{"id":6602,"date":"2016-03-03T21:57:38","date_gmt":"2016-03-03T20:57:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6602"},"modified":"2016-03-03T21:57:38","modified_gmt":"2016-03-03T20:57:38","slug":"die-meistersinger-von-nuernberg-paris-opera-national-bastille","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6602","title":{"rendered":"DIE MEISTERSINGER VON N\u00dcRNBERG &#8211; Paris, Op\u00e9ra National (Bastille)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner, Oper in drei Akten, Text: Richard Wagner, UA: 21. Juni 1868, M\u00fcnchen, K\u00f6nigliches Hof- und Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Stefan Herheim, B\u00fchne: Heike Scheele, Kost\u00fcme: Gesine V\u00f6llm, Licht: Phoenix (Andreas Hofer) Stefan Herheim nach Olaf Freese, Video: Martin Kern, Dramaturgie: Alexander Meier-D\u00f6rzenbach<\/p>\n<p>Dirigent: Philippe Jordan, Chor und Orchestre de l\u2019Op\u00e9ra National de Paris, Choreinstudierung\u00a0: Jos\u00e9 Luis Basso<\/p>\n<p>Solisten : Gerald Finley (Hans Sachs), G\u00fcnther Groisb\u00f6ck (Veit Pogner), Dietmar Kerschbaum (Kunz Vogelgesang), Ralf Lucas (Konrad Nachtigall), Bo Skovhus (Beckmesser),\u00a0Michael Kraus (Fritz Kothner), Martin Homrich (Balthasar Zorn), Stefan Heibach (Ulrich Eisslinger), Robert W\u00f6rle (Augustin Moser,), Miljenko Turk (Hermann Ortel), Panajotis Iconomou (Hans Schwarz), Roman Astakhov (Hans Folz), Brandon Janovich (Walter von Stolzing), Toby Spence (David), Julia Kleiter (Eva), Wiebke Lehmkuhl (Magdalene), Andreas Bauer (Nachtw\u00e4chter).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. M\u00e4rz 2016 (Premiere, Koproduktion mit den Salzburger Festspielen)<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_6603\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Paris-Meistersinger.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6603\" class=\"size-full wp-image-6603\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Paris-Meistersinger.jpg\" alt=\"DIE MEISTERSINGER VON NURNBERG -  LES MAITRES CHANTEURS DE NUREMBERG -\" width=\"768\" height=\"315\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Paris-Meistersinger.jpg 768w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Paris-Meistersinger-300x123.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6603\" class=\"wp-caption-text\">DIE MEISTERSINGER VON NURNBERG &#8211; LES MAITRES CHANTEURS DE NUREMBERG &#8211;<\/p><\/div>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Vollendung seines <em>Tannh\u00e4users <\/em> fand Wagner im Sommer 1845 einige Wochen Erholung im b\u00f6hmischen Marienbad und war dort nach eigener Aussage au\u00dferordentlich fr\u00f6hlich. In dieser unbeschwerten Atmosph\u00e4re entstanden die ersten Entw\u00fcrfe f\u00fcr <em>die<\/em> <em>Meistersinger<\/em>. Wie<em> Falstaff<\/em> in Verdis, so sind auch in Wagners Schaffen <em>Die<\/em> <em>Meistersinger<\/em> die einzige komische Oper. Beckmesser kann man als eine Figur der <em>opera buffa<\/em> bezeichnen, die Dialoge sind oft witzig, der Ton leicht. Und dennoch ist diese Oper vielschichtiger. Als Anspielung Wagners auf seine Wesendonck Beziehung ist die Liebesgeschichte Walter-Eva eng verquickt mit dem bewegenden Verzicht des Witwers Hans Sachs auf neue Liebe, auf Frau, auf eigene Kinder. Wie er selbst mit der Weisheit des Alters Eva gegen\u00fcber zugibt: <em>Mein Kind, von Tristan und Isolde kenn\u2018 ich ein traurig St\u00fcck: Hans Sachs war klug und wollte nichts von Herrn Markes Gl\u00fcck (3. Akt. 4. Szene). <\/em>In der Rivalit\u00e4t Stolzing-Beckmesser kommt auch der Gegensatz von k\u00fcnstlerischer Erneuerung und sturer pedantischer Regelung zum Ausdruck. Und schlie\u00dflich ist die Oper ein romantisch-patriotischer Hymnus an den deutschen Geist und an die deutsche Kultur. Aber eben auch nicht nur das!