{"id":6774,"date":"2016-07-05T20:25:49","date_gmt":"2016-07-05T19:25:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6774"},"modified":"2016-07-17T20:29:29","modified_gmt":"2016-07-17T19:29:29","slug":"goetterdaemmerung-leipzig-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6774","title":{"rendered":"G\u00d6TTERD\u00c4MMERUNG &#8211; Leipzig, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Dritter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen in drei Aufz\u00fcgen und einem Prolog, Text vom Komponisten, UA: 17. August 1876 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Rosamund Gilmore, B\u00fchne: Carl Friedrich Oberle, Kost\u00fcme: Nicola Reichert<\/p>\n<p>Dirigent: Ulf Schirmer, Gewandhausorchester Leipzig<\/p>\n<p>Tanzensemble: Ziv Frenkel, Sindei Brand\u00e3o, Ole Dreiver, Unita Gay Galiluyo, Sophia Hofmann, Mathis Kleinschnitgger, Elodie Lavoignat, Sandra Lommerzheim, Jochen Vogel, Juliette Rahon, Oliver Roche, Alicia Varela Carballo<\/p>\n<p>Solisten: Thomas Mohr (Siegfried), Tomas Pursio (Gunther), J\u00fcrgen Linn (Alberich), R\u00fani Brattaberg (Hagen), Marika Sch\u00f6nberg (Gutrune), Kathrin G\u00f6ring (Waltraute), Karin Lovelius (1. Norn), Kathrin G\u00f6ring (2. Norn), Olena Tokar (3. Norn), Magdalena Hinterdobler (Woglinde), Sandra Maxheimer (Wellgunde), Sandra Janke (Flo\u00dfhilde)<\/p>\n<p>Auff\u00fchrung: 3. Juli 2016 (Premiere, <em>Rings der Nibelungen, <\/em>2. Zyklus)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Leipzig_Goetterdaemmerung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6775\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Leipzig_Goetterdaemmerung.jpg\" alt=\"Leipzig_Goetterdaemmerung\" width=\"571\" height=\"381\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Leipzig_Goetterdaemmerung.jpg 571w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Leipzig_Goetterdaemmerung-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 571px) 100vw, 571px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Nornen spinnen das Schicksal fort, bis der Faden rei\u00dft. Siegfried bricht zu neuen Heldentaten auf, nicht ohne Br\u00fcnnhilde vorher den Ring zu \u00fcberantworten. Am Hofe der Gibichungen wird er bereits erwartet. Hagen trachtet danach, den Ring f\u00fcr seinen Vater Alberich<\/p>\n<p>zur\u00fcckzuewinnen. Seine Intrige sieht vor, Gunther mit Br\u00fcnnhilde, dessen Schwester Gutrune mit Siegfried zu verm\u00e4hlen. Waltraute bittet Br\u00fcnnhilde um R\u00fcckgabe des Rings an die<\/p>\n<p>Rheint\u00f6chter, um den Untergang der G\u00f6tter zu verhindern. Die r\u00fcckt das Liebespfand nicht heraus. Doch Siegfried vergi\u00dft Br\u00fcnnhilde durch einen Trunk. Stattdessen freit er sie f\u00fcr<\/p>\n<p>Gunther und heiratet Gutrune. Die Betrogene verr\u00e4t Hagen Siegfrieds verwundbare Stelle, woraufhin dieser ihn bei der Jagd t\u00f6tet. Br\u00fcnnhilde verk\u00fcndet das Ende und verbrennt mit Siegfried. Die Rheint\u00f6chter bergen den Ring aus ihrer Asche.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Ein grauer Saal mit f\u00fcnf hohen S\u00e4ulen ist Schauplatz der Nornenszene, des Gibichungenhofes, hier finden nebelverhangene Jagd und Finale statt. Im dritten Akt teilen sich die S\u00e4ulen und machen deutlich, da\u00df auch die G\u00f6tter hier wohnen. Hinter der Fassade eines Apartmenthauses mit Balkon verbirgt sich das Liebesnest des Heldenpaares, sp\u00e4ter die Privatr\u00e4ume der Gibichungenburg. Eine Glasfassade gibt den Blick auf den Rhein frei. Zentral unter den<\/p>\n<p>wenigen Requisiten ist ein wei\u00dfer Konzertfl\u00fcgel, auf dem im Finale der tote Siegfried<\/p>\n<p>aufgebahrt wird. Br\u00fcnnhilde legt sich dazu, umz\u00fcngelt von lodernden Flammen. Die Kost\u00fcme sind zeitgen\u00f6ssisch, der Naturbursche und die Walk\u00fcre sind im Milit\u00e4rlook gekleidet, die Gibichungen als degenerierter Managerclan in bla\u00df-fahlem Beige.