{"id":6789,"date":"2016-09-01T15:51:37","date_gmt":"2016-09-01T14:51:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6789"},"modified":"2016-09-18T16:29:14","modified_gmt":"2016-09-18T15:29:14","slug":"innsbrucker-festwochen-der-alten-musik-2016","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6789","title":{"rendered":"Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2016"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong><em>Arien f\u00fcr den Kaiser<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Johann Georg Reutter (1708-1772), Antonio Caldara (1670-1736), Francesco Bartolomeo Conti (1681\/82-1732), UA: Kaiserhof in Wien ab 1701<\/p>\n<p>Leitung: Michael D\u00fccker, Nuovo Aspetto<\/p>\n<p>Solisten: <strong>Valer Sabadus<\/strong> (Countertenor)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. Juli 2016 Spanischer Saal, Schlo\u00df Ambras<\/p>\n<p><strong><em>Il matrimonio segreto<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Domenico Cimarosa (1749-1801), Melodramma giocoso in zwei Akten nach einem Libretto von Giovanni Bertati, UA: 1792, Wien<\/p>\n<p>Regie: Renaud Doucet, B\u00fchnenbild und Kost\u00fcme: Andre Barbe<\/p>\n<p>Dirigent: Alessandro De Marchi, Academia Montis Regalis<\/p>\n<p>Solisten: Renato Girolami (Graf Robinson), Donato Di Stefano (Geronimo), Loriana Castellano (Fidalma), Klara Ek (Elisetta), Giulia Semenzato (Carolina), Jesus Alvarez (Paolino)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 16. August 2016, Tiroler Landestheater<\/p>\n<p><strong><em>Musik f\u00fcr den Sonnenk\u00f6nig<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Marc-Antoine Charpentier (1643-1704), Marin Marais (1656-1728), Fran\u00e7ois Couperin (1668-1733)<\/p>\n<p>Dirigent: Christophe Rousset, Les Talens Lyriques<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 20. August 2016, Spanischer Saal im Schlo\u00df Ambras<\/p>\n<p><strong><em>Le nozze in sogno<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Pietro Antonio Cesti (1623-1669), Dramma civile nach einem Libretto von Pietro Susini, Kritische Neuausgabe von Alan Curtis und Alessandro Bares, Adaption von Alessio Pizzech, UA: 06. Mai 1665, Florenz<\/p>\n<p>Regie: Alessio Pizzech, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme: Davide Amadei<\/p>\n<p>Dirigent: Enrico Onofri, Ensemble Innsbruck Barock<\/p>\n<p>Solisten: Rodrigo Sosa Dal Pozzo (Flammiro), Arianna Vendittelli (Lucinda), Yulia Sokolik (Emilia), Francisco Fernandez-Rueda (Filandra), Bradley Smith (Lelio), Ludwig Obst (Fronzo), Konstantin Derri (Scorbio), Rocco Cavalluzzi (Pancrazio), Jeffrey Francis (Teodoro\/Ser Mose)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. August 2016 Aula der Sozialwissenschaftlichen Fakult\u00e4t<\/p>\n<p><strong><em>Alceste<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Christoph Willibald Gluck (1714-1787), Tragedia per musica in drei Akten, Libretto: Ranieri De\u2018Cazabigi, konzertante Auff\u00fchrung,<\/p>\n<p>UA: 26. Dezember 1767 Wien<\/p>\n<p>Dirigent: Rene Jacobs, B&#8217;Rock Orchestra, Chor: Musicaeterna Perm, Choreinstudierung: Vitaly Polonsky<\/p>\n<p>Solisten: Brigitte Christensen (Alceste), Thomas Walker (Admeto), Kristina