{"id":6598,"date":"2016-03-01T21:12:24","date_gmt":"2016-03-01T20:12:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6598"},"modified":"2025-10-10T17:34:28","modified_gmt":"2025-10-10T16:34:28","slug":"stabat-mater-koeln-philharmonie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6598","title":{"rendered":"Stabat Mater &#8211; K\u00f6ln, Philharmonie"},"content":{"rendered":"<p>Die Redaktion von OPERATPOINT hat sich vorgenommen, mehr Konzerte zu besprechen, die entweder f\u00fcr die betreffende Stadt wichtig und dar\u00fcber hinaus auch landesweit von Interesse ist. Zudem wollen wir das eine oder andere Mal vom biographischen Werdegang des betreffenden Komponisten, den Umst\u00e4nden der Entstehung des oder der Werk berichten. Da in K\u00f6ln Chormusik immer schon in verschiedenen Chorgemeinschaften gepflegt wurde, beginnen wir hier mit dem Rheinischen Kammerchor.<\/p>\n<p><strong>Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k <\/strong>(1841\u20131904)<\/p>\n<p><strong><em>Stabat Mater<\/em><\/strong> op. 58 B 71, lateinische Sequenz (Hymnus) f\u00fcr Soli, Chor und Orchester, Text: \u00dcberlieferung aus dem Mittelalter<\/p>\n<p>Dirigent: Wolfgang Siegenbrink, Rheinischer Kammerchor, Bochumer Symphoniker<\/p>\n<p>Solisten: Melanie Maennl (Sopran), Rena Kleifeld (Alt), Markus Francke (Tenor), Thomas Laske (Ba\u00df)<\/p>\n<p>UA: 23. Dezember 1877 Prag<\/p>\n<p><strong>Besuchte Auff\u00fchrung: 28. Februar 2016<\/strong><\/p>\n<p><strong>Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k<\/strong> bevorzugte in seinem Schaffen symphonische und kammermusikalische Gattungen, so auch die Oper (Rusalka) und symphonische Werke (u.a. <em>Aus der Neuen Welt<\/em>). Mit seinen Kompositionen bekam die Tschechei eine nationale musikalische Identit\u00e4t. Er folgte damit Bred\u0159ich (1824-1884). Folkloristische Melodien charakterisieren seine Werke. Unbeirrt von ideologischen Str\u00f6mungen ging er seinen eigenen Weg. Heimatliebe, Naturverbundenheit, tiefe Religiosit\u00e4t, aber ebenso berauschende Lebensfreude kommen in Dvo\u0159\u00e1ks Werk zum Ausdruck. Von den gro\u00dfen Vokalwerken sind das <em>Stabat mater<\/em> und das <em>Requiem <\/em>bekannt.<\/p>\n<p>In seinem<em> Stabat mater<\/em> betont Dvo\u0159\u00e1k vor allem das Chorische. Allein schon der ausgedehnte Chor zu Anfang zeigt dies durch seine Ausdehnung. Es ist ein Viertel der Gesamtl\u00e4nge.<\/p>\n<p><strong>Struktur<\/strong><\/p>\n<p>Im ersten Teil imponiert ein markantes Hauptthemas. Ein umfangreicher Mittelteil schlie\u00dft sich an, gefolgt von einer Wiederholung des Anfangsteils (Reprise). Der Satz \u00e4hnelt dem Aufbau einer Symphonie. W\u00e4hrend im Anfangschor alle Solisten auftreten, k\u00f6nnen sich in den nachfolgenden S\u00e4tzen die Solisten einzeln pr\u00e4sentieren. Es folgen, immer wieder vom Chor unterbrochen, zehn S\u00e4tze, ein Solisten-Quartett, Soli von Ba\u00df, Tenor, Sopran-Tenor (Duo), Alt. Der Abschlu\u00df des Hymnus bildet ein Quartett mit Chor. Im Verlauf h\u00f6ren wir einen Trauermarsch, eine Pastorale und zum Schlu\u00df ein monumentales <em>Amen<\/em> mit dem Motiv des Anfangschors. Der Komposition verleihen die immer wieder auftauchenden Reprisen der einzelnen S\u00e4tze sowie das Wiederauftreten des Anfangsmotivs im Schlu\u00df-<em>Amen<\/em> eine gro\u00dfe Geschlossenheit.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Auff\u00fchrung in der K\u00f6lner Philharmonie leitete Wolfgang Siegenbrink, Organist zweier K\u00f6lner Kirchen und seit 20 Jahren Dirigent des Rheinischen Kammerchors K\u00f6ln. Siegenbrink hatte seinen Chor mit dem Berner Kammerchor, den J\u00f6rg Ritter einstudierte, erg\u00e4nzt, und zwar sehr zum Vorteil der der gesamten Auff\u00fchrung.