{"id":6643,"date":"2016-03-19T16:15:37","date_gmt":"2016-03-19T15:15:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6643"},"modified":"2016-03-23T16:20:10","modified_gmt":"2016-03-23T15:20:10","slug":"der-rosenkavalier-coburg-landestheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6643","title":{"rendered":"DER ROSENKAVALIER &#8211; Coburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864-1949), Kom\u00f6die f\u00fcr Musik in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA: 1911 Dresden<\/p>\n<p>Regie: Jakob Peters-Messer, B\u00fchne: Markus Meyer, Kost\u00fcme: Sven Bindseil<\/p>\n<p>Dirigent: Roland Kluttig, Philharmonisches Orchester, Opern- und Kinder-Chor des Landestheaters Coburg, Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio<\/p>\n<p>Solisten: Betsy Horne (Feldmarschallin), Michael Lion (Baron Ochs auf Lerchenau), Ileana Mateescu (Octavian), Peter Sch\u00f6ne (Herr von Faninal), Anna G\u00fctter (Sophie), Heidi Lynn Peters (Jungfer Marianne), Dirk Mestmacher (Valzacchi) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung : 17. M\u00e4rz 2016 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_6644\" style=\"width: 637px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Coburg-Rosenkavalier.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6644\" class=\"size-full wp-image-6644\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Coburg-Rosenkavalier.jpg\" alt=\"Richard Strauss: Der Rosenkavalier\/ ML Roland Kluttig\/ R Jakob Peters-Messer B Markus Meyer\/ K Sven Bindseil \/ Chor Lorenzo Da Rio\/ Premiere 06.03. 2016\/ Landestheater Coburg\/\" width=\"627\" height=\"445\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Coburg-Rosenkavalier.jpg 627w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Coburg-Rosenkavalier-300x213.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6644\" class=\"wp-caption-text\">Richard Strauss: Der Rosenkavalier\/ ML Roland Kluttig\/ R Jakob Peters-Messer<br \/>B Markus Meyer\/ K Sven Bindseil \/ Chor Lorenzo Da Rio\/ Premiere 06.03. 2016\/ Landestheater Coburg\/<\/p><\/div>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Feldmarschallin hat eine Aff\u00e4re mit dem jungen Octavian. Da platzt der Baron Ochs herein. Um die Situation zu vertuschen verkleidet sich Octavian als Kammerzofe Mariandl. Ihr wiederum macht Baron Ochs den Hof, obwohl er sich mit Sophie verloben will. F\u00fcr die Brautwerbung schl\u00e4gt die Feldmarschallin Octavian als Rosenkavalier vor. Als Octavian Sophie besagte Rose \u00fcberbringt, verlieben sich beide Hals \u00fcber Kopf. Hingegen ist Ochs Verhalten gegen\u00fcber Sophie so r\u00fcpelhaft, da\u00df sie seinen Heiratsantrag ablehnt und Octavian auf Ochs losgeht. Die Kammerzofe (d.h. Octavian) verwickelt bei einem Stelldichein Ochs in ein peinliches Possenspiel, das wozu sogar die Polizei gerufen wird. Die Feldmarschallin kann Ochs auf diese Weise zum Verzicht auf Sophie zwingen. Doch auch sie mu\u00df schweren Herzens auf Octavian verzichten.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Alle Bauteile des B\u00fchnenbildes sind auf einer Drehb\u00fchne montiert: durch eine einfache Drehung von vier Wandbauteilen ergeben sich immer wieder neue R\u00e4ume oder Auftrittsm\u00f6glichkeiten. Das Zimmer der Feldmarschallin hat Stuck im Stil des Rokoko, aber ein modernes gro\u00dfes schwarzes Bett. Sophie wartet auf einem langen Flur auf ihren Rosenkavalier. Hier wuseln Diener und tragen Torten. Der Rosenkavalier der wird auf einer Pferdestatue in einem verspiegelten Raum sogar vierfach dargestellt. Der f\u00fcr das T\u00eate-\u00e0-t\u00eate zwischen Ochs und Mariandl gew\u00e4hlte Raum ist heruntergekommen, mit schimmligen W\u00e4nden und einem Loch in der Wand. Er verwandelt sich durch eine Drehung wieder in das Zimmer der Feldmarschallin als Schlu\u00dfbild. Die historisierenden Kost\u00fcme im modernen Schnitt sind samt und sonders aus der Barockzeit.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Manchmal ist es schwierig zu entscheiden, wen man herausheben soll, welchen K\u00fcnstler man zuerst nennen soll. Eine so homogene Besetzung ist bewundernswert, vor allem wenn sie auf dem Hausensemble fu\u00dft. Aber auch das mu\u00df manchmal mit Einspringern erg\u00e4nzt werden, wie z. B. durch <strong>Ileana Mateescu<\/strong>, deren Octavian eine echte Entdeckung ist, die an der Oper Dortmund in derselben Rolle erfolgreich ist. Ihr nimmt man den Mann im Bett der Marschallin als Oktavian ab, den z\u00e4rtlich-ungelenken Liebhaber der Sophie und auch die get\u00fcrkte Mariandl im Falsett. Ihr Mezzo bewegt sich an der Grenze zum Alt, er verf\u00fcgt \u00fcber einen dunklen warmen Ton, der auch einmal mit m\u00e4nnlicher Kraft zuschlagen kann. Im oberen Bereich h\u00f6rt er sich pubert\u00e4r hell an.