{"id":6874,"date":"2016-11-10T22:22:50","date_gmt":"2016-11-10T21:22:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6874"},"modified":"2016-11-11T18:06:58","modified_gmt":"2016-11-11T17:06:58","slug":"les-contes-dhoffmann-hoffmanns-erzaehlungen-paris-opera-bastille","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6874","title":{"rendered":"LES CONTES D\u2019HOFFMANN \u2013 HOFFMANNS ERZ\u00c4HLUNGEN &#8211; Paris, Op\u00e9ra Bastille"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jacques Offenbach (1819-1880), fantastische Oper in drei Akten mit Prolog und Epilog, Instrumentation: Ernest Guiraud, Libretto: Jules Barbier et Michel Carr\u00e9, frei nach E.T.A. Hoffmann, Goethe und Chamisso, UA.: 10. Februar 1881 Paris, Op\u00e9ra-Comique<\/p>\n<p>Regie: Robert Carson, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Michael Levine, Licht: Jean Kalman, Choreographie: Philippe Giraudeau, Dramaturgie: Ian Burton<\/p>\n<p>Dirigent: Philippe Jordan, Chor und Orchester der Op\u00e9ra National de Paris, Choreinstudierung: Jos\u00e9 Luis Basso<\/p>\n<p>Solisten: Ram\u00f3n Vargas (Hoffmann), Ermonela Jaho (Antonia), Nadine Kutcher (Olympia), Kate Aldrich (Giulietta), Stephanie d\u2019Oustrac (La Muse, Nicklausse), Doris Soffel (Die Mutter von Antonia), Rodolphe Briand (Spalanzini), Cyrille Lovighi (Nathana\u00ebl), Paul Gay (Luther, Crespel), Yann Beuron (Andr\u00e9s\/Cochenille\/Pitichinaccio\/Franz), Roberto Tagliavini (Lindorf\/Copp\u00e9lius\/Dapertutto\/Miracle), Laurent Daberdesque (Herrmann), Fran\u00e7ois Lis (Schlemil)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. November 2016<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Paris-Hoffmanserz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6877 alignright\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Paris-Hoffmanserz.jpg\" alt=\"Du lundi 31 octobre 2016 au dimanche 27 novembre 2016\" width=\"605\" height=\"422\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Paris-Hoffmanserz.jpg 605w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Paris-Hoffmanserz-300x209.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Die Oper <em>Hoffmanns<\/em> <em>Erz\u00e4hlungen<\/em> ist Offenbachs letztes Werk und sein letzter, ehrgeiziger Versuch, nicht nur leichte Operettenmusik, sondern auch eine gro\u00dfe Oper zu schreiben. Er hat dieses Werk nicht mehr ganz vollendet. Die Instrumentierung der Orchesterpartitur stammt nicht von ihm, und er hat die Auff\u00fchrung und den Erfolg seines Werkes nicht mehr erlebt.<\/p>\n<p>Die drei Geschichten sollen die drei Lieben im Leben eines Mannes symbolisieren: die jugendlich-blinde Leidenschaft, die tiefe Liebe des Erwachsenen, und schlie\u00dflich die k\u00e4ufliche Liebe. Dies Thema ist bereichert durch eine Reihe fantastischer Gedanken, die zumeist der deutschen, romantischen Literatur entnommen sind. Es ist wahr, Offenbachs Traum von der gro\u00dfen Oper ist zweifellos im zweiten Akt Wirklichkeit geworden, doch ist es auch wahr, da\u00df andere Teile der Oper nicht ein Bruch mit der Operettenkultur bedeuten, sondern vielleicht ihre Fortsetzung auf einer anderen Ebene.