{"id":668,"date":"2009-05-11T22:44:01","date_gmt":"2009-05-11T20:44:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=668"},"modified":"2009-05-18T22:49:14","modified_gmt":"2009-05-18T20:49:14","slug":"dessau-anhaltinisches-staatstheater-elektra","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=668","title":{"rendered":"Dessau, Anhaltinisches Staatstheater &#8211; ELEKTRA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss, Trag\u00f6die in einem Aufzug, Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA 25. Januar 1909, Dresden<br \/>\nRegie: Johannes Felsenstein, B\u00fchnenbild: Stefan Rieckhoff<br \/>\nDirigent: Golo Berg,  Anhaltinische Philharmonie Dessau<br \/>\nSolisten: Iordanka Derilova (Elektra), Maida Hundeling (Chrysothemis ), Karin Goltz (Klyt\u00e4mnestra), Vincent Wolfsteiner (Aegisth), Ulf Paulsen (Orest), Nico Wouterse (Pfleger des Orest), Kirsten Baran (Vertraute), Annette Ahlmann (Schlepptr\u00e4gerin), Mark Bowman-Hester (junger Diener), Nico Wouterse (alter Diener), Jagna Rotkiewicz (Aufseherin), M\u00e4gde<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 9. Mai 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"dessau-elektra.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/dessau-elektra.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"dessau-elektra.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/dessau-elektra.jpg\" \/><\/a>Klyt\u00e4mnestra hat mit ihrem Buhlen Aegisth ihren Mann Agamemnon im Bad erschlagen, der Sohn Orest wurde in Sicherheit gebracht, Tochter Elektra mu\u00df sich schlimmste Dem\u00fctigungen gefallen lassen und lebt nur noch f\u00fcr den Tag, an dem Orest Vergeltung \u00fcben wird. W\u00e4hrend einer heftigen Auseinandersetzung mit ihrer Mutter Klyt\u00e4mnestra wird die vermeintliche Todesnachricht von Orest \u00fcberbracht. Elektra beschw\u00f6rt ihre Schwester Chrysothemis, aber diese hat kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr ihre Besessenheit. Die Schwester flieht, als Elektra das Beil, mit dem der Vater erschlagen wurde, in wilder Entschlossenheit ausgr\u00e4bt. Als der Trauerbote sich als ihr Bruder Orest zu erkennen gibt, mahnt Elektra die r\u00e4chende S\u00fchne an. Gellende Schreie aus dem Haus k\u00fcnden Elektra, da\u00df Orest bereits am Werk ist. Als Aegisth naht, f\u00fchrt ihn Elektra scheinbar freundlich ins Haus, wo auch er gerichtet wird. In \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Freude beginnt sie einen wilden, ekstatischen Tanz w\u00e4hrend dessen sie tot zusammenbricht.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nAm Anfang war die Dunkelheit, danach folgt mit Donner und Blitz ein Regenschauer, so laut, da\u00df er den Dialog der M\u00e4gde fast unverst\u00e4ndlich macht. Dabei stehen die S\u00e4nger fast direkt im Publikum, denn auch in dieser Inszenierung hat Johannes Felsenstein das Orchester hinter die B\u00fchne gesetzt und die Spielfl\u00e4che bis ans Parkett gezogen. So wird der Zuschauer quasi in die Handlung einbezogen, die Wortverst\u00e4ndlichkeit des Gesangstextes wird deutlich gesteigert \u2013 sofern deutlich artikuliert wird, was schon aufgrund der Schwierigkeit des St\u00fcckes nicht f\u00fcr jeden Darsteller an diesem Abend m\u00f6glich ist.<br \/>\nEbenso gut zu sehen die pseudo-hellenistische Kost\u00fcmierung der Akteure, man hat sich in vielen Details viel M\u00fche gegeben. Die d\u00e4monische Fratze der Elektra w\u00fcrde jedem Gruselfilm zur Ehre gereichen. Genauso detailliert ist die Personenf\u00fchrung: Jede Geste sitzt: Der dumme Aegisth, die halsstarrige alte (und wieder mal gehbehinderte) Klyt\u00e4mnestra, die unbedarfte Chrysothemis, der Trippelschritt des hochn\u00e4sigen Personals, kein Detail wurde vergessen. Der abschlie\u00dfende Totentanz der Elektra ist perfekt als geisteskranker Gem\u00fctsausbruch choreographiert \u2013 mit abschlie\u00dfendem Sprung ins Feuer. Und mit Donner und Blitz endet der Abend wie er begonnen hat.