<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Um die Goldschmiedstochter Eva Pogner heiraten zu k\u00f6nnen, mu\u00df der junge Ritter Walter von Stolzing in die Zunft der Meistersinger aufgenommen werden, und den j\u00e4hrlichen, nach strengen Regeln ausgef\u00fchrten Gesangswettbewerb gewinnen. Denn Eva ist dem Gewinner dieses Wettbewerbs versprochen. Beckmesser ist sein Hauptrivale. Stolzings neuartiges Probelied wird verworfen. Doch der Schustermeister und beliebte Meistersinger Hans Sachs setzt sich f\u00fcr ihn ein. Hans Sachs wei\u00df Eva davon abzuhalten, sich von Stolzing, den sie liebt, entf\u00fchren zu lassen. Gleichzeitig st\u00f6rt er Beckmessers n\u00e4chtliches St\u00e4ndchen vor Evas Fenster. Der Schusterlehrling David verpr\u00fcgelt Beckmesser, weil er glaubt, er mache seiner Freundin Magdalene den Hof. Der Tumult bringt die ganze Nachbarschaft in wei\u00dfen Nachthemden auf die Stra\u00dfe, und es entsteht eine Massenpr\u00fcgelei. Am Tag des Wettsingens, ermuntert Hans Sachs Stolzing, ihm seinen wunderbaren Traum vorzusingen. Sachs schreibt ihn nieder. Beckmesser tritt ein, entdeckt das Gedicht in Sachses Handschrift und wittert einen neuen Rivalen. Sachs beruhigt ihn und schenkt es ihm sogar. Nun ist Beckmesser sicher gewinnen zu k\u00f6nnen. Doch beim Vorsingen auf der Festwiese, macht er sich v\u00f6llig l\u00e4cherlich. Sachs fordert nun Stolzing auf, es auf seine Weise vorzusingen. Der Erfolg ist einhellig. Er wird in die Zunft der Meistersinger aufgenommen und gewinnt den Wettbewerb und die Hand Evas.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Stephan Herheim und sein Team haben die Handlung in die Zeit der deutschen Romantik, ins Biedermeier, verlegt. M\u00f6bel, Gem\u00e4lde, Gebrauchsgegenst\u00e4nde und Kost\u00fcme sind bis ins einzelne stilgerecht und farbenpr\u00e4chtig. Gleichzeitig hat das Team viel Phantasie walten lassen, was eine fast m\u00e4rchenhafte Atmosph\u00e4re schafft bei der die Br\u00fcder Grimm, E.T.A. Hoffmann und wohl auch ein wenig Spitzweg und Wilhelm Busch Pate stehen. Die B\u00fchnenbilder sind stark vergr\u00f6\u00dferte Biedermeier-M\u00f6bel, ein Schreibtisch mit Orgelempore im ersten Akt als Kirche und Ratssaal. Eine Kommode und ein Schrank im zweiten Akt als H\u00e4user, und schlie\u00dflich Schuhmacher Regale im dritten Akt als Umrandung der Festwiese. Dazwischen bewegen sich die Ausf\u00fchrenden wie Liliputaner und bl\u00e4ttern in \u00fcberdimensionalen B\u00fcchern, wie in <em>Des Knaben Wunderhorn.<\/em> All diese \u201eM\u00f6bel\u201c sind der Wohnung des Hans Sachs \u201eentnommen\u201c, wie sie uns in richtigen Proportionen am Anfang der Oper und im ersten Teil des 3. Akts erscheint. Um das Phantastisch-M\u00e4rchenhaften noch zu vertiefen, mischen sich in die Keilerei am Ende des zweiten Akts, lauter M\u00e4rchenfiguren: Schneewittchen, die sieben Zwergen, Frau Holle, der Froschk\u00f6nig, der gestiefelte Kater, Rotk\u00e4ppchen samt Wolf, der M\u00e4usek\u00f6nig, und andere. Sogar der Struwwelpeter hat seinen Auftritt. Am n\u00e4chsten Morgen sagt Hans Sachs \u00fcber die Keilerei: <em>Gott wei\u00df, wie das geschah? Ein Kobold half wohl da! Ein Gl\u00fchwurm fand sein Weibchen nicht, der hat den Schaden angericht\u2019t. Der Flieder