{"id":6786,"date":"2016-09-17T10:22:32","date_gmt":"2016-09-17T09:22:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6786"},"modified":"2016-09-18T20:19:05","modified_gmt":"2016-09-18T19:19:05","slug":"eliogabalo-paris-palais-garnier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6786","title":{"rendered":"ELIOGABALO &#8211; Paris, Palais Garnier"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Francesco Cavalli (1602-1676), Oper in drei Akten, Libretto: Verfasser unbekannt, UA: 1668 Venedig, posthume Erstauff\u00fchrung: 1999 Teatro San Domenico, Crema (Provinz Cremona, Italien)<\/p>\n<p>Regie: Thomas Jolly, B\u00fchne: Thibault Fack, Kost\u00fcme: Gareth Pugh K\u00fcnstlerische Beratung: Alexandre Dain,, Licht: Antoine Travert Dramaturgie: Corinne Meyniel<\/p>\n<p>Dirigent : Leonardo Garcia Alarc\u00f3n, Capella Mediterranea, Choeur de Chambre de Namur, Choreinstudierung: Thibault Lenaerts, Choreographie: Maud le Pladec<\/p>\n<p>Solisten: Franco Fagioli (Eliogabalo), Paul Groves (Alessandro Cesare), Nadine Sierra (Flavia Gemmira), Valer Sabadus (Giuliano Gordio), Elin Rombo (Anicia Eritea), Mariana Flores (Atilia Macrina),\u00a0 Mattheu Newlin (Zotico),\u00a0 Emiliano Gonzalez Tero (Lenia), Scott Conner (Nerbulone, Tiferne)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 16. September 2016 (Premiere), Koproduktion mit der National Oper, Amsterdam<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>K<\/strong><strong>urzinhalt<a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/ParisEliogabalo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6798\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/ParisEliogabalo.jpg\" alt=\"pariseliogabalo\" width=\"384\" height=\"575\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/ParisEliogabalo.jpg 384w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/ParisEliogabalo-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Der Kaiserj\u00fcngling Eliogabalo, der sich mal f\u00fcr den Sonnengott Helios, mal f\u00fcr Jupiter h\u00e4lt, vergewaltigt Eritea, die Verlobte des Pr\u00e4torianer F\u00fchrers Guiliano. Um ihre Ehre wiederherzustellen, verlangt Eritea von ihm, sie zu heiraten. Der Kaiser verspricht es, aber nur zum Schein. Sein Vetter Alessandro bittet Gemmira, die Schwester Giulianos, heiraten zu d\u00fcrfen. Auch das sagt der Kaiser zu, ist aber entschlossen, diese Sch\u00f6nheit selbst zu erobern. In einem von ihm organisierten Frauensenat m\u00fcssen die R\u00f6merinnen mit verbundenen Augen raten, wer sie gek\u00fc\u00dft hat. Eliogabalo gelingt es Gemmira zu k\u00fcssen, doch als Eritea w\u00fctend eintritt, wird das Spiel gest\u00f6rt.<\/p>\n<p>Eliogabalo befiehlt daraufhin Gemmira auf einem Gelage einen Schlaftrunk einzufl\u00f6\u00dfen und gleichzeitig Alessandro zu vergiften. Danach bietet er Guiliano an, ihm Eritea zur\u00fcckzugeben, wenn dieser ihm Gemmira \u00fcberl\u00e4\u00dft. Doch dieser w\u00fcrde lieber sterben als seine Ehre zu opfern. Beim Gastmahl stehen Gift und Schlaftrunk schon bereit, als ein Unheil verk\u00fcndender Eulenflug wieder alles vereitelt. Atilia versucht den eifers\u00fcchtigen Alessandro f\u00fcr sich zu gewinnen. Eritea und Gemmira \u00fcberreden Guiliano den Kaiser zu t\u00f6ten. Inzwischen beschlie\u00dfen der Kaiser und sein Gehilfe Zotico, Alessandro w\u00e4hrend der Zirkusspiele t\u00f6ten zu lassen, w\u00e4hrend der Zeit wolle der Kaiser Gemmira verf\u00fchren. Doch Zoticos Anschlag wird vereitelt und Gemmica wird von Pr\u00e4torianern gerettet, die Eliogabalo umbringen. Die Pr\u00e4torianergarden erkl\u00e4ren Alessandro zum neuen Kaiser und die beiden Liebespaare k\u00f6nnen endlich heiraten.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das dunkle B\u00fchnenbild ist neutral, leere Szenenfl\u00e4chen durch Treppen verbunden. Auf diesen und um diese herum tummeln sich die Darsteller, in oft ans M\u00e4rchenhafte grenzende Phantasiekost\u00fcme geh\u00fcllt. Der Kaiser im schwarzen, roten, violetten oder blauen, immer goldverzierten Prunkmantel ist nat\u00fcrlich der gl\u00e4nzendste, mit einer goldschimmernden Sonnenscheibe als Kopfschmuck. Die \u00fcbrigen Kost\u00fcme sind einfacher. Gemmira in wei\u00dfer Toga, dunkelblau umrandet. Eritea ganz in wei\u00df. Alessandro in grauwei\u00dfer, einem M\u00f6nchsgewand \u00e4hnlicher Kleidung. Lenia ganz in Schwarz, aber voller Goldschmuck, auf dem Kopf, um Hals und Arme. Guiliano in grauer R\u00fcstung, schwarzen Stiefeln und rotem Umhang. In der Senatsszene tragen die Damen einfache, lange, hell graue Kleider, mit hohen kegelf\u00f6rmigen, ans Mittelalter erinnernden Kopfhauben mit Schleier. Nur der Kaiser, als Frau verkleidet, tr\u00e4gt ein rot-goldenes Prunkkleid. W\u00e4hrend halbnackte J\u00fcnglinge und M\u00e4dchen als sich bewegende und umschlingende \u201eStatuen\u201c den Raum schm\u00fccken.