{"id":6841,"date":"2016-10-14T13:25:50","date_gmt":"2016-10-14T12:25:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6841"},"modified":"2016-10-16T13:33:53","modified_gmt":"2016-10-16T12:33:53","slug":"fidelio-coburg-landestheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6841","title":{"rendered":"FIDELIO &#8211; Coburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Ludwig van Beethoven (1770-1827), Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Libretto: Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning, Friedrich Treitschke, (<em>Leonore<\/em>), \u00a0UA: 20. November 1805 Wien, Theater an der Wien (erste Fassung), 23. Mai 1814 Wien, K\u00e4rtnertortheater (endg\u00fcltige Fassung)<\/p>\n<p>Regie: Rudolf Frey, B\u00fchne: Madeleine Boyd<\/p>\n<p>Dirigent: Roland Kluttig, Philharmonisches Orchester, Opernchor des Landestheaters Coburg (Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio).<\/p>\n<p>Solisten: Salomon Zulic del Canto (Don Fernando), Michael Lion (Don Pizarro), Roman Payer (Florestan), T\u00fcnde Szaboki (Leonore), Felix Rathgeber (Rocco), Julia Da Rio (Marzelline), David Zimmer (Jaquino), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. Oktober 2016<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Coburg-Fidelio_Presse_02.bmp\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-6842\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Coburg-Fidelio_Presse_02.bmp\" alt=\"coburg-fidelio_presse_02\" width=\"595\" height=\"620\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Leonore vermutet, da\u00df ihr verschwundener Mann Florestan sich in den H\u00e4nden seines Feindes, des Gef\u00e4ngnisgouverneurs Don Pizarro, befindet. Deshalb verkleidet sie sich als Mann und heuert unter dem Namen Fidelio als Helfer bei dem Kerkermeister Rocco an. Dessen Tochter Marzelline verliebt sich in Leonore, was ihrem bisherigen Geliebten Jaquino mi\u00dff\u00e4llt. Don Pizarro erf\u00e4hrt derweil, da\u00df der Minister Don Fernando das Gef\u00e4ngnis inspizieren m\u00f6chte und f\u00fcrchtet, da\u00df dieser den unrechtm\u00e4\u00dfig inhaftierten Florestan entdecken k\u00f6nnte. Sein Versuch, den Gefangenen zu ermorden, scheitert: Florestan wird gerettet und Pizarro das Handwerk gelegt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Vorspiels agieren die Hauptdarsteller in heutiger Alltagskleidung miteinander, um an zwei modernen Arbeitstischen mit B\u00fcrost\u00fchlen die Vorgeschichte um die Verhaftung Florestans und seines Laptops zu bebildern. Eine Trennwand f\u00e4hrt herunter, ein Schalter \u00f6ffnet sich und der Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter Rocco \u00fcbergibt Leonore einen Aktencontainer, der die Kleidung Florestans enth\u00e4lt. Die hintere Wand f\u00e4hrt hoch und ein gro\u00dfer Raum \u00f6ffnet sich. Auf Feldbetten ruhen die Gefangenen, die zwar nicht an die Sonne kommen, aber wenigstens Frischluft erhalten. Der Kerker Florestans ist ein Treffpunkt f\u00fcr untote Gestalten aus der griechischen Mythologie oder der Vampirwelt. Florestan entdeckt ein Einschu\u00dfloch in seiner Brust, die Beerdigung findet nicht in einer Zisterne statt, sondern in einem erdgef\u00fcllten Loch, die Erde wird dabei h\u00e4ufchenweise verstreut. An der Trauerfeier in schwarzer Kleidung nehmen alle teil, auch Pizarro.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Der Dirigent<strong> Roland Kluttig <\/strong>erh\u00e4lt an diesem Abend seinen Ritterschlag: zum einen f\u00fcr die langj\u00e4hrige Entwicklung des <strong>Philharmonischen Orchesters<\/strong> und zum anderen f\u00fcr seine Interpretation des <em>Fidelio<\/em>. Beethovens Musik, diese zwar verst\u00f6rende, aber auch faszinierende Mischform aus Singspiel, Oper und Oratorium, ist bei ihm in den besten H\u00e4nden. Hier flie\u00dft alles ineinander zu einem Meisterwerk der Wiener Klassik und der europ\u00e4ischen Romantik. In diesem ausgewogenen, dicht gestrickten Klangteppich entwickeln sich die Leidengeschichte und der Drang zur Sonne, eben zur Freiheit. Nicht nur das Orchester auch der <strong>Chor<\/strong> ist Teil dieser harmonischen Zusammenarbeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bemerkenswert die Leistung der Solisten: <strong>Roman Payer<\/strong>, ist fast ein Heldentenor, der aber dennoch dem Florestan tenoralen Sch\u00f6nklang verleihen kann. Aus einem verhaltenen <em>Gott, welch Dunkel hier <\/em>wird ein hochdramatisches<em> Zur Sonne, zur Freiheit. <\/em><strong>T\u00fcnde Szaboki <\/strong>ist eine Leonore, die sich im Verlauf des Abends erst steigern mu\u00df, denn am Anfang fehlt der Stimme ein wenig die Gelenkigkeit, um die schwierigen Koloraturketten Beethovens entstehen zu lassen. Zum Ende hin kann sie ihre Erfahrung voll ausspielen. <strong>Felix Rathgeber<\/strong> zeichnet den Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter Rocco etwas eindimensional als unsicheren Kantonisten, der sich an die Vorschriften klammert. Sein sicherer Ba\u00dfbariton pa\u00dft hier stimmlich gut. Da ist die jugendlich leuchtende <strong>Julia Da Rio<\/strong> als \u00fcberagil strahlende Marzelline ein echter Gegenpol. <strong>David Zimmer<\/strong> in der zweiten Tenorrolle gdes Jaquino, pa\u00dft als leichter, stimmlich immer trittsicherer Jugendlicher hervorragend zu dieser Marzelline. <strong>Michael Lion <\/strong>zeichnet Don Pizarro als fragw\u00fcrdige Gestalt. Wahre Abgr\u00fcnde tun sich auf, wenn dieser tiefe und schwere Wagners\u00e4nger zum Mord aufruft. Don Fernando ist <strong>Salomon Zulic del Canto<\/strong>, der mit weniger Ausdruckskraft kaum dagegen halten kann.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Szenisch ist diese Produktion unverst\u00e4ndlich, ohne die Hinweise im Programmheft nicht zu entschl\u00fcsseln. Doch ist f\u00fcr die Szene nicht ma\u00dfgebend. Was der Freiheitsgedanke (gestrig oder heute) mit einem Alptraum Leonores \u00fcber die Verhaftung und Tod Florestans zu tun hat, bleibt unbeantwortet. Auch die Bedeutung der zus\u00e4tzlichen Dialoge bleibt im Dunkeln, sie ersetzen teilweise die Originaldialoge. Z. B. fehlt der Hinweis auf den Trompeter, der das Zeichen f\u00fcr die Ankunft Don Fernandos geben soll. Musikalisch und s\u00e4ngerisch ist dieser Abend dank Roland Kluttig, dem Orchester, dem Chor und aller Solisten eine einer Staatsoper ebenb\u00fcrtige Leistung. Gro\u00dfes Bravo hierf\u00fcr!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Andrea Kremper<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Roman Payer (Florestan) an seinem Arbeitsplatz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ludwig van Beethoven (1770-1827), Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Libretto: Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning, Friedrich Treitschke, (Leonore), \u00a0UA: 20. November 1805 Wien, Theater an der Wien (erste Fassung), 23. 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