{"id":6805,"date":"2016-08-31T20:07:35","date_gmt":"2016-08-31T19:07:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6805"},"modified":"2016-09-20T20:13:01","modified_gmt":"2016-09-20T19:13:01","slug":"bayreuther-festspiele-2016-bayreuth","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6805","title":{"rendered":"Bayreuther Festspiele 2016, Bayreuth"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong><em>Parsifal<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Richard Wagner (1813-1883), B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten, Libretto: R. Wagner, UA: 1882 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Uwe Eric Laufenberg, B\u00fchne : Gisbert J\u00e4kel<\/p>\n<p>Dirigent: Hartmut Haenchen, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Eberhard Friedrich<\/p>\n<p>Solisten: Ryan McKinny (Amfortas), Karl-Heinz<a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Bayreuth-Parsifal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6808\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Bayreuth-Parsifal.jpg\" alt=\"bayreuth-parsifal\" width=\"680\" height=\"449\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Bayreuth-Parsifal.jpg 680w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Bayreuth-Parsifal-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><\/a> Lehner (Titurel), Georg Zeppenfeld (Gurnemanz), Klaus Florian Vogt (Parsifal), Gerd Grochowski (Klingsor), Elena Pankratova (Kundry), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 2. August 2016<\/p>\n<p><strong><em>Tristan und Isolde<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Musik und Text von Richard Wagner, Handlung in drei Aufz\u00fcgen, UA: 10. Juni 1865 M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Regie: Katharina Wagner<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Eberhard Friedrich<\/p>\n<p>Solisten: Petra Lang (Isolde), Stephen Gould (Tristan), Iain Paterson (Kurwenal), Georg Zeppenfeld (K\u00f6nig Marke), Christa Mayer (Brang\u00e4ne), Raimund Nolte (Melot), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. August 2016<\/p>\n<p><strong><em>Der fliegende Holl\u00e4nder<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Musik und Text von Richard Wagner, Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, UA: 28. August 1850 Weimar.<\/p>\n<p>Regie: Jan Philipp Gloger, B\u00fchne: Christof Hetzer<\/p>\n<p>Dirigent: Axel Kober, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Eberhard Friedrich<\/p>\n<p>Solisten: Peter Rose (Daland), Ricarda Merbeth (Senta), Andreas Schager (Erik), Christa Mayer (Mary), Benjamin Bruns (Steuermann), Thomas J. Mayer (Holl\u00e4nder).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 26. August 2016<\/p>\n<p><strong><em>Der Ring des Nibelungen<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Musik und Text von Richard Wagner, Ein B\u00fchnenfestspiel f\u00fcr drei Tage und einen Vorabend, UA: 1876, Bayreuth<\/p>\n<p>Regie: Frank Castorf, B\u00fchne: Aleksandar Denic und Kost\u00fcme: Adriana Braga Peretzki<\/p>\n<p>Dirigent: Marek Janowski, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Eberhard Friedrich<\/p>\n<p>Solisten: Ian Paterson (Rheingold-Wotan), John Lundgren (Walk\u00fcren-Wotan\/Wanderer), Albert Dohmen (Alberich), Roberto Sacca (Loge), Christopher Ventris (Siegmund), Georg Zeppenfeld (Hunding), Heidi Melton (Sieglinde), Stefan Vinke (Siegfried), Catherine Foster (Br\u00fcnnhilde), Nadine Weissmann (Erda), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 7. bis 12. August 2016<\/p>\n<p><strong><em>Holl\u00e4nder \u2013 f\u00fcr Kinder<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Musik und Text von Richard Wagner, Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen; Textfassung: Katharina Wagner\/Dorothea Becker, UA: 28. August 1850 Weimar.