{"id":6848,"date":"2016-10-11T16:19:17","date_gmt":"2016-10-11T15:19:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6848"},"modified":"2016-10-21T16:21:08","modified_gmt":"2016-10-21T15:21:08","slug":"die-hugenotten-wuerzburg-mainfranken-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6848","title":{"rendered":"DIE HUGENOTTEN &#8211; W\u00fcrzburg, Mainfranken Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Meyerbeer (1791-1864), Oper in 5 Akten, Libretto: Eug\u00e8ne Scribe, Gaetano Rossi, Emile Deschamps, in franz\u00f6sischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln, UA: 29. Februar 1836, Op\u00e9ra, Salle de la rue Le Peletier, Paris<\/p>\n<p>Regie: Tomo Sugao, B\u00fchne: Julia Katharina Berndt und Kost\u00fcme: Pascal Seibicke<\/p>\n<p>Dirigent: Enrico Calesso, Philharmonisches Orchester W\u00fcrzburg, Opernchor, Extrachor des Mainfranken Theaters W\u00fcrzburg, Choreinstudierung: Anton Tremel<\/p>\n<p>Solisten: Claudia Sorokina (Marguerite de Valois), Karen Leiber (Valentine), Silke Evers (Urbain), Uwe Stickert (Raoul de Nangis), Tomasz Raff (Marcel), Bryan Boyce (Graf von Saint-Bris), Daniel Fiolka (Graf von Nevers) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. Oktober 2016<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/W\u00fcrzburg-Hugenotten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6849\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/W\u00fcrzburg-Hugenotten.jpg\" alt=\"wuerzburg-hugenotten\" width=\"487\" height=\"487\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/W\u00fcrzburg-Hugenotten.jpg 487w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/W\u00fcrzburg-Hugenotten-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/W\u00fcrzburg-Hugenotten-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 487px) 100vw, 487px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Graf von Nevers feiert auf seinem Schlo\u00df den Vorabend seiner Hochzeit mit Valentine, wozu er den Hugenotten Raoul de Nangis eingeladen hat. W\u00e4hrend des Fests erh\u00e4lt Raoul einen Brief. Er stammt von Marguerite der Valois, deren Ziel es ist, Raoul mit Valentine de Saint-Bris zu verloben \u2013 in der Absicht, einen Hugenotten mit einer einflu\u00dfreichen katholischen Familie zu verbinden, um die religi\u00f6se Zwietracht zu entsch\u00e4rfen. Doch Raoul lehnt die Verlobung ab, da er Valentine (sie hatte noch w\u00e4hrend des Fests ihre Verlobung mit Nevers gel\u00f6st) f\u00fcr eine vermeintliche fr\u00fchere Geliebte von Nevers h\u00e4lt. Dar\u00fcber ist Graf von Saint-Bris, Valentines Vater, so erbost, da\u00df er die Beleidigung durch ein Duell mit Raoul s\u00fchnen will. Unterdessen werden alle vom K\u00f6nig nach Paris gerufen. Dorthin eilen auch Raoul und sein Diener Marcel. Doch der Religionsstreit der Hugenotten und Katholiken entl\u00e4dt sich in einer Katastrophe: die Katholiken \u00fcberfallen die Hugenotten im Schlaf und t\u00f6ten alle, auch Raoul und Valentine.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich ist die B\u00fchne leer: nur drei in allen Richtungen bewegliche B\u00fchnenrampen stehen auf der (Dreh)- B\u00fchne, mal l\u00e4ngs, mal quer, lassen Auftritte von allen Seiten zu, Vorh\u00e4nge werden auf und zu gezogen. Drei Akte lang blicken wir auf ein Kost\u00fcmfest in einem Transvestiten-Club unter dem Motto \u201eRenaissance ist morbide\u201c. Es wimmeln Gestalten mit Halskrause, viel wei\u00dfer Schminke im Gesicht und St\u00f6ckelschuhen \u00fcber die B\u00fchne \u2013 die Katholiken tragen schwarze Haare und B\u00e4rte, die Hugenotten dasselbe in rot. Die Handlung bleibt undurchsichtig und ist dadurch auch kaum mit der Partitur in Einklang zu bringen. Ab dem vierten Akt werden die B\u00fchnen beiseite ger\u00e4umt, auf der leeren dunklen B\u00fchne laufen nun verd\u00e4chtige Mafia-Gestalten mit italienischen Anzughosen, T-Shirt und Hosentr\u00e4ger mit Fackeln \u00fcber die B\u00fchne. Gewehrfeuer aus dem Off ersetzen Hinrichtungen, Blut und Leichen sind nicht zu sehen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Dem W\u00fcrzburger Theater mu\u00df man hoch anrechnen, da\u00df das s\u00e4ngerischem Niveau hoch gehalten wird, es ist