Hammarstr\u00f6m (Ismene), Anicio Zorzi Giustiniani (Evandro), Georg Nigl (Herold, Priester, Gottheit, Apollo), Alicia Amo (Aspasia), Joshua Kranefeld (Eumelo), Viktor Shapovalov (Orakel)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 23. August 2016 im Saal Tirol des Congress Innsbruck<\/p>\n<p><strong><em>Jubil\u00e4umskonzert 40 Jahre Woche der alten Musik in Innsbruck<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Werke von Johann Antonio Caldara (1670-1736), Johann Sebastian Bach (1685-1750), Fran\u00e7ois Couperin (1668-1733), Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759) Arien in italienischer Sprache mit deutschem Text im Begleitbuch<\/p>\n<p>Solisten: Lawrence Zazzo (Countertenor), Amandine Beyer (Barockvioline), Anna Fontana (Cembalo), Baldomero Barciela (Viola da gamba)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. August 2016 im Spanischen Saal im Schlo\u00df Ambras<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/InnsbruckLandestheater__by-FEWO_Jagandrk_wiki.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6791\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/InnsbruckLandestheater__by-FEWO_Jagandrk_wiki.jpg\" alt=\"innsbrucklandestheater__by-fewo_jagandrk_wiki\" width=\"490\" height=\"367\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/InnsbruckLandestheater__by-FEWO_Jagandrk_wiki.jpg 490w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/InnsbruckLandestheater__by-FEWO_Jagandrk_wiki-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 490px) 100vw, 490px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Wie doch die Zeit vergeht: 40 Jahre gibt es nun <em>Innsbrucker Festwochen der Alten Musik<\/em>! Man blickt zur\u00fcck und spielt als Festkonzert das allererste Konzert noch einmal nach \u2013 zumindest das Programm wird nachgespielt \u2013 die Besetzung entsprich dem Niveau unserer Zeit. Ren\u00e9 Jacobs, vor 40 Jahren im Konzert als Countertenor besetzt und seit 1997 bis 2009 Leiter der Festwochen der alten Musik, kehrt mit einem Gastspiel nach Innsbruck zur\u00fcck. <em>Alceste<\/em>, eine konzertante Produktion der Ruhrtriennale, wird zu einem H\u00f6hepunkt.<\/p>\n<p>Seit 2010 ist Alessandro De Marchi Leiter der Festwochen. So ist er auch mit der Leitung der Opernproduktion im Tiroler Landestheater betreut. In diesem Jahr wird eine Oper von Domenico Cimarosa gew\u00e4hlt, die im wahrsten Sinne des Wortes zum &#8222;Gackern&#8220; ist. In 40 Jahren ist es gelungen, die Festwochen zu einem der f\u00fchrenden Festivals der Pflege von Barockmusik zu machen. Da sollte man nicht nur die musikalischen H\u00f6hepunkte dokumentieren, sondern auch die in Innsbruck verteilten Spielst\u00e4tten vorstellen. Und wegen \u00fcberregionalen Bedeutung auch die Parkm\u00f6glichkeiten. Die Tiroler K\u00fcche in der drittgr\u00f6\u00dften Stadt \u00d6sterreichs, Einstiegspunkt zum Brenner an der Inntalautobahn, ist \u00fcberall empfehlenswert und bezahlbar. Das sagen sogar die Studenten vor Ort.