{"id":6844,"date":"2016-10-09T20:04:17","date_gmt":"2016-10-09T19:04:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6844"},"modified":"2016-10-18T20:05:29","modified_gmt":"2016-10-18T19:05:29","slug":"fidelio-berlin-staatsoper-im-schiller-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6844","title":{"rendered":"FIDELIO &#8211; Berlin, Staatsoper im Schiller Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Ludwig van Beethoven (1770-1827), Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Libretto: Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning, Friedrich Treitschke, (<em>Leonore<\/em>),\u00a0 UA: 20. November 1805 Wien, Theater an der Wien (erste Fassung), 23. Mai 1814 Wien, K\u00e4rtnertortheater (endg\u00fcltige Fassung)<\/p>\n<p>Regie: Rudolf Frey, B\u00fchne: Madeleine Boyd<\/p>\n<p>Regie: Harry Kupfer, B\u00fchne: Hans Schavernoch<\/p>\n<p>Dirigent: Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin, Staatsopernchor, Choreinstudierung: Martin Wright.<\/p>\n<p>Solisten: Roman Trekel (Don Fernando), Falk Struckmann (Don Pizarro), Andreas Schager (Florestan), Camilla Nylund (Leonore), Matti Salminen (Rocco), Evelin Nowak (Marzelline), Florian Hoffmann (Jaquino), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 7. Oktober 2016<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Berlin-Fidelio_40.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6845\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Berlin-Fidelio_40.jpg\" alt=\"Staatsoper Berlin FIDELIO Musikalische Leitung: Daniel Barenboim Inszenierung: Harry Kupfer B\u00fchne: Hans Schavernoch Kost\u00fcme: Yan Tax Licht: Olaf Freese Besetzung: C.Nylund, M.Salminen, E.Novak, F.Hoffmann,\" width=\"607\" height=\"405\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Berlin-Fidelio_40.jpg 607w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Berlin-Fidelio_40-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 607px) 100vw, 607px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Leonore vermutet, da\u00df ihr verschwundener Mann Florestan sich in den H\u00e4nden seines Feindes, des Gef\u00e4ngnisgouverneurs Don Pizarro, befindet. Deshalb verkleidet sie sich als Mann und heuert unter dem Namen Fidelio als Helfer bei dem Kerkermeister Rocco an. Dessen Tochter Marzelline verliebt sich in Leonore, was ihrem bisherigen Geliebten Jaquino mi\u00dff\u00e4llt. Don Pizarro erf\u00e4hrt derweil, da\u00df der Minister Don Fernando das Gef\u00e4ngnis inspizieren m\u00f6chte und f\u00fcrchtet, da\u00df dieser den unrechtm\u00e4\u00dfig inhaftierten Florestan entdecken k\u00f6nnte. Sein Versuch, den Gefangenen zu ermorden, scheitert: Florestan wird gerettet und Pizarro das Handwerk gelegt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich gibt es nur zwei zentrale Bilder auf der B\u00fchne, die sich immer wieder abwechseln: das eine Bild ist eine historische dunkle Kerkerwand, in die Generationen von Gefangenen ihre Hoffnungen voll Verzweiflung eingeritzt haben. Zentral ist gro\u00df das Wort <em>Freiheit<\/em> zu lesen. Diese Wand ist dem historischen Gestapogef\u00e4ngnis in K\u00f6ln nachempfunden. Dann f\u00e4hrt eine Leinwand herunter, die den goldenen Saal des Musikvereins in Wien zeigt, der Schlu\u00dfchor ist nur ein Konzertchor. Die gro\u00dfe Arie Florestans singt dieser mit der Partitur in der Hand, die Ketten legt er sich f\u00fcr die folgende Begegnung mit Leonore und Rocco selber an. Des weiteren steht ein Konzertfl\u00fcgel mit Beethovenb\u00fcste bereit. Die Kleidung ist zeitlose Alltagskleidung \u2013 f\u00fcr Pizarro und Fernando dunkle Anz\u00fcge.