{"id":6726,"date":"2016-06-02T09:29:42","date_gmt":"2016-06-02T08:29:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6726"},"modified":"2016-06-14T09:35:44","modified_gmt":"2016-06-14T08:35:44","slug":"lohengrin-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6726","title":{"rendered":"LOHENGRIN &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">von Richard Wagner (1813-1883), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Richard Wagner, UA: 28. August 1850 Weimar, Gro\u00dfherzogliches Hoftheater<\/p>\n<p>Regie: nach Christine Mielitz, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Peter Heilein<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann, Staatskapelle und S\u00e4chsischer Staatsopernchor, Choreinstudierung: J\u00f6rn Hinnerk Andresen<\/p>\n<p>Solisten: Georg Zeppenfeld (K\u00f6nig Heinrich), Piotr Beczala (Lohengrin), Anna Netrebko (Elsa), Tomasz Konieczny (Telramund), Evelyn Herlitzius (Ortrud), Derek Welton (Heerrufer), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. Mai 2016 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Dresden-Lohengrin_8585.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6727 alignright\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Dresden-Lohengrin_8585.jpg\" alt=\"Semperoper Dresden, Lohengrin\" width=\"588\" height=\"392\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Dresden-Lohengrin_8585.jpg 588w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Dresden-Lohengrin_8585-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 588px) 100vw, 588px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>K\u00f6nig Heinrich ruft die Brabanter zum Feldzug. Telramund, von seiner Gattin Ortrud angestachelt, beschuldigt Elsa des Mordes an ihrem Bruder Gottfried. Ein Gottesgericht in Form eines Zweikampfs soll \u00fcber Elsas Schuld entscheiden. Da erscheint ein Fremder im Boot, gezogen von einem Schwan; er besiegt Telramund. Dieser Fremde wird Elsa heiraten, aber sie darf nie nach seinem Namen und Herkunft fragen. Ortrud und Telramund bezichtigen den Fremden der Zauberei. Im Brautgemach bricht Elsa ihr Versprechen und stellt die Fragen. Telramund dringt ein, im Zweikampf stirbt er. Nun mu\u00df Lohengrin Namen und Herkunft offenbaren. Ortrud triumphiert, aber Lohengrin bewirkt die R\u00fcckkehr Gottfrieds.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Den Hintergrund bildet eine Schlo\u00dfmauer aus Sandstein mit Glasfenstern, deren T\u00fcren sich breiter oder schmaler \u00f6ffnen lassen. So erblickt man durch die Fenster das einfache Volk und die Versammlung der Soldaten, die sich barocker, mittelalterlicher oder kaiserlicher Uniformen bedienen. Durch eine gro\u00dfe T\u00fcr\u00f6ffnung sieht man einen riesigen Schwan, der Lohengrin bringt oder durch Zusammenklappen Gottfried frei l\u00e4\u00dft. Die gleiche \u00d6ffnung gibt dann den Blick frei auf einen gro\u00dfen farbenfrohen Hochzeitsaltar. Elsa spricht von einem Fenster im oberen Teil zu Ortrud herab. Die Choreographie erzeugt viel Bewegung auf der B\u00fchne, aber der Chor oder die S\u00e4nger sind stets optimal vor der Mauer plaziert.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Der zentrale Leistungstr\u00e4ger in dieser Oper ist der st\u00e4ndig pr\u00e4sente Chor der Semperoper. Durch die Einstudierung von <strong>J\u00f6rn Hinnerk Andresen<\/strong> zeigt der Chor einen stets geschlossenen Klangk\u00f6rper und eine harmonischen Bindung und Synchronit\u00e4t zwischen allen Stimmgruppen &#8211; er singt wie eine \u201eWand\u201c.