{"id":6832,"date":"2016-10-05T21:20:20","date_gmt":"2016-10-05T20:20:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6832"},"modified":"2016-10-05T21:20:20","modified_gmt":"2016-10-05T20:20:20","slug":"samson-et-dalila-paris-opera-bastille","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6832","title":{"rendered":"SAMSON ET DALILA &#8211; Paris, Op\u00e9ra Bastille"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Camille Saint- Sa\u00ebns (1835-1921), Oper in drei Akten, Libretto: Ferdinand Lemaire, UA: 2. Dezember 1877 Weimar, Gro\u00dfherzogliches Hoftheater<\/p>\n<p>Regie: Damiano Michieletto, B\u00fchne: Paolo Fantin,\u00a0 Kost\u00fcme: Carla Teti, Licht: Alessandro Carletti<\/p>\n<p>Dirigent:\u00a0 Philippe Jordan, Chor und Orchester der Op\u00e9ra National de Paris, Choreinstudierung: Jos\u00e9 Luis Basso<\/p>\n<p>Solisten: Anita Rachvelishvili (Dalila), Aleksandrs Antonenko (Samson), Egils Silins (Der Hohepriester de Dagon), Nicolas Test\u00e9 (Abim\u00e9lech), Nicolas Cavallier (ein alter H\u00e4br\u00e4er), John Bernard (Ein Philisterbote), Luca Sannai (Erster Philister), Jian-Hong Zhao (Zweiter Philister)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 4. Oktober 2016 (Premiere, Coproduktion mit der Metropolitan Opera, New York)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Paris-Samson-et-Dalila.bmp\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6833\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Paris-Samson-et-Dalila.bmp\" alt=\"paris-samson-et-dalila\" width=\"600\" height=\"373\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p><em>Ob es richtig ist zu sagen \u2013 wie viele Franzosen &#8211;, Saint-<\/em><em>Sa\u00ebns sei neben Berlioz der gr\u00f6\u00dfte franz\u00f6sische Musiker des 19. Jahrhunderts, das bleibe dahingestellt. Da\u00df er vieles angeregt und die Bewegungen der musikalischen Erneuerung anf\u00fchrt, die sich in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich vollzieht, ist unbestreitbar, ebenso eine gewisse international Wirkung<\/em> (Arnold Feil). Camille Saint-Saens war damals weitgehend zu unrecht in seiner Heimat als \u201eunverbesserlicher Wagnerianer\u201d verschrieen. Von seinen zahlreichen Opern war <em>Samson et Dalila<\/em> die einzige, die sich durchgehend auf den internationalen B\u00fchnen gehalten hat. Dieses <em>drame lyrique<\/em> wurde von Franz Liszt in Weimar uraufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Hebr\u00e4er schmachten als Sklaven unter dem Joch der Philister. Doch ihr Held Samson erschl\u00e4gt schlie\u00dflich den Satrapen Abimelech und befreit das Volk Israel. Die Philister ziehen sich darauf in die Berge zur\u00fcck, doch der Hohepriester des Gottes Dagon ruft zur Rache auf. Sie schicken ihre Jungfrauen aus, um die Krieger Israels, die ihren Sieg feiern, zu verderben. Allen voran die verf\u00fchrerische Dalila umgarnt Samson, der ihr nicht widerstehen kann. Als sie ihm ein Stelldichein gew\u00e4hrt, wird er von den Soldaten der Philister gefangen und die Hebr\u00e4er werden wieder unterjocht. Samson, geblendet und seiner Haarespracht beraubt, dient den Philistern als Spottfigur. In seiner ohnm\u00e4chtigen Wut betet der Held zu Gott, ihm doch nur einige Momente seine Kraft zur\u00fcckzugeben. Mit dieser neuen Kraft gelingt es ihm, die S\u00e4ulen des Dagontempels ins Wanken zu bringen und sich sowie die Philister unter den Tr\u00fcmmern zu begraben.