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung, S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Direkt an der Inntalautobahn liegt Schlo\u00df Ambras, ein Renaissance-Schlo\u00df, das den Tiroler Landesf\u00fcrsten und seit 1363 den Habsburgern als Residenz diente. Der rechteckige spanische Saal mit historischen F\u00fcrstenbildern ist wegen seiner Akustik weit ger\u00fchmt, bietet aber nur 380 Zuh\u00f6rern Platz. Dieser Saal ist wie geschaffen als Konzertsaal f\u00fcr Kammerkonzerte oder Liederabende, wie z.B. die <em>Arien f\u00fcr den Kaiser<\/em>, die <strong>Valer Sabadus<\/strong> vortr\u00e4gt. Begleitet wird er nicht nur von einem Cembalo (<strong>Wiebke Weidanz<\/strong>), sondern von einem zw\u00f6lfk\u00f6pfigen barocken Instrumentenensemble namens <strong>Nuovo Aspetto<\/strong>, das Michael D\u00fccker f\u00fcr die einzelnen Auftritte immer wieder neu gruppiert. Die Instrumentalsolisten sind dabei eine gleichwertige Begleitung. Da auf Darmsaiten gespielt wird, m\u00fcssen die Saiten-Instrumente auch immer neu gestimmt werden, besondere Aufmerksamkeit genie\u00dft das Salterio (<strong>Elisabeth Seitz<\/strong>), eine italienische Variante eines Hackbrettes oder das Chalumeau (Monika Fischalek), ein Holzblasinstrument, aus dem die Klarinette entlehnt ist. Vom Klangbild her kann man <strong>Valer Sabadus<\/strong> auch als Sopranisten bezeichnen, so souver\u00e4n st\u00f6\u00dft er in den Arien von Antonio Caldara in die h\u00f6chsten H\u00f6hen vor. Diese Arien sind f\u00fcr Sopran oder Alt ausgewiesen. Zwar klingt er in der H\u00f6he manchmal etwas leiser, aber seine Gestaltung, sein Legato und seine Koloraturen sind stets souver\u00e4n &#8211; die reinsten Koloratur-Teppiche! Ist dieses Konzert der barocken Kultur am Wiener Kaiserhof gewidmet, so finden sich unter dem zweiten Konzert-Titel <em>Musik f\u00fcr den Sonnenk\u00f6nig<\/em> Vertreter des franz\u00f6sischen Barocks zusammen. Es ist nicht hoch zu w\u00fcrdigen, da\u00df in Innsbruck immer wieder auch wichtige Werke des franz\u00f6sischen Barocks vorgetragen werden, da diese sonst im deutschsprachigen Raum kaum zum Zuge kommen. So ist Marc-Antoine Charpentier weithin unbekannt, sein Prelude zu seinem Te Deum kennt als Intro zu Eurovisionssendungen fast jeder. Die gleiche elektrisierende Wirkung darf man auch seiner <em>Sonate a huit<\/em> zusprechen. Sein Sch\u00fcler Marin Marais\u00a0 ging als Gambenvirtuose am Hofe Ludwigs XIV. ein. Die <em>Pieces pou deux violes<\/em> stellt die hohen Herausforderungen an die Streichinstrumente heraus &#8211; hier klingt es spielerisch leicht. Francois Couperin entwickelt die italienischen Sonaten zur franz\u00f6sischen Form &#8211; er f\u00fchrt den franz\u00f6sischen Rhythmus ein, setzte auf mit Verzierungen angereicherte Melodik oder die polyphone Satzweise. Die <em>Sonate a trio &#8222;La Superbe&#8220;<\/em> kann man als klangliche Abgrenzung zwischen italienischer und franz\u00f6sischer Sonate sehen. \u00c4hnliches kann man auch zu der <em>Sonate &#8222;Le Tombeau de M. de Lully&#8220; <\/em>von Jean-Fery Rebel sagen, denn der franz\u00f6sische Stil entfaltet sich in italienischer Form. Rebel, ein Wunderkind auf der Geige, setzt mit dieser Sonate nicht nur Lully ein Denkmal, sondern auch sich selbst, denn die Spr\u00fcnge und Teufelstriller auf der Violine stellen wirklich h\u00f6chste Anforderungen und werden vom Publikum auch h\u00f6rbar