{"id":661,"date":"2009-05-13T09:10:02","date_gmt":"2009-05-13T07:10:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=661"},"modified":"2010-03-21T23:43:00","modified_gmt":"2010-03-21T22:43:00","slug":"bonn-opernhaus-krol-roger-der-konig-und-der-hirte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=661","title":{"rendered":"Bonn, Opernhaus &#8211; KR\u00d3L  ROGER &#8211; DER K\u00d6NIG UND DER HIRTE"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Karol  Szymanowski  (1882-1937), Oper in drei Akten. Libretto von Karol Szymanowski und Jarosl\u00e1w Iwaszkiewicz , dem Cousin des Komponisten. UA am 16.6. 1926 im Teatr  Wielki, Warschau.<br \/>\nRegie: Hans Hollmann, B\u00fchnenbild: Hans Hoffer, Dirigent: Stefan Blunier, Beethoven Orchester Bonn, Opernchor, Chorleitung: Sibylle Wagner, Kinderchorleitung: Ekaterina Klewitz. Solisten: Mark Morouse (Roger), Asta Zubaite (Roxane), George Oniani (Hirte), Mark Rosenthal (Edrisi) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 10. Mai 2009 (Premiere, in polnischer Sprache mit \u00dcbertiteln))<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"bonn-roger.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/bonn-roger.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"bonn-roger.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/bonn-roger.jpg\" \/><\/a>Ort: Palermo in Sizilien. In einer byzantinischen Kathedrale sind Geistliche, sowie K\u00f6nig Roger, Roxane, seine Gemahlin, sowie Krieger zum Gebet versammelt, als die Kunde von einem geheimnisvollen fremden Hirten an den K\u00f6nig herangetragen wird, der in Sizilien Anh\u00e4nger sucht. Der K\u00f6nig bittet ihn am Abend zur Unterredung auf sein Schlo\u00df. Die flammende Rede des Hirten \u00fcber seine friedvolle Religion der Liebe entfacht zum Unmut des K\u00f6nigs auch Roxane. Der K\u00f6nig l\u00e4\u00dft ihn gefangen nehmen, doch zerrei\u00dft er mit Leichtigkeit die Bande und flieht ins Gebirge. Roxane und die anderen folgen ihm wie im Traum. Schlie\u00dflich rei\u00dft sich der K\u00f6nig die Insignien der Macht vom Leib und folgt den anderen als Pilger nach. Nach langem Umherirren finden er und sein Begleiter, der arabische Gelehrte Edrisi, Roxane und die anderen bei den Ruinen eines griechischen Tempels. In Demut und ohne Waffen ist er gekommen, um nun am bacchantischen Fest des als Gott Dionysos erscheinenden Hirten teilzunehmen. Am Morgen steigt der K\u00f6nig zum Altar empor und bietet sein Herz der Sonne dar.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie illustrative Seite der byzantinischen Baudenkm\u00e4ler und bacchantischer Riten hat das B\u00fchnenbild kaum beeinflu\u00dft. Im ersten Akt findet der von einem Priester im Habitus der orthodoxen Kirche zelebrierte Gottesdienst in der Kulisse eines an einen H\u00f6rsaal erinnernden Halbrunds statt. Er kann im dritten Akt als Amphitheater gesehen werden. Der Chor ist grau in grau gekleidet. K\u00f6nig Roger tr\u00e4gt eine rote Samtjacke, sowie eine stilisierte Krone. Er wirkt depressiv und betrachtet sich fortw\u00e4hrend im Spiegel, w\u00e4hrend ihn sein Volk umgibt. Als der Hirte, so wie er gekleidet, auftritt, jedoch statt den Insignien der Macht eine Rose tr\u00e4gt, wirkt diese Begegnung, wie eine mit dem zuvor stets