<\/p>\n<p>Regie: Julia Huebner, B\u00fchne: Kost\u00fcme: Esther Dandani<\/p>\n<p>Dirigent: Marko Zdralek, Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt (Oder)<\/p>\n<p>Solisten: Kay Stiefermann (Holl\u00e4nder), Christiane Kohl (Senta), Charles Kim (Erik), Eva Maria Summerer (Mary), Jukka Rasilainen (Daland), David Ameln (Steuermann).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. August 2016<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Das Festspielhaus und damit die Bayreuther Festspiele wurden 1876 mit dem <em>Ring des Nibelungen<\/em> er\u00f6ffnet \u2013 in der \u201eabgelegenen Kleinstadt\u201c Bayreuth, um sich auf das Werk zu konzentrieren. Das wichtigste Werk war das Festspielhaus selbst: einst gedacht nach der Vorstellung abgebrannt zu werden, wurde die Fassade, hinter einer Plane verborgen, saniert. Dieses Jahr ist die Plane gefallen, die Sanierung im Inneren wird nach der Sommerpause fortgesetzt. Daf\u00fcr gibt es ein neues Hindernis: Das neue Sicherheitskonzept! Man darf zwei Stunden vor der Vorstellung nicht mehr direkt vor das Haus vorfahren, die Zufahrt zum Parkplatz geschieht jetzt \u00fcber eine Nebenstra\u00dfe hinter dem Festspielhauskomplex. Das bef\u00fcrchtete Chaos blieb aus, weil vermutlich immer weniger G\u00e4ste mit dem Auto kommen. Der Taxiplatz ist mitten im Festspielpark (Vorsicht Fu\u00dfg\u00e4nger!). Behinderte m\u00fcssen zum Hereinkommen zun\u00e4chst mit der Polizei verhandeln. Ein privater Sicherheitsdienst hat einen Gitterzaun um das Festspielhaus gezogen und verhindert so den direkten Umgang ums Haus. Au\u00dferdem wird innerhalb des Festspielhauses streng kontrolliert: <em>Parsifal<\/em> kam zu sp\u00e4t zur Probe, weil er es wagte ohne Hausausweis in einer Tarnfleckhose die Kantine zu besuchen. Die Kosten f\u00fcr diese sicherheitssteigernde Ma\u00dfnahme mit erheiterndem Moment werden sp\u00e4ter geregelt. Erst einmal werden sie \u2013 dem Vernehmen nach \u2013 dem Etat f\u00fcr die n\u00e4chste Ringkonzeption entnommen. Das Geld wird also erst 2020 ben\u00f6tigt. Mal sehen, ob es reicht!<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Bayreuth-Tristan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-6809\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Bayreuth-Tristan.jpg\" alt=\"bayreuth-tristan\" width=\"439\" height=\"763\" \/><\/a>Auff\u00fchrung, S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Mit Spannung wurde der diesj\u00e4hrigen Neuinszenierung des <em>Parsifal<\/em> entgegen gefiebert, gilt es doch den Nachweis zu erbringen, da\u00df \u2013 nach der Ausladung von Jonathan Meese \u2013 im Regisseur Uwe Eric Laufenberg der richtige Mann zum Nachweis f\u00fcr die Hochwertigkeit der Bayreuther Festspiele gefunden ist. Er verlegt die Handlung in ein Kloster in Mesopotamien, dem heutigen Irak\/Syrien.