{"id":6822,"date":"2016-09-26T08:57:18","date_gmt":"2016-09-26T07:57:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6822"},"modified":"2016-09-26T08:57:18","modified_gmt":"2016-09-26T07:57:18","slug":"die-zauberfloete-hamburg-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6822","title":{"rendered":"DIE ZAUBERFL\u00d6TE  &#8211; Hamburg, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Libretto: Emanuel Schikaneder; UA: 30. September 1791 Wien, Theater im Freihaus auf der Wieden<\/p>\n<p>Regie: Jette Steckel, B\u00fchne: Florian L\u00f6sche, Kost\u00fcme: Pauline H\u00fcners, Licht: Paulus Vogt, Dramaturgie: Johannes Blum, Carl Hegemann<\/p>\n<p>Dirigent: Jean-Christoph Spinosi, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg und Chor der Hamburgischen Staatsoper<\/p>\n<p>Solisten: Andrea Mastroni (Sarastro), Dovlet Nurgeldiyev (Tamino), Christina Gansch (Pamina), Alin Anca (Sprecher), Sergey Ababkin (Priester), Christina Poulitsi (K\u00f6nigin der Nacht), Iulia Maria Dan (Erste Dame), Nadezhda Karyazina (Zweite Dame), Marta Swiderska (Dritte Dame), Jonathan McGovern (Papageno), Dietmar Kerschbaum (Monostatos), Maria Chabounia (Papagena), Christian Juslin (Erster Geharnischter), Bruno Vargas (Zweiter Geharnischter), Solisten des Knabenchores Chorakademie Dortmund (Drei Knaben)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 23. September 2016 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Hamburg-Zauberfloeter.bmp\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-6824\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Hamburg-Zauberfloeter.bmp\" alt=\"hamburg-zauberfloeter\" width=\"580\" height=\"436\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der J\u00fcngling Pamino und der Vogelf\u00e4nger Papageno brechen auf, um die junge Pamina im Aufrag ihrer Mutter, der K\u00f6nigin der Nacht, aus den Klauen des b\u00f6sen Sarastro zu befreien. Dieser erweist sich jedoch als das Gegenteil. Pamino und Papageno m\u00fcssen in Sarastros Tempel mehrere Pr\u00fcfungen durchlaufen, um sich als w\u00fcrdig zu erweisen. Am Ende finden sich Pamino und Pamina, und auch Papageno findet eine Papagena. Die K\u00f6nigin der Nacht geht in Blitz und Donner unter.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Hamburger Auff\u00fchrung entfernt sich extrem weit vom Libretto, so da\u00df sich schon von einer Bearbeitung sprechen l\u00e4\u00dft. Der Sprechtext wurde aufs \u00c4u\u00dferste zusammengestrichen beziehungsweise modernisierend erg\u00e4nzt. Die musikalischen Nummern folgen teils direkt hintereinander ohne Verkn\u00fcpfung, so da\u00df die Handlung f\u00fcr jemanden, der das St\u00fcck noch nicht kennt, es im Grunde unverst\u00e4ndlich wird, weil wesentliche Szenen einfach fehlen. Schon zu Beginn ist Pamino ein alter Mann im Publikum, der stirbt, um dann auf der B\u00fchne neu geboren und im Eiltempo erwachsen zu werden. Sein Freund aus Kindertagen ist Papageno, der als Rastatr\u00e4ger und Au\u00dfenseiter dargestellt wird.