{"id":6771,"date":"2016-07-02T20:24:02","date_gmt":"2016-07-02T19:24:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6771"},"modified":"2016-07-17T20:25:43","modified_gmt":"2016-07-17T19:25:43","slug":"eugen-onegin-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6771","title":{"rendered":"EUGEN ONEGIN &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893), Lyrische Szenen in drei Akten (7 Bildern), Libretto: \u00a0P. I. Tschaikowski und Konstantin S. Schilowsky nach dem gleichnamigen Versroman von Alexander Puschkin (1833), UA: 29. M\u00e4rz 1879 Moskau, Malij Theater (Kleines Theater)<\/p>\n<p>Regie: Markus Bothe, B\u00fchne: Robert Schweer, Kost\u00fcme: Esther Geremus, Choreinstudierung: J\u00f6rn Hinnerk Andresen,<\/p>\n<p>Dirigent: Pietari Inkinen, S\u00e4chsische Staatskapelle und Staatsopernchor Dresden<\/p>\n<p>Solisten: Camilla Nylund (Tatjana), Christoph Pohl (Eugen Onegin), Anke Vondung (Olga), Tomislav Muzek (Lenski), Alexander Tsymbalyuk (F\u00fcrst Gremin), Tichina Vaughn (Filipjewna), Sabine Brohm (Larina), Timothy Oliver (Triquet), Magnus Piontek (Saretzki), Reinhold Schreyer-Morlock (Ein Hauptmann)<\/p>\n<p>Auff\u00fchrung: 30. Juni 2016 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Dresden-EugenOnegin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6772\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Dresden-EugenOnegin.jpg\" alt=\"Dresden EugenOnegin\" width=\"564\" height=\"376\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Dresden-EugenOnegin.jpg 564w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Dresden-EugenOnegin-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 564px) 100vw, 564px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Gutsherrin Marina sitzt mit ihren T\u00f6chtern Olga und Tatjana im Garten. Olgas Verlobter, der Dichter Lenski, kommt zu Besuch und bringt den weltgewandten Onegin mit, der auf Tatjana gro\u00dfen Eindruck macht. Sie offenbart ihm ihre Gef\u00fchle in einem Brief, doch Onegin verschm\u00e4ht ihre Liebe taktvoll. Auf dem Ball zu Tatjanas Namenstag taucht er abermals auf. Angewidert von der provinziellen Festgesellschaft und Lenski, der ihn hierher gebracht hat, provoziert er einen Flirt mit Olga, der im Duell der Freunde und mit Lenskis Tod endet. Als Onegin Tatjana Jahre sp\u00e4ter in Petersburg als Gattin des F\u00fcrsten Gremin wieder sieht, ist er es, der seine Liebe zu ihr entdeckt. Tatjana, obwohl sie ihn noch immer liebt, bleibt ihrer Ehe treu und l\u00e4\u00dft Onegin allein zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild verlegt die gesamte Handlung in einen geschlossenen Saal ohne Fenster, der Innen- und Au\u00dfenraum zugleich ist. Die W\u00e4nde sind verschiebbar und machen die B\u00fchne wandlungsf\u00e4hig. Zum Auftakt eine l\u00e4ndliche Kulisse mit Strohballen und Traktor, innen Tschechowsche H\u00e4uslichkeit mit malerischer Bibliothek. Im zweiten Akt wechseln sich Ballszene und winterlich-verschneite Kulisse ab. Erst im Finale, als Onegin und Tatjanas Liebe f\u00fcr einen Moment m\u00f6glich scheint, \u00f6ffnet sich der Raum, ohne neue Gestalt anzunehmen. Dekor und Requisiten sind eine Mischung aus Folklore und schlichtem Industriedesign. Auch die Kost\u00fcme sind schlicht, im Falle des Liebespaares aufeinander abgestimmte Blaut\u00f6ne, die jegliche Maskerade vermeiden.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4<\/strong><strong>nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Insgesamt ein gelungenes Deb\u00fct des finnischen Dirigenten <strong>Pietari Inkinen<\/strong> am Pult der <strong>S\u00e4chsischen Staatskapelle.