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nAuch musikalisch gibt es keinen Anla\u00df zur Kritik. Die vor kurzem zur Kammers\u00e4ngerin bef\u00f6rderte <strong>Iordanka Derilova<\/strong> ist auch stimmlich eine ph\u00e4nomenale Elektra mit hoher Durchschlagskraft auch in den hohen Registern. <strong>Karin Goltz<\/strong> als Klyt\u00e4mnestra ist ebenso wie Elektra ein hochdramatischer Sopran mit gro\u00dfer Strahlkraft in der H\u00f6he. <strong>Maida Hundeling<\/strong> als Chrysothemis ist keine lyrische Soubrette sondern ein jugendlicher Sopran, der ohne Probleme mit jugendlicher Leichtigkeit die Rolle spielt.<br \/>\n<strong>Ulf Paulsen<\/strong> (Orest) hat viel baritonale H\u00e4rte ohne wirklich Glanzpunkte setzen zu k\u00f6nnen<br \/>\n<strong>Vincent Wolfsteiner<\/strong> (Aegisth) ist ein zur\u00fcckhaltender lyrischer Tenor mit makelloser H\u00f6he. Er spielt den dummen Tenor, der einen dummen fetten Liebhaber gibt.<br \/>\nDie <strong>Anhaltische Philharmonie<\/strong> hat unter dem scheidenden GMD <strong>Golo Berg<\/strong> viel dazu gewonnen und \u00fcberzeugt an diesem Abend mit der musikalischen Umsetzung der Strauss-Partitur, obwohl es nur ged\u00e4mpft zu h\u00f6ren ist. Aber Golo Berg versteht es, auch von hinten die Straussschen Wallungen mit gewohnter Dynamik und fast gewohnter Lautst\u00e4rke w\u00fcrdig zu zelebrieren.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nMit einem Blitz- und Donnerschlag endet nach achtzehn Jahren die Intendanz von Johannes Felsenstein. Diese vom Publikum einhellig umjubelte Elektra-Premiere war die letzte seiner achtunddrei\u00dfig Inszenierungen w\u00e4hrend dieser Zeit. Es mag sein, da\u00df man wegen seiner Konzeption, das Orchester nach hinten zu setzen und daf\u00fcr die B\u00fchne bis an das Parkett vorzuziehen, geteilter Meinung ist. Auch seine Forderung an die S\u00e4nger kann man kritisieren, f\u00fcr die Wortverst\u00e4ndlichkeit die Gesangslinie zu vernachl\u00e4ssigen. Aber f\u00fcr die zahlreichen Operng\u00e4nger, die dieser Linie folgten oder zumindest akzeptierten, war das eine rundum gelungene Abschiedsvorstellung.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Claudia Heysel<br \/>\nDas Bild zeigt: Karin Goltz  als Klytemnestra und Iordanka Derilova Elektra<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss, Trag\u00f6die in einem Aufzug, Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA 25. Januar 1909, Dresden Regie: Johannes Felsenstein, B\u00fchnenbild: Stefan Rieckhoff Dirigent: Golo Berg, Anhaltinische Philharmonie Dessau Solisten: Iordanka Derilova (Elektra), Maida Hundeling (Chrysothemis ), Karin Goltz (Klyt\u00e4mnestra), Vincent<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=668\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[54,1],"tags":[],"class_list":["post-668","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-dessau-anhaltisches-staatstheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/668","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=668"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/668\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=668"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=668"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=668"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}