<strong><br \/>\n<\/strong>Der B\u00fchnenraum wird von einem silbernen LED-Vorhang mit mehreren Schichten gegliedert, auf dem sich allerlei Bewegtbilder abspielen, mit denen die B\u00fchnenfiguren auch interagieren. Sarastro und die K\u00f6nigin der Nacht stehen im Orchestergraben und werden dort gefilmt, so da\u00df ihre singenden Lichtgesichter \u00fcberlebensgro\u00df live auf dem Vorhang abgebildet werden. Die Zauberfl\u00f6te und das Glockenspiel sind hier rote Pfeile, von denen auch Pamina einen bekommt. \u00dcber den Pr\u00fcfungen werden Pamino, Papagena und Pamina zu alten Menschen. Am Ende schweben Sarastro und die K\u00f6nigin der Nacht gemeinsam wie die Herrscher einer Sekte \u00fcber ihren uniform gekleideten Untertanen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das <strong>Philharmonische Staatsorchester Hamburg<\/strong> unter <strong>Jean-Christophe Spinosi<\/strong> war nur halb in den Orchestergraben hinuntergelassen, wie bei einer historisch informierten Besetzung \u00fcbrig. Klang die Ouvert\u00fcre intonatorisch noch wacklig, steigerte man sich dann aber und phrasierte in den Streichern zackig und schwungvoll. Auch die Abstimmung mit dem B\u00fchnenensemble war \u00fcber weite Strecken in Ordnung. Agierte<strong> Christina Poulitsi<\/strong> bei ihrem ersten Auftritt als K\u00f6nigin der Nacht noch zur\u00fcckhaltend, erf\u00fcllte sie in der ber\u00fchmten Arie <em>Der H\u00f6lle Rache kocht in meinem Herzen<\/em> nach der Pause dann die Erwartungen und bekam den erwarteten Applaus. <strong>Jonathan McGovern<\/strong> warf sich schauspielerisch als Papageno voll ins Zeug und war auch stimmlich kraftvoll pr\u00e4sent und gut verst\u00e4ndlich. Leider nur war <strong>Maria Chabouina<\/strong> als Papagena sehr leise und klang wenig \u00fcberzeugend, aber vielleicht lautete so auch die Vorgabe? Ihre Papagena soll eine Zuschauerin aus dem Publikum sein, die sozusagen in diese Rolle hineingedr\u00e4ngt wird. <strong>Andrea Mastronis<\/strong> Sarastros hingegen war an schwerer stimmlicher Pr\u00e4senz kaum zu \u00fcberbieten, jedoch wirkte seine Diktion leicht gek\u00fcnstelt. <strong>Dovlet Nurgeldiyev<\/strong> konnte schon von der <em>Bildnis<\/em>-Arie an mit tenoraler W\u00e4rme \u00fcberzeugen, w\u00e4hrend <strong>Christina Gansch<\/strong> als Pamina eher unauff\u00e4llig blieb, aber die Rolle doch mit Leben f\u00fcllte. <strong>Dietmar Keschbaum<\/strong> gab den Monostatos mit clowneskem wienerischen Charme.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch auf einem ordentlichen Niveau, zerfiel diese <em>Zauberfl\u00f6te<\/em> leider in ihre Einzelteile. Zwar gab es viele sch\u00f6ne visuell spektakul\u00e4re Ideen, doch ging der rote Faden aufgrund der starken abstrakten Tendenz der Auff\u00fchrung sehr schnell verloren. Mehr als ein interessanter Ansatz kam leider kaum dabei heraus. Dementsprechend mischten sich in den Schlu\u00dfaplaus neben einigen Bravi auch viele Buhs. Diese <em>Zauberfl\u00f6te<\/em> d\u00fcrfte sich nur f\u00fcr diejenigen lohnen, die das St\u00fcck wirklich extrem gut kennen und gegen\u00fcber Experimenten offen sind. Wer einfach nur die <em>Zauberfl\u00f6te<\/em> h\u00f6ren und sehen will, d\u00fcrfte dagegen entt\u00e4uscht werden, und sich schnell langweilen.<\/p>\n<p>Dr. Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Arno Declair<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Christina Poulitsi (K\u00f6nigin der Nacht), Andrea Mastroni (Sarastro), Chor der Hamburgischen Staatsoper<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Oper in zwei Aufz\u00fcgen, Libretto: Emanuel Schikaneder; UA: 30. 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