<\/strong> Inkinen trifft den richtigen Ton f\u00fcr Tschaikowskis 1879 uraufgef\u00fchrtes Musikdrama. Emotional und doch leicht gestaltet er die heitere Salonmusik, die in den intimsten Momenten wie ein Teppich den Gesang hinterlegt. Obwohl <em>Eugen Onegin<\/em> keine Besetzung mit Stars\u00e4ngern erfordert, erweist sich <strong>Camilla Nylund<\/strong> als gelungene Wahl f\u00fcr die Partie der Tatjana. Ihr lyrisch-dramatischer Sopran erz\u00e4hlt klangsch\u00f6n und nuancenreich von der emotionalen Reise Tatjanas, dem Reifeproze\u00df vom vertr\u00e4umten M\u00e4dchen bis zur F\u00fcrstin von Welt. Im Monolog der n\u00e4chtlichen Briefszene, in der sie sich dazu durchringt, ihre Liebeserkl\u00e4rung an Onegin niederzuschreiben \u2013 <em>Und w\u00e4rs mein Untergang, erfahren will ich zuvor<\/em> (1. Akt) \u2013 trifft sie sauber fokussiert den Rhythmus der Alltagssprache und schmiegt sich mit behutsamem lyrischen Ausdruck an die Musik. Die seelischen Konflikte Tatjanas werden im Stimmreichtum der S\u00e4ngerin abgebildet, die mit wenig Gesten und ungeheurer B\u00fchnenpr\u00e4senz das Publikum bezaubert. Lebensnah und untheatralisch verk\u00f6rpert Bariton <strong>Christoph Pohl<\/strong> den Antihelden. Seine St\u00e4rke liegt in der Intensit\u00e4t der Stimme. Der Bariton legt den herablassenden Tonfall <em>Sie schrieben mir <\/em>(1. Akt) wie die leidenschaftliche Verzweiflung <em>Ist dies denn wirklich die Tatjana<\/em> (3. Akt) in seine weniger kraftvolle als klangsch\u00f6ne Stimme. Die Rolle des Eugen Onegin scheint ihm stimmlich wie darstellerisch auf den Leib geschrieben. <strong>Alexander Tsymbalyuk<\/strong> hat einen einzigen, aber beeindruckenden Auftritt als F\u00fcrst Gremin. Er singt mit schlankem, wohlt\u00f6nenden Ba\u00df <em>Ein jeder kennt die Lieb\u2019 auf Erden <\/em>(3. Akt) und ist dabei so charmant wie intonationssicher. Etwas \u00fcberzogen wirkt das kindlich naive Spiel von Mezzosopranistin <strong>Anke Vondung<\/strong> in der Rolle der Olga. Ihre agile Stimme wird dem jugendlich-frischen Ton eher gerecht. Der Tenor <strong>Tomislav Muzek<\/strong> (Lenski) entfaltet nach anf\u00e4nglichen Intonationsschwierigkeiten in seiner Abschiedsarie <em>Wohin seid ihr entschwunden<\/em> (2. Akt) Strahlkraft und Stimmvolumen. Die Couplet-Einlage von Tenor <strong>Timothy Oliver<\/strong> (Triquet) ger\u00e4t zum sehr albernen Striptease, der vermutlich Onegins Abscheu gegen\u00fcber Provinzb\u00e4llen nachvollziehbar machen soll.<\/p>\n<p>Der S\u00e4chsische<strong> Staatsopernchor <\/strong>Dresden gestaltet klangvoll den Folklore-Gesang der Landarbeiter und die Ballszenen. Insgesamt leiden die Chorauftritte unter einer etwas lahmen Bewegungschoreographie.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Regisseur Markus Bothe setzt in seiner ersten Inszenierung an der Semperoper einige wenige (doch sehr malerische) B\u00fchnenbild-Akzente. Eine dekorative Tapete, die bei gelungener Dramatik und Personenf\u00fchrung, der Musik den Vortritt gibt. Der Innerlichkeit dieser Kammeroper wird diese zur\u00fcckhaltende Inszenierung sehr gerecht, auch wenn sie nicht frei ist von alten H\u00fcten wie dem Schneefall in der Duellszene. Auch das S\u00e4ngerensemble agiert schlicht, spart \u00fcbertriebenes Pathos aus, und, allen voran Camilla Nylund, sorgt f\u00fcr vokale Glanzpunkte.<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: Jochen Quast<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Camilla Nylund (Tatjana)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893), Lyrische Szenen in drei Akten (7 Bildern), Libretto: \u00a0P. I. Tschaikowski und Konstantin S. Schilowsky nach dem gleichnamigen Versroman von Alexander Puschkin (1833), UA: 29. 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