<\/p>\n<p>Beim m\u00e4chtigen Eingangschor fielen sowohl die dynamische F\u00fchrung und als auch die gekonnt eingepa\u00dften Pianissimi vielversprechend auf. Alles pa\u00dfte sich \u2013 und das war des Dirigenten Verdienst \u2013 in den Ablauf des Orchesterparts gelungen ein. Jeder Solist hatte eine besondere M\u00f6glichkeit sich darzustellen, da Dvo\u0159\u00e1k, ein hervorragender Kenner des Gesangs, f\u00fcr jeden Solisten eine besondere M\u00f6glichkeit vorgesehen. Schon bei den solistischen Stellen im Eingangschor fiel die Homogenit\u00e4t im Zusammenspiel der Solisten mit dem gro\u00dfen Chor auf. Durch den im Programmheft erfreulicherweise wiedergegebene Text in lateinischer und deutscher Sprache war es f\u00fcr die Zuh\u00f6rer ein Leichtes, dem Verlauf ohne Anstrengung zu folgen.<\/p>\n<p>Im Quartett nach dem Er\u00f6ffnungschor konnte man das Zusammenspiel der Solisten untereinander gut verfolgen. Zun\u00e4chst fiel bei allen Solisten die klare Aussprache des Textes auf. Weiterhin war das Zusammensingen makellos, zumal die Stimmen im Timbre gut zusammenpa\u00dften. Im vierten Satz hatte der Ba\u00df das Solo. Hier bew\u00e4hrte sich der Bassist des Abends <strong>Thomas Laske<\/strong> \u00fcber die Ma\u00dfen gut. M\u00fchelos bew\u00e4ltigte er die H\u00f6hen, rund kamen die Tiefen. Das anf\u00e4ngliche Vibrato vermied er bald, so da\u00df sein Gesang sich auch verhalten in den immer wieder eingestreuten vierstimmigen Chorgesang einbettete.<\/p>\n<p>Mit wiegendem pastoralem, sattem Orchesterklang verabschiedete sich der Chor (Nr. 5) in die Pause, was die Zuh\u00f6rer mit dankbarem Applaus quittierten.<\/p>\n<p>Mit klarer, heller Tenorstimme meldete sich <strong>Markus Francke<\/strong> mit <em>Fac me vere tecum flere \u2013 la\u00df mich wahrhaft mit dir<\/em> [Maria] <em>weinen<\/em> im sechsten St\u00fcck f\u00fcr Tenor und Chor zur\u00fcck, wobei das Sanfte seiner Stimme uns alle f\u00fcr ihn einnahm. Die in der Tat bezaubernde Komposition vermittelt ja durch die schlichte, ja fast fromme Melodief\u00fchrung und dem Wechselgesang von Tenor und Chor eine gro\u00dfe Intimit\u00e4t, dem kaum ein Musikliebhaber widerstehen kann. Es folgt ein Duett von Sopran und Tenor, wobei Dvo\u0159\u00e1k die beiden Stimmen ganz als Person damit charakterisieren, Maria in ihrem Schmerz unter dem Kreuz anzuschauen. Die Verse, die der Tenor singt, hat Dvo\u0159\u00e1k eigenm\u00e4chtig gegen\u00fcber dem \u00fcblichen <em>Stabat-Mater<\/em> Text ver\u00e4ndert, was ihr eine sehr pers\u00f6nliche F\u00e4rbung verleiht. <strong>Melanie Maennl<\/strong> besitzt eine klare Sopranstimme. Leider mu\u00df sie sich bei den H\u00f6hen ziemlich anstrengen. Ihre Piani sind ausgewogen, doch wenn sie ins Forte gelangt, wird ihre Stimme metallisch-farblos. Im Duett gelingt ihr der gemeinsame Gesang ausgewogen.<\/p>\n<p>Zuletzt gestaltet <strong>Rena Kleifelds<\/strong> biegsamer Alt mit Energie die Worte <em>Fac me cruce custodiri \u2013 mach, da\u00df mich sein Kreuz bewache <\/em>(9. St\u00fcck). Es ist eine elegant anmutende Komposition mit dem dreimal wiederholten Anfangsmotiv. Dabei f\u00e4llt auf, da\u00df die oft ziemlich tiefe Stimmf\u00fchrung der Altistin \u00fcber die Ma\u00dfen gut rund und wohlt\u00f6nend gelingt. Manchmal \u00fcbert\u00f6nt das Orchester diese Stellen, doch ist das, aufs Ganze gesehen, ertr\u00e4glich. Schlie\u00dflich dann ein Quartett mit Chor mit <em>Amen<\/em> als genialem Schlu\u00df.<\/p>\n<p>Es war ein Konzert von hohem Niveau aller Beteiligten, das auch so gut in den jetzigen kirchlichen Jahresabschnitt geh\u00f6rt. Nicht endend wollender Beifall der begeisterten Zuh\u00f6rer.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Redaktion von OPERATPOINT hat sich vorgenommen, mehr Konzerte zu besprechen, die entweder f\u00fcr die betreffende Stadt wichtig und dar\u00fcber hinaus auch landesweit von Interesse ist. 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