{"id":6756,"date":"2016-06-20T20:35:06","date_gmt":"2016-06-20T19:35:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6756"},"modified":"2016-06-27T20:38:38","modified_gmt":"2016-06-27T19:38:38","slug":"don-giovanni-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6756","title":{"rendered":"DON GIOVANNI &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von W.A. Mozart (1756-1791), Dramma giocoso in zwei Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte, UA: 29. Oktober 1787 Prag, Gr\u00e4flich Nostitzsches National-Theater<\/p>\n<p>Regie: Andreas Kriegenburg, B\u00fchne: Harald Thor, Kost\u00fcme: Tanja Hofmann<\/p>\n<p>Dirigent: Omer Meir Wellber, Staatskapelle S\u00e4chsischer Staatsopernchor, Chor: \u00a0Cornelius Volke<\/p>\n<p>Solisten: Lucas Meachem (Don Giovanni), Guido Loconsolo (Leporello), Georg Zeppenfeld (Il Commendatore), Maria Bengtsson (Donna Anna), Peter Sonn (Don Ottavio), Aga Mikolaj (Donna Elvira), Christina Bock (Zerlina), Evan Hughes (Masetto) u. a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. Juni 2016<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Dresden-don2giovanni.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6757 alignright\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Dresden-don2giovanni.jpg\" alt=\"don2giovanni1156.jpg\" width=\"661\" height=\"346\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Dresden-don2giovanni.jpg 661w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Dresden-don2giovanni-300x157.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 661px) 100vw, 661px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Komtur, Donna Annas Vater; wird im Duell von Don Giovanni get\u00f6tet. Sein Diener Leporello berichtet Donna Elvira von den unz\u00e4hligen Erfolgen seines Herrn bei den Frauen. Don Giovanni macht auf einer Bauernhochzeit der Braut Zerlina den Hof und l\u00e4dt alle zum Fest auf sein Schlo\u00df ein. Dort versucht er Zerlina zu verf\u00fchren. Doch Donna Elvira, Donna Anna und ihr Verlobter Don Ottavio erkennen in ihm den M\u00f6rder des Komturs. Er kann mit Leporello fliehen, sie finden Zuflucht auf einem Friedhof. Dort wird Don Giovanni von der Steinstatue des Komturs zur Rede gestellt. Don Giovanni l\u00e4dt ihn leichtfertig zu Abendessen ein. Donna Elvira macht einen letzten, vergeblichen Versuch, ihren ehemaligen Geliebten zu retten, als der Komtur eintritt und ihn zur H\u00f6lle schickt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Party ist in vollem Gange: In einer seelenlosen Designer-Wohnung in einem modernen Hochhaus mit Blick \u00fcber die City tauchen nacheinander Donna Anna und der Komtur auf, um sich zu beschweren. Da ersticht Don Giovanni den Komtur. Sp\u00e4ter zieht die Schickeria in den Keller um, der eine Mischung aus Flecktarnung-Bunker und Kapelle mit heruntergest\u00fcrztem Kreuz ist. Der zweite Akt spielt in einer \u00e4hnlichen Wohnung nach der Party, die Alkohol-Leichen liegen leicht bekleidet herum. Zum Abendessen wechselt man wieder in den Keller: Diesmal steht dort eine gro\u00dfe Kiste, aus der der Komtur hervorspringt, um Don Giovanni ins helle Licht der Kapelle zu ziehen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Besetzung der Hauptrolle ist meist ein Problem: f\u00fcr die Rolle des Don Giovanni ben\u00f6tigt man einen durchschlagsstarken Heldenbariton, der den Furor und die dramatischen Ausbr\u00fcche glaubhaft gestalten kann, hingegen f\u00fcr den weichen zarten Schmelz der s\u00fc\u00dflichen Liebesarien ben\u00f6tigt man einen eher lyrischen samtigen Bariton. <strong>Lucas Meachem<\/strong> kann nur mit dem zweiten Teil dienen. Sein <em>St\u00e4ndchen an die Kammerzofe<\/em> ist lyrisch und wohlklingend. \u00dcber H\u00e4rte und Dramatik verf\u00fcgt er nicht. Auch <strong>Guido Loconsolo<\/strong> vermag nicht zu \u00fcberzeugen, obwohl ein lyrischer Bariton mit \u00fcberzeugender Reichweite bis in den Tenor-Bereich, kann er mit Leporellos <em>Registerarie<\/em> nicht das Publikum von den Sitzen rei\u00dfen \u2013 sie versandet wirkungslos.