<\/p>\n<p>Eine besondere Wirkung erzielt <strong>Christian Thielemann<\/strong> im Zusammenspiel zwischen Chor und Orchester durch sein stets auf Ausgleich zwischen Orchester und Gesangsstimmen ausgerichtetes Dirigat. Da ergeben sich pathetische Klangwolken wie beim <em>Brautlied<\/em>, andererseits dynamische Steigerungen bis hin zur Ekstase, wie beim <em>Sonnenaufgang<\/em> im zweiten Akt. Von dieser dynamischen Tempowahl profitieren auch die Solisten, gewisserma\u00dfen k\u00f6nnen sie synchron mit der Dynamik der Situation atmen. So ben\u00f6tigt <strong>Anna Netrebko<\/strong> keine Sonderrechte. Sie gibt der Elsa eine jugendlich klare, aber auch eine durchschlagsstarke Stimme, mit atemberaubend sicherer H\u00f6he, die so manchmal schon zu schwer wirkt. Sie zeigt dabei Potential f\u00fcr die dramatischen Wagner-Rollen. Bemerkenswert auch die klare deutsche Aussprache. Das ist wohl auf die Hilfe des Sprachtrainers zur\u00fcck zu f\u00fchren, dessen Hilfe man auch <strong>Piotr Beczala<\/strong> anraten sollte: Sein polnischer Dialekt bleibt deutlich. Auch er \u00fcberzeugt mit seinem lyrischen baritonal fundierten Tenor, sicherer H\u00f6he und meistert die anspruchsvollen Passagen der <em>Gralserz\u00e4hlung<\/em> Lohengrins meisterlich. Lediglich in der \u201eunendlichen Melodie\u201c und Klangbildung wird deutlich, da\u00df er eher ein Verdi-Tenor ist.<\/p>\n<p><strong>Tomasz Konieczny<\/strong> hat keine Probleme in der Diktion und meistert die schwierige Partie ohne Probleme. Sein Telramund klingt immer unangestrengt und m\u00fchelos, problemlos die Spr\u00fcnge in die H\u00f6he und die Tiefe. <em>So zieht das Unheil in dies Haus<\/em> wird zu einem markersch\u00fctternden Menetekel. <strong>Georg Zeppenfeld<\/strong> ist ohne jeden Zweifel derzeit der weltbeste K\u00f6nig Heinrich. Diese samtweiche Stimme, mit gro\u00dfer Reichweite in die Tiefe, ohne je zu schwarz zu wirken, ist mittlerweile unverwechselbar. <strong>Evelyn Herlitzius<\/strong> gibt der Ortrud altersweise Z\u00fcge, sie legt nicht mehr alle Kr\u00e4fte in diese Rolle. Lediglich der solide unaufgeregt agierende <strong>Derek Welton<\/strong> bleibt als Heerrufer etwas zu bla\u00df, auch wenn sein Weckruf durchschlagsstark daherkommt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Zwei Erkenntnisse sind hier wichtig: Zum einen gelingt Anna Netrebko ein sensationelles Rollen- und Wagnerfach-Deb\u00fct als Elsa zu gestalten \u2013 und das in einem Ensemble mit Christian Thielemann oder Georg Zeppenfeld, das zur Weltspitze im Wagnerfach z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Die weitere Erkenntnis ist die, da\u00df eine Inszenierung von 1983 ihre Daseinsberechtigung hat: schon wegen der s\u00e4ngerfreundlichen Kulissen, die die Akustik verst\u00e4rkt sowie das B\u00fchnenbild und die Kost\u00fcme, die farbenfroh absolut handlungsgerecht sind.<\/p>\n<p>Auch wenn Christine Mielitz eigentlich den sozialistischen Klassenkampf zwischen Adel und Arbeiterklasse andeuten wollte, ist die Aufteilung zwischen prunkvoll gekleideten \u201eAdels-Soldaten\u201c und einfachen Arbeitern, die von einem einfachen Lohengrin gerettet werden, \u00fcberzeugend werkgerecht. Hier darf zwischen dem historischen Kaiser Heinrich auch Bismarck als Heerrufer auftreten.<\/p>\n<p>Da eine Neuproduktion des <em>Lohengrin<\/em> in Zusammenarbeit mit den Osterfestspielen Salzburg nicht m\u00f6glich war \u2013 dort kam Ostern ein <em>Othello<\/em> heraus \u2013 wurden s\u00e4mtliche Kulissen neu gefertigt und die Kost\u00fcme \u00fcberarbeitet. Dieser Aufwand n\u00e4hrt die Hoffnung, da\u00df diese beliebte Inszenierung Dresden erhalten bleibt \u2013 f\u00fcr die n\u00e4chsten 33 Jahre. Musikalisch erinnert man sich an viele herausragende S\u00e4nger jener Jahre. Da schlie\u00dft sich der Kreis zu dieser hysterisch willkommen gehei\u00dfenen Wiederaufnahme mit leider nur vier Vorstellungen. Alle waren sie ausverkauft!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Daniel Koch<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Tomasz Konieczny (Friedrich von Telramund), Evelyn Herlitzius (Ortrud), Anna Netrebko (Elsa von Brabant), Piotr Beczala (Lohengrin), S\u00e4chsischer Staatsopernchor Dresden\/Herren des Sinfoniechores Dresden \u2013 Extrachor der Semperoper Dresden<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Richard Wagner, UA: 28. 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