{"id":6718,"date":"2016-06-08T11:21:55","date_gmt":"2016-06-08T10:21:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6718"},"modified":"2016-06-10T11:26:21","modified_gmt":"2016-06-10T10:26:21","slug":"die-verkaufte-braut-aachen-stadttheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6718","title":{"rendered":"DIE VERKAUFTE BRAUT &#8211; Aachen, Stadttheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Bed\u0159ich Smetana (1824-1884), Komische Oper in 3 Akten, Libretto: Karel Sabrina, UA (1. Fassung): 30. Mai 1866 Prag, Interimstheater, Erstauff\u00fchrung der (3.) Fassung mit gesungenen Rezitativen: 25. September 1870<\/p>\n<p>Regie: B\u00e9atrice Lachauss\u00e9e, B\u00fchne: Dominique Wiesbauer, Kost\u00fcme: Nele Ellegiers<\/p>\n<p>Dirigent: Justus Thorau und das Sinfonieorchester Aachen<\/p>\n<p>Solisten: Jorge Escobar (Kru\u0161ina), Irina Popova (Ludmilla), Camille Schnoor (Marie), Pawel Lawreszuk (Micha), Sanja Radi\u0161i\u0107 (H\u00e1ta), Keith Bernard Stronum (Va\u0161ek), Chris Lysack (Jen\u00edk), Woong-jo Choi (Kezal)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. Juni 2016 (Premiere in deutsche Version, \u00dcbersetzung: Emanuel Z\u00fcngel)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Aachen-Verkaufte_Braut.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6719\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Aachen-Verkaufte_Braut.jpg\" alt=\"Aachen Verkaufte_Braut\" width=\"525\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Aachen-Verkaufte_Braut.jpg 525w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Aachen-Verkaufte_Braut-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Marie soll mit dem reichen Va\u0161ek verheiratet werden. Doch sie ist bereits in Jen\u00edk verliebt und will von Va\u0161ek nichts wissen. W\u00e4hrenddessen schlie\u00dft Jen\u00edk mit dem Heiratsvermittler einen Vertrag, da\u00df er f\u00fcr 300 Gulden auf Marie verzichtet, unter der Bedingung, da\u00df Marie nur einen Sohn des Micha heiraten darf. Jen\u00edk ist der Halbbruder von Va\u0161ek und somit auch ein Sohn des Micha, was aber keiner wei\u00df. Marie ist emp\u00f6rt \u00fcber Jen\u00edks Handel, aber als Va\u0161eks Vater Jen\u00edk als seinen verloren geglaubten Sohn erkennt, k\u00f6nnen die beiden doch heiraten.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchne ist mit hellen Birkenholzbrettern ausgekleidet. Im Vordergrund steht eine Holzbank, in der Mitte ein wei\u00dfes Haus. An der Seite sind Blument\u00f6pfe angebracht, die auch im Schauspiel als Requisit eingesetzt werden. Die Kost\u00fcme erinnern an bayrische Landtracht: die M\u00e4nner tragen Jankerl und Jagdh\u00fcte, die Frauen figurbetonte R\u00f6cke und Blusen wie in den 1950er Jahren.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>In einem sehr schnellen Tempo jagt <strong>Justus Thoraus<\/strong> das Orchester durch die Ouvert\u00fcre. Die Lautst\u00e4rke ist in einem moderaten Mezzoforte gut angepa\u00dft, die Streicher gl\u00e4nzen in den schnellen Tonleiterl\u00e4ufen, so da\u00df der lebendige Charakter der Musik dominiert,. Zu Beginn des Gesangs nimmt Thorau das schnelle Tempo nicht genug zur\u00fcck, so ist das Orchester nicht synchron mit dem Gesang. Dies spielt sich aber nach kurzer Zeit ein, und es entsteht eine gute Balance zwischen S\u00e4ngern und Instrumenten. Unter den Frauen ist <strong>Camille Schnoor<\/strong> (Marie) der Star des Abends. Mit dem warmen Timbre ihres dunkel gef\u00e4rbten Soprans singt sie in der Arie <em>Gern ja will ich dir vertrauen<\/em> sehr kontrolliert und gef\u00fchlvoll. Das An- und Abschwellen der