<\/p>\n<p>Welch ein Unterschied zu dem Hausba\u00df <strong>Georg Zeppenfeld<\/strong>! Es gelingt ihm, dem Komtur den richtigen dramatischen Auftritt zu verschaffen \u2013 ohne akustische Tricks, nur mit der Tiefe seiner Stimme! Aus zwei kurzen Auftritten wird eine Hauptrolle, die die meiste Aufmerksamkeit und den gr\u00f6\u00dften Schlu\u00dfapplaus nach sich zieht! Auch <strong>Aga Mikolaj <\/strong>erh\u00e4lt viel Applaus, sie ist ein schwerer Mozartsopran mit Neigung zum Hochdramatischen, hat auch schon Wagnerrollen gesungen. Aus der zus\u00e4tzlichen gro\u00dfe Arie der Donna Elvira ruft sie gro\u00dfe Aufmerksamkeit hervor: mit Ausdrucksst\u00e4rke, aber auch mit lyrischem Glanz bis hinunter ins Pianissimo.<\/p>\n<p><strong>Maria Bengtsson <\/strong>als Donna Anna ist ein noch jugendlicher, leicht dramatischer Sopran und verf\u00fcgt \u00fcber sichere Koloraturen. <strong>Christina Bock <\/strong>stellt eine jugendliche naive Zerlina dar. Bei leiser Intonation kann sie ein helles Timbre hervorzaubern. Im Forte setzt sie mit Kraft strahlende Koloraturen. Passagenweise klingen diese drei Soprane etwas zu \u00e4hnlich.<strong> Peter Sonn <\/strong>als Don Ottavio verf\u00fcgt \u00fcber eine leuchtende baritonale Mittelage und klingt in den tenoralen H\u00f6hen unangestrengt. Man w\u00fcnscht ihm aber etwas mehr Durchschlagskraft, Aufmerksamkeit kann er nicht auf sich ziehen \u2013 das liegt nicht nur an der fehlenden Arie. Da zeichnet <strong>Evan Hughes <\/strong>als Masetto mit Wut und Wucht einen Masetto, der sich deutlich gegen Don Giovanni stemmt und ihm die musikalischen Grenzen aufzeigt. <strong>Omer Meir Wellber <\/strong>h\u00e4lt diesen Don Giovanni ohne gro\u00dfe dynamische Steigerungen in einem etwas z\u00e4hen Flu\u00df. Die Raffinessen und Feinheiten Mozarts zeichnen sich in diesem Flu\u00df nicht wirklich ab, die Staatskapelle spielt Ihre Erfahrung voll aus.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Was ist ein Don Juan? Ein galanter Mann, der die Frauen um den Finger wickelt, der mit Esprit und Galanterie \u00fcberzeugt. Dieser Dresdner Don Giovanni ist ein Schickeria-Typ ohne jeden Glanz, der Frauen wohl nur mit Geld und Gewalt \u00fcberzeugen kann. Diese Macht \u00fcber andere Menschen (auch \u00fcber Leporello) \u00fcbt Don Giovanni brutal ohne jedes Mitleid aus. Leider f\u00fchrt das nicht zu einer spannenden aktuellen Gesellschaftskritik, sondern zu bodenloser Langeweile, da der dargestellte Handlungsablauf nicht zu diesem Thema pa\u00dft. Zumal die gew\u00e4hlte Wiener Fassung, die eine etwas wirre Szene zwischen Zerlina und Leporello bringt und bei der zwei bekannte Arien fehlen: die selten gespielte gro\u00dfe Arie der Donna Elvira (Glanznummer f\u00fcr <strong>Aga Mikolaj<\/strong>) kann dies nicht ausgleichen. Gestrichen auch das wichtige Sextett am Schlu\u00df, in dem Andreas Kriegenburg seine Gesellschaftskritik h\u00e4tte anbringen k\u00f6nnen. Grummeln des Publikums \u00fcber manche Regieeinf\u00e4lle, verhalten positiver Schlu\u00dfapplaus. Da h\u00e4tte man mehr erwarten k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: David Baltzer<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Christina Bock (Zerlina), Lucas Meachem (Don Giovanni)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von W.A. 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