goutiert. Der Dank geht an <strong>Les Talens Lyriques<\/strong>, das hier aus zwei Violinen und zwei Viola da gamba besteht. <strong>Christophe Rousset<\/strong> leitet vom Cembalo aus das von ihm gegr\u00fcndete Ensemble. Ein unverge\u00dfliches Konzert! Das Stichwort &#8222;unverge\u00dflich&#8220; kann man auch f\u00fcr das <em>Jubil\u00e4umskonzert<\/em> anwenden: das gleiche Programm, wie bei dem ersten, dem Gr\u00fcndungskonzert der Innsbrucker Festwochen vor 40 Jahren steht auf dem Spielplan. Der besondere Reiz liegt darin, da\u00df keiner der damaligen Solisten mehr zur Verf\u00fcgung steht. Rene Jacobs hat seine Kariere als Kontratenor begonnen, ist aber l\u00e4ngst nur noch in der Leitung t\u00e4tig. <strong>Lawrence Zazzo<\/strong> \u00fcbernimmt f\u00fcr ihn die Arien und Rezitative aus der <em>Kantate Vicino a un rivoletto<\/em>. Er \u00fcberzeugt mit sicherer und strahlender H\u00f6he und kann den hohen Anforderungen an die als Alt bezeichnete Tonlage gerecht werden. <em>Bachs Sonate f\u00fcr Violine und Cembalo<\/em> ist der gro\u00dfe Moment f\u00fcr <strong>Amandine Beyer<\/strong> und <strong>Anna Fontana<\/strong> um das kongeniale Zusammenspiel zwischen Barockvioline und Cembalo unter Beweis zu stellen. Mit der <em>Deuxieme Suite<\/em> von Francois Couperin schl\u00e4gt die gro\u00dfe Stunde f\u00fcr <strong>Baldomero Barciela<\/strong> mit der Viola da gamba. Letztere wird zwischen den Beinen gehalten und unterscheidet sich in Bauform, Stimmung und Saitenzahl vom Cello oder Contraba\u00df, von dem sie verdr\u00e4ngt wurde.<\/p>\n<p>Die Konzerte sind gut besucht, das Innsbrucker Publikum wirkt sehr erfahren mit der barocken Auff\u00fchrungspraxis der Konzerte, Fachgespr\u00e4che nahezu immer m\u00f6glich: Die Stimmung meist euphorisch. Auch nach heftigem langwierigem Applaus kommt man schnell wieder per Shuttle-Bus (Der Parkplatz am Schlo\u00df ist relativ klein!) in die Innsbrucker Innenstadt, wo man in zahlreichen Lokalen noch warme K\u00fcche bis nach Mitternacht findet. Das Schlo\u00dfrestaurant befindet sich in der Renovierung, Pausengastronomie ist aber vorhanden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Innsbruck-Il-Matrimonio-Segreto.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6794\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Innsbruck-Il-Matrimonio-Segreto.jpg\" alt=\"innsbruck-il-matrimonio-segreto\" width=\"519\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Innsbruck-Il-Matrimonio-Segreto.jpg 519w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Innsbruck-Il-Matrimonio-Segreto-300x202.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 519px) 100vw, 519px\" \/><\/a>Ebenso repr\u00e4sentativ, aber deutlich neueren Ursprungs ist das Landestheater Innsbruck mit seiner historisierenden Fassade, die durchaus passend zur gegen\u00fcber liegenden Hofburg ist. Hinter der Fassade befindet sich ein modernes Theater mit 750 Pl\u00e4tzen. Hier hebt sich der Vorhang \u00fcber der Oper von Domenico Cimarosa <em>Il matrimonio segreto<\/em>. Die heimliche Hochzeit besteht zwischen der Kaufmannstochter Carolina und dem Sekret\u00e4r Paolino. Der Kaufmann Geronimo freut sich, da\u00df Graf Robinson um die Hand seiner \u00e4lteren Tochter Elisetta anh\u00e4lt. Da der Graf sich bei der Vorstellung spontan in Carolina verliebt, f\u00fchrt dies zu einigen heiteren Verwicklungen, bis wieder Frieden einkehrt. Diese Heiterkeit wird von Renaud Doucet in einem H\u00fchnerstall verortet, die Tante Fidalma ruft die Familie zur Ordnung: <em>Macht kein solches Gegacker! Ihr f\u00fchrt euch auf wie im H\u00fchnerstall.