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Muse in Gestalt des Nicklausse versucht, den Dichter Hoffmann vor sich selbst und seinen Liebschaften zu sch\u00fctzen. Denn die Operns\u00e4ngerin Stella hat ein Briefchen an Hoffmann, ihren Verehrer, geschickt, der in Luthers Weinbar auf sie und auf das Ende der Opernauff\u00fchrung wartet. Doch der reiche Lindorf, der auch um die sch\u00f6ne Stella wirbt, f\u00e4ngt den Brief ab. Hoffmann trinkt viel und sieht nicht die Manipulationen um ihn herum. Als man ihn auffordert ein Lied zu singen, erz\u00e4hlt er die Geschichte seiner drei Leidenschaften:<\/p>\n<p>Der Professor Spalanzani hofft durch die Karriere seiner Kreatur, der S\u00e4ngerin-T\u00e4nzerin <u>Olympia<\/u>, das Verm\u00f6gen wieder zu verdienen, das er beim Bankrott seiner Bank verloren hat. Hoffmann hat sich in die junge Olympia verliebt. Copp\u00e9lius, der bei der \u201eSch\u00f6pfung\u201c mitgewirkt hat, will nun auch seinen Anteil. Spalanzani stellt ihm einen ungedeckten Scheck aus. Inzwischen erkl\u00e4rt Hoffmann Olympia seine Liebe und tanzt mit ihr. Als Copp\u00e9lius Spalazanis Schwindel bemerkt, r\u00e4cht er sich, indem er Olympia zerschl\u00e4gt \u2013 sie war nur eine mechanische Gliederpuppe.<\/p>\n<p>M\u00fcnchen. <u>Antonia<\/u>, ehemals eine gro\u00dfe S\u00e4ngerin<u>,<\/u> hat aus Gesundheitsgr\u00fcnden strenges Verbot zu singen. Auch verbietet ihr Vater, da\u00df sie ihren Verehrer Hoffmann sieht. Doch vergebens, denn in dessen Abwesenheit, kommt Hoffmann, und sie machen Musik bis der Vater zur\u00fcckkommt. In seinem Versteck erf\u00e4hrt Hoffmann von Antonias Krankheit und wird Zeuge des Auftretens des satanischen Doktor Miracle, der den Geist ihrer Mutter heraufbeschw\u00f6rt, die sie auch ermuntert. Antonia kann nicht widerstehen, steigt auf die B\u00fchne, singt und stirbt.<\/p>\n<p>Venedig. Nach diesen ungl\u00fccklichen Liebschaften f\u00fchrt Hoffmann ein zynisches, ausschweifendes Leben im Kreise der Kurtisane <u>Giulietta.<\/u> Deren teuflischer Besch\u00fctzer Dapertutto verlangt von ihr, ihm das Spiegelbild Hoffmann zu beschaffen. Schlemil, ein anderer Verehrer Giuliettas, dem sie schon seinen Schatten abgenommen hat, fordert Hoffmann zum Duell heraus und wird get\u00f6tet. Bei einem Stelldichein mit der Kurtisane \u00fcbergibt Hoffmann ihr sein Spiegelbild, worauf sie ihn auslacht und stehen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Die G\u00e4ste im Weinlokal haben diesen Erz\u00e4hlungen gebannt zugeh\u00f6rt. Hoffmann ist nun zu betrunken, um Stella noch zu erkennen, als sie von der Menge gefeiert aus der Oper her\u00fcberkommt. Sie geht mit Lindorf weg. Die Muse tr\u00f6stet den Dichter.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Der Chor tr\u00e4gt Stra\u00dfenkleider, wenn er nicht zum Tanz in bunte volkst\u00fcmliche Tracht gekleidet ist. Das B\u00fchnenbild im Prolog ist erst leer, dann \u201ezieht\u201c die prachtvolle Opernszene von \u201enebenan\u201c vorbei, und macht Platz f\u00fcr eine lange Weinbar-Theke.<\/p>\n<p>Der erste Akt spielt in einem verstaubten Laboratorium mit lauter skurrilen Gestalten, in dem die erotisch-lebhafte Gliederpuppe Olympia mit wei\u00dfem T\u00fcllkleid und Glitzerkette zum Leben erweckt wird. Der ganze Akt ist eine von der Regie gewollte vergn\u00fcgliche Slapstick Kom\u00f6die.<\/p>\n<p>Im zweiten Akt blickt man auf einen Orchestergraben mit der dar\u00fcber gelegenen Opernb\u00fchne. Antonia ist sehr unscheinbar gekleidet, die Mutter erscheint auf der B\u00fchne wie ein Gespenst aus Polanskis <em>Tanz der Vampire<\/em>, der teuflische Dr. Miracle im Frack.