<\/p>\n<p>Der Klosterbau besteht aus einem gro\u00dfen Raum mit Kuppel, nach hinten; links und rechts gibt es Zug\u00e4nge. Im ersten Akt befindet sich darin der etwas heruntergekommene Gralskonvent. Das Bad f\u00fcr Amfortas wird in einer \u00fcberdimensionalen Schale bereitet. Auf ihr sammelt sich auch sein dahinstr\u00f6mendes Blut. Im zweiten Akt sieht man einen Hamam (orientalisches Dampfbad), in den Klingsor einen Kommandostand eingezogen hat. Die Blumenm\u00e4dchen laden Parsifal zum Bade, die gro\u00dfe Sammlung an Kreuzen und Sexspielzeug, die Klingsor besitzt, f\u00e4llt zu Boden. Im dritten Akt ist ein tropischer Urwald hereingewuchert, im Karfreitagszauber gehen Damen aus der Gralsgesellschaft im Regen nackt duschen. Einen Gral bzw. eine <em>Erl\u00f6sung dem Erl\u00f6ser<\/em> findet im Finale nichts statt \u2013 statt dessen entsorgen die Gralsritter christliche, j\u00fcdische, buddhistische und islamische Religionssymbole in Titurels Sarg und entschwinden im Licht. Eine leere helle B\u00fchne zum Schlu\u00df!<\/p>\n<p>Musikalisch befindet sich die Produktion auf hohem Niveau. <strong>Georg Zeppenfeld<\/strong> gibt dem Gurnemanz seine wohlklingende Stimme. Es ist seine dritte Rolle in diesem Jahr, die ihn stellt vor keinerlei Probleme stellt. Man sieht hier die Abh\u00e4ngigkeit Bayreuths von diesem Ausnahmes\u00e4nger!<\/p>\n<p><strong>Klaus Florian Vogt<\/strong> zeigt seine tenoralen F\u00e4higkeiten, nur an zentralen Stellen wie <em>Nur eine Waffe taugt<\/em> wechselt er in sein knabentenorhaftes Falsett. <strong>Elena Pankratova<\/strong> ist eine Kundry mit Verve und einer fast unendlichen ausgedehnten Phrasierung. <strong>Gerd Grochowski<\/strong> gibt Klingsor eine starke Tiefe. Nur <strong>Ryan McKinnley<\/strong> mu\u00df noch an seiner Aussprache arbeiten, auch technisch: es klingt alles noch etwas zu kehlig. <strong>Hartmut Haenchen<\/strong> ist mit nur wenigen Proben in Bayreuth sehr gut angekommen. Wer meinte den <em>Parsifal<\/em> (und auch seine Bayreuther Klangbilder) zu kennen, mu\u00dfte best\u00e4ndig dazulernen. <em>Es war so alt und doch so neu<\/em>, mag man da Wagner zitieren!<\/p>\n<p>Ins zweite Jahr geht die \u201eHandlung\u201c <em>Tristan und Isolde<\/em> in der Inszenierung von Katharina Wagner. Die einzige wirkliche Neuerung ist, da\u00df nun <strong>Petra Lang<\/strong> die Isolde singt, die mit viel H\u00e4rte und Kraft wenig Lieblichkeit ausstrahlt. Ebenso ins zweite Jahr geht die Besetzung des Melot. Gefordert ist ein Charaktertenor, eventuell Charakterbariton; <strong>Raimund Nolte<\/strong> ist jedoch ein Ba\u00df und hat somit keine Chance, die Tenorlage ohne Falsett zu erreichen. Es mag sein, da\u00df er den Melot schon an der Op\u00e9ra Bastille unter Philippe Jordan gesungen hat, er bleibt eine Fehlbesetzung.<\/p>\n<p>Positiv hat sich <strong>Stephen Gould<\/strong> entwickelt. Mit seiner weichen samtigen, aber doch ausdauernden Tenorstimme an der Grenze zum Heldentenor kann er dem Tristan Konturen verleihen, die zwischen Ekstase und Mitleid liegen. <strong>Iain Paterson<\/strong> bleibt als Kurwenal unauff\u00e4llig, seine Auftritte gehen streckenweise im mystischen Dunkel der B\u00fchne unter. <strong>Christa Mayer<\/strong> hat sich zu einem schweren Wagner Mezzosopran entwickelt, der eine wohlige W\u00e4rme auch in den tiefen Lagen verbreitet. Ihre Gestaltung der Brang\u00e4ne ist ein wunderbares Beispiel was an Mitleidensf\u00e4higkeit in der Stimme m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Eine ebenso beispielhafte Leistung bietet <strong>Georg Zeppenfeld<\/strong> als K\u00f6nig Marke. Obwohl ihn die Personenregie als messerschwingender Bandenchef darstellt, bleibt er doch stimmlich immer der gnadenvolle K\u00f6nig. Und es ist \u00fcbrigens ein gro\u00dfes Problem, da\u00df hier die Charaktere oder Handlungssituationen umdefiniert werden: der Liebestrank wird versch\u00fcttet und nicht getrunken, Melot ersticht den wehrlosen geblendeten Tristan, Marke ist der b\u00f6se Onkel, denn Gef\u00fchle k\u00f6nnen im Licht der Scheinwerfer in Markes Gef\u00e4ngnis nicht aufkommen.