{"id":6750,"date":"2016-04-05T20:01:18","date_gmt":"2016-04-05T19:01:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6750"},"modified":"2016-06-27T20:04:41","modified_gmt":"2016-06-27T19:04:41","slug":"les-indes-galantes-die-galanten-indien-nuernberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6750","title":{"rendered":"LES INDES GALANTES (DIE GALANTEN INDIEN) &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jean-Philippe Rameau (1683-1764), Ballett-Oper in einem Prolog und vier Akten, Libretto: Louis Fuzelier, UA: 23. August 1735 Paris, Acad\u00e9mie royale de musique<\/p>\n<p>Regie\/Choreographie: Laura Scozzi, B\u00fchne: Natacha Le Guen de Kerneizon, Kost\u00fcme: Jean-Jacques Delmotte<\/p>\n<p>Dirigent: Paul Agnew, Staatsphilharmonie N\u00fcrnberg, Herrenchor und Chorg\u00e4ste des Staatstheaters N\u00fcrnberg, Choreinstudierung: Tarmo Vaask<\/p>\n<p>Solisten: Michaela Maria Mayer (Hebe, G\u00f6ttin der Jugend\/Phani\/Atalide), Florian Spiess (Bellone, G\u00f6ttin des Krieges\/Alvar), Csilla Cs\u00f6vari (Amour, Gott der Liebe\/Roxane\/Zima), Hrachuhi Bassenz (Emilie\/Fatime), Martin Platz (Valere\/Carlos\/Tacmas\/Damon), Marcell Bakonyi (Huascar), Vikrant Subramanian (Osman\/Adario) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 03. April 2016 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/N\u00fcrnberg-Les-Indes-Galants.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6751\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/N\u00fcrnberg-Les-Indes-Galants.jpg\" alt=\"N\u00fcrnberg Les Indes Galants\" width=\"568\" height=\"379\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/N\u00fcrnberg-Les-Indes-Galants.jpg 568w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/N\u00fcrnberg-Les-Indes-Galants-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 568px) 100vw, 568px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Es ist wie im Paradies: Hebe, die G\u00f6ttin der Jugend, erfreut sich am Spiel der Liebespaare. Doch um einen Streit mit der Kriegsg\u00f6ttin Bellone zu schlichten, entsendet Amour Gefolgsleute in weit entfernte L\u00e4nder, um \u201eFormen der Liebe\u201c zu erkunden. Im ersten Aufzug, <em>Der gro\u00dfm\u00fctige T\u00fcrke,<\/em> widersteht Emilie den Avancen des Paschas Osman, da sie Val\u00e8re liebt. Dieser befindet sich unter versklavten Schiffbr\u00fcchigen. Der Pascha verzichtet auf Emilie und schenkt seinem Rivalen die Freiheit. Im zweiten Aufzug, <em>Die Inkas in Peru,<\/em> begehrt Huascar, Hohepriester der Sonne, die Prinzessin Phani, doch sie sucht den spanischen Konquistador Don Carlos. Bei einem Erdbeben w\u00e4hrend des Sonnenfestes wird Huascar wird von einem Felsbrocken erschlagen und Don Carlos gewinnt die Prinzessin. Der dritte Aufzug, <em>Blumen, persisches Fest,<\/em> ist eine Eifersuchtsgeschichte zwischen dem Prinzen Tacmas, seinem Freund Ali und Za\u00efre und Fatima. Aus Anla\u00df eines Blumenfestes l\u00f6st sich der Streit in Wohlgefallen auf. Der vierte Aufzug, <em>Die Wilden,<\/em> spielt in den W\u00e4ldern der Neuen Welt und zeigt die Auseinandersetzungen zwischen franz\u00f6sisch-spanischen Truppen und nordamerikanischen Indianern. Die Invasion kann verhindert werden, Adario bekommt Zima. Zum Happy-End kehren die Beteiligten ins Paradies zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Laura Scozzi stellt wieder einmal eine einfallsreiche, bunte, aktualisierte und perfekt choreographierte Handlung auf die B\u00fchne, Personen gewinnen ihre Charakterz\u00fcge durch Gesang, Gestik, Tanz oder Mittel der Situationskomik. Die nackten Tatsachen im Paradies fesseln den Zuschauer von Anfang an. Der gro\u00dfm\u00fctige T\u00fcrke ist ein Schlepper, der Fl\u00fcchtlinge in den Tod treibt. Bei den Nachfahren der Inkas geht es um den Kampf um die Nachschubwege des Drogenhandels, statt eines Erdbebens wird ein Drogenlabor abgefackelt.