<br \/>\nGenauso mitrei\u00dfend ist die Rolle der Marschallin: <strong>Betsy Horne<\/strong> bleibt immer leuchtend und volumin\u00f6s mit viel technischem Glanz, die lyrischen Passagen sind nachdenklich angelegt, ihr Piano bleibt stets tragend \u2013 sie denkt ber\u00fchrend \u00fcber die <em>Jungen Leut<\/em> nach. <strong>Michael Lion<\/strong> ist der erfahrene Hausba\u00df-Bariton, der den Ochs mit viel Durchschlagskraft und weniger kantabel gestaltet. Seine Rollengestaltung weist deutliche Parallelen zum Sachs aus Wagners Meistersingern auf. Aber er zweigt so eine Pers\u00f6nlichkeit, einen Ochs von echtem \u00f6sterreichischem Landadel, voll Schrot und Korn \u2013 aber keinen dummen Menschen. Diese Schrotigkeit vergrault die jugendlich naive Sophie aus der Stadt der <strong>Anna G\u00fctter<\/strong>, die sich mit Nachdruck und etwas hart fokussierender, jugendlich leichter Soubretten-Stimme durchsetzt. <strong>Peter Sch\u00f6ne<\/strong> spielt einen resoluten Herrn von Faninal, gestaltet daraus mit sicherer tiefer heldenbaritonaler Stimme, viel Strahlkraft und absoluter Textverst\u00e4ndlichkeit eine Hauptrolle.<br \/>\nBesonders erw\u00e4hnenswert, da\u00df auch die Nebenrollen ausgezeichnet besetzt werden k\u00f6nnen; zu nennen sind Spieltenor <strong>Karsten M\u00fcnster<\/strong> als Haushofmeister und Wirt, sowie <strong>Felix Rathgeber<\/strong> als durchschlagsstarker Kommissar und resoluter Notar. Oder besonders <strong>Milen Bozhkov<\/strong> als S\u00e4nger \u2013 so wie man es erhofft: strahlend hell und mit viel lyrischem Schmelz in der Kehle. Ein italienischer Tenor, der sicher in den H\u00f6hen mit schwereloser Leichtigkeit oder Durchschlagskraft agiert, gestaltet er seine beiden Jubelarien. Eine sichere Bank ist wieder der <strong>Chor<\/strong>, besonders der <strong>Kinderchor<\/strong>, die den Ochs wundersch\u00f6n <em>Papa<\/em> rufen, aber leider bei den adeligen Waisen nicht zum Zuge kommen. Die musikalische Interpretation von GMD <strong>Roland Kluttig<\/strong> ist durchgehend stringent und zielgerichtet, er erz\u00e4hlt eher ein deutsches Drama als einen Wiener Schm\u00e4h: die Klangwolken von Richard Strauss kommen in der kleineren Besetzung dennoch zum Zuge: etwas transparenter, etwas h\u00e4rter \u2013 aber immer mitf\u00fchlend.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese Vorstellung macht alle gl\u00fccklich: Die Produktion belegt eindrucksvoll, da\u00df man sich an die Rosenkavalier-Konventionen halten und die Regieanweisungen des Komponisten respektieren kann. Und trotzdem ist modernes Regietheater m\u00f6glich: es ist nicht der Kammermohr, der am Schlu\u00df das Taschentuch der Marschallin aufhebt, sondern eine Schauspielerin in Kammerdienerkleidung, die noch einmal die silberne Rose hervorholt. Musikalisch eindrucksvoll, das an einem Landestheater allgemein die Rollen aus dem Hausensemble besetzt werden k\u00f6nnen, inklusive Marschallin, Ochs und Octavian. Da\u00df aus dem kleinen Coburger Orchestergraben nicht die breite Wohlklangwolke einer Staatsoper m\u00f6glich ist, mu\u00df jedem bewu\u00dft sein. Beeindruckend was mit dem Philharmonischen Orchester unter Roland Kluttig dennoch m\u00f6glich wird. Das Publikum genie\u00dft einen dieser magischen Opernabende, der die Menschen gl\u00fccklich macht: Tosender Applaus f\u00fcr alle Beteiligten!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Andrea Kremper<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Ankunft Rosenkavalier, Ileana Mateescu (Octavian)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss (1864-1949), Kom\u00f6die f\u00fcr Musik in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA: 1911 Dresden Regie: Jakob Peters-Messer, B\u00fchne: Markus Meyer, Kost\u00fcme: Sven Bindseil Dirigent: Roland Kluttig, Philharmonisches Orchester, Opern- und Kinder-Chor des Landestheaters Coburg, Choreinstudierung: Lorenzo Da<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6643\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6644,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12,1],"tags":[],"class_list":["post-6643","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-coburg-landestheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6643","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6643"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6643\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6646,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6643\/revisions\/6646"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6644"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6643"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6643"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6643"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}