{"id":663,"date":"2009-05-13T09:48:23","date_gmt":"2009-05-13T07:48:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=663"},"modified":"2010-03-21T23:43:00","modified_gmt":"2010-03-21T22:43:00","slug":"zurich-opernhaus-agrippina","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=663","title":{"rendered":"Z\u00fcrich, Opernhaus &#8211; AGRIPPINA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Libretto: Vincenzo Grimani, UA: 26. Dezember 1709, Teatro San Giovanni Crisostomo, Venedig<br \/>\nRegie: David Pountney, B\u00fchnenbild: Johan Engels, Kost\u00fcme: Marie-Jeanne Lecca, Choreografie: Beate Vollack, Licht: J\u00fcrgen Hoffmann<br \/>\nDirigent: Marc Minkowski, Orchestra La Scintilla der Oper Z\u00fcrich<br \/>\nSolisten: Vesselina Kasarova (Agrippina), L\u00e1zl\u00f3 Polg\u00e1r (Claudio), Anna Bonitatibus (Nerone), Eva Liebau (Poppea), Marijana Mijanovic (Ottone), Gabriel Berm\u00fadez (Lesbo), Ruben Drole (Pallante), Jos\u00e8 Lemos (Narciso), Wiebke Lehmkuhl (Giunone)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 10. Mai 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"zurich-agrippina.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/zurich-agrippina.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"zurich-agrippina.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/zurich-agrippina.jpg\" \/><\/a>Agrippina erf\u00e4hrt vom angeblichen Tod ihres Gatten Claudio, des Kaisers von Rom. Sie schickt daraufhin die ihr ergebenen Diener Narciso und Pallante, um im Volk den Namen ihres Sohnes Nero als neuen Herrscher zu verbreiten. Sie hofft, sich so die Macht zu erhalten, da r\u00f6mische Kaiser nicht durch Erbmonarchie sondern durch Wahl legitimiert werden. W\u00e4hrend der Inthronisierung Neros wird die R\u00fcckkehr Claudios bekannt, der den Statthalter Otho als Dank, da\u00df dieser ihm das Leben rettete, zum neuen Kaiser ausruft. Otho allerdings w\u00fcrde wegen seiner Liebe zu Poppea, einer im Kaiserhaus hochbegehrten Dame, sogar auf den Thron verzichten, wovon auch Agrippina wei\u00df. Als der in Leidenschaft entbrannte Claudio zu Poppea eilt, verweigert diese ihm ihre Zuneigung auf den Rat Agrippinas hin, denn Otho als neuer Kaiser beanspruche sie nun f\u00fcr sich. Bei einem Zusammentreffen Poppeas mit Otho bemerken beide die Intrige Agrippinas. Um sich zu r\u00e4chen, bestellt Poppea Nero in ihr Gemach. Als Claudio eintrifft nennt sie diesen den eigentlichen Usurpator und nicht Otho. Auch Narciso und Pallante offenbaren Claudio den Betrug Agrippinas. Diese versichert, so gehandelt zu haben, um dem Kaiser den Thron zu bewahren. So gew\u00e4hrt Claudio am Ende Nero den Thron und legitimiert das Verh\u00e4ltnis Poppeas und Othos.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Inszenierung l\u00e4\u00dft leider wenig vom eigentlichen r\u00f6mischen Schauplatz erkennen. Das antike Rom ist in dieser Inszenierung einer Drehb\u00fchne mit verschiedensten Raumkomplexen gewichen. In der Mittelachse erhebt sich ein gro\u00dfes Reagenzglas, das wohl eine Art Spannungsthermometer darstellen soll. Die verschiedenen Zimmer zeigen ein Labor, Poppeas Schlafgemach mit allerlei Kuscheltieren, die im dritten Akt zum Leben erwachen, einen Fitne\u00dfraum und ein Schlachthaus, das mit seinen Blutlachen der Szene eines Horrorfilms \u00e4u\u00dferst nahe kommt. An den eigentlichen Schauplatz der Handlung erinnern lediglich ein den Thron symbolisierendes ionisches S\u00e4ulenkapitell sowie ein Lorbeerkranz, der sich in besagtem Thermometer befindet.