Stimme auf einem Ton gelingt ihr besonders gut, ebenso wechselt sie gekonnt zwischen Brust- und Kopfstimme. Ihr Duettpartner <strong>Chris Lysack<\/strong> (Jen\u00edk) kann in den Arien leider nicht ganz \u00fcberzeugen, da er die T\u00f6ne nicht halten kann, ohne da\u00df seine Stimme zittrig wird. Sein silbrig metallischer Tenor erg\u00e4nzt sich aber im Duett <em>Mit der Mutter sank zu Grabe<\/em> hervorragend mit Camille Schnoor, deren Sopran seine helle Stimme wunderbar einrahmt. <strong>Keith Bernard Stronum<\/strong> (Va\u0161ek) singt mit seinem lieblich-lyrischen Tenor, den er besonders in den \u201eStotter-Phrasen\u201c sehr akzentuiert einsetzt, wobei er die Silben \u00fcbertrieben betont. Dabei \u00fcberzeugt er ebenso durch ein sehr kom\u00f6diantisches Schauspiel. W\u00e4hrend der Arie <em>O, was ich mich betr\u00fcbe<\/em> spielt er nerv\u00f6s mit seiner M\u00fctze und l\u00e4\u00dft Verzierungen mit sotto voce gehauchten T\u00f6nen h\u00f6ren. Ebenso technisch versiert singt <strong>Wong-jo Choi <\/strong>(Kezal), der mit seinem volumin\u00f6sen Bariton bis in die allerletzte Reihe klar und deutlich zu h\u00f6ren ist. Rhythmisch auf den Punkt singt er die Arie <em>Alles ist so gut wie richtig, <\/em>intoniert auch in den tiefen T\u00f6nen sehr sauber, w\u00e4hrend er sich siegessicher an seinen Hosentr\u00e4gern fa\u00dft und den gewieften Gesch\u00e4ftsmann abgibt. Die beiden M\u00fctter <strong>Irina Popova<\/strong> (Ludmilla) und <strong>Sanja Radi<\/strong><strong>\u0161<\/strong><strong>i\u0107<\/strong> (H\u00e1ta) singen und spielen ihre Rolle ziemlich \u00fcbertrieben aus. Beide setzen ihre raumf\u00fcllenden Sopranstimmen auch lautmalerisch ein, beispielsweise indem sie zwischen Sprechgesang und Gesang abwechseln. <strong>Pawel Lawreszuk<\/strong> (M\u00edcha) und <strong>Jorge Escobar<\/strong> (Kru\u0161ina) zeigen mit ihren grollenden Ba\u00dfbaritonstimmen ebenfalls eine solide Leistung. Erw\u00e4hnenswert ist auch das Sextett <em>Noch ein Weilchen. Marie, bedenk es dir<\/em>: hier erg\u00e4nzen sich die rauchigen Stimmen der M\u00e4nner mit den schillernden Stimmen der Frauen zu einem wundersch\u00f6nen, sehr nuancierten Gesamtklang. Auch der <strong>Chor<\/strong> \u00fcberzeugt durch gute dynamische Wechsel zwischen forte und piano und erzeugt, besonders im Finale, eine \u00fcberw\u00e4ltigende Stimmenpracht.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>In den ersten beiden Akten ist die Inszenierung sehr auf das Schauspiel und die gesangliche Darbietung konzentriert, im dritten Akt kommen dann noch viele Knalleffekte hinzu, z.B. f\u00e4hrt der Zirkusdirektor auf einem Fahrrad herein und tanzt zu seiner Hupe <em>La cucaracha<\/em> und Va\u0161ek hebt zum Finale an einem Luftballon h\u00e4ngend in die Luft ab.<br \/>\nMusikalisch l\u00e4\u00dft der Abend keine W\u00fcnsche offen. Das gilt auch f\u00fcr die Inszenierung und das sch\u00f6ne B\u00fchnenbild sowie die Kost\u00fcme. Die Atmosph\u00e4re stimmte insgesamt. Ein besonderer Genu\u00df sind der Gesang von Keith Bernard Stronum, Woong-jo Choi und Camille Schnoor, die vom Publikum Ovationen bekommen.<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: Wil van Iersel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Woong-jo Choi (Kezal), Opern und Extrachor Aachen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Bed\u0159ich Smetana (1824-1884), Komische Oper in 3 Akten, Libretto: Karel Sabrina, UA (1. Fassung): 30. Mai 1866 Prag, Interimstheater, Erstauff\u00fchrung der (3.) Fassung mit gesungenen Rezitativen: 25. 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