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung <\/strong><\/p>\n<p><strong>Damiano Michieletto <\/strong>l\u00e4\u00dft in seiner psychologischen Interpretation des Dramas Samson im entscheidenen Augenblick sich selbst seinen langen Haarzopf abschneiden und Dalila als Beweis seiner Hingabe darbringen. Auch sie wird darauf in ihren Gef\u00fchlen gegen\u00fcber ihrem Volk und ihrer Religion wankend. Sie f\u00fchlt nach dem Verrat Mitleid mit dem Geblendeten und Abscheu vor den z\u00fcgellosen Philistern. Sie ist es denn auch, die das Geb\u00e4ude mit Benzin \u00fcbersch\u00fcttet und Samson den Zunder reicht, um es anzuz\u00fcnden (keine wankenden Tempels\u00e4ulen!). In seiner Version ist auch der Oberpriester darauf aus Dalila zu verf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Verf\u00fchrungsszene spielt in einem Schlafzimmer \u00e0 la F\u00fcnf-Stern-Hotel. Dalila in weitem Morgenrock. Samson \u00e4rmlich gekleidet, der Hohepriester wie ein brutaler <em>Marines-Sergeant<\/em>. Der Tempel ein modernes Geb\u00e4ude mit Obergescho\u00df-Terrasse. Die Kost\u00fcme zeitgen\u00f6ssische Stra\u00dfenkleider, die der Hebr\u00e4er schmutzig und zerrissen. Im dritten Akt ist der Gegensatz zwischen den orientalisierenden Baccantenrythmen der Philister und dem<em> lamento <\/em>des verh\u00f6hnten Samsons schon vorgegeben. Die Inszenierung steigert dies zu einem wilden Orgienfestmahl mit bunt glitzernden Antik-Kost\u00fcmen \u00e0 la Hollywood-Peplum. Die Choreographie ist einleuchtend.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Anita Rachvelishvili<\/strong> ist Dalila mit langsamer, schwerer Sinnlichkeit. Sie hat einen Mezzo von betr\u00e4chtlicher Brillanz und St\u00e4rke, die weder in den hohen Registern noch in den dunklen, tiefen Lagen an Klangfarbe verliert. <strong>Alexandrs Antonenko<\/strong> singt und spielt den tragischen Samson mit ebenm\u00e4\u00dfiger Tenorstimme, in deren mittleren und tiefen Lagen warme Baritont\u00f6ne mitschwingen. Im Duett <em>En ce lieu, malgr\u00e9 moi,<\/em> und in Dalilas Arie <em>Mon c\u0153ur s\u2019ouvre \u00e0 ta voix<\/em> (2. Akt, 3. Szene) entfalten sich beider Stimmen zum H\u00f6hepunkt der Oper. <strong>Nicolas<\/strong> <strong>\u00a0Cavallier<\/strong> singt mit tiefer sonorer Ba\u00dfstimme den alten Hebr\u00e4er. <strong>Egils Silins<\/strong> ist der Hohepriester und <strong>Nicolas Test\u00e9<\/strong> Abim\u00e9lech. <strong>Philippe Jordan<\/strong> erforscht alle Nuancen dieses romantischen Melodramas, in dem der 1. und der 3. Akt in einer Art von Oratorienstil weitgehend aus Ensembleszenen besteht, in denen der Chor eine wesentliche Rolle spielt, w\u00e4hrend der 2. Akt nur Dalila, dem Hohepriester und Samson vorbehalten ist. <strong>Jos\u00e9 Luis Basso<\/strong> hat dem Chor die n\u00f6tige dramatische sowie weihevolle Kraft verliehen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Mit einer szenisch nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig inspirierten, aber musikalisch erfolgreichen Auff\u00fchrung dieser Oper, die sowohl von Berlioz und Wagner, zum Teil wohl aber auch von den Oratorien Bachs und Mendelssohns beeinflu\u00dft ist, hat das Haus an der Bastille die neue Saison er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Vincent Pontet<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Anita Rachvelishvili (Dalila), Aleksandrs Antonenko (Samson)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Camille Saint- Sa\u00ebns (1835-1921), Oper in drei Akten, Libretto: Ferdinand Lemaire, UA: 2. 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