<\/em> Und so sehen wir einen Stall mit K\u00e4fig, Legebatterie und einer Empore f\u00fcr den Gockel. In dieser m\u00e4rchenhaft bunten Inszenierung wird Geronimo zu einem dummen Gockel, die Liebespaare zu gackernden H\u00fchnern. Musikalisch wirkt das Werk leider nicht ganz so peppig, das Werk Cimarosas wirkt wie das fehlende Bindeglied zwischen Mozart und Rossini, hat leider keine besonderen H\u00f6hepunkte, auch wenn <strong>Alessandro De Marchi<\/strong> aus der <strong>Academia Montis Regalis<\/strong> jede m\u00f6gliche Dynamik, jede harmonische Regung herauskitzelt und unterstreicht. S\u00e4ngerisch setzt man auf S\u00e4nger, die noch am Anfang ihrer Kariere stehen und auch nicht unbedingt ausgewiesene Kenner der alten Musik sind. Es \u00fcberzeugen vor allem die Damen, <strong>Klara Ek<\/strong> (Elisetta) und <strong>Giulia Semenzato<\/strong> (Carolina) mit ihrem klaren jugendlichen Sopran, der im Mozart-Fach zu Hause ist. <strong>Loriana Castellano<\/strong> (Fidalma) springt f\u00fcr Vesselina Kasarova ein und rettet die Vorstellungen. <strong>Donato Di Stefano<\/strong> als schwerer Spielba\u00df gibt dem schwerh\u00f6rigen leicht vertrottelten Geronimo den richtigen Auftritt. Sehr freundlicher Applaus f\u00fcr einen unterhaltsamen und witzigen Abend.<\/p>\n<p>Die Open-Air Auff\u00fchrung der Oper <strong>Le nozze in sogno<\/strong> im Innenhof der Theologischen Fakult\u00e4t (wegen schlechten Wetters in der Aula der sozialwissenschaftlichen Fakult\u00e4t) ist Teil des Projektes BAROCKOPER:JUNG. F\u00fcr junges Publikum wird das St\u00fcck im &#8222;theatergerecht gemachten \u00a0Rahmen&#8220; der Gew\u00f6lbe und Arkaden entsprechend peppig inszeniert und von &#8222;jungen Solisten&#8220; vorgetragen. Es gibt nur ein Podium als Spielfl\u00e4che, w\u00e4hrend das Orchester am Rand sitzt. Das radikal reduzierte B\u00fchnenbild besteht einem Kahn und aus gro\u00dfen Holzkisten, die teilweise oder komplett aufgeklappt werden k\u00f6nnen, und als Schlafzimmer, Wohnung, Fenster, Kran oder Ausguck dienen k\u00f6nnen. Es geht um den Kampf zweier Liebespaare, dem die Interessen zweier Oheime entgegen stehen und der Versuch Flammiros seiner Geliebten Lucinda als Frau verkleidet (Celia) nahe zu sein, was dazu f\u00fchrt da\u00df er (als Celia verkleidet) von Lelio begehrt wird, der eigentlich Emilia zugedacht ist. Die Handlung spielt in einem Hafen unserer Zeit und die Verkleidung Flammiros wird zu einer Disko-Travestie-Nummer unter Stroboskop-Licht. F\u00fcr die musikalische Umsetzung zust\u00e4ndig ist <strong>Enrico Onofri<\/strong>, der den k\u00fcrzlich verstorbenen Alan Curtis mehr als w\u00fcrdig ersetzt. Die Partitur Cestis, der auch am Innsbrucker Hof t\u00e4tig war, ist sehr anspruchsvoll: Sie besteht nicht nur aus Arien und Rezitativen, sonder