war\u2019s: Johannisnacht! <\/em><\/p>\n<p>Er hat den Zauber wohl gesp\u00fcrt und der Regisseur auch. Ein Mittsommernachtstraum! Auch bei dem Johannisfest im 3. Akt l\u00e4\u00dft der Regisseur seiner Phantasie freien Lauf: Alle treten in bunten Festkleidern auf. Eva in wei\u00dfer Krinoline, Stolzing wie ein silberner M\u00e4rchenprinz. Unter das Volk mischen sich bunt angemalte Riesenfiguren und in einer Miniatureisenbahn, Model Stephenson 1829, Riesenpuppen, die aussteigen und Walzer tanzen. W\u00e4hrend der Zeit spielen Eva und Magdalena mit Puppen und ein Kinderorchester macht Musik. Die Welt der Kindheit ist nie fern. Die Regie wie auch Choreographie sind bis ins kleinste Detail geregelt, rapid, beweglich, komisch, bisweilen grotesk, aber dann auch wieder nachdenklich, bewegend, fast tragisch.<\/p>\n<p><strong>Orchester und S\u00e4nger<\/strong><\/p>\n<p><strong>Philippe Jordan<\/strong> dirigiert die sehr komplexe Partitur mit Feingef\u00fchl, ohne Pathos; mit Leichtigkeit, wie im Beckmesser-Sachs Duett im dritten Akt, wo man sich fast operettenhaften Rhythmen n\u00e4hert; mit Gemessenheit, wie in dem an Bach angelehnten Choral der ersten Szene; oder beherrscht und mit strenger Pr\u00e4zision wie in der meisterhaft gearbeiteten Doppelfuge der Pr\u00fcgelszene.<\/p>\n<p><strong>Gerald Finley<\/strong> verk\u00f6rpert den alternden Hans Sachs mit Humor und W\u00fcrde, stimmlich wendig und zugleich warm und solid, aber auch bewegend wie im langen Monolog <em>Wahn! Wahn! \u00dcberall Wahn!<\/em> (3. Akt, 1.Szene). Auch seine Diktion verdient Lob.<\/p>\n<p><strong>Bo Skovhus<\/strong> spielt hervorragend und singt mit sehr beweglicher Stimme, mal knarrend, mal klangvoll, den grotesken, von Paranoia geplagten Beckmesser. Besonders komisch im schon erw\u00e4hnten Streitgespr\u00e4ch mit Hans Sachs <em>Ein Werbelied! Von Sachs! <\/em>(3. Akt, 3. Szene). <strong>Brandon Jovanovich<\/strong> ist mit sch\u00f6n timbrierter und wohl abgerundeter Tenorstimme ein glaubhafter, wenn auch szenisch etwas passiver Kavalier. <strong>G\u00fcnther Groissb\u00f6cks<\/strong> sch\u00f6ne, volle Ba\u00dfstimme verk\u00f6rpert die Autorit\u00e4t des Vaters Pogner. <strong>Julia Kleiter<\/strong> als die zwischen Zuneigung und Dankbarkeit zu Hans Sachs und ihrer Liebe zum jungen Stolzing hin und her gerissene Eva entfaltet ihre Sopranstimme im lyrischen<em> legato<\/em> des <em>Selig wie die Sonne meines Gl\u00fcckes lacht<\/em> und im folgenden Quintett (3. Akt, 4.Szene) zu feierlich strahlender F\u00fclle. <strong>Wiebke Lehmkuhl<\/strong> mit angenehmer Altstimme und Toby Spence mit hellem Tenor stellen als Magdalene und David das zweite Liebespaar dar. Die \u00fcbrigen S\u00e4nger f\u00fcgen sich gut in das gut auf einander eingespielte Ensemble ein. Zu erw\u00e4hnen sei noch der ausgezeichnet einstudierte Chor!<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eine musikalisch brillante und szenisch phantasievolle und h\u00f6chst erfreuliche Interpretation einer oft mi\u00dfverstandenen Oper. Schade, da\u00df nicht alle Opernregisseure so gl\u00fcckliche Einf\u00e4lle haben. Vielleicht zu viel Politik und nicht genug Kultur? Das Publikum lachte, klatschte begeistert oder l\u00e4chelte nur still und freute sich.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Vincent Pontet<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Gerald Finley (Hans Sachs)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner, Oper in drei Akten, Text: Richard Wagner, UA: 21. 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