<\/p>\n<p>Die \u201eLichtarchitektur\u201c, die Thomas Jolly versprochen hat, ist eher eine Architektur der Dunkelheit, da die B\u00fchne nur von einigen d\u00fcnnen Suchscheinwerfern erleuchtet ist. In diese Dunkelheit rieselt hin und wieder ein Goldkonfetti-Regen. Oder ein fantastisches Video erhellt den Hintergrund. Erst in der Schlu\u00dfszene entfaltet sich eine wirkliche Lichtarchitektur. Im letzten Akt pr\u00e4gt, immer st\u00e4rker beleuchtet, eine Riesenb\u00fcste des Kaisers den Hintergrund.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Franco Fagioli<\/strong> ist der entschiedene Star des Abends. Er spielt und singt verf\u00fchrerisch mit weicher, sinnlicher, aber doch kr\u00e4ftiger und wechselhafter Kontra-Tenorstimme den effeminierten, triebhaften, sittenlosen Megalomane Eliogabalo , wie in der Arie <em>Vorrei poter di tutte<\/em> (1. Akt, 4. Szene) oder in den Trios der \u201einfernalen Drei\u201c \u2013 Eliogabalo, Lenia, Zotico \u2013 mit den zwei Ten\u00f6ren <strong>Emiliano Gonzalez Toro<\/strong> und des <strong>Matthew Newlin<\/strong>. <strong>Paul Groves<\/strong> spielt und singt mit warmem, klangvollem Tenor die treue Vaterfigur der Handlung, Alessandro. <strong>Nadine Sierra<\/strong> ist mit dramatischem, leidenschaftlichem Sopran, die umk\u00e4mpfte Gemmira, besonders eindrucksvoll in der einzigen Bravourarie der Oper <em>Alessandro, ove sei? <\/em>in der sie m\u00fchelos die schwierigen Koloraturen durchl\u00e4uft. <strong>Eline Rombo<\/strong> als die verletzte Eritea mit heller, klarer Stimmf\u00fchrung und <strong>Valer Sabadus<\/strong> als der sanfte Guiliano mit samtenem, weichem, fast engelhaftem Kontra-Tenor, beweinen sie ihre Liebe im bewegenden Lamento-Duett <em>Deh manda quei singulti<\/em> (2. Akt, 3. Szene). <strong>Marianna Flores <\/strong>als Atilia versucht mit spritzig leichtem Sopran vergeblich Alessandro zu umgarnen. <strong>Scott Connor <\/strong>als Nerbulone spielt und singt mit sonorem Ba\u00df erst allein und danach mit Lenia eine komische Szene, die schon ganz den Ton der k\u00fcnftigen <em>opera buffa<\/em> vorwegnimmt.<\/p>\n<p>Die Oper klingt aus, nicht mit Pauken und Trompeten, sondern mit einem sanften Liebesquartett <em>Idol caro, meco il fato. <\/em>Was bei dieser fr\u00fchen Barockoper wieder auff\u00e4llt, ist das weitgehende Fehlen des<em> Vibrato <\/em>im Gesang, etwas, das den Stimmen jenen eigenen klaren, hehren Klang verleiht.<\/p>\n<p><strong>Leonardo Garcia Alarc\u00f3n<\/strong> dirigiert die von ihm gegr\u00fcndete Cappella Mediterranea beherrscht, aber schwungvoll, wobei auch die Bl\u00e4ser gut zum Ausdruck kommen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p><strong>Thomas Jolly und seinem Team<\/strong> ist hier eine sehr erfreuliche Inszenierung gelungen. Die Regie ist bis ins Detail einstudiert und einleuchtend. Man kann der Op\u00e9ra de Paris nur gratulieren, zum Auftakt der Saison diese textlich wie musikalisch gro\u00dfartige, sp\u00e4te venezianische Oper Francesco Cavallis aus der Versenkung hervorgeholt und in einer originellen Inszenierung und mit einem ausgezeichneten Ensemble wieder auf die B\u00fchne gebracht zu haben.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen.<\/p>\n<p>Bild: Agathe Poupeney<\/p>\n<p>Das Bild zeigt v.l.n.r., auf der B\u00fchne: Nadine Sierra (Flavia Gemmira), Valer Sabadus (Giuliano Gordio), Elin Rombo (Anicia Eritea), Paul Groves (Alessandro Cesare)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Francesco Cavalli (1602-1676), Oper in drei Akten, Libretto: Verfasser unbekannt, UA: 1668 Venedig, posthume Erstauff\u00fchrung: 1999 Teatro San Domenico, Crema (Provinz Cremona, Italien) Regie: Thomas Jolly, B\u00fchne: Thibault Fack, Kost\u00fcme: Gareth Pugh K\u00fcnstlerische Beratung: Alexandre Dain,, Licht: Antoine Travert<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6786\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6801,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,133],"tags":[],"class_list":["post-6786","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-paris-palais-garnier"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6786","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6786"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6786\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6800,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6786\/revisions\/6800"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6801"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6786"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6786"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6786"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}