{"id":6851,"date":"2016-10-26T19:43:40","date_gmt":"2016-10-26T18:43:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6851"},"modified":"2016-10-26T19:43:40","modified_gmt":"2016-10-26T18:43:40","slug":"die-dreigroschenoper-paris-theatre-des-champs-elysees","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6851","title":{"rendered":"DIE DREIGROSCHENOPER &#8211; Paris, Th\u00e9\u00e2tre des Champs-\u00c9lys\u00e9es"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Kurt Weill (1900-1950), St\u00fcck mit Musik in einem Vorspiel und 8 Bildern, Libretto: Bertold Brecht nach <em>The Beggar\u2019s Opera<\/em> von John Gay. UA: 31. August 1928 Berlin, Theater am Schiffbauerdamm<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchne\/Licht: Robert Wilson, Kost\u00fcme: Jacques Reynaud, Dramaturgie: Jutta Ferbers, Anika B\u00e1rdos, Licht: Andreas Fuchs, Ulrich Eh<\/p>\n<p>Dirigent: Hans-J\u00f6rn Brandenburg, Stefan Rager, Das Dreigroschenoper Orchester<\/p>\n<p>Solisten: J\u00fcrgen Holtz (J.J. Peachum), Traute Hoess (Celia Peachum), Johanna Griebel (Polly Peachum), Christopher Nell (Macheath, genannt Mackie Messer), Axel Werner (Tiger Brown), Angela Winkler (Jenny), Friederike N\u00f6lting (Lucy) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 25. Oktober 2016 (Premiere, Produktion: Berliner Ensembles, pr\u00e4sentiert vom Th\u00e9\u00e2tre de la Ville, Paris)<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Paris-TCE-Groschenoper.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6853 alignright\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Paris-TCE-Groschenoper.jpg\" alt=\"DIE DREIGROSCHENOPER\" width=\"626\" height=\"424\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Paris-TCE-Groschenoper.jpg 626w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Paris-TCE-Groschenoper-300x203.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 626px) 100vw, 626px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Das Th\u00e9\u00e2tre des Champs-\u00c9lys\u00e9es war wohl pr\u00e4destiniert, das Gastspiel des Berliner Ensembles vom Theater am Schiffbauerdamm zu empfangen, hat dieses Pariser Haus doch seine eigene Brecht-Weil Tradition. Als n\u00e4mlich f\u00fcnf Jahre nach der Urauff\u00fchrung der <em>Dreigroschenoper <\/em>in Berlin, die ein Welterfolg wurde, Kurt Weil, der damals schon im Exil in Paris lebte, Brecht ein letztes Mal zu einer Zusammenarbeit aufforderte, nahm dieser an, obwohl er inzwischen eigentlich mit Weil zerstritten war. Und so kam das satirische Ballet mit Gesang <em>Die sieben Tods\u00fcnden der Kleinb\u00fcrger<\/em> (Choreographie: George Balanchine, Hauptrollen: Lotte Lenya und Tilly Losch) am 7. Juni 1933 im Th\u00e9\u00e2tre des Champs-\u00c9lys\u00e9es in Paris zur Urauff\u00fchrung.<\/p>\n<p>Was den Welterfolg der <em>Dreigroschenoper<\/em> anbelangt, schreibt Arnold Feil, da\u00df er weitgehend auf einem Mi\u00dfverst\u00e4ndnis beruhe, <em>auf der k\u00fchl und sicher voraus kalkulierten Wirkung der Antib\u00fcrgerlichkeit und zugleich auf dem Mi\u00dfverst\u00e4ndnis des Publikums, das deren Entschiedenheit und Ernsthaftigkeit nicht zur Kenntnis nimmt, nicht zur Kenntnis nehmen will. Trotz der revolution\u00e4ren Gesellschaftstheorie, die hinter dem St\u00fcck steht, ger\u00e4t es wegen seiner gewitzten Fabel, seiner eher zweideutigen als stechenden Sch\u00e4rfe und nicht zuletzt wegen der raffinierten und z\u00fcndeten Musik immer wieder in die N\u00e4he des Musicals und das Musical ist schlechthin \u201ekulinarisches Theater\u201c, <\/em>eine Theaterform, die Brecht bekanntlich ablehnte.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Bettelk\u00f6nig Peachum und seine Frau klagen, da\u00df ihre Tochter Polly die Nacht mit dem Gangsterchef Mackie Messer verbracht hat. W\u00e4hrend dessen halten Mackie und Polly Hochzeit in einem Pferdestall. Mackies alter Freund, der Polizeichef Tiger Brown, wohnt der Hochzeit bei. Als die Peachums das erfahren, wollen sie Mackie der Polizei ausliefern. Polly warnt ihren Mann, der in ein Bordell flieht. Jenny, eine der Huren und Ex-Geliebte Mackies, von den Peachums bestochen, verr\u00e4t ihn. Er wird verhaftet. Doch Lucy, auch eine Ex-Geliebte Mackies und Tochter des Polizeichefs Brown, verhilft ihm zur Flucht. Peachum droht nun Brown, mit seinen Bettlern die k\u00f6nigliche Kr\u00f6nung zu st\u00f6ren, wenn Mackie nicht gefangen wird. Mackie hat wieder bei den Huren Unterschlupf gefunden, die ihn wieder verraten. Diesmal soll er geh\u00e4ngt werden. Bevor die Hinrichtung jedoch vollzogen werden kann, verk\u00fcndet ein k\u00f6niglicher Bote, da\u00df Mackie nicht nur begnadigt, sondern auch geadelt worden ist.