<\/p>\n<p>Auch das B\u00fchnenbild wirkt zusammenhanglos, die drei Akte passen nicht recht zusammen: der erste Akt zeigt ein Treppenhaus, mit unendlichen Abs\u00e4tzen und Wegen. Die noch dazu immer wieder verfahren werden k\u00f6nnen oder herunterklappen und so den Weg versperren. Zuerst wird verhindert, da\u00df Tristan und Isolde zusammen kommen, dann k\u00f6nnen Kurwenal und Brang\u00e4ne nicht zu ihnen kommen. Der zweite Akt zeigt den Innenhof mit hohen Mauern. Auf den Zinnen sitzen Mitarbeiter K\u00f6nig Markes (sie tragen dieselbe gelbe Kleidung) und leuchten den Hof aus, beobachten jede Bewegung. Eine verl\u00f6schende Fackel als Zeichen der Ankunft Tristans gibt es nicht, er wird in den Hof geworfen. Im dritten Akt sitzt Kurwenal mit dem Hirten, Seeleuten und Statisten am rechten Rand auf St\u00fchlen vor denen Grablichter leuchten und Tristan auf einer Decke liegt. Im Hintergrund erscheinen Projektionen Isoldes in einer Pyramide. Einen Liebestod gibt es nicht, denn Marke schleppt Isolde weg.<\/p>\n<p>Nicht sieben Jahre, sondern nur ein Jahr Pause macht der <em>Holl\u00e4nder<\/em> in der kommenden Spielzeit, bevor er noch einmal an Land gesp\u00fclt wird. Eigentlich h\u00e4tte das Publikum dieses Jahr vom <em>Holl\u00e4nder<\/em> erl\u00f6st werden sollen, aber im ringlosen Jahr 2018 wird eine zus\u00e4tzliche Oper ben\u00f6tigt. <strong>Jan Philipp Gloger<\/strong> l\u00e4\u00dft den Holl\u00e4nder pseudowitzig in einer Datenwelt stranden und versetzt ihn dann in eine Ventilatoren-Fabrik, um als Schlu\u00dfgag die Produktion auf <em>Liebeslampen<\/em> umzustellen \u2013 mit denen Daland und sein Prokurist Steuermann mehr Geld verdienen, zum Leidwesen des Hausmeisters Erik, der auf der Strecke bleibt. Diesem Erik verleiht der neue \u201eSuperstar im Wagner Tenorbereich\u201c <strong>Andreas Schager<\/strong> strahlenden Glanz und auch in der H\u00f6he Durchschlagskraft, dabei klingt er doch immer unangestrengt und leuchtend. <strong>Christa Mayer<\/strong> kann der Mary stimmliche Konturen verleihen. Ihr schwerer samtener Mezzo ist kaum noch aus Bayreuth wegzudenken. Dagegen bleiben die Hauptrollen unauff\u00e4llig: <strong>Ricarda Merbeth<\/strong> verwendet zuviel Tremolo, <strong>Peter Rose<\/strong> als Daland und <strong>Thomas J. Mayer<\/strong> bleiben einfach zu farblos, zu verhalten.<\/p>\n<p>Die Wiederaufnahme des <em>Rings des Nibelungen<\/em> ist eigentlich nur wegen einiger Umbesetzungen bedeutsam, die sich zumeist als Verschlimmbesserungen herausstellen. <strong>Wolfgang Koch<\/strong> wurde durch <strong>Ian Paterson<\/strong> (Rheingold-Wotan) und <strong>John Lundgren<\/strong> ersetzt, und keiner der beiden Nachfolger kann ihm hinsichtlich Reichweite, Ausdruckskraft und Stimmfarbe das Wasser reichen. Eigentlich mu\u00df man die Rheingoldbesetzung als nicht festspielw\u00fcrdig bezeichnen: die Rheint\u00f6chter passen nicht zusammen, der altgediente <strong>Roberto Sacca<\/strong> kann den Loge nicht mehr lyrisch-cantabile gestalten und die G\u00f6ttinnen k\u00f6nnen eigentlich nur keifen. Positiv zu nennen sind <strong>Markus Eiche<\/strong> als kr\u00e4ftig durchschlagender Donner, <strong>Albert Dohmen<\/strong> als h\u00e4misch drohender Alberich und <strong>G\u00fcnther Groissb\u00f6ck<\/strong> als Fasolt mit unendlich gro\u00dfem Stimmumfang und viel Volumen. Ein positives Gegenbeispiel ist Walk\u00fcre: <strong>Christopher Ventris<\/strong> als Siegmund \u2013 nachdem er sich freigesungen \u2013 hat mit viel Strahlkraft in den W\u00e4lserufen, <strong>Georg Zeppenfeld<\/strong> als verschwenderische Besetzung eines Hunding und <strong>Heidi Melton<\/strong>, die der Sieglinde mit weichen, warmen T\u00f6nen einen tragischen Charakter gibt. Das ist Weltklasse! <strong>Stefan Vinke<\/strong> als Siegfried harmoniert mit <strong>Catherine Foster<\/strong> als Br\u00fcnnhilde \u2013 mit viel Kraft, einen Sch\u00f6nheitspreis gibt es hier nicht zu gewinnen.