auch aus vielen Terzetten und Quart- und Quintetten, die in der Abstimmung des Zusammenwirkens viel Fingerspitzengef\u00fchl bed\u00fcrfen. Das gelingt meist recht gut, auch dank des kleineren Orchesters <strong>Ensemble Innsbruck Barock<\/strong>, das aus erfahrenen Absolventen des Barockorchesters des Mozarteums Salzburg besteht. Das gr\u00f6\u00dfte Aufsehen erregt der Countertenor <strong>Rodrigo Sosa Dal Pozzo<\/strong> als Flammiro. Auch eine sichere H\u00f6he ist schon vorhanden. Strahlkraft in der H\u00f6he wird sich sicherlich auch bei Konstantin Derri als Scorbio einstellen. Von den Nebenrollen konnte sich <strong>Jeffrey Francis<\/strong> in einer Doppelrolle als etwas zittriger Senior (Teodoro\/Ser Mose) als durchschlagskr\u00e4ftiger Tenor und <strong>Rocco Cavalluzzi<\/strong> (Pancrazio) als kr\u00e4ftiger Ba\u00df in Szene setzen. Nach mehr als 3 Stunden wirkte der Applaus etwas m\u00fcde aber dennoch als herzliche Aufmunterung an die K\u00fcnstler.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Innsbruck-alceste_cEliasKern-6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6790\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Innsbruck-alceste_cEliasKern-6.jpg\" alt=\"innsbruck-alceste_celiaskern-6\" width=\"485\" height=\"324\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Innsbruck-alceste_cEliasKern-6.jpg 485w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Innsbruck-alceste_cEliasKern-6-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><\/a>Der heimliche H\u00f6hepunkt der Festwochen war die Wiederkehr von Rene Jacobs zu der &#8222;halbszenischen&#8220; Produktion von Glucks <strong>Alceste<\/strong> in Zusammenarbeit mit der Ruhrtriennale. Im gro\u00dfen Saal im Congress Innsbruck sind Stufen aufgebaut, der Chor steht auf den obersten Stufen, die Solisten stehen am Dirigentenpult oder nach Auftritten durch die T\u00fcr halbrechts in der Mitte. Zur Auff\u00fchrung gelangt die italienische Urfassung der Oper aus dem Jahr 1767. In Wien war es \u00fcblich noch ein Ballett an die Oper anzuh\u00e4ngen, <strong>Rene Jacobs<\/strong> h\u00e4ngt das Ballett <strong>La Festa d&#8217;Alceste<\/strong> von Josef Starzer an &#8211; zumindest die S\u00e4tze <em>Passacaglia<\/em> und <em>Chaconne<\/em>. Diese Art der historischen Auff\u00fchrungspraxis macht an diesem Abend eines deutlich: Da\u00df man an Rene Jacobs kaum vorbeikommt! Selten kann man dieses Werk Glucks so transparent, die Stimmgruppen so vielschichtig h\u00f6ren, die einzelnen Str\u00e4nge vereinen sich aber immer wieder zu wahren Kaskaden an Wohlklang. Der Esprit des historischen Instrumentariums des <strong>B&#8217;rock Orchestra<\/strong> zieht alle in seinen Bann, selten hat man barocke Blechbl\u00e4ser so sauber intonieren h\u00f6ren\u00a0 &#8211; im Zusammenspiel ist das noch viel beeindruckender. Der Chor <strong>Musicaeterna<\/strong> aus Perm ist aus einigen CD-Aufnahmen von Opern Purcells bekannt und zeigt wie man aus hochwertigen Einzelstimmen einen homogenen Chor zusammenschwei\u00dft. <strong>Viktor Shapovalov<\/strong> singt als Chorsolist das Orakel sehr bestimmt und kann mit seiner &#8222;russischen&#8220; gro\u00dfen tragenden Ba\u00df-Tiefe