{"id":6585,"date":"2016-02-17T21:01:23","date_gmt":"2016-02-17T20:01:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6585"},"modified":"2016-02-28T18:11:42","modified_gmt":"2016-02-28T17:11:42","slug":"la-juive-die-juedin-staatstheater-nuernberg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6585","title":{"rendered":"La Juive (Die J\u00fcdin) &#8211; Staatstheater N\u00fcrnberg"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jacques-Fromental Hal\u00e9vy (1799-1862), Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Eug\u00e8ne Scribe, UA: 23. Februar 1835 Paris, Salle Le Peletier<\/p>\n<p>Regie: Gabriele Rech, B\u00fchne: Dieter Richter, Kost\u00fcme: Gabriele Heimann<\/p>\n<p>Dirigent: Guido Johannes Rumstadt, Staatsphilharmonie N\u00fcrnberg, Chor und Extrachor des Staatstheaters N\u00fcrnberg, Choreinstudierung: Tarmo Vaask<\/p>\n<p>Solisten: Leah Gordon (Rachel), Luca Lombardo (El\u00e9azar), Uwe Stickert (L\u00e9opold), Banu B\u00f6ke (Prinzession Eudoxie), Nicolai Karnolsky (Kardinal de Brogni), Kay Stiefermann (Ruggiero, Schulthei\u00df), Jens Waldig (Albert, Feldwebel), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. Januar 2016 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Die-Juedin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6586\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Die-Juedin.jpg\" alt=\"Die Juedin\" width=\"500\" height=\"333\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Die-Juedin.jpg 500w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Die-Juedin-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Konstanzer Konzil 1414: Der j\u00fcdische Goldschmied El\u00e9azar wird fast von einer aufgebrachten Menge gelyncht, weil er einen christlichen Feiertag mi\u00dfachtet. Bei ihm lebt Rachel, die glaubt, seine Tochter zu sein. Tats\u00e4chlich ist sie das Kind des Kardinals de Brogni, der es bei einem Brand verloren zu haben glaubt, es wurde jedoch von El\u00e9azar gerettet und als J\u00fcdin aufgezogen. Rachel hat eine Liebesbeziehung mit dem Prinzen L\u00e9opold, der sich als Jude Samuel ausgibt und mit der Prinzessin Eudoxie verheiratet ist. Als diese illegitime Beziehung bekannt wird, werden El\u00e9azar, Rachel und L\u00e9opold festgenommen. Rachel entlastet im Proze\u00df L\u00e9opold, doch sie und ihr Ziehvater werden zum Tode verurteilt. Im Moment ihrer Hinrichtung offenbart El\u00e9azar de Brogni, da\u00df dessen Tochter gerade vor seinen Augen stirbt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Jedem Akt wird genau ein Hintergrundbild zugeordnet, die sich teilweise nur durch wenige \u00c4nderungen unterscheiden: am Anfang sieht man die Stufen zum Kirchenportal, das von einer Rosette gepr\u00e4gt wird. Die gleiche Wand wird zu El\u00e9azars Haus, die Rosette zeigt jetzt einen Davidstern, das Kirchenportal wird durch ein gro\u00dfes Bild eines j\u00fcdischen Rabbi verdeckt, zus\u00e4tzlich sind Fenster und B\u00fccherregale aufgestellt. Zum Pessachfest haben sich 13 Personen versammelt, wie weiland die J\u00fcnger zum Abendmahl. F\u00fcr den Festsaal werden die Vorh\u00e4nge zugezogen, Gericht gehalten wird im ausgebrannten Haus El\u00e9azars, die Hinrichtung Rachels in einen \u00fcberdimensionalen Wasserkocher (Taufe mit kochendem Wasser) findet in der ausgebrannten Kirche statt. Die Kost\u00fcme entstammen der heutigen Zeit, die Uniformen der Soldaten sind im pseudo-faschistischen Schnitt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Der Grund weshalb <em>La Juive<\/em> so selten gespielt wird, ist weniger in den gro\u00dfen Tableaus mit vielen Chors\u00e4ngern, Statisten und monumentalen B\u00fchnenbildern der <em>Grand Opera<\/em> zu suchen, als da\u00df vielmehr exzellente und technisch speziell geschulte S\u00e4nger erforderlich sind, denn <em>La Juive<\/em> enth\u00e4lt zahlreiche spektakul\u00e4re Koloraturarien, anspruchsvolle Ensembles und gro\u00dfe Chors\u00e4tze. Die Besetzung der drei Hauptrollen gilt als schwierig, besonders im Tenorfach: Eine wahre Starbesetzung ist <strong>Uwe Stickert<\/strong>\u00a0 als L\u00e9opold. Mehrfach klettert der Spezialist f\u00fcrs schwere franz\u00f6sische Tenor-Fach mit halsbrecherischen, aber sicher gemeisterten Wechseln zwischen Kopf- und Bruststimme bis zum hohen Des &#8211; und entfacht wahre Begeisterungsst\u00fcrme.