<\/p>\n<p>Im Venedig des dritten Akts nehmen die Darsteller statt in Gondeln in den Sesseln eines Opernpublikumssaal platz, dessen Reihen sich gegeneinander hin und her bewegen. Die Kurtisane Giulietta in langem wei\u00dfen, gro\u00dfz\u00fcgig dekolletiertem Abendkleid mit blonder Pin-up Frisur. Im Epilog befinden wir uns wieder in der Weinbar mit ihrem lautem Publikum.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester <\/strong><\/p>\n<p>Von den drei Liebschaften des Dichters singt und spielt <strong>Ermonela Jaho<\/strong> souver\u00e4n die tragische Rolle der Antonia und gibt dem zweiten Akt die Dimension einer <em>Grand Op\u00e9ra<\/em>. Ihre hohe musikalische Kunst ist offensichtlich das Ergebnis langer, andauernder Arbeit und eines ausgepr\u00e4gten Klanginstinkts. Sehr eindrucksvoll und bewegend in der Auftrittsarie im zweiten Akts <em>Elle a fui, la tourterelle<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Nadine Koutchers<\/strong> Olympia bew\u00e4ltigt ihre komische Rolle mit Virtuosit\u00e4t, wenn auch mit einer f\u00fcr eine kalte Gliederpuppe fast zu vollen, menschlich-sinnlichen Stimme.<\/p>\n<p>Die dritte Liebschaft ist <strong>Kate Aldrich<\/strong> als k\u00fchle Kurtisane Giulietta. Den treuen Begleiter Nicklausse singt und spielt lebendig <strong>Stephanie d\u2019Oustrac<\/strong> mit leichter beweglicher Mezzo-Sopranstimme. Sehr sch\u00f6n in der lyrischen Arie <em>Non, c\u2019est une artiste<\/em> ( 2. Akt, 6. Szene).<\/p>\n<p>Den ewig betrunkenen Hoffmann verk\u00f6rpert <strong>Ram\u00f3n Vargas<\/strong> mit wohl timbriertem Tenor und mit viel Temperament, wie gleich am Anfang der Oper im Lied <em>Va pour Kleinzach!<\/em> (Prolog, 5. Szene).<\/p>\n<p>Das ewig d\u00e4monische Element in jedem Akt ist der auch in den tiefen Lagen sch\u00f6n timbrierte volle Ba\u00df Roberto Tagliavini.\u00a0 Die Nebenrollen f\u00fcgen sich harmonisch in dieses ausgezeichnete Ensemble ein. Ein besonderer Beifall gilt <strong>Jos\u00e9 Luis Basso<\/strong> und dem allgegenw\u00e4rtigen <strong>Chor<\/strong>. <strong>Philippe Jordan<\/strong> dirigiert Solisten, Chor und Orchester schwung- und kraftvoll durch diese an Melodienreichtum \u00fcbersprudelnde Oper.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Selbst wenn die urspr\u00fcnglich vorgesehenen Jonas Kaufmann (Hoffmann) und Sabine Devieilhe (Olympia) ihre Rollen aus guten Gr\u00fcnden haben abgeben m\u00fcssen, war es musikalisch eine ausgezeichnete Auff\u00fchrung. Und Robert Carson und sein Team haben uns eine zeitgem\u00e4\u00dfe, aber visuell sehr erfreuliche, und teilweise sehr komische Inszenierung von Offenbachs fantastischer Oper vorgestellt. Die Regie spr\u00fcht vor Einf\u00e4llen und sowohl B\u00fchnenbild wie Kost\u00fcme sind auf die Komik oder auf die Tragik des Geschehens abgestimmt. Die Beleuchtung ist gut und die Choreographie sehr gut.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Julien Benhamou<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: St\u00e9phanie d&#8217;Oustrac (Nicolausse),\u00a0Ram\u00f3n Vargas (Hoffmann) mit Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jacques Offenbach (1819-1880), fantastische Oper in drei Akten mit Prolog und Epilog, Instrumentation: Ernest Guiraud, Libretto: Jules Barbier et Michel Carr\u00e9, frei nach E.T.A. Hoffmann, Goethe und Chamisso, UA.: 10. 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