{"id":6747,"date":"2016-04-02T11:13:55","date_gmt":"2016-04-02T10:13:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6747"},"modified":"2016-06-27T11:17:57","modified_gmt":"2016-06-27T10:17:57","slug":"parsifal-berlin-staatsoper-im-schiller-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6747","title":{"rendered":"PARSIFAL &#8211; Berlin, Staatsoper im Schiller Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten, Libretto: Richard Wagner, UA: 25. Juli 1882 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie, B\u00fchne: Dmitri Tcherniakov,: Kost\u00fcme: Elena Zaytseva<\/p>\n<p>Dirigent: Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin, Staatsopernchor und G\u00e4ste, Choreinstudierung: Martin Wright.<\/p>\n<p>Solisten: Wolfgang Koch (Amfortas), Matthias H\u00f6lle (Titurel), Rene Pape (Gurnemanz), Tomas Tomasson (Klingsor),\u00a0 Andreas Schager (Parsifal), Waltraud Meier (Kundry), Natalia Skrycka (Stimme aus der H\u00f6he), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 28. M\u00e4rz 2016 (Berliner Festtage)<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Berlin-Parsifal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6748\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Berlin-Parsifal.jpg\" alt=\"Berlin Parsifal\" width=\"930\" height=\"385\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Berlin-Parsifal.jpg 930w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Berlin-Parsifal-300x124.jpg 300w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Berlin-Parsifal-768x318.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 930px) 100vw, 930px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Amfortas leidet an einer Verletzung, die er bei dem Raub des heiligen Speers durch Klingsor erlitten hat. Nur durch die Ber\u00fchrung mit dem heiligen Speer ist Heilung m\u00f6glich \u2013 durch \u201eeinen reinen Toren\u201c. Gurnemanz h\u00e4lt Parsifal f\u00fcr den \u201ereinen Tor\u201c und nimmt ihn mit in die Gralsburg. Als er sich get\u00e4uscht sieht, setzt er Parsifal vor die T\u00fcr. Parsifal findet den Zaubergarten Klingsors mit seinen verf\u00fchrerischen M\u00e4dchen. Als auch Kundry ihn nicht halten kann, versucht Klingsor ihn mit dem Speer zu bannen. Parsifal ergreift den Speer, der Zaubergarten versinkt. Parsifal kehrt zur\u00fcck zu den Gralsrittern, die von Amfortas fordern, den Gral zu enth\u00fcllen, doch Amfortas will lieber sterben. Parsifal heilt die Wunde mit dem Speer und enth\u00fcllt den Gral.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne zeigt eine heruntergekommene S\u00e4ulenhalle mit T\u00fcren, die ins Nirgendwo f\u00fchren. Es k\u00f6nnte sich um eine heruntergekommene Gralsburg in einer kalten Gebirgsgegend handeln, mit Gralsrittern, die ihr Kleidungsproblem mit Recycling l\u00f6sen. Oder ein russisches Kriegsgefangenenlager, ein Gulag irgendwo in der sibirischen Tundra, in das die Einsamkeit eingezogen ist. Parsifal kommt mit einem gro\u00dfen Trekkingrucksack und Armbrust. Kundry scheint auch zu den Insassen zu z\u00e4hlen, denn sie tr\u00e4gt genauso wie die Blumenkinder Kleider mit Blumenmuster, die den gleichen Gralsraum bev\u00f6lkern. Die kleinen Kinder wie die gro\u00dfen M\u00e4dchen werden von Klingsor gef\u00fcttert und man fr\u00e4gt sich, ob er der Vater ist? Der Zaubergarten geht nicht unter, die Blumen laufen weg. Wagners mystische Gralszenen sind keine, sondern eher obskure Versammlungen vermummter Existenzen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Der unangefochtene Star im Star-Ensemble ist <strong>Waltraud