{"id":6856,"date":"2016-10-24T15:17:08","date_gmt":"2016-10-24T14:17:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6856"},"modified":"2016-10-27T15:25:41","modified_gmt":"2016-10-27T14:25:41","slug":"turandot-leipzig-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6856","title":{"rendered":"TURANDOT &#8211; Leipzig, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Drama lirico in 3 Akten, Libretto: Giuseppe Adam und Renato Simoni<\/p>\n<p>UA: 25. April 1926 Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie: Bal\u00e1zs Kovalik, B\u00fchne: Heike Scheele, Kost\u00fcme: Sebastian Ellrich<\/p>\n<p>Dirigent: Matthias Foremny, Gewandhausorchester Leipzig, Chor der Oper Leipzig, Choreinstudierung: Alessandro Zuppardo<\/p>\n<p>Solisten: Jennifer Wilson (Turandot), Olena Tokar (Li\u00f9), Leonardo Caimi (Der unbekannte Prinz Calaf), Martin Petzold (Kaiser Altoum), Randall Jakobsh (Der entthronte Tartarenk\u00f6nig Timur), Jonathan Michie (Ping), Keith Boldt (Pang), Sergei Pisarev (Pong), Sejong Chang (Ein Mandarin)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung:\u00a0 22. Oktober 2016 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Leipzig-Turandot.bmp\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-6859\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Leipzig-Turandot.bmp\" alt=\"leipzig-turandot\" width=\"601\" height=\"531\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Das persische M\u00e4rchen erz\u00e4hlt von Prinzessin Turandot, die aus Rache an ihrer einst mi\u00dfhandelten Ahnfrau Lo-uling, jeden Brautwerber k\u00f6pfen l\u00e4\u00dft, der ihr R\u00e4tsel nicht l\u00f6sen kann. Das Volk ist Zeuge der Hinrichtung des Prinzen von Persien. Unter ihnen der entthronte Tartarenk\u00f6nig Timur mit der Sklavin Li\u00f9 und Kalaf, der in Timur seinen Vater wieder erkennt. Als Turandot erscheint, beschlie\u00dft Kalaf, der n\u00e4chste Werber zu sein. Er l\u00f6st ihr R\u00e4tsel, l\u00e4\u00dft der entsetzten Turandot jedoch einen Ausweg: wenn sie bis Sonnenuntergang seinen Namen herausfindet, darf sie \u00fcber sein Leben bestimmen. Niemand schl\u00e4ft in dieser Nacht. Li\u00f9 w\u00e4hlt den Freitod, bevor sie ihre Liebe verr\u00e4t. Ein n\u00e4chtlicher Ku\u00df zwischen Kalaf und Turandot ver\u00e4ndert alles, und am Morgen verk\u00fcndet sie seinen Namen: <em>Amore<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>B\u00fchnenbild aller drei Akte ist eine k\u00fchle, monumentale Wabenarchitektur. Durch die B\u00fchnenmitte verl\u00e4uft eine Rampe, auf der die Protagonisten und Milit\u00e4rs patrouillieren. Sie endet in einer riesigen Turbine, die Menschen verschlingt. Das Volk ist anonyme Masse in schwarzen Overalls, mit Sonnenbrillen und tief ins Gesicht gezogenen Kapuzen. Als der Prinz von Persien, in diesem Fall ein Kind, zum Schafott gef\u00fchrt wird, legt das betroffene Volk seine Kleider ab. Turandot erscheint martialisch, im ledernen Milit\u00e4rmantel, der Vater und Li\u00f9 in gr\u00fcner Folklore, Kalif strahlt in wei\u00df. Einzige Reminiszenz an das alte China: die Minister Ping, Pang und Pong philosophieren \u00fcber Geschichte und Ursprung ihres Reiches im Badehaus unter roten Lampions.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Viel von dem Erfolg dieser Produktion ist den imposanten Chorszenen dieser Oper und einem beeindruckenden Orchesterspiel zu verdanken. Das Gewandhausorchester brachte unter der Leitung von <strong>Matthias Foremny<\/strong> das exotische Flair der Partitur mit chinesischer Originalmusik, pentatonischen und polyrhythmische Kl\u00e4ngen gl\u00e4nzend und sehr transparent auf die B\u00fchne. Dramatische Ballungen wie die R\u00e4tselszene spielte es kraftvoll und mitrei\u00dfend.