<br \/>\nDie persischen Blumen stehen f\u00fcr die Rolle der Frauen in der Welt und ihre Probleme im Islam oder in der heutigen westlichen Welt. Die amerikanischen Wilden wenden sich gegen die Abholzung der Naturw\u00e4lder und seine Ursache, den heutigen Kommerz.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Eine wichtige Frage bei solchen barocken Opernproduktionen ist das Thema auf welchen Instrumenten gespielt wird. In diesem Fall spielt das Orchester auf den \u201e\u00fcblichen\u201c Instrumenten (Stichwort \u201eStreicher mit Stahlsaiten\u201c), erg\u00e4nzt durch ein Cembalo, Barockpauken und eine Musette de Cour. Letztere ist eine franz\u00f6sische historische Sackpfeife, im Klangbild einem Dudelsack nicht un\u00e4hnlich. Aber es gelingt Gastdirigenten <strong>Paul Agnew<\/strong>, stellvertretender Musikdirektor von <em>Les Arts Florissants<\/em>, das Orchester in Richtung barocker Klangwelten zu f\u00fchren und f\u00fcr eine eindrucksvolle Untermalung des B\u00fchnengeschehens zu sorgen.<\/p>\n<p>Die Solisten, teilweise in Mehrfachrollen, k\u00f6nnen s\u00e4ngerisch den hohen Anforderungen an den franz\u00f6sischen Barockgesang und die Freiheiten in Phrasierung und Verzierung nicht wirklich gerecht werden. Im normalen Repertoire kommen barocke Rollen zu selten vor. <strong>Hrachuhi Bassenz<\/strong> ist ein eloquenter Koloratursopran, hat das richtige Verh\u00e4ltnis zwischen Kraft und Strahlglanz und verf\u00fcgt auch \u00fcber ein wirkliches z\u00e4rtliches verhaltenes Pianissimo mit dem sie ihre Rolle als Liebende glaubhaft machen kann. <strong>Michaela Maria Mayer<\/strong> mit ihrem schlanken, sauber gef\u00fchrten, manchmal etwas eindimensionalen Sopran, ist die richtige Stimme f\u00fcr die jugendlich naive Hebe, die G\u00f6ttin der Jugend. <strong>Florian Spiess<\/strong> stellt mit eher heller Ba\u00dfstimme ein dennoch Schrecken erregender Kriegsgott dar. <strong>Marcell Bakonyi<\/strong> als Huascar beklagt mit deutlich tieferem Ba\u00df die Zerst\u00f6rung der Sonnentempel durch die spanischen Eroberer: <em>Soleil, on a d\u00e9truit tes superbes asiles \u2013 Sonne, man hat deine hehren Weihest\u00e4tten zerst\u00f6rt<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Csilla Cs\u00f6vari <\/strong>gibt dem Liebesgott Amor mit ihrer leuchtenden und durchschlagsstarken Stimme den richtigen Ton \u2013 auch wenn manche hohen T\u00f6nen mi\u00dfraten. <strong>Martin Platz<\/strong> spielt sich mit seinen Rollen als Valere, Carlos, Tacmas und Damon mit seinem ausgepr\u00e4gten Charaktertenor in den Vordergrund.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Barockoper im Spagat zwischen historischer Auff\u00fchrungspraxis und Regietheater: Hier entstammt alles der Moderne: die B\u00fchne, die Regie, die musikalische Gestaltung durch das Orchester und seine Instrumente, die Solisten des N\u00fcrnberger Ensembles mit geringer barocker Gesangspraxis. Nun mu\u00df man wissen, da\u00df dies eine \u00dcbernahme von der Opera National de Bordeaux ist, dort spielten <em>Les Talens Lyriques<\/em> unter der Leitung von Christophe Rousset und es sangen Solisten mit barocker Auff\u00fchrungspraxis.<\/p>\n<p>Der DVD-Mitschnitt von dort gilt mittlerweile als kleiner Geheimtip. Und die Ballettmusik ist nicht wie sonst meist gestrichen, sondern mit einem eigenen Tanzensemble umgesetzt: Tobender Beifall des Publikums!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Florian Spiess (Bellone, G\u00f6ttin des Krieges\/Alvar) und Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jean-Philippe Rameau (1683-1764), Ballett-Oper in einem Prolog und vier Akten, Libretto: Louis Fuzelier, UA: 23. 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