{"id":653,"date":"2009-05-10T23:23:41","date_gmt":"2009-05-10T21:23:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=653"},"modified":"2009-05-15T15:23:19","modified_gmt":"2009-05-15T13:23:19","slug":"dusseldorf-deutsche-oper-am-rhein-aus-einem-totenhaus-%e2%80%93-z-mrtveho-domu","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=653","title":{"rendered":"D\u00fcsseldorf, Deutsche Oper am Rhein &#8211; AUS EINEM TOTENHAUS \u2013 Z MRTV\u00c9HO DOMU"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Musik und Text von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854-1928), Oper in drei Akten, UA 12. April1930, Br\u00fcnn<br \/>\nRegie: Stein Winge, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme: Herbert Murauer<br \/>\nDirigent: John Fiore, D\u00fcsseldorfer Symphoniker, Chor der Deutschen Oper am Rhein, Einstudierung: Gerhard Michalski<br \/>\nSolisten: Ludwig Grabmeier (Gorjantschikow), Alfons Eberz (Luka Kusmitsch alias Filka Morozow), Jan Vacik (Skuratow), Oleg Bryjak (Schischkow), Bruce Rankin (Schapkin), Michael Pflumm (Aljeja) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 08. Mai 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/dusseldorf-totenhaus.jpg\" TITLE=\"dusseldorf-totenhaus.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/dusseldorf-totenhaus.jpg\" ALT=\"dusseldorf-totenhaus.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Ein sibirisches Straflager im 19. Jahrhundert: Ein verletzter Adler weckt die Spottlust der H\u00e4ftlinge und zugleich ihre Sehnsucht nach Freiheit. Da erscheint ein Neuank\u00f6mmling: Gorjantschikow, ein wegen politischer Umtriebe verurteilter Intellektueller. Zum Einstand l\u00e4sst ihn der Kommandant verpr\u00fcgeln.<br \/>\nEin Jahr sp\u00e4ter: Zwischen Gorjantschikow und dem jungen Mitgefangenen Aljeja hat sich eine Vater-Sohn-Beziehung entwickelt. Sie schauen sich ein Theaterst\u00fcck an, das die H\u00e4ftlinge aus Anla\u00df eines Feiertages auff\u00fchren d\u00fcrfen. Nach dem St\u00fcck kommt es zum Streit mit einem eifers\u00fcchtigen Gefangenen, bei dem Aljeja schwer verletzt wird. W\u00e4hrend Gorjantschikow im Lazarett an Aljejas Bett wacht, erf\u00e4hrt er, da\u00df er entlassen werden soll. Er nimmt Abschied von Aljeja. W\u00e4hrend Gorjantschikow geht, befreien die Gefangenen den Adler.<br \/>\nDie Handlung wird mehrfach durch Monologe von einzelnen Gefangenen unterbrochen, die ihre Geschichte erz\u00e4hlen: Luka, Skuratow, Schapkin und Schischkow. Schischkow z.B. hat seine Frau aus Eifersucht wegen eines gewissen Filka get\u00f6tet. Ausgerechnet Filka erkennt Skuratow in dem Mitgefangenen Luka, als dieser im Lazarett stirbt.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nZu den ersten Takten des Vorspiels hebt sich der Vorhang und gibt den Blick auf ein modernes Gef\u00e4ngnis frei. Graut\u00f6ne bestimmen B\u00fchnenbild und Kost\u00fcme. Gro\u00dfe, bewegliche Glask\u00e4sten dienen als Zellen oder Durchgangsbereich und betonen die Abwesenheit jeglicher Intimsph\u00e4re. Der Adler ist hier ein riesiges Spielzeug, das die Gefangenen zu ihren Tr\u00e4umen von Freiheit anregt. Wie in Trance ahmen sie die Bewegungen seiner Fl\u00fcgel nach, bis einer davon gebrochen ist. Die folgenden Gewaