{"id":6836,"date":"2016-10-13T21:01:17","date_gmt":"2016-10-13T20:01:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6836"},"modified":"2016-10-13T21:01:17","modified_gmt":"2016-10-13T20:01:17","slug":"norma-paris-theatre-des-champs-elysees-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6836","title":{"rendered":"NORMA &#8211; Paris, Th\u00e9\u00e2tre des Champs-\u00c9lys\u00e9es"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Vincenzo Bellini (1801-1835), Tragische Oper in zwei Akten, Libretto: Felice Romani nach der Trag\u00f6die Norma ou L\u2019Infanticide (1831) von Alexandre Soumet, UA: 26. Dezember 1831 Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie: Moshe Leiser, Patrice Caurier, B\u00fchne: Christian Fenouillat, Kost\u00fcme: Agostino Cavalca, Beleuchtung: Christophe Forey.<\/p>\n<p>Dirigent: Gianluca Capuano, I Barocchisti, Coro de la Radiotelevisione svizzera, Lugano.<\/p>\n<p>Solisten: Cecilia Bartoli (Norma), Rebeca Olvera (Adalgisa), Norman Reinhardt (Pollione), Peter Kalm\u00e1n (Oroveso), Rosa Bove (Clotilde), Reinaldo Macias (Flavio)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. Oktober 2016 (Premiere, Produktion der Salzburger Pfingstfestspiele 2013)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Paris-TEC-Norma.bmp\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6837\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Paris-TEC-Norma.bmp\" alt=\"paris-tec-norma\" width=\"672\" height=\"424\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Norma, die Tochter des Druiden Orveso, ist selbst Priesterin und h\u00f6chste moralische Instanz ihrer Gemeinschaft. Sie hat ein Keuschheitsgel\u00fcbde abgelegt. Dennoch hat sie eine geheime, verbotene Liebesbeziehung mit Pollione, dem Oberbefehlshaber der r\u00f6mischen Besatzungstruppen in Gallien, dem sie zwei S\u00f6hne geboren hat. Um ihren Geliebten zu sch\u00fctzen, ruft Norma bei der Zeremonie im Tempel die sanfte Mondg\u00f6ttin an, und bittet um Frieden, statt Rebellion und Krieg gegen die R\u00f6mer zu fordern, wie die Gallier es w\u00fcnschen. Nach der Zeremonie erscheint Pollione. Er hat Norma fallengelassen und wirbt jetzt um die junge Priesterin Adalgisa. Diese gibt nach langem Z\u00f6gern seinem Werben nach. Doch vertraut sie Norma ihre Gewissensqualen an. Norma zeigt Verst\u00e4ndnis bis sie erf\u00e4hrt, um wen es sich handelt. Um sich an ihrem Liebhaber zu r\u00e4chen, spielt sie mit dem Gedanken ihrer beider Kinder zu t\u00f6ten. Doch Adalgisa verhindert dies und verzichtet auf ihre Liebe zu Pollione als sie Normas Schicksal erf\u00e4hrt. Sie will nun Pollione \u00fcberreden, zu Norma und ihren beiden Kindern zur\u00fcckzukehren. Als Pollione sich weigert, droht Norma, Adalgisa \u00f6ffentlich des Verrats anzuklagen. Doch schlie\u00dflich klagt sie sich selbst an und vertraut dem entsetzten Oroveso ihre Kinder an. Als Pollione sieht, was er angerichtet hat, findet er seine Liebe zu Norma wieder und folgt ihr in den Flammentod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung spielt im gro\u00dfen Raum einer aufgelassenen Schule, die intimeren Szenen auf dem Proszenium. Alle tragen einfache farblose Stra\u00dfenkleider. Das Mobiliar besteht aus einfachen Holzst\u00fchlen, Tischen oder Pulten. Die Choreographie und die Beleuchtung sind gut. Am Ende der Oper ist es nicht der Flammentod auf dem Scheiterhaufen, sondern die brennende Schule, von den Widerstandk\u00e4mpfern angez\u00fcndet, in der Norma und ihr reuiger Geliebter gemeinsam den Tod finden.