{"id":6866,"date":"2016-11-07T09:23:31","date_gmt":"2016-11-07T08:23:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6866"},"modified":"2016-11-07T09:29:16","modified_gmt":"2016-11-07T08:29:16","slug":"herzog-blaubarts-burg-senza-sangue-hamburg-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6866","title":{"rendered":"HERZOG BLAUBARTS BURG,  SENZA SANGUE  &#8211; Hamburg Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von B\u00e9la Bart\u00f3k (1881-1945), Oper in einem Akt, Librettto: B\u00e9la Bal\u00e1zs, UA: 24. Mai 1918, Budapest, K\u00f6nigliches Opernhaus<\/p>\n<p><strong><em>Senza sangue<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von P\u00e9ter E\u00f6tv\u00f6s (geb. 1944), Oper in einem Akt, Librettto: Mari Mezei, UA: 1.Mai\u00a0 2015 K\u00f6ln, Philharmonie<\/p>\n<p>Regie: Dmitri Tcherniakov, B\u00fchne: Dmitri Tcherniakov, Kost\u00fcme: Elena Zaytseva, Licht: Gleb Filshtinsky, Dramaturgie: Johannes Blum<\/p>\n<p>Dirigent: P\u00e9ter E\u00f6tv\u00f6s, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg<\/p>\n<p>Solisten: Angela Denoke (La donna), Sergei Leiferkus (L&#8217;uomo), B\u00e1lint Szab\u00f3 (Herzog Blaubart), Claudia Mahnke (Judith),<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 6. November 2016 (Premiere, in italienischer und ungarischer Sprache)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p><strong><em><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Hamburg-senza_sangue_102.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6868\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Hamburg-senza_sangue_102.jpg\" alt=\"hamburg-senza_sangue_102\" width=\"591\" height=\"394\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Hamburg-senza_sangue_102.jpg 591w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Hamburg-senza_sangue_102-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 591px) 100vw, 591px\" \/><\/a>Senza sangue<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Drei Soldaten erschie\u00dfen aus Rache einen Milit\u00e4rarzt und seinen Sohn. Ein Soldat sieht seine kleine Tochter im Keller, aber verschont sie und sagt den anderen nichts. Als der Soldat ein alter Mann geworden ist, trifft er auf eine Frau, in der er das M\u00e4dchen erkennt. Sie unterhalten sich \u00fcber ihre Leben. Die Frau verzichtet am Ende auf Rache und geht mit dem Mann in ein Hotel.<\/p>\n<p><strong><em>Blaubart<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Judith l\u00e4\u00dft alles hinter sich, um mit Blaubart auf seine Burg zu gehen. Sie \u00fcberredet ihn, alle T\u00fcren der Burg zu \u00f6ffnen, hinter der sich Blaubarts Geheimnisse verbergen. Am Ende entdeckt sie seine vier fr\u00fcheren Frauen, die den Tageszeiten entsprechen. Als Frau der Nacht schlie\u00dft sich Judith ihnen letztendlich an.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Beide Einakter gehen bruchlos ineinander \u00fcber, es gibt also keine Pause. Auch sind die jeweiligen Figurenpaare \u00e4hnlich gekleidet und frisiert. Am Ende des Abends werden durch das visuelle Motiv des Erkennens beide Opern verklammert. In beiden Opern bleibt das B\u00fchnenbild jeweils gleich: ist es in <em>Senza Sangue<\/em> ein in traumhaftes Licht getauchter Platz mit einigen Komparsen, einer Ampel und einem Cafe, ist es in <a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Hamburg-blaubart_189.