{"id":6669,"date":"2016-04-11T20:54:12","date_gmt":"2016-04-11T19:54:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6669"},"modified":"2016-04-12T20:59:57","modified_gmt":"2016-04-12T19:59:57","slug":"die-entfuehrung-aus-dem-serail-aachen-stadttheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6669","title":{"rendered":"DIE ENTF\u00dcHRUNG AUS DEM SERAIL &#8211; Aachen, Stadttheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang A. Mozart, Singspiel in drei Akten, Libretto: Christoph Friedrich Bretzner UA: 16. Juli 1782 Wien, Burgtheater<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchne: Sebastian Hirn, Kost\u00fcme: Lisa D\u00e4\u00dfler<\/p>\n<p>Dirigent: Kazem Abdullah, Sinfonieorchester Aachen<\/p>\n<p>Solisten: Pascale Schiller (Selim), \u00c7i\u011fdem Soyarslan (Konstanze), Larisa Vasyukhina (Blonde), Patricio Arroyo (Belmonte), Keith Bernard Stonum (Pedrillo), Randall Jakobsh (Osmin)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 10. April 2016 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Aachen-Entf\u00fchrung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6671\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Aachen-Entf\u00fchrung.jpg\" alt=\"Aachen Entf\u00fchrung\" width=\"612\" height=\"408\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Aachen-Entf\u00fchrung.jpg 612w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Aachen-Entf\u00fchrung-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 612px) 100vw, 612px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Belmonte reist \u00fcber das Meer, um seine Verlobte Konstanze aus der Gewalt des Bassa Selim zu befreien. Dieser h\u00e4lt Konstanze, ihre Dienerin Blonde und dessen Geliebten Pedrillo als seine Sklaven gefangen und will Konstanze zu seiner Geliebten machen. Konstanze wehrt sich gegen den Bassa; ebenso verweigert sich Blonde Osmin, Selims Diener. Belmonte plant zusammen mit Pedrillo die Flucht: Pedrillo macht Osmin betrunken, so da\u00df dieser einschl\u00e4ft und die vier fliehen k\u00f6nnen. Doch bevor sie das Schiff erreichen, erwacht Osmin und f\u00fchrt sie vor den Bassa Selim. Alle rechnen mit der Todesstrafe, doch Selim ist gn\u00e4dig und l\u00e4\u00dft die Gefangenen frei.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Sebastian Hirn l\u00e4\u00dft die Darsteller in einem leeren Raum agieren: ein Perserteppich aus Plastiklaminat ist das einzige Requisit auf der B\u00fchne, so da\u00df man auf schwarze B\u00fchnenw\u00e4nde starrt. Der Zuschauerraum dient als erweiterte B\u00fchne; der Chor beispielsweise singt vom zweiten Rang aus und die S\u00e4nger nutzen den Seitenaufgang und die erste Reihe f\u00fcr ihre Darbietung. W\u00e4hrend der Gesangsarien werden Zitate von Schopenhauer, Nietzsche u.a. digital eingeblendet, die auf den ersten Blick nichts mit dem Gesungenen zu tun haben. Die Kost\u00fcme erinnern an modernen Freizeit-Look: die Herren tragen legere Hosen und T-Shirts, Selim wird von einer Frau in Hosenanzug und Mantel gespielt, Konstanze erscheint im Satineinteiler. Am Ende wird Selim von Osmin als Akt der Rache erstochen, was leider dem Originaltext widerspricht und den vers\u00f6hnlichen Moment der Gnade untergr\u00e4bt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>In einem leichtf\u00fc\u00dfigen Presto dirigiert <strong>Kazem<\/strong> <strong>Abdullah<\/strong> das Orchester durch die Ouvert\u00fcre und sorgt besonders in den Streichern f\u00fcr sch\u00f6ne Crescendo-B\u00f6gen und ein ausgewogenes Verh\u00e4ltnis zwischen lebendigen und ruhigen Partien. <strong>Patricio Arroyos<\/strong> (Belmonte) erster Auftritt findet aus der ersten Reihe statt. Leider fehlt ihm der Atem f\u00fcr die hohen T\u00f6ne, danach steigert sich seine Leistung aber