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das relativ einfache B\u00fchnenbild bietet den Solisten alle M\u00f6glichkeiten mit kleinen Gesten und gro\u00dfer Stimme die Charaktere ergreifend zu gestalten. Barenboim greift auf eine teils erfahrene S\u00e4ngerriege zur\u00fcck, <strong>Matti Salminen<\/strong> ist ein solcher Protagonist. Die Vielschichtigkeit des Kerkermeisters Rocco zwischen Verzweiflung und Obrigkeitsh\u00f6rigkeit ist immer glaubhaft, seine Stimme ist immer noch weich, warm, vollt\u00f6nend, verf\u00fcgt \u00fcber ein gro\u00dfes ba\u00dflastiges Klangvolumen. Seine B\u00fchnenabschiede sind f\u00fcr ihn eine Art Auftrag zur Wiederkehr. Ebenso altgedient ist <strong>Falk Struckmann <\/strong>als Don Pizarro mit einer fast schon \u00fcberragenden Rollengestaltung: wahre Abgr\u00fcnde tun sich auf, wenn dieser schwere Wagnerbariton machtvoll zum Mord aufruft. Sein Gegenspieler Don Fernando ist <strong>Roman Trekel<\/strong>. Er h\u00e4lt mit lyrischem Wohlklang und vielen Nuancen in der Klangwirkung dagegen.<\/p>\n<p>Ebenso ein H\u00f6hepunkt ist <strong>Camilla Nylund <\/strong>als Leonore, die keinerlei Probleme mit den schwierigen Koloraturketten Beethovens hat. Mit ihrer hellen klaren dramatischen Sopranstimme erzeugt sie auch nachdenkliche Momente. <strong>Andreas Schager<\/strong> ist ein schwerer Heldentenor, der immer noch \u00fcber die Effekte aus der Operettenzeit verf\u00fcgt. Er ist in der Lage, dem Florestan tenoralen Sch\u00f6nklang und dramatische Verzweiflung zu verleihen. Sein <em>Gott, welch Dunkel hier<\/em> wird zur mitrei\u00dfenden Anklage, zum Fanal f\u00fcr pers\u00f6nliche Freiheit. Die zweite Tenorrolle, die des Jaquino, ist mit <strong>Florian Hoffmann <\/strong>mit einem jugendlich strahlenden lyrischen Tenor besetzt. Er ist der jugendlich dynamische Liebhaber, den man sich f\u00fcr Marzelline w\u00fcnscht. <strong>Evelin Nowak <\/strong>ist der dazu passende jugendliche Sopran mit heller und glasklarer Stimme. Keine Probleme hat <strong>Daniel Barenboim <\/strong>mit dieser zwar verst\u00f6renden aber auch faszinierenden Mischform aus Singspiel, Oper und Oratorium \u2013 dazu pa\u00dft die Leonoren-Ouvert\u00fcre II \u00a0aus der Urauff\u00fchrung 1805. Dabei gelingt ihm eine epische Interpretation, es klingt wie eine symphonische Dichtung \u00fcber den napoleonischen Freiheitskampf, der neben Tschaikowskys Ouvert\u00fcre 1812 einzuordnen ist. Der <strong>Chor<\/strong> der Staatsoper unterstreicht seinen Anspruch, zu den besten Opernch\u00f6ren zu z\u00e4hlen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese Produktion steht unter dem Vorzeichen \u201eNacht der alten M\u00e4nner\u201c: Barenboim, Kupfer, Salminen, Struckmann und \u2013 wenn man so will \u2013 auch Trekel zeigen den Jungspunden (und dem Publikum), wie man eine grundsolide, zeitlos moderne und werkgetreue Staatsopern-Produktion auf die Beine stellt. Man kann zwar sagen, da\u00df Kupfer den <em>Fidelio<\/em> nicht erz\u00e4hlt, sondern nur bebildert, aber das an der Wand gro\u00df geschriebene Wort <em>Freiheit<\/em> reicht zur Verdeutlichung des zentralen Punktes dieser Produktion, des (derzeitigen oder historischen) Freiheitsgedankens, v\u00f6llig aus. Die D\u00fcsternis auf der B\u00fchne schafft eine dazu passende Aura, ermattet aber das Publikum ein wenig. Donnernder Applaus f\u00fcr ein Ensemble das \u201eeinst und heute\u201c zur Weltspitze z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Camilla Nylund (Leonore), Matti Salminen (Rocco), Evelin Novak (Marzelline) und Florian Hoffmann (Jaquino)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ludwig van Beethoven (1770-1827), Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Libretto: Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning, Friedrich Treitschke, (Leonore),\u00a0 UA: 20. November 1805 Wien, Theater an der Wien (erste Fassung), 23. 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