{"id":6702,"date":"2016-05-13T18:09:58","date_gmt":"2016-05-13T17:09:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6702"},"modified":"2016-09-27T11:12:17","modified_gmt":"2016-09-27T10:12:17","slug":"tristan-und-isolde-theatre-des-champs-elysees-paris","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6702","title":{"rendered":"TRISTAN UND ISOLDE &#8211; Th\u00e9\u00e2tre des Champs-Elys\u00e9es, Paris"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner, Handlung in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: R. Wagner, UA: 10. Juni 1865 M\u00fcnchen, K\u00f6nigliches Hof- und Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Pierre Audi, , B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Christof Hetzer, Licht: Jean Kalman, Video: Anna Bertsch. Dramaturgie: Willem Bruls<\/p>\n<p>Dirigent: Daniele Gatti, Orchestre National de France, Chor von Radio France, Choreinstudierung: St\u00e9phane Petitjean.<\/p>\n<p>Solisten: Torsten Kerl (Tristan), Rachel Nicholls (Isolde), Michelle Breedt (Brang\u00e4ne), Steven Humes (K\u00f6nig Marke), Brett Polegato (Kurwenal), Andrew Rees (Melot), Marc Larcher (Ein Hirte, ein junger Matrose), Francis Dudziak (Ein Steuermann)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. Mai 2016 (Premiere, Koproduktion mit Stichting Nationale Opera &amp; Ballet-Amsterdam, Teatro dell\u2018Opera di Roma)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Paris-TCE-Tristan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6712\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Paris-TCE-Tristan.jpg\" alt=\"Paris TCE Tristan\" width=\"600\" height=\"371\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Paris-TCE-Tristan.jpg 600w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Paris-TCE-Tristan-300x186.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Mitten im Komponieren des Siegfried bricht Wagner 1856 pl\u00f6tzlich ab und wendet sich einem Stoff zu, der ihn schon seit drei Jahren im Geiste besch\u00e4ftigt und der zumindest zum Teil von seiner Liebe zu Mathilde Wesendonck inspiriert war: das mittelalterliche Minnelied von <em>Tristan und Isolde<\/em>. Wenn auch Wagner nach der Fertigstellung dieser neuen Oper wieder zur Sp\u00e4tromantik zur\u00fcckfindet und sie somit ein Einzelfall in seinem Schaffen bleibt, so zeigt sie dennoch, wie weit Wagner auf dem Weg der Moderne bereit war zu gehen.<\/p>\n<p><em>Kein Musikst\u00fcck des 19. Jahrhunderts ist von vergleichbarer Wirkung und Nachwirkung.<br \/>\nVon der Tristan-Harmonikist die Richtung ablesbar, die zur Aufl\u00f6sung der Tonalit\u00e4t, zur Emanzipation der Melodik und des Kontrapunkts, von vorgeformten Akkordzusammenh\u00e4ngen f\u00fchrt. Tristan und Isolde ist eine der \u201eUrsprungsurkunden\u201c der musikalischen Moderne<\/em> (Carl Dahlhaus 1971).<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Isolde, Prinzessin von Irland, ist auf der \u00dcberfahrt nach Cornwall, um K\u00f6nig Marke zu heiraten. Doch der Gedanke ist ihr zuwider, liebt sie doch insgeheim, ohne es sich eingestehen zu wollen, Tristan, Markes Neffe, den Kapit\u00e4n des Schiffes, den sie einst als Schiffbr\u00fcchigen rettete, obwohl er ihren damaligen Verlobten erschlagen hatte. Sie weist ihre Dienerin Brang\u00e4ne an, einen Todestrank zu mischen, um die vers\u00e4umte Rache nachzuholen und ihr eigenes Leid zu beenden. Doch Brang\u00e4ne mischt insgeheim statt dessen einen Liebestrank, den Tristan und Isolde gemeinsam trinken.<br \/>\nMerlot hat f\u00fcr den K\u00f6nig eine n\u00e4chtliche Jagd veranstaltet. Tristan und Isolde bleiben allein im Schlo\u00df zur\u00fcck und erkl\u00e4ren einander ihre leidenschaftliche Liebe. Doch Merlots Jagd war nur eine Falle, um den K\u00f6nig von ihrer Untreue zu \u00fcberzeugen. F\u00fcr K\u00f6nig Marke bricht eine Welt zusammen. Tristan verteidigt sich nicht und wird von Merlot schwer verwundet.