zunehmend und sein schimmernder Tenor, der ein sehr helles, zerbrechliches Timbre hat, kommt gut zur Geltung. Besonders in der Arie <em>Oh wie \u00e4ngstlich <\/em>schafft er es, die Halbtonschritte der Phrase <em>liebevolles Herz<\/em> sanft im sotto voce zu hauchen und klingt in den H\u00f6hen geschmeidig und voll. <strong>Keith Bernard Stonum<\/strong> (Pedrillo) braucht ebenfalls einen zweiten Anlauf, um seine Stimme vollends entfalten zu k\u00f6nnen. Sein H\u00f6hepunkt ist die Romanze <em>Im Mohrenland gefangen<\/em>, in der er seine Stimme in einem erz\u00e4hlenden Parlando gl\u00e4nzen l\u00e4\u00dft und durch die lang gehaltenen Crescendi von Strophe zu Strophe steigert.<\/p>\n<p>Herausstechend unter den M\u00e4nnerstimmen ist <strong>Randall Jakobsh (Osmin), <\/strong>der mit seinem grollenden, sehr dunkel gepr\u00e4gten Ba\u00df von Anfang bis Ende eine hervorragende Leistung abliefert. In der Arie <em>Oh wie will ich triumphieren<\/em> klingt sein Ba\u00df in den H\u00f6hen strahlend majest\u00e4tisch, in den Tiefen warm und sonor. Dabei intoniert er bis zum tiefen D sauber und artikuliert den Text sehr gut verst\u00e4ndlich \u2013 das Publikum applaudiert daf\u00fcr lange.<\/p>\n<p>Die Sopranistinnen zeigen beide eine durchweg solide Leistung<strong> \u00c7i\u011fdem Soyarslans<\/strong> (Konstanze) warmer, inbr\u00fcnstiger Sopran besticht durch ein wohliges Vibrato in der H\u00f6he, mit dem sie dramatische H\u00f6hepunkte setzt. Die Wandlungsf\u00e4higkeit ihrer Stimme pr\u00e4sentiert sie im zweiten Akt in der Arie <em>Martern aller Arten<\/em>, wo sie die Phrase <em>zuletzt befreit mich doch der Tod<\/em> sehr akzentuiert singt, dabei gut die Wechsel zu den Legato-Teilen meistert und die lang gehaltenen T\u00f6ne mit mezza di voce singt. <strong>Larisa Vasyukhina<\/strong> (Blonde) beeindruckt durch einen glockenklaren, k\u00fchlen Sopran, den sie im ersten Akt in der Arie <em>Durch Z\u00e4rtlichkeit und Schmeicheln<\/em> durch das gekonnte Anschwellen ihrer Stimme und die klare Intonation der Spitzent\u00f6ne zur Geltung bringt. Besonders erw\u00e4hnenswert ist auch das Quartett im Finale des zweiten Akts, bei dem die vier S\u00e4nger sehr synchron und dynamisch aufeinander abgestimmt harmonieren. Dies wird auch vom Publikum als H\u00f6hepunkt mit Applaus und Bravorufen gefeiert. <strong>Pascale Schiller<\/strong> (Selim) spielt die Sprechrolle des Selim mit verwirrten Gesten, dabei schreit sie ihren Text oft und bringt so die ganze Verzweiflung \u00fcber die Zur\u00fcckweisung ihrer Liebe zum Ausdruck.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Kluft zwischen musikalischer Darbietung und Inszenierung k\u00f6nnte nicht gr\u00f6\u00dfer sein! W\u00e4hrend S\u00e4nger und Orchester durchweg ein Genu\u00df sind und f\u00fcr viele unterhaltsame Momente sorgen, hinterl\u00e4\u00dft die Inszenierung eine Menge Fragen. Ungereimtheiten wie das Einblenden von philosophischen Spr\u00fcchen, die Selim hin und wieder auf Franz\u00f6sisch spricht und der Eingriff in den Originaltext lenken nicht nur von der Musik ab, sondern ver\u00e4ndern auch die Aussage der Oper. So sieht es auch das Publikum: Kazem Abdullah und das gesamte musikalische Ensemble bekommen \u00fcberlauten Applaus. F\u00fcr Regie, B\u00fchne und Kost\u00fcme gibt es laute Buh-Rufe.<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild von: Carl Brunn<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Larisa Vasyukhina (Blonde), Keith Bernard Stonum (Pedrillo), Patricio Arroyo (Belmonte) und \u00c7i\u011fdem Soyarslan (Konstanze)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang A. Mozart, Singspiel in drei Akten, Libretto: Christoph Friedrich Bretzner UA: 16. 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