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nAlle Hauptrollen sind mit exzellenten Darstellern besetzt, die an diesem Abend ihr Rollendeb\u00fct geben. So erscheint <strong>Vesselina Kasarova<\/strong> (Agrippina) in jeder Szene als intrigante Herrscherin,  auch bei Arien wie<br \/>\n<em>tu ben degno sei dell\u2019allor \u2013 du bist des Lorbeers w\u00fcrdig<\/em>, was den fliegenden Wechsel der Affekte von Heuchelei und Verachtung verblassen l\u00e4\u00dft. Charismatisch sang<strong> L\u00e1zl\u00f3 Polg\u00e1r<\/strong> (Claudio) mit seiner obertonreichen Stimme, die dem Kaiser trotz der buffonesken Elemente gro\u00dfe Ruhe und Bed\u00e4chtigkeit verlieh. In der Arie <em>voi che udite il mio lamento \u2013 die ihr mein Klagen h\u00f6rt<\/em>, eine der ergreifendsten Nummern der Oper, wirkte <strong>Marijana Mijanovic<\/strong> (Ottone) trotz ihrer erkennbaren Routine auf dem Gebiet der Barockmusik etwas verhalten. <strong>Eva Liebau<\/strong> (Poppea) brachte ihre Auftrittsarie <em>vaghe perle, elette fiori &#8211; sch\u00f6ne Perlen, erlesene Blumen<\/em> mit gro\u00dfer Leichtigkeit zu Geh\u00f6r. Allerdings wurde der Reiz der Verspieltheit dieser Arie durch ein sehr rasch genommenes Tempo des Orchesters ein wenig geschm\u00e4lert. Vor allem gl\u00e4nzte <strong>Anna Bonitatibus <\/strong>(Nerone) in ihrer Arie <em>come nube che fugge dal vento \u2013 wie eine Wolke, die vor dem Wind flieht<\/em>. Sie beeindruckte stimmlich durch ihren geschmeidigen Klang bis in die Spitzent\u00f6ne sowie einer gro\u00dfen Bravour in den Koloraturen, die vor allem durch die Parallelf\u00fchrung in den Instrumenten eine gro\u00dfe k\u00fcnstlerische Herausforderung darstellt. Das <strong>Z\u00fcricher Ensemble <\/strong><em>La Scintilla<\/em> unter<strong> Mark Minkowski<\/strong> musizierte einen brillanten H\u00e4ndel, auch in den konzertanten Stellen wie der Ouvert\u00fcre.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nIn der Inszenierung dominiert ein Hang zu \u00dcbertreibung buffonesker Szenen, die sehr am\u00fcsant gestaltet sein m\u00f6gen, jedoch nichts mit der Handlung gemein haben. Vor allem lassen Dirigent und Regisseur ein gemeinsames Konzept vermissen, wie es beispielsweise vor kurzem beim H\u00e4ndelschen Radamisto des Staatstheaters Karlsruhe zu erleben war. So erschienen bei aller Brillanz die Darsteller nur als Einzelpersonen, ein homogenes Ensemble vermi\u00dft man. Ein gro\u00dfes Lob f\u00fcr Eva Liebau und L\u00e1zl\u00f3 Polg\u00e1r, von deren gesundheitlicher Einschr\u00e4nkung an diesem Abend nichts zu merken war.<br \/>\nDaniel Rilling<\/p>\n<p>Bild: Suzanne Schwiertz<br \/>\nDas Bild zeigt Eva Liebau (Poppea) und Marijana Mijanovi\u0107 (Ottone)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Libretto: Vincenzo Grimani, UA: 26. 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