<\/p>\n<p>Insgesamt wurden die S\u00e4ngersolisten den Anforderungen an ihre Partie gerecht. Weniger kraftvoll als strahlend in der Stimme \u00fcberzeugte <strong>Leonardo Carmi<\/strong> in der Rolle des Tenorhelden Calaf. Carmi verk\u00f6rperte den unbekannten Prinzen agil und anmutig. Expressiv und mit Seelenausdruck sang er zwei der sch\u00f6nsten Arien Puccinis <em>Non piangere, Liu \u2013 Weine nicht, Liu<\/em> (1. Akt) und <em>Nessun dorma! \u2013 Keiner schlafe!<\/em> (3. Akt). Auch <strong>Olena Tokar<\/strong> war eine gute Wahl f\u00fcr die lyrische Rolle der liebenden Sklavin Li\u00f9. Ihre Sterbearie <em>Tu, che di gel sei cint \u2013 Du, die du von Eis umg\u00fcrtet<\/em> (3. Akt) sang sie mit anr\u00fchrender Innigkeit und ungeheurer B\u00fchnenpr\u00e4senz.<\/p>\n<p>Mit forcierter und kraftvoller Stimme wurde <strong>Jennifer Wilson<\/strong> der heiklen Partie der Turandot in Umfang, Tonspr\u00fcngen und Spitzent\u00f6nen gerecht, ohne sie mit wirklicher Brillanz auszuf\u00fchren. Zu wenig Kontur gewann die Eisprinzessin in ihrer distanzierten Darstellung. In den fein gezeichneten, parodistischen Szenen \u00fcberzeugten <strong>Jonathan Michie<\/strong> (Ping), <strong>Keith Boldt<\/strong> (Pang) und <strong>Sergei Pisarev<\/strong> (Pong) als homogenes Trio der Minister. K\u00f6nig und Kaiser mit <strong>Randall Jakobsh<\/strong> und <strong>Martin Petzold<\/strong> f\u00fcllten ihre Rollen gesanglich wie darstellerisch mit wenig Leben. Dem athletischen Jakobsh nahm man den alten, entthronten Tartarenk\u00f6nig nicht ab. G\u00e4nzlich unber\u00fchrt schien er vom Wiedersehen mit dem Sohn und dem Tode Li\u00f9s. Da war zu viel Statik und Gesang an der Rampe. F\u00fcr die wirklich gro\u00dfen musikalischen Momente sorgte neben dem <strong>Orchesterspiel<\/strong> der <strong>Chor<\/strong> und <strong>Kinderchor<\/strong> (Sophie Bauer) der Oper Leipzig. Die Choreographie war ebenso beeindruckend wie die konzentrierte Stimmgewalt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Puccinis letzte Oper ist f\u00fcr die gro\u00dfen Theater der Welt geschrieben. Sie erfordert einen gewaltigen Orchesterapparat und einen gro\u00dfen Chor. Und sie hat einen wunden Punkt. Durch den vorzeitigen Tod Puccinis ist sein letztes Werk Fragment geblieben, das mit dem Freitod Li\u00f9s endet. Das Finale der Oper wurde von Franco<\/p>\n<p>Alfano geschrieben \u2013 mit einem alles ver\u00e4ndernden Ku\u00df und abschlie\u00dfenden Liebesduett.<\/p>\n<p>Inzwischen gibt es eine zweite Fassung von Luciano Berio ohne <em>lieto fine, <\/em>mit einem musikalischen Fragezeichen am Ende<em>.<\/em> Die Urauff\u00fchrung unter Toscanini endete 1924 nach Li\u00f9s Todesmusik. Die Leipziger Inszenierung w\u00e4hlte das Finale Alfanos mit pl\u00f6tzlichem Sinneswandel Turandots, aber dann doch keinem happy end, weil Calaf in der Menge verschwindet. Dem Publikum hat es gefallen.<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: Tom Schulze<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Der unbekannte Prinz, Calaf (Leonardo Caimi), Kaiser Altoum (Martin Petzold), Chor, Komparsen der Oper Leipzig<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Drama lirico in 3 Akten, Libretto: Giuseppe Adam und Renato Simoni UA: 25. 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