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Klanggewaltig beschwor Generalmusikdirektor <strong>Ulf Schirmer <\/strong>die <em>G\u00f6tterd\u00e4mmerung<\/em> herauf. Das <strong>Gewandhausorchester<\/strong> bet\u00f6rte durch einen satten warmen Streicherklang, Trompeten und H\u00f6rner waren in einigen Soli etwas wacklig und unsauber. Bei dieser ungeheuren orchestralen Dramatik hatten es die S\u00e4nger nicht immer leicht, sich zu behaupten. Besonders den drei Nornen <strong>Karin Lovelius, Kathrin G\u00f6ring<\/strong> und <strong>Olena Tokar<\/strong> ging das so, wenngleich sie ihre Erz\u00e4hlung vom Weltengang <em>Wi\u00dft Ihr wie das wart?<\/em> sauber und mit hoher Wortverst\u00e4ndlichkeit vortrugen.<\/p>\n<p>Ein imponierendes Deb\u00fct lieferte Heldentenor<strong> Thomas Mohr <\/strong>(Siegfried). Er hat die Statur eines Siegfried und singt mit m\u00fcheloser Durchschlagkraft. Eine resonante Stimme mit hoher Flexibilit\u00e4t. Besonders ausdrucksvoll und klangsch\u00f6n in der Todesszene, als ihm die Erinnerung wiederkommt an <em>Br\u00fcnnhilde! Heilige Braut.<\/em> Mit vergleichbarer Eindringlichkeit singt <strong>Christiane Libor<\/strong> ihr Rollendeb\u00fct (Br\u00fcnnhilde). Beeindruckend, wie leicht sie ihre hochdramatische Stimme f\u00fchrt. Warm im tiefen Register, gleichzeitig voll impulsiver Energie und Feuer. Walk\u00fcre <strong>Kathrin G\u00f6ring<\/strong> (Waltraute) absolvierte die endlos deklamatorischen Passagen ihres Auftritts mit Bravour. Kraftvoll und pr\u00e4gnant vermittelte sie die Not des G\u00f6tterclans. Kurz und beeindruckend der Auftritt von <strong>J\u00fcrgen Linn<\/strong> (Alberich). <strong>R\u00fani Brattaberg <\/strong>sang die Partie des finsteren Hagen mit Finesse und zuverl\u00e4ssiger Intonation. Woran es fehlte, waren dramatische<\/p>\n<p>Aktionen. Die Regie lie\u00df den riesigen Saal ungenutzt, die S\u00e4nger verharrten zu oft an der<\/p>\n<p>Rampe. So blieb <strong>Marika Sch\u00f6nberg<\/strong> als Gutrune vollkommen bla\u00df und gewann erst nach Siegfrieds Tod an Kontur. Dieses Unbeteiligtsein pa\u00dft nur zu Gunthers Part. Deshalb machte <strong>Thomas Pursio<\/strong> als schwacher F\u00fcrst, grau meliert und in hellem Sommeranzug, immer eine gute Figur und wurde der Rolle auch stimmlich mit gut gef\u00fchrtem Bariton gerecht. Ob es zus\u00e4tzlich die in Gilmores <em>Ring<\/em> obligatorischen T\u00e4nzer braucht, sei dahingestellt. Ihre<\/p>\n<p>Bewegungschoreographie war szenenweise beeindruckend. Wie gewohnt illustrierten sie dekorativ das Geschehen (Raben, Schatten, G\u00f6tter) oder bewerkstelligten den Szenenwechsel als elegante M\u00f6belpacker.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wie ist dieser Ring zu deuten? Die Regiearbeit von Rosamund Gilmore verweigert sich der ewigen Frage, wer denn nun eigentlich untergeht im Fanal einer brennenden Welt: die G\u00f6tter, die Menschheit, die Utopien oder etwa die Macht des Geldes? Ohne Ulf Schirmers klanggewaltige Interpretation h\u00e4tte dieser <em>Ring<\/em> doch sehr wenig an Dramatik zu bieten. Zu Wagners Gesamtkunstwerk geh\u00f6rt auch ein hoher Anspruch an die Kunst der Darstellung. Gilmore, die vom Tanz kommt, verwendet viel Sorgfalt auf die T\u00e4nzer, weniger offenbar auf die<\/p>\n<p>Ausdrucksf\u00e4higkeit der Gesangsinterpreten. Das l\u00e4\u00dft viele M\u00f6glichkeiten ungenutzt. Die Stimmen: einfach wunderbar!<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: Tom Schulze<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Thomas Mohr (Siegfried), Karin Lovelius (1. Norn), Kathrin G\u00f6ring (2. Norn), Olena Tokar (3. Norn)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Dritter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen in drei Aufz\u00fcgen und einem Prolog, Text vom Komponisten, UA: 17. 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