betrachteten Spiegelbild. Die Worte des Hirten von Freiheit verwandeln den Chor vom grauen Gefolge in eine bunte, individuell kost\u00fcmierte Schar. Auch die zun\u00e4chst in strengem Kost\u00fcm der Jahrhundertwende erschienene Roxane, tritt nun auf, als w\u00e4re sie einem Gem\u00e4lde von Gustav Klimt entstiegen. In Roger bewirken die Reden des Hirten Tr\u00e4ume: In einer Projektion sieht er sich und einen J\u00fcngling, der an Gustav Aschenbachs Tadzio erinnert. Edrisi, der arabische Ratgeber gleicht mit Kittel, Bart und Brille Dr. Sigmund Freud. Er f\u00fchrt den K\u00f6nig am roten Band in den letzten Akt. Zu den aufbrausenden finalen Kl\u00e4ngen liegt der K\u00f6nig tr\u00e4umend am Boden, um am Ende den im strahlenden Licht erscheinenden J\u00fcngling, erstmals l\u00e4chelnd, anzuhimmeln.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nMusikalisch entfaltete <strong>Stefan Blunier<\/strong> sehr bewu\u00dft das schwere Parfum der Musik Szymanowskis. Sie erinnerte nicht nur hinsichtlich ihrer Instrumentierung an die franz\u00f6sischen Impressionisten und erweckte feinsinnige Reize und nerv\u00f6se Strukturen. Die S\u00e4nger, allen voran die in den Vokalisen orientalisches Flair verstr\u00f6mende <strong>Asta Zubaite<\/strong>  als Roxane, jedoch auch die beiden m\u00e4nnlichen Protagonisten, der stringente Bariton von <strong>Mark Morouse<\/strong> (Roger) und der weiche Tenor von <strong>George Oniani<\/strong> (Hirte) nahmen gefangen, nicht zu vergessen der nahezu st\u00e4ndig pr\u00e4sente <strong>Chor<\/strong> sowie der <strong>Kinder<\/strong>&#8211; und <strong>Jugendchor<\/strong>.<br \/>\nDie Regie befreite den Stoff von den mittelalterlichen Schaupl\u00e4tzen und verlegte das Geschehen behutsam, mit \u00e4sthetischen Mitteln in die Entstehungszeit der Oper: Die Epoche der tiefenpsychologischen Traumdeutung. Sigmund Freud war wenige Jahre \u00e4lter als Szymanowski. Der Text des Librettos wurde nicht besch\u00e4digt. Edrisis abschlie\u00dfende Worte: <em>Der Traum ist zu Ende getr\u00e4umt! Die Kette der Trugbilder zerrissen<\/em> wirken wie das Ende einer erfolgreichen Psychotherapie, an deren Ende das Band zwischen Arzt und Patient gel\u00f6st ist. K\u00f6nig Roger erscheint als Alter Ego des homophilen Szymanowski. In die biographische Studie pa\u00dft gut, da\u00df der Hirte die freie Liebe als seine Religion preist. In ihr findet der Protagonist zu sich selbst.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEine musikalisch gelungene Auff\u00fchrung, die besonders wegen des selten in einer Inszenierung zu erlebenden St\u00fccks, den starken S\u00e4ngern und nicht zuletzt der guten Orchesterleistung herausragt. Die \u00e4sthetische Ausgestattung \u00fcberzeugte durch klare und eindringliche Bilder, die von der Musik umflutet, nachhaltige Wirkung zeigen.<br \/>\nFelicitas Zink<\/p>\n<p>Bild: Thilo Beu<br \/>\nDas Bild zeigt: Mark Morouse (K\u00f6nig Roger) li und George Oniani (Hirte) Mitte vorn im Gefolge.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Karol Szymanowski (1882-1937), Oper in drei Akten. Libretto von Karol Szymanowski und Jarosl\u00e1w Iwaszkiewicz , dem Cousin des Komponisten. UA am 16.6. 1926 im Teatr Wielki, Warschau. 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