<\/p>\n<p><strong>Luca Lombardo<\/strong> ist unstrittig ein (deutscher) Charaktertenor mit viel Volumen und \u00dcberzeugungskraft auch im dramatischen Bereich. Als El\u00e9azar kann er hierbei nicht mithalten, wirkt leiser, gehemmt und \u00fcber wenig Ausdruckskraft. <strong>Leah Gordon<\/strong> als Rachel zeigt wahre Gr\u00f6\u00dfe. Ihr sehr verspielter Sopran verf\u00fcgt \u00fcber eine warme und lyrische Stimme, technisch sauber gestaltet sie die leuchtend hohen Lagen \u2013 auch wenn sie manchmal ein wenig tremoliert.<\/p>\n<p><strong>Nicolai Karnolsky <\/strong>kann mit seinem markigen Ba\u00df und seiner stimmigen Tiefe mit der <em>Mantel-Arie<\/em> des Colline gl\u00e4nzen und wird mit Szenenapplaus belohnt. Er gestaltet die Rolle des Kardinals de Brogni zu einer wichtigen Hauptrolle um: Die stimmliche Auseinandersetzung im Finale mit El\u00e9azar gewinnt er. <strong>Banu B\u00f6ke<\/strong> als Prinzessin Eudoxie bleibt im Vergleich zu Leah Gordon leider bla\u00df und zur\u00fcckhaltend, kann aber im dramatischen Ausbruch, wenn sie Rachel um die Verschonung L\u00e9opolds anfleht, \u00fcberzeugen. Gute Leistungen zeigen auch die kleinen Rollen, so ist <strong>Jens Waldig<\/strong> ein treffsicherer und durchschlagsstarker Bariton mit einer ba\u00dflastigen Stimme. Eine gro\u00dfartige Leistung vollbringt der verst\u00e4rkte <strong>Chor<\/strong> mit seinen pr\u00e4zisen Eins\u00e4tzen. Die Klangwirkung im Zusammenspiel mit dem Orchester ist diesem Meisterwerk der Pariser <em>Grand Opera<\/em> w\u00fcrdig.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Im Prinzip ist jede Auff\u00fchrung von Hal\u00e9vys <em>J\u00fcdin<\/em> ein dankenswertes Ereignis, deren Besuch schon wegen der musikalischen Klangf\u00fclle dringend ratsam ist. Auch hier mu\u00df man mit K\u00fcrzungen leben: In diesem Fall fehlt das Vorspiel, die beiden Balletteinlagen sind nur rudiment\u00e4r vorhanden, im\u00a0 dritten Akt wird die Ballettpantomime <em>Eroberung Jerusalems<\/em> durch das St\u00fchler\u00fccken <em>Reise nach Jerusalem<\/em> zur heiteren Randnotiz. Die hochmotivierten Leistungen des Chores, des Orchesters und der Solisten entsprechen dem Niveau eines Staatstheaters, spielen aber dar\u00fcber hinweg, da\u00df man von der Regie alleine gelassen wurde. Lediglich der Streit zwischen El\u00e9azar und Brogni entspricht der Dramatik der Musik, Leopold steht meist nur ungeschickt auf der B\u00fchne, ist weder Liebhaber noch L\u00fcstling \u2013 Rachel \u00a0steht meist unbeteiligt daneben. Heillose Verwirrung erzeugen zus\u00e4tzliche in die Handlung aufgenommene Pogrome: Juden werden mit Davids-Sternen beschmiert, obwohl Brogni gerade \u00dcbergriffe verboten hat, El\u00e9azar Haus und die Kirche werden handlungswidrig abgebrannt, das Finale findet in Ruinen statt. Am Ende etwas z\u00f6gerlicher Applaus, f\u00fcr die Solisten und das Orchester heftigster Jubel.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: \u00a0Dreizehn bei Tisch: Pessach Fest bei Eleazar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jacques-Fromental Hal\u00e9vy (1799-1862), Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Eug\u00e8ne Scribe, UA: 23. 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