{"id":6673,"date":"2016-04-12T21:06:49","date_gmt":"2016-04-12T20:06:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6673"},"modified":"2016-04-15T08:37:35","modified_gmt":"2016-04-15T07:37:35","slug":"rigoletto-paris-opera-national-bastille","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6673","title":{"rendered":"RIGOLETTO &#8211; Paris, Op\u00e9ra National, Bastille"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Guiseppe Verdi (1813-1901), Oper in drei Akten, Libretto: Francesco Maria Piave nach Victor Hugo, UA: 11. M\u00e4rz 1851 Venedig, Teatro La Fenice,<\/p>\n<p>Regie: Claus Guth, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Christian Schmidt, Licht: Olaf Winter, Choreographie: Theresa Rotemberg, Dramaturgie: Konrad Kuhn, Video: Andi A. Muller.<\/p>\n<p>Dirigent: Nicola Luisotti, Orchester und Chor der Op\u00e9ra National de Paris Choreinstudierung: Jos\u00e9 Luis Basso<\/p>\n<p>Solisten: Michael Fabiano (Herzog von Mantova), Quinn Kelsey (Rigoletto), Olga Peretyatko (Gilda), Rafal Siwek (Sparafucile), Vesselina Kasarova (Maddalena), Isabelle Druet (Giovanna), Mikhail Kolelishvili (Graf Monterone), Michal Partyka (Marullo), Christophe Berry (Matteo Borsa), Tiago Matos (Graf von Ceprano), Andrea Soare (Contessa), Adriana Gonzalez (Page der Contessa), Florent Mbia (Amtsdiener des Grafen)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 11. April 2016 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Paris-Rigoletto.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-6674 alignright\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Paris-Rigoletto.jpg\" alt=\"Du lundi 11 avril 2016 au lundi 30 mai 2016\" width=\"601\" height=\"433\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Innerhalb von zwei Jahren zwischen M\u00e4rz 1851 und M\u00e4rz 1853 hat Verdi die Trilogie<em>\u00a0Rigoletto, Il Trovatore\u00a0<\/em>und<em>\u00a0La Traviata\u00a0<\/em>auf die B\u00fchne gebracht. W\u00e4hrend er in den beiden letzten Opern wieder halbwegs zu herk\u00f6mmlicheren Formen zur\u00fcckkehrt, erlaubt sich Verdi bei <em>Rigoletto <\/em>alle Freiheiten.<br \/>\nNicht nur besteht die Oper haupts\u00e4chlich aus Duetten oder Ensembleszenen, und nicht wie \u00fcblich haupts\u00e4chlich aus Arien, sondern auch der Ton wechselt st\u00e4ndig von komisch zu ernst, von grotesk zu tragisch, ein Rhythmus l\u00f6st in schneller Abfolge den n\u00e4chsten ab. Und Verdi scheut sich auch nicht im 1. Akt auf Tanzformen des 18. Jahrhunderts zur\u00fcckzugreifen. Erst der dritte Akt erh\u00e4lt einen einheitlich tragischen Ton. So ist es nicht erstaunlich, da\u00df die Kritik die Oper v\u00f6llig verrissen hat, doch das Publikum war begeistert und ist es bis heute geblieben. Interessant ist die gewollte oder ungewollte Parallele zu Mozarts\u00a0<em>Don Giovanni<\/em>. Auch hier ein der wahren Liebe unf\u00e4higer Verf\u00fchrer, auch hier ein Komtur (hier der Graf von Monterone) der mit Grabesstimme den Racheengel darstellt. Nur da\u00df der Rachestrahl hier nicht den Herrn, sondern den Diener trifft.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt <\/strong><\/p>\n<p>Auf einem Ball bei Hof spricht man vor allem \u00fcber die letzten Liebesabenteuer des Herzogs. Als Hofnarr Rigoletto, der wegen seines bei\u00dfenden Spotts bei vielen verha\u00dft ist, den Graf von Monterone mitleidlos auslacht, weil der Herzog seine Tochter verf\u00fchrt hat, verflucht ihn der Herzog, was Rigoletto schwer trifft. Gilda, das einzige und \u00fcber alles geliebte Kind Rigolettos, verschweigt ihrem Vater, da\u00df sie in der Kirche einen jungen Studenten (in Wirklichkeit den Herzog) kennengelernt und sich in ihn verliebt hat.