{"id":6632,"date":"2016-03-14T11:57:06","date_gmt":"2016-03-14T10:57:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6632"},"modified":"2016-03-22T12:01:15","modified_gmt":"2016-03-22T11:01:15","slug":"haensel-und-gretel-hof-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6632","title":{"rendered":"H\u00c4NSEL UND GRETEL &#8211; Hof, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Engelbert Humperdinck (1854-1921), M\u00e4rchenoper in drei Bildern, Libretto: Adelheid Witte, nach dem M\u00e4rchen der Br\u00fcder Grimm, U.A. 23. Dezember 1893 Weimar<\/p>\n<p>Regie, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Hinrich Horstkotte<\/p>\n<p>Dirigent: Roland Vieweg, Hofer Symphoniker, Opernchor, Kinderchor des Jean-Paul-Gymnasiums Hof, Choreinstudierung: Hsin-Chien Chiu<\/p>\n<p>Solisten: James Tolksdorf (Peter), Stefanie Rhaue (Gertrud, Knusperhexe), Patrizia H\u00e4usermann (H\u00e4nsel), Inga Lisa Lehr (Gretel), Dong-Joo Kim (Sandm\u00e4nnchen, Taum\u00e4nnchen)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 11. M\u00e4rz 2016 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Hof-H\u00e4nsel-Gretel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-6633\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Hof-H\u00e4nsel-Gretel.jpg\" alt=\"Hof H\u00e4nsel Gretel\" width=\"399\" height=\"636\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4nsel und Gretel singen und tanzen, um ihren Hunger zu vergessen. Schlie\u00dflich schickt die Mutter ihre Kinder in den Wald, um Beeren zu sammeln, weil sie nichts mehr zum Abendessen hat. Der Vater kommt erfreut nach Hause, weil er all seine Besen verkauft hat und Lebensmittel kaufen konnte. Die Kinder sind vom Weg abgekommen und f\u00fcrchten sich. Das Sandm\u00e4nnchen legt sie zur Ruhe und vierzehn Engel beh\u00fcten sie. Am Morgen entdecken sie ein verlockendes Knusperh\u00e4uschen, an dem sie ihren Hunger stillen. Doch die Hexe \u00fcberrascht sie: H\u00e4nsel wird\u00a0 in einen K\u00e4fig gesperrt, Gretel soll H\u00e4nsel m\u00e4sten, damit er einen fetten Braten f\u00fcr die Hexe abgebe. Doch Gretel gelingt es, H\u00e4nsel zu befreien, und gemeinsam sto\u00dfen sie die Hexe in den Backofen. Damit befreien sie auch all die anderen Kinder, die von der Hexe gefangen gehalten wurden. Kinder und Eltern feiern ein Freudenfest.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Zu einer m\u00e4rchenhaften Inszenierung geh\u00f6rt auch eine Verwandlung auf offener B\u00fchne, die entweder von Geisterhand geschieht \u2013 oder durch gute Geister: In diesem Fall schieben vier Lebkuchenm\u00e4nnchen die Kulissen. Zun\u00e4chst sieht man die karge Gute Stube, beherrscht von einem Klavier, die M\u00f6blierung ist sp\u00e4rlich, Tisch und St\u00fchle sind improvisiert. Rechts oben h\u00e4ngt an der Wand ein Wagner-Portr\u00e4t. Das Klavier ist nicht nur Kulturm\u00f6bel, sondern auch Zugang f\u00fcr einige nachtaktive Gestalten. Die R\u00fcckwand f\u00e4hrt hoch und B\u00e4ume bilden eine Waldlichtung. Mit einem bi\u00dfchen B\u00fchnennebel rund um den Konzertfl\u00fcgel wird der Auftritt des Sand- und Taum\u00e4nnchens mystisch. Die vierzehn Engel \u00e4hneln Figuren aus verschiedenen Wagner-Werken und Inszenierungen. Dann fahren die B\u00e4ume beiseite und \u00a0erlauben den Blick auf das Hexenhaus, das Bayreuther Festspielhaus, Brezeln an der Au\u00dfenmauer bilden den Buchstaben W. Die Kost\u00fcme der Hauptdarsteller sind einem zeitlosen M\u00e4rchenfundus entnommen und eindeutig f\u00fcr Kinder erkennbar. Die Vielschichtigkeit ist wohl eher f\u00fcr Erwachsene gedacht.