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6869\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Hamburg-blaubart_189.jpg\" alt=\"hamburg-blaubart_189\" width=\"572\" height=\"375\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Hamburg-blaubart_189.jpg 572w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Hamburg-blaubart_189-300x197.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 572px) 100vw, 572px\" \/><\/a><em>Herzog Blaubarts Burg<\/em> ein das B\u00fchnenbild verkleinernendes zeitloses Hotelzimmer. Die sieben R\u00e4ume von Blaubarts Burg werden komplett psychologisch gedeutet und auf der B\u00fchne daher nicht dargestellt. Die gesamte Handlung konzentriert sich nur auf Judith und Blaubart. Erst gegen Ende wird auf die W\u00e4nde des Hotelzimmers eine Art Seelenlandschaft projiziert. Hat die Figurenf\u00fchrung im <em>Blaubart<\/em> etwas von einem Kammerspiel, bewegen sich die Personen in <em>Senza Sangu<\/em>e wie in Zeitlupe, wodurch das gesamte Geschehen etwas Unwirkliches bekommt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das <em>Philharmonische Staatsorchester Hamburg<\/em> pr\u00e4sentiert sich unter dem dirigierenden Komponisten <em>P\u00e9ter E\u00f6tv\u00f6s<\/em> an diesem Abend in erstklassiger Verfassung. Die Handschrift des Ungarn ist in beiden Werken klar zu erkennen. Musikalische Motive wie der Tr\u00e4nensee aus Harfe, Pauke und Bl\u00e4sern in <em>Blaubart<\/em> erzeugen in ihrer Plastizit\u00e4t G\u00e4nsehaut. Auch wird Bart\u00f3ks moderner Stil sprechend getroffen. Auch beim eigenen, gem\u00e4\u00dfigt modernen und gut zug\u00e4nglichen Stil von E\u00f6tv\u00f6s erlaubt man sich keine Ausrutscher. Dynamisch flexibel und vor allem in den Blechbl\u00e4sern treffsicher erklingt aus dem Orchestergraben Beeindruckendes.<\/p>\n<p>Trotz mittlerweile hohen Alters \u2013 sein L&#8217;uomo ist mit 72 Jahren nur zwei Jahre \u00e4lter als er selbst \u2013 ist <strong>Sergei Leiferkus<\/strong> stimmlich noch h\u00f6chst pr\u00e4sent. In der Diktion ist er eine Spur sprechender als <strong>Angela Denoke<\/strong>, doch beide verk\u00f6rpern ihre Rollen mit der traumwandlerischen Distanz eines Traumas, das sie in einem fr\u00fcheren Leben pr\u00e4gte. Gestalterisch subtil zeigt Denoke, wie es unter der Oberfl\u00e4che ihrer Figur brodelt.<\/p>\n<p><strong>B\u00e1lint Szabo\u00e1<\/strong> und <strong>Claudia Mahnke<\/strong> d\u00fcrfen im <em>Blaubart<\/em> dann extrovertierter gestalten, weil sich hier alles offen um Emotionen und den psychischen Konflikt dreht. Mahnke und Szabo\u00e1 wirken darstellerisch wie stimmlich noch pr\u00e4senter und farbenreich, was aber der Stimmung des St\u00fcckes geschuldet sein mag. Besonders bei Mahnke beeindruckt zudem die Souver\u00e4nit\u00e4t, mit der sie als Nichtmuttersprachlerin den ungarischen Text bew\u00e4ltigt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es ist ein Abend mit schwerer Kost, der sich aber in jeder Hinsicht definitiv lohnt. Keine Buhs aus dem Publikum, auch nicht f\u00fcr das Regieteam, das eine saubere Arbeit ablieferte. Besonders viel Applaus gab es zurecht f\u00fcr das Orchester unter E\u00f6tv\u00f6s, das geradezu Musterg\u00fcltiges zustande brachte.<\/p>\n<p>Dr. Aron Sayed<\/p>\n<p>Bilder: Monika Rittershaus<\/p>\n<p>Die Bilder zeigen<em>: Senza sangue<\/em>: Angela Denoke (La donna), Sergei Leiferkus (L&#8217;uomo), Kompaserie<\/p>\n<p><em>Blaubart<\/em>: Claudia Mahnke (Judith), B\u00e1lint Szab\u00f3 (Herzog Blaubart)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von B\u00e9la Bart\u00f3k (1881-1945), Oper in einem Akt, Librettto: B\u00e9la Bal\u00e1zs, UA: 24. 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