nach der <em>Afrikanerin<\/em> schon die zweite Meyerbeer-Oper in W\u00fcrzburg. Eine wahre Starbesetzung ist <strong>Uwe Stickert<\/strong> als Raoul de Nangis. Mehrfach klettert der Spezialist f\u00fcrs schwere franz\u00f6sische Tenorfach mit halsbrecherischen, aber sicher gemeisterten Wechsel zwischen Kopf- und Bruststimme bis zum hohen Des, entfacht wahre Begeisterungsst\u00fcrme \u2013 und ist im Ensemble nur einer der Leistungstr\u00e4ger. <strong>Karen Leiber<\/strong> ist die begehrenswerte Valentine. Ihr jugendlich dynamischer, aber durchschlagskr\u00e4ftiger Sopran hat an Ausdruckskraft enorm gewonnen, sie hat die richtige Einstellung zu dieser anspruchsvolle Partie gefunden und demonstriert, wie man Koloraturen mit technisch sauberen intonationssicheren H\u00f6hen zum Laufen bringt. Das bekannte Liebesduett <em>Tu l\u2019as dit! Oui, tu m\u2019aimes \u2013 Du hast\u2018s ja gesagt, da\u00df du mich liebst<\/em> wird zum umjubelten Beweis, da\u00df sich hier (mit Stickert) zwei Spitzenkr\u00e4fte gefunden haben. <strong>Tomasz Raff<\/strong> ist ein nachdr\u00fccklicher und sehr beweglicher Ba\u00df-Bariton, seine Gestaltung des Kammerdieners Marcel erregt gewaltige Aufmerksamkeit. Ebenso <strong>Bryan Boyce, <\/strong>der \u00a0\u00fcber die richtige, in der Tiefe sicher aufgestellte, markige Ba\u00dfstimme verf\u00fcgt, um dem Grafen von Saint-Bris einen abgrundtiefen Charakter zu verleihen. <strong>Claudia Sorokina<\/strong> als Marguerite ist die Grande Dame und Strippenzieherin. Ihr vertr\u00e4umter und leichter Sopran verf\u00fcgt \u00fcber eine warme und lyrische Stimme, auch in den H\u00f6hen \u2013 auch wenn man sich manchmal mehr dramatische Expressionen w\u00fcnscht. <strong>Silke Evers<\/strong> hat die passende kindlich naive Soubretten-Stimme f\u00fcr ihren dienstbaren Geist Urbain. <strong>Daniel Fiolka<\/strong> zeigt einen hell timbrierten Bariton, der in der Rolle des Graf von Nevers aufgeht und mit viel Legato viel Volumen demonstriert.<\/p>\n<p>Den hohen Anspr\u00fcchen dieser Oper an den Chor, an die allgegenw\u00e4rtige Stimme des Volkes, wird der <strong>Opernchor<\/strong> des Theaters mehr als gerecht. Verst\u00e4rkt durch zahlreiche G\u00e4ste werden die gro\u00dfen Chorszenen lebendig und pr\u00e4zise (Leitung: <strong>Anton Tremmel)<\/strong> entfaltet sich die gro\u00dfe Wirkung dieser <em>Grand<\/em> <em>Opera<\/em>. Die Anforderungen Meyerbeers an alle Mitwirkenden sind sehr hoch, und es gelingt <strong>Enrico Calesso<\/strong> Orchester, Chor und S\u00e4nger zu einer Meyerbeer w\u00fcrdigen Einheit\u00a0 zu verschmelzen. So werden die manchmal auftretenden L\u00e4ngen mit orchestraler Eleganz \u00fcberspielt und die Emotionen mit Tempo\u00e4nderungen und mitrei\u00dfenden Crescendos hochgekocht. Es wird nicht die neue kritische Ausgabe gespielt, sondern eine eigene Strichfassung \u2013 z.B. Ballette und einige Aktschl\u00fcsse sind gek\u00fcrzt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es ist sehr problematisch, eine Oper, die an einem konkreten Datum wie der Bartholom\u00e4usnacht in Paris spielt, an einen anderen Ort in anderer Zeit zu verlagern. Der Weg einer surrealen absurden Bebilderung ist hierbei eindeutig noch weniger hilfreich, in diesem Falle nicht einmal unterhaltsam \u2013 sondern zutiefst fragw\u00fcrdig. Ausgenommen nur der vierte und f\u00fcnfte Akt, wenn die seltsamen Masken fallen, und es zum Massenmord kommt, ohne ihn bildlich darzustellen.<\/p>\n<p>S\u00e4ngerisch hingegen ist die heftig umjubelt gefeierte Produktion ein deutlicher Beweis, da\u00df Meyerbeer auch heute noch einen Platz im Opernrepertoire beanspruchen mu\u00df. Und entspricht der hohen Leistungsf\u00e4higkeit des Mainfranken Theaters W\u00fcrzburg.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Nik Sch\u00f6lzel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Tomasz Raff (Marcel), Mitglieder des Opernchores<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Meyerbeer (1791-1864), Oper in 5 Akten, Libretto: Eug\u00e8ne Scribe, Gaetano Rossi, Emile Deschamps, in franz\u00f6sischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln, UA: 29. 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