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die sonst leere B\u00fchne ist mit geometrischen, beweglichen Gestellen ausgestattet, die mal leuchten und dann wieder schwarze Silhouetten gegen einen hellen Hintergrund sind. Ein \u00e4sthetisches Spiel von Hell und Dunkel, Schwarz und Wei\u00df. Wie ein Scherenschnitt wirkt die Bordellszene. Alle Kost\u00fcme sind schwarz, mit Ausnahme des wei\u00dfen Kleids der Polly in der Hochzeitsszene. Alle Gesichter sind wei\u00df geschminkt. Kost\u00fcme und Frisuren sind vage an Biedermeier-Vorbilder angelehnt. Die Regie stimmt Musik und andere T\u00f6ne genauestens auf die Gestik der Darstellenden ab, so da\u00df sie in parodierenden Stelz- und Trippelschritten, fast wie mechanische Gliederpuppen, die B\u00fchne bev\u00f6lkern. Eine Schau, die man auch als eine moderne Abart des deutschen Expressionismus betrachten k\u00f6nnte. Die Diktion ist ausgezeichnet.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das St\u00fcck ist weitgehend gesprochener Text, der von Gesang unterbrochen wird. So bestimmten die Autoren auch, da\u00df nicht S\u00e4nger die Ausf\u00fchrenden sein m\u00fc\u00dften, sondern Schauspieler mit Gesangsf\u00e4higkeiten. Eine Vorgabe, die nicht immer einfach zu erf\u00fcllen ist, die das Berliner Ensemble jedoch sehr gut getroffen hat. <strong>Christopher Nell<\/strong> ist mit r\u00f6tlich-blonden Haaren und leicht glitzerndem Anzug ein f\u00fcr einen Ganoven sehr geschmeidig-anmutiger Mackie, aber temperamentvoll im Kanonensong (\u00fcbrigens nach Rudyard Kipling) im Duett mit <strong>Axel Werne<\/strong>r, seinem ehemaligen Kumpan der Indienarmee und jetzt Polizeichef Tiger Brown, der wie Nosferatu mit Zylinder aussieht.<\/p>\n<p>Mackies Gegenspieler Jonathan Peachum, wie ein alter Schulmeister, mit schwarzem Gehrock, schwarzem K\u00e4ppchen und Stock bed\u00e4chtig, aber entschieden ist <strong>J\u00fcrgen Holtz<\/strong>. <strong>Traute Hoess<\/strong> ist seine alkoholische Frau, Celia Peachum, geformt wie eine Cognac Flasche und mit schriller Altstimme. Sehr eindrucksvoll <strong>Johanna Griebel<\/strong>, zierlich und adrett, spielt und singt mit wohl kontrollierter, nuancierter Bruststimme die Rolle der Polly wie im Lied der Seer\u00e4uber Jenny im ersten Akt und in Pollys Lied im zweiten Akt. Last but not least, <strong>Angela Winkler<\/strong> singt und spielt \u00fcberzeugend die rothaarige, verhaltene, aber nicht minder gef\u00e4hrliche Hure und Exgeliebte Jenny. Und <strong>Friederike N\u00f6lting<\/strong> ist die im Gegensatz dazu loyale Exgeliebte Lucy.<\/p>\n<p><strong>Hans-J\u00f6rn Brandenburg<\/strong> und <strong>Stefan Rager<\/strong> leiten beschwingt das Orchester, das haupts\u00e4chlich aus Blasinstrumenten besteht, durch die von Jazz, Tango, Blues und Kabarett gepr\u00e4gte Musik, hin und wieder etwas sehr ruckartig.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese Inszenierung <strong>Robert Wilsons<\/strong> der Dreigroschenoper ist im Laufe der Jahre hinl\u00e4nglich bekannt geworden. Sie ist, wie man es bei ihm erwarten kann, eine eiskalte, visuell \u00e4sthetisierende, fast marionettenhafte Version der weltbekannten Satire. Und sie ist als solche hervorragend interpretiert vom Berliner Ensemble. Nat\u00fcrlich ist seine Sicht weit entfernt von der saftig-schnoddrigen Interpretation der <em>Dreigroschenoper<\/em> der Berliner 1920iger Jahre.<\/p>\n<p>Ein h\u00f6chst vergn\u00fcglicher Abend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Lesley Leslie-Spinks<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Christopher Nell (Macheath, genannt Mackie Messer), Angela Winkler (Jenny)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kurt Weill (1900-1950), St\u00fcck mit Musik in einem Vorspiel und 8 Bildern, Libretto: Bertold Brecht nach The Beggar\u2019s Opera von John Gay. UA: 31. 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