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Humperdinck ist ohne Zweifel ein Wagnerepigone. Dennoch nimmt seine Musik, bald polternd, bald unheimlich dunkel, dann wieder ausgelassen, dann fast operettenhaft fr\u00f6hlich mit den hineingewobenen bekannten Volksweisen eine resolute Eigenst\u00e4ndigkeit an. <strong>Roland Vieweg<\/strong> durchleuchtet diese vielschichtige Partitur mit Schwung, zeichnet f\u00fcr die \u00c4lteren die Wagner-Parallelen auf, die Motive werden deutlich. So mitf\u00fchlend erlebt man den <em>Abendsegen<\/em> selten. F\u00fcr die Kinder werden die Volksweisen mit viel kindlichem Charme zelebriert, so sind alle Zuschauer eingebunden. Die Solisten, mit Begeisterung bei der Sache, zaubern einen m\u00e4rchenhaften Abend. Besonders <strong>Patrizia H\u00e4usermann<\/strong> (H\u00e4nsel) und <strong>Inga Lisa Lehr<\/strong> (Gretel) wirken in den Kinderrollen glaubhaft, so wie die Knusperhexe angsteinfl\u00f6\u00dfend ist. <strong>Inga Lisa Lehr<\/strong> ist am Haus die jugendlich naive Operettensoubrette, die das Publikum mitrei\u00dft, und ihren Jungm\u00e4dchen-Charme eindrucksvoll ausspielt. Herzerfrischend das <em>Br\u00fcderlein, komm tanz mit mir<\/em>. \u00dcber ein deutlich tieferes Timbre verf\u00fcgt <strong>Patrizia H\u00e4usermann<\/strong>. Leider verf\u00fcgt sie nicht \u00fcber ein entsprechendes Stimmvolumen oder Durchschlagskraft, so da\u00df ein blasser Eindruck des H\u00e4nsels bleibt. <strong>James Tolksdorf<\/strong> ist als Vater Peter fast schon \u00fcberqualifiziert, so polternd heftig ist sein Auftritt mit <em>Rallalala, rallalala, heissa, Mutter, ich bin da<\/em>. Mit seinem hohen Timbre und seiner kr\u00e4ftigen Stimme k\u00f6nnte er auch als Tenor durchgehen.<\/p>\n<p>Eine selten besetzte Doppelrolle hat <strong>Stefanie Rhaue<\/strong> als Mutter Gertrud und Knusperhexe. Mit ihrer dunkel timbrierten kr\u00e4ftigen Altstimme kann sie die beiden Rollen klar abgrenzen, die Mutter legt sie mitf\u00fchlend heftig, die Hexe b\u00f6sartig keifig an. F\u00fcr die Hexe wird manchmal ein (von Humperdinck abgelehnter) Tenor vorgesehen, f\u00fcr Sand- und Taum\u00e4nnchen in Hosenrollen ein Sopran. Hier ist <strong>Dong-Joo Kim<\/strong> doppelt besetzt. Sie ist Mitglied des Opernchores mit solistischen Verpflichtungen. Der hohe klare und dennoch volumin\u00f6se Klang gibt den beiden M\u00e4rchenfiguren entsprechende Gestalt. Ein wichtiger R\u00fcckhalt ist auch die gelungene Integration des Kinderchores in die Damenstimmen des Opernchores: Der Auftritt der Kuchenkinder gelingt in den Stimmgruppen einheitlich und harmonisch.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine farbenfrohe bilderreiche M\u00e4rchenstunde, der die N\u00e4he Humperdincks zu Richard Wagner szenisch und musikalisch heiter karikiert: Da wird die Hexe zu einer Mischung aus Richard und Cosima Wagner sowie Wotan! Dadurch oder deswegen ist diese Produktion uneingeschr\u00e4nkt f\u00fcr kleine Kinder und gro\u00dfe Wagnerianer geeignet, die an dem kurzweiligen Abend Spa\u00df und Freude haben. Gro\u00dfes Publikum, gro\u00dfe Oper, gro\u00dfe Momente, gro\u00dfer Applaus!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Harald Dietz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Patrizia H\u00e4usermann (H\u00e4nsel), Stefanie Rhaue (Knusperhexe), Inga Lisa Lehr (Gretel)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Engelbert Humperdinck (1854-1921), M\u00e4rchenoper in drei Bildern, Libretto: Adelheid Witte, nach dem M\u00e4rchen der Br\u00fcder Grimm, U.A. 23. 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