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Bayreuth-Holl\u00e4nder-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-6810\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Bayreuth-Holl\u00e4nder-1.jpg\" alt=\"bayreuth-hollaender\" width=\"429\" height=\"775\" \/><\/a>Marek Janowski<\/strong> scheint noch nicht in Bayreuth angekommen zu sein, das Orchester scheint ihm nicht bereitwillig zu folgen. Es gibt immer wieder Abstimmungsprobleme und Probleme im Zusammenspiel. Die dekonstruktive Inszenierung von Frank Castorf bleibt hei\u00dfumstritten, die Nachfrage nach Karten sinkt, B\u00fchnenbild und Personenf\u00fchrung hat mit dem <em>Ring des Nibelungen<\/em> weiterhin wenig zu tun: lediglich die Anzahl der Krokodile im Siegfried ist hier nachzutragen: es sind jetzt f\u00fcnf.<\/p>\n<p>Ein Publikumsrenner ist jedes Jahr die <em>Kinderoper<\/em>, beliebt bei jung und (mehrheitlich!) alt. Der erste Kanon der zehn Werke Wagners ist durch, zum zweiten Mal steht der <em>Holl\u00e4nder<\/em> auf dem Spielplan. Faszinierend wie einfach man eine komplexe Handlung um Liebe und Erl\u00f6sung erz\u00e4hlen kann, auch wenn man hier ganze Handlungsstr\u00e4nge streicht. Die musikalische Strichfassung zeigt eine Auswahl der H\u00f6hepunkte des Werkes. <strong>Charles Kim<\/strong> ist ein lyrischer leichter Tenor, der dem jugendlichen Erik Glaubw\u00fcrdigkeit verleiht. Den Zweikampf mit dem Holl\u00e4nder von <strong>Kay Stiefermann<\/strong> um die jugendlich dynamische Senta alias <strong>Christiane Kohl<\/strong> verliert er nicht nur wegen der Vorgabe in der Handlung. <strong>Jukka Rasilainen<\/strong> legt \u2013 als erfahrener Bayreuther Heldenbariton \u2013 den Daland als liebenswerten Erz\u00e4hlonkel an und zeigt noch einmal wie Sch\u00f6ngesang im Wagnerfach aussieht. Das Publikum hat an der zweist\u00fcndigen Vorstellung seine helle Freude, auch wenn f\u00fcr die Kinder die Mitmachaktionen aus der ersten <em>Holl\u00e4nder <\/em>Produktion fehlen.<\/p>\n<p>\u00c4nderungen gibt es bei den Einf\u00fchrungsvortr\u00e4gen, die immer beliebter werden. So ist Sven Friedrich vom Chorsaal in das Festspielhaus umgezogen. Hans Martin Gr\u00e4bner h\u00e4lt seine Vortr\u00e4ge im Rokoko-Saal des Pianohauses Steingr\u00e4ber \u2013 am Klavier spielt er die wichtigsten Motive. Stefan J\u00f6rris in der Walhall Lounge, einem Restaurant oberhalb des Festspielhauses, greift auf Konserven zur\u00fcck, hat aber viel Erfahrung mit den Produktionen im Festspielhaus. J\u00fcrgen-Volker Ern aus Z\u00fcrich ist im evangelischen Gemeindehaus im Auftrag des <em>Richard-Wagner-Verbandes<\/em> unterwegs, bleibt aber ohne gro\u00dfe Resonanz. Jeder der Einf\u00fchrungsvortr\u00e4ge ist uneingeschr\u00e4nkt empfehlenswert: Friedrich sagt wie es ist, Gr\u00e4bner wie es sein sollte, J\u00f6rris wie es in besseren Zeiten gewesen ist, was die Problematik der Bayreuther Festspiele auf den Punkt bringt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Welche Erkenntnisse resultieren aus der Festspielsaison 2016?