Meier<\/strong>, die angek\u00fcndigt hat, an diesem Abend zum letzten Mal die Kundry zu singen. Auch nach 33 Jahren gelingen ihr immer noch verf\u00fchrerisch zarte Pianos, die im Orchesterklang zu schweben scheinen. Manchmal trifft sie einen keifigen, h\u00e4mischen Ton, kann aber die Stimme zum Fortissimo ausfahren ohne die Gesangslinie zu verlieren. Die Klage <em>Und lachte<\/em> wird auf immer ihr unverge\u00dfliches Markenzeichen bleiben. Ihr Gegenspieler <strong>Andreas Schager<\/strong> als Parsifal hat sich zu einem der f\u00fchrenden Heldenten\u00f6re entwickelt. So zeigt er strahlenden Glanz, auch in der H\u00f6he Durchschlagskraft und klingt doch immer unangestrengt und leuchtend. Ebenfalls ein Star dieser Tage ist <strong>Rene Pape<\/strong>. Sein Gurnemanz ger\u00e4t zum wortgewaltigen Epos, sein \u201eBasso cantante\u201c verf\u00fcgt \u00fcber eine weiche, warme, aber dennoch vollt\u00f6nende und durchschlagsstarke Stimme, die immer pr\u00e4sent ist und einen nachdenklichen Menschen zeichnet. Ebenfalls auf eine lange Kariere kann <strong>Matthias H\u00f6lle<\/strong> zur\u00fcck blicken. Als schwerer Ba\u00df kann er dem Titurel immer noch eine sonore und ehrbare W\u00fcrde geben. Am Ende einer schweren Saison scheint <strong>Wolfgang Koch<\/strong> zu sein. Sein Amfortas ist ein leidender Mensch, ihm fehlt aber Lautst\u00e4rke und Durchschlagskraft, gerade auch in den verzweifelten Situationen, ebenso jedes Leuchten in der H\u00f6he oder Tiefe. <strong>Tomas Tomasson<\/strong> ist mit seiner leicht rauhen Stimme ein Heldenbariton. Seine harte Tiefe zeugt von seiner Vergangenheit als Ba\u00df. Sein Klingsor wird so zu einer ebenb\u00fcrtigen Hauptrolle. <strong>Daniel Barenboim<\/strong> zelebriert das weihevolle Pathos der musikalischen Gralswelt wie eine symphonische Dichtung: Teilweise langsame Tempi wechseln mit raschen Tempi ab. Seine Passagen im Fortissimo klingen nicht hart und blechern, sondern ausgewogen und monumental. Er erm\u00f6glicht den Solisten die M\u00f6glichkeit, ihre Gesangslinien optimal zu gestalten, Wortverst\u00e4ndlichkeit wird so m\u00f6glich. Ebenso brillant die Zusammenarbeit mit dem Chor, der sich harmonisch in den Orchesterklang einf\u00fcgt ohne die Gralszenen zu dominieren.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Unterschiedlicher kann die Publikumsgunst nicht ausfallen: Einhelliger Jubel f\u00fcr die musikalischen Protagonisten, \u00e4u\u00dferste Zur\u00fcckhaltung f\u00fcr die Inszenierung, die \u00fcber weite Strecken gegen das B\u00fchnenweihfestspiel Richard Wagners gerichtet ist. Zumal die zahlreichen Regieeinf\u00e4lle aneinandergereiht immer weniger Sinn ergeben, geschweige denn eine andere Sichtweise. So bringt Gurnemanz Lichtbildervortrag \u00fcber den Gral und das Reiterstandbild, das Kundry mitbringt, kein Licht ins Dunkel \u2013 das hat man auch schon anderswo gesehen!<\/p>\n<p>Musikalisch ist der B\u00fchnenabschied von Waltraud Meier von der Rolle der Kundry eine w\u00fcrdige Feier: Viele Ansprachen w\u00fcrdigen ihre Leistung, Daniel Barenboim geht auf die lange Zusammenarbeit seit 1983 ein &#8211; das war die gemeinsame Premiere Heiner M\u00fcllers <em>Tristan<\/em> in Bayreuth. Ein Abend, der aus mehreren Gr\u00fcnden denkw\u00fcrdig ist!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Staatsoper im Schiller Theater<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Die Grals Szene im Finale 1. Akt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten, Libretto: Richard Wagner, UA: 25. 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