elysees","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6934","title":{"rendered":"DON GIOVANNI &#8211; Paris, Th\u00e9\u00e2tre des Champs-\u00c9lys\u00e9es"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Dramma giocoso in zwei Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte, UA: 29. Oktober 1787Prag, Gr\u00e4flich Nostizsches Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchne: St\u00e9phan Braunschweig, Kost\u00fcme: Thibault Vancraenenbroeck, Licht: Marion Hewlett,\u00a0 Dramaturgie: Anne-Fran\u00e7oise Benhamou<\/p>\n<p>Dirigent: J\u00e9r\u00e9mie Rhorer, <em>Le Cercle de l\u2019Harmonie<\/em>, Ch\u0153ur de Radio France<\/p>\n<p>Solisten: Jean-S\u00e9bastien Bou (Don Giovanni), Robert Gleadow (Leporello), Myrt\u00f2 Papatanasiu (Donna Anna), Julie Boulianne (Donna Elvira), Julien Behr (Don Ottavio), Anna Grevelius (Zerlina), Marc Scoffoni (Masetto), Steven Humes (Komtur)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. Dezember 2016 (Premiere zu Mozarts 225. Todestag)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Paris-TCE-Don-Giovanni.bmp\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6935\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Paris-TCE-Don-Giovanni.bmp\" alt=\"paris-tce-don-giovanni\" width=\"658\" height=\"410\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Komtur, Donna Annas Vater; wird im Duell von Don Giovanni get\u00f6tet. Sein Diener, Leporello, berichtet Donna Elvira von den unz\u00e4hligen Erfolgen seines Herrn bei Frauen aller St\u00e4nde. Don Giovanni macht auf einer Bauernhochzeit der Braut Zerlina den Hof und l\u00e4dt alle zu einem Fest auf sein Schlo\u00df ein. Dort versucht er; Zerlina zu verf\u00fchren. Doch Donna Elvira, Donna Anna und ihr Verlobter Don Octavio erkennen in ihm den M\u00f6rder des Komturs und klagen ihn an. Er flieht mit Leporello. Von allen verfolgt finden sie Zuflucht auf einem Friedhof. Dort wird Don Giovanni von der Steinstatue des Komturs zur Rede gestellt. Don Giovanni l\u00e4dt ihn leichtfertig zu Abendessen ein. Leporello zittert vor Angst. Donna Elvira macht einen letzten, vergeblichen Versuch, ihren ehemaligen Geliebten zu retten, als der Komtur eintritt und ihn in die H\u00f6lle verdammt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das Drama ist in die klinisch-k\u00fchle Atmosph\u00e4re eines Spitals verlegt, deren Zimmer durch eine Drehb\u00fchne in rascher Abfolge wechseln. In den kahlen W\u00e4nden sind oft Fenster oder versteckte T\u00fcren eingebaut. In fast jedem dieser Zimmer ist ein Doppelbett, das dem einen oder dem anderen zum Vergn\u00fcgen dient. Die Kost\u00fcme der Protagonisten sind meist farblose Stra\u00dfenkleider, wenn sie nicht in Unterw\u00e4sche in ein Bett hinein- oder herauskriechen. Nur Masetto, Zerlina und ihr Hochzeitszug tragen hellgraue Anz\u00fcge und wei\u00dfe T\u00fcllkleidchen. In der Ballszene am Ende des ersten Akts, erscheinen alle in Rokokokost\u00fcmen, die sich vorteilhaft vom neutralen Hintergrund abheben. Die M\u00e4nner tragen \u00fcberdies Totenkopf Masken und bekleidete Skelette schauen aus hohen Schauk\u00e4sten von der Wand herab. Die Beleuchtung ist ged\u00e4mpft, die Bilder manchmal kalt-\u00e4sthetisch.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester <\/strong><\/p>\n<p><strong>Jean-S\u00e9bastien Bou<\/strong> ist, soweit die Regie es ihm erlaubt, ein glaubhafter Don Giovanni. Sein Bariton ist sicher sowohl in den hohen wie in den tiefen Lagen. Nur fehlt ihm eine gewisse dominierende B\u00fchnenpr\u00e4senz. <strong>Robert Gleadows<\/strong> ist mit jugendlichem vollem Ba\u00dfbariton stimmlich wie schauspielerisch ein quirliger Leporello. In der dramatischen Rolle der Donna Anna ist <strong>Myr\u00f2 Papatanasius <\/strong>gewaltiger, wohlkontrollierter Sopran sehr wirksam und ihr Spiel sehr eindrucksvoll, wie in der Bravourarie <em>Non mi dir, bell\u2019idol mio<\/em> (2. Akt, 12. Szene). <strong>Julie Boulianne<\/strong> beschert uns eine, wohl durch die Regie so bestimmte, nicht lyrische, sondern sehr dramatische Donna Elvira. Ihr Vibrato ist h\u00e4ufig etwas zu dick aufgetragen. <strong>Julien Behr<\/strong> erfreut mit warmer lyrischer Klangfarbe als Don Ottavio. <strong>Anna Grevelius<\/strong> singt und spielt Zerlina mit bezaubernder Leichtigkeit, wie im z\u00e4rtlichen <em>Batti, batti, o bel Masetto <\/em>(1. Akt, 16. Szene). <strong>Marc Scoffoni<\/strong> ist der brave Masetto und <strong>Steven Humes <\/strong>stimmlich erfreulich der Komtur. Da die S\u00e4nger und S\u00e4ngerinnen gut auf einander abgestimmt sind, ergeben sich sch\u00f6ne Ensembleszenen, wie im st\u00fcrmischen Sextett im 2. Akt.<\/p>\n<p><strong>J\u00e9r\u00e9mie Rhorer<\/strong> dirigiert den <em>Cercle de l\u2019Harmonie<\/em> mit Pr\u00e4zision, aber verhalten, so da\u00df das Orchester nie die Stimmen \u00fcbert\u00f6nt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Laut eigener Aussage will St\u00e9phane Braunschweig die Geschichte des Don Giovanni aus der Sicht des Leporello erz\u00e4hlen. Dieser ist daher in jeder Szene anwesend, auch dort, wo er eigentlich nicht hingeh\u00f6rt. Eine Art von Voyeurismus, der nicht einleuchtet.<\/p>\n<p>Viel einschneidender hingegen ist die Tendenz der Regie, der Oper seine wichtigsten magischen Elemente zu entziehen,<strong> i<\/strong>ndem er alle Personen des Dramas auf ein sehr gew\u00f6hnliches Niveau herunterdr\u00fcckt. Don Giovanni wird zum banalen, sexbesessenen Lebemann. Die furchterregende Steinfigur des Komturs zum harmlosen alten Mann, der ein Spitalbett vor sich herschiebt. Leporello ein zynischer Hampelmann kurz vor dem <em>burn-out,<\/em> Donna Elvira eine hysterische Frustrierte. Allein Donna Anna entgeht als unerbittliche Racheg\u00f6ttin dieser Nivellierung ins Triviale.<\/p>\n<p>Es bleibt daher haupts\u00e4chlich der genialen Musik Mozarts und einer im gro\u00dfen und ganzen sehr sch\u00f6nen musikalischen Interpretation vorbehalten, das Unheimliche und das Magische des alten Mythos vom <em>Don Juan Tenorio <\/em>heraufzubeschw\u00f6ren.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: \u00a0Vincent Pontet, zeigt Myrt\u00f2 Papatanasiu (Donna Anna) in den Armen von Julien Behr (Don Ottavio) mit Stephen Humes (Komtur) davor liegend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Dramma giocoso in zwei Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte, UA: 29. 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