<\/p>\n<p>Die H\u00f6flinge entf\u00fchren sie nachts aus Rigolettos Haus. Dieser findet sie im Herzogspalast wieder, aber zu sp\u00e4t, der Herzog hat sie verf\u00fchrt. In einer Spelunke au\u00dferhalb der Stadt mu\u00df Gilda von ferne mitansehen, wie der Herzog Maddalena, die Schwester des Wirts und Berufsm\u00f6rders Sparafucile umwirbt. Rigoletto schickt Gilda nach Hause, denn er hat Sparafucile daf\u00fcr bezahlt, den Herzog umzubringen. Auf die Bitten Maddalenas verspricht ihr Bruder den Herzog zu verschonen, wenn sich ein anderes Opfer findet. Durch ihre Liebe zum Herzog getrieben kehrt Gilda verkleidet zur Spelunke zur\u00fcck. Sie \u00fcberh\u00f6rt dort das Gespr\u00e4ch der Geschwister und beschlie\u00dft, sich f\u00fcr ihren Geliebten zu opfern. Als Rigoletto um Mitternacht zur\u00fcckkehrt, findet er nicht den Leichnam des Herzogs, sondern seine sterbende Tochter vor.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Claus Guth und sein Team haben, mit einer Ausnahme, eine recht neutrale, der Oper entsprechende Inszenierung geschaffen. Die Handlung l\u00e4uft, als einziges Dekor, in einem riesigen, zum Zuschauerraum offenen Pappkarton ab. Die Kost\u00fcme entsprechen zu Beginn der Oper dem Stil des 16. Jahrhunderts, doch werden bald darauf zu zeitgen\u00f6ssischen Stra\u00dfenkleidern oder Smokings f\u00fcr die H\u00f6flinge. Als Besonderheit wird Rigoletto st\u00e4ndig von einem in Lumpen gekleideten Doppelg\u00e4nger beschattet, der w\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre, allein auf der B\u00fchne das Ende des Dramas vorwegnimmt, indem er aus einem Pappkarton das blutbefleckte wei\u00dfe Kleid der ermordeten Gilda hervorzieht und weint<em>.<\/em> Auch Gilda tritt hin und wieder doppelt oder dreifach auf: als kleines Kind oder als junges M\u00e4dchen. Auch verschiedene h\u00fcbsche Videos zeigen die kleine Gilda auf einer Blumenwiese. Die Beleuchtung ist diskret, die Choreographie fl\u00fcssig, manchmal etwas slapstick<em>.<\/em> Seitenscheinwerfer werfen vergr\u00f6\u00dferte oder verzerrte Schatten auf die Seitenw\u00e4nde des Riesenkartons.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Quinn Kelsey<em> ist<\/em> Rigoletto. Seine tiefe Bariton-Ba\u00dfstimme scheint keine Grenzen zu haben. Sie ist warm und voll und kann doch mit dr\u00f6hnender Wucht ausladen, doch vor allem kommt sie aus seinem Inneren und damit strahlt auch dieser verzweifelte Clown eine bewegende Menschlichkeit aus. Michael Fabianos mitrei\u00dfende, jugendliche Tenorstimme mit hellem warmem Timbre ohne jegliches Pathos pr\u00e4destiniert ihn f\u00fcr die Rolle des Herzogs. Nicht nur die Ballade am Anfang der Oper oder das allzu bekannte <em>la donna \u00e8 mobile, <\/em>sondern vor allem auch das Lamento zu Beginn des zweiten Akts <em>ella mi fu rapita! <\/em>geben einen Eindruck von der Sch\u00f6nheit seiner Stimme sowohl in lyrischen wie in dramatischen Szenen.<\/p>\n<p>Olga Peretyatko ist mit enormer stimmlicher Kraft und fabelhaftem technischem Know-How eine eher dramatische Gilda. Etwas herb im ersten Akt, wird ihre Stimme weicher und strahlender im dritten Akt und vor allem im Quartett <em>bella figlia dell\u2019amore<\/em> und in der Schlu\u00dfszene. Rafal Siwek mit sonorem Ba\u00df und Vesselina Kasarova mit klangvollem Mezzo-Sopran sind der Sparafucile und seine Schwester Maddalena. Jos\u00e9 Luis Basso hat wieder gute Arbeit geleistet bei der Einstudierung des Opernchors. Nicola Luisotti dirigiert Soli, Chor und Orchester souver\u00e4n durch die wechselhafte Partitur.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung dieser dramatischen menschlichen Trag\u00f6die w\u00e4re nicht genial, aber durchaus angebracht gewesen, h\u00e4tte der Regisseur nicht den geschmacklosen Fehlgriff getan, gerade die musikalisch vielleicht wertvollste und zugleich tragischste Szene der Oper, n\u00e4mlich das ber\u00fchmte Quartett\u00a0im 3. Akt,\u00a0mit einer eher ordin\u00e4ren Sex-Kabarett-Nummer zu untermalen.<br \/>\nDie musikalische Interpretation der Oper war ausgezeichnet und wurde entsprechend gefeiert.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Quinn Kelsey (Rigoletto) bedroht Mikhail Kolelishvili (Graf Monterone)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Guiseppe Verdi (1813-1901), Oper in drei Akten, Libretto: Francesco Maria Piave nach Victor Hugo, UA: 11. 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