<\/p>\n<p>Eine <em>Parsifal P<\/em>remiere, der immerhin ein gehobenes Stadttheaterniveau bescheinigt wird, aber doch zum Befreiungsschlag gegen die Kritiker ausreicht, die Bayreuth in der belanglosen Beliebigkeit versinken sehen. Wenn man ehrlich ist, orientiert sich Uwe Eric Laufenberg optisch an der Inszenierung von Dmitri Tcherniakov (der auch f\u00fcr den n\u00e4chsten <em>Ring<\/em> in Bayreuth im Gespr\u00e4ch ist) an der Staatsoper unter den Linden in Berlin. Ansonsten zitiert er eine Reihe von Regieeinf\u00e4llen vieler Kollegen, deren Reihung nicht unbedingt eine sinnvolle Gesamthandlung ergibt. So stellt sich auch irgendwie die Sinnfrage; denn die Auseinandersetzung zwischen Christen und Islam, zwischen Gralsrittern und Klingsor verl\u00e4uft im Sande. So wird der Unterschied zwischen gut gemacht und gut gemeint das Credo dieser Inszenierung. S\u00e4ngerisch und musikalisch ist diese Produktion auf sehr hohem Niveau. <strong>Hartmut Haenchen<\/strong>, der kurzfristig f\u00fcr Andris Nelsons einsprang, hat hohe Anforderungen gestellt und auch die verwendete Partitur auf eine einheitliche (Ur-)Fassung zur\u00fcckgef\u00fchrt. Das Ergebnis spricht f\u00fcr sich: und so wird er im kommenden Jahr zur\u00fcckkehren und die Arbeit mit den Musikern fortsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Nachfrage scheint zu sinken, jedenfalls nach bestimmten, weil \u201eunbeliebten\u201c St\u00fccken, die Anzahl der Kartenverk\u00e4ufer f\u00fcr <em>Ring<\/em> oder <em>Holl\u00e4nder<\/em> vor dem Kartenb\u00fcro nimmt zu. Ebenso die \u201eSalzburgisierung\u201c Bayreuths: ab der kommenden Saison werden die Karten f\u00fcr Premieren bis zu 400 Euro kosten! Damit n\u00e4hert man sich dem Preisniveau Salzburgs. Die Absicht Wagners, seine Festspiele kostenlos durchzuf\u00fchren, wird ein immer mehr ferner und unwirklicherer Traum. Im kommenden Jahr wird <strong>Barrie Kosky<\/strong>, Intendant der Komischen Oper Berlin, die <em>Meistersinger<\/em> inszenieren. Und so wartet Bayreuth schon wieder auf den \u201ereinen Toren&#8220; \u2013 hoffentlich wird es lustig&#8230;<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bilder: Enrico Nawrath<\/p>\n<p>Bild 1:: Klaus Florian Vogt (Parsifal)<\/p>\n<p>Bild 2: Petra Lang (Isolde), Stephen Gould (Tristan)<\/p>\n<p>Bild 3: Ricarda Merbeth (Senta) im <em>Der fliegende Holl\u00e4nder<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Parsifal von Richard Wagner (1813-1883), B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten, Libretto: R. Wagner, UA: 1882 Bayreuth, Festspielhaus Regie: Uwe Eric Laufenberg, B\u00fchne : Gisbert J\u00e4kel Dirigent: Hartmut Haenchen, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Eberhard Friedrich Solisten: Ryan McKinny (Amfortas),<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6805\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6808,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47],"tags":[],"class_list":["post-6805","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6805","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6805"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6805\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6811,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6805\/revisions\/6811"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6808"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6805"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6805"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6805"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}