aufwarten. <strong>Joshua Kranefeld<\/strong> in der Kinderrolle des Eumelio ist Solist des Knabenchores der Chorakademie Dortmund und ist ein Knabentenor mit kindlich leuchtender H\u00f6he &#8211; ohne jedes Zittern oder Nervosit\u00e4t. Fast als Kindersopran w\u00e4re <strong>Alicia Amo<\/strong> durchgegangen &#8211; nicht nur wegen ihrer kindlichen Ausstrahlung sondern auch wegen ihrer jugendlichen klaren und sehr hohen Sopranstimme. <strong>Georg Nigl<\/strong> ist ein sehr vielschichtiger Ba\u00dfbariton, denn f\u00fcr den Apollo ist ein Zwitter zwischen Tenor und Ba\u00df gefordert. Er verf\u00fcgt \u00fcber die H\u00f6he des Baritons und eine relativ sichere Tiefe &#8211; manchmal kommt er dabei aber an Grenzbereiche. Ohne Zweifel zu den f\u00fchrenden Darstellern z\u00e4hlen die Protagonisten der Hauptrollen: <strong>Brigitte Christensen<\/strong> kann der Verzweiflung der Alceste eine Stimme geben, <strong>Thomas Walker<\/strong> ist ein weicher samtiger eher lyrischer Tenor, der im Barockfach z.B. mit Koloraturen sehr erfahren ist. Die etwa 1500 G\u00e4ste im Saal stehen vor Begeisterung am Schlu\u00df fast auf den St\u00fchlen.<br \/>\n<strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Das Publikum war stets begeistert: Die Festwochen 2016 boten ein reichhaltiges Programm mit drei Opern, Konzerten und vielerlei Kleinkunst. Die dritte Produktion fand 2016 konzertant im Saal Tirol des Congress Innsbruck statt, einem modernen Zweckbau (ein gro\u00dfer rechteckiger Saal), aber daf\u00fcr mit herausragender Akustik (und direktem Zugang von der Tiefgarage!). \u00a0Der <em>Spanischen<\/em> <em>Saal<\/em> im Schlo\u00df Ambras ist eine echte Gesellschaftskulisse. Es ist ein monumentaler Renaissancebau vor den Toren Innsbrucks. Die Haupt-Opernproduktion findet im Landestheater statt. Das geringe Platzangebot im Innenhof der theologischen Fakult\u00e4t wird leider daf\u00fcr sorgen, da\u00df die erhoffte Breitenwirkung auf Jugendliche f\u00fcr BAROCKOPER:JUNG nur eingeschr\u00e4nkt sein wird: viel zu begehrt waren die Karten!<\/p>\n<p>Szenisch sind die beiden besuchten Opernproduktionen an das moderne Regietheater angepa\u00dft &#8211; aber sozusagen \u201eBarock-Werkgetreu\u201c &#8211; der historischen szenischen Auff\u00fchrungspraxis f\u00fchlt man sich nicht verpflichtet. Musikalisch bewegt man sich auf \u201eEurop\u00e4ischen Festspielniveau\u201c: einer der wenigen Orte, der sich der Pflege der barocken Musik-Welt w\u00fcrdig erweist &#8211; auch der franz\u00f6sischen und italienischen! Das ist vor allem <strong>Alessandro De Marchi<\/strong> zuzurechnen!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild 1: Landestheater Innsbruck, Wikipedia<\/p>\n<p>Bild 2 : <em>Il matrimonio segreto<\/em>, Rupert Larl<\/p>\n<p>Bild 3: <em>Alceste<\/em> (konzertant), Elias Kern<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arien f\u00fcr den Kaiser von Johann Georg Reutter (1708-1772), Antonio Caldara (1670-1736), Francesco Bartolomeo Conti (1681\/82-1732), UA: Kaiserhof in Wien ab 1701 Leitung: Michael D\u00fccker, Nuovo Aspetto Solisten: Valer Sabadus (Countertenor) Besuchte Auff\u00fchrung: 19. 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