<br \/>\nKurwenal hat seinen sterbenskranken Herrn in Tristans Schlo\u00df gebracht und wacht \u00fcber ihn. Nur noch das Eintreffen Isoldens kann ihn retten. Und sie kommt. In einer letzten gro\u00dfen Anstrengung erhebt er sich, geht ihr entgegen und stirbt in ihren Armen. Auch K\u00f6nig Marke, der inzwischen vom Liebestrank erfahren hat, trifft ein, um seinem Neffen Isolde zuzuf\u00fchren. Doch Tristan ist tot und Isolde sinkt neben ihm nieder und stirbt einen verkl\u00e4rten Liebestod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Pierre Audi und sein Team waren wohl hin und her gerissen zwischen Archaik und Moderne. Ersteres h\u00e4tte vielleicht gen\u00fcgt. Denn die silhouettenhaften B\u00fchnenbilder \u2013 riesengro\u00dfe, dunkle sich verschiebende Kulissen gegen einen hellen Morgenhimmel, oder von Wind und Wetter gebleichte, in den Boden gerammte Schiffsrippen mit einem Menhir in der Mitte, der sich auf dem H\u00f6hepunkt der Liebesnacht in einen durchsichtigen Kristall verwandelt, und schlie\u00dflich einen mit Felsbrocken \u00fcbers\u00e4ten Strand, der den Blick auf ein nebelverhangenes Meer freigibt, schaffen eine starke Atmosph\u00e4re, wenn man will, keltischer Urzeit. Eine geometrische Glas- und Metallkonstruktion umstrahlte den Liebestod Isoldes. Die Kost\u00fcme \u00a0\u2013 \u00dcberw\u00fcrfe, Mieder, Hemden, Hosen und sonstiges \u2013 sind primitiv und farblos. Die Beleuchtung schafft eine sonnenlose Welt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Es ist ein betr\u00e4chtliches, Wagnis kurzfristig in eine der schwierigsten Rollen des Sopranrepertoires einzuspringen. <strong>Rachel Nicholls<\/strong> hat diese Herausforderung angenommen. Sie verk\u00f6rpert die Isolde mit kr\u00e4ftiger, klangvoller Stimme in den lyrischen Szenen. So ist ihre Interpretation des zweiten Teils der Liebesnacht <em>O sink hernieder, Nacht der Liebe<\/em> im zweiten Akt und der Liebestod am Ende der Oper auch sch\u00f6n anzuh\u00f6ren. Doch wird ihre Stimme in den dramatischen Szenen, vor allem in den hohen Lagen, gellend und verliert ihre Klangfarbe. <strong>Torsten Kerl<\/strong> ist ein etwas schwerf\u00e4lliger Tristan. Er ist schauspielerisch und stimmlich besonders eindrucksvoll in den Monologen des sterbenden, von Visionen erf\u00fcllten Helden im dritten Akt. Als Brang\u00e4ne ist <strong>Michelle Breedts<\/strong> dramatischer Mezzo wohl kontrolliert mit sch\u00f6nen dunklen Klangfarben in den unteren Lagen. <strong>Brett Polegato<\/strong> als Kurwenal erfreut durch einen sch\u00f6n timbrierten Bariton. <strong>Steven Humes<\/strong> sang w\u00fcrdig, mit gediegenem Ba\u00df den verzweifelten K\u00f6nig Marke.<br \/>\n<strong>Daniele Gatti<\/strong>, der sich in den letzten Jahren mehr und mehr als Wagner Dirigent profiliert hat, steuert die Solisten und das <strong>Orchestre National de France<\/strong> mit Einsicht und Umsicht durch die anspruchsvolle Partitur.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p><em>Tristan und Isolde<\/em> wurde zum letzten Mal 1952 im Th\u00e9\u00e2tre des Champs-\u00c9lys\u00e9es gegeben, andere Wagner Opern nicht mehr seit etwa 30 Jahren. Da nun mit der 100-Jahr-Feier sowohl des Theaters als auch der Urauff\u00fchrung des <em>Sacre du Printemps<\/em> im Jahre 2013, der Orchestergraben wieder auf die urspr\u00fcngliche Gr\u00f6\u00dfe erweitert worden ist, sind nun auch wieder die gro\u00dfen Opern auff\u00fchrbar.<br \/>\n<em>Tristan und Isolde<\/em> war ein ehrgeiziges Projekt und es ist weitgehend gelungen. Von den stimmlichen Schw\u00e4chen der weiblichen Titelrolle abgesehen, war es eine sch\u00f6ne Auff\u00fchrung.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Vincent PONTET<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Torsten Kerl (Tristan), Rachel Nicholls (Isolde)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner, Handlung in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: R. Wagner, UA: 10. Juni 1865 M\u00fcnchen, K\u00f6nigliches Hof- und Nationaltheater Regie: Pierre Audi, , B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Christof Hetzer, Licht: Jean Kalman, Video: Anna Bertsch. Dramaturgie: Willem Bruls Dirigent: Daniele Gatti, Orchestre National<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6702\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6712,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,128],"tags":[],"class_list":["post-6702","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-paris-theatre-des-champs-elysees"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6702","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6702"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6702\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6715,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6702\/revisions\/6715"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6712"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6702"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6702"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6702"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}