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Normalerweise singt ein Sopran die Norma, ein Mezzo die Adalgisa. Hier ist es umgekehrt. <strong>Cecilia Bartoli<\/strong> ist zu den urspr\u00fcnglichen Interpretationen zur\u00fcckgekehrt. Und sie bew\u00e4ltigt die schwierige Rolle mit klarer, reiner Virtuosit\u00e4t. Sie spielt und singt mit ungeheurer Intensit\u00e4t, manchmal mit starren Gesichtsz\u00fcgen, als tr\u00fcge sie eine Maske, dann wieder mit schmerzverzerrtem Ausdruck oder dann wieder weich-lyrisch. Zart, fast gehaucht wie im Gebet <em>Casta diva<\/em> (1.Akt, 4. Szene), oder hochdramatisch wie im Terzett mit Adalgisa und Pollione <em>Oh non tremare, o perfido<\/em> (1. Akt, 9. Szene). Keine der anderen Interpreten erreichen dieses Niveau. <strong>Rebeca Olveras<\/strong> Stimme ist ein leichter, jugendlich-frischer Sopran, den sie wirkungsvoll zur Geltung bringt und auch in den schwierigen Koloraturen gut kontrolliert, wie in ihrem Duett mit Norma <em>Si, fino all\u2019ore <\/em>(2. Akt, 3. Szene). <strong>Norman Reinhardts<\/strong> Tenor ist von metallisch-hohem Timbre, aber nicht sehr kraftvoll, doch sch\u00f6n im Liebesduett der Schlu\u00dfszene <em>Col mio rimorso. <\/em><strong>Peter Kalm\u00e1n<\/strong> ist ein einleuchtender Oroveso. Eindrucksvoll in seiner wechselvollen Entfaltung ist der <strong>Coro de la Radiotelevisione svizzera<\/strong>, Lugano.<\/p>\n<p><strong>Gianluca Capuano <\/strong>dirigiert das Ensemble <strong>I Barocchisti, <\/strong>das auf alten Instrumenten spielt, straff und rhythmisch.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich zu St\u00e9phane Braunschweigs <em>Norma<\/em>-Auff\u00fchrung vor knapp einem Jahr im selben Theater schreiben konnte, seine moderne Inszenierung \u00fcberzeuge nicht, aber st\u00f6re nicht den Genu\u00df der Musik, so ist das diesmal nicht der Fall. Die Gewaltt\u00e4tigkeit als Initialschock in einer dazu erfundenen Szene am Anfang der Oper, die im Libretto gar nicht vorkommt, ist so aufdringlich, da\u00df es von der Musik ablenkt. Wie soll man sich in die tiefe Innigkeit von Normas Gebet versenken k\u00f6nnen, wenn neben ihr ein blut\u00fcberstr\u00f6mter Mann liegt, der eben noch auf offener B\u00fchne mit gro\u00dfer Brutalit\u00e4t gelyncht wurde.<\/p>\n<p>Inwieweit die S\u00e4nger durch eine solche Inszenierung in ihrer Interpretation beeintr\u00e4chtigt sind, ist noch eine andere Frage. Da\u00df die Handlung in die Zeit der Widerstandk\u00e4mpfer in Frankreich von 1940 verlegt wurde, ist naheliegend und banal, wenn auch nicht immer einfach mit den keltischen Druidenriten vereinbar. Nicht banal hingegen ist die Aussage eines der beiden Regisseure Moshe Leisers, da\u00df die Religion in dieser Oper keine wesentliche Rolle spiele. Damit spricht er Norma die Rolle der Priesterin ab, weil sie nicht in seine Philosophie pa\u00dft, und beschr\u00e4nkt sie auf die der Widerstandk\u00e4mpferin. Die sehr wesentliche spirituelle Dimension der Oper und ihre sakrale Ausstrahlung gehen dadurch verloren, und sowohl das inbr\u00fcnstige Gebet am Anfang, wie das Opfer ihres Lebens zugunsten ihrer Mitpriesterin am Ende der Oper werden unglaubw\u00fcrdig. Der Genu\u00df der herrlichen Musik Bellinis und deren ausgezeichnete Interpretation leiden darunter. Eher entt\u00e4uschend!<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Vincent PONTET<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Cecilia Bartoli (Norma) Bild Mitte, Rebeca Olvera (Adalgisa) li., Rosa Bove (Clotilde) re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vincenzo Bellini (1801-1835), Tragische Oper in zwei Akten, Libretto: Felice Romani nach der Trag\u00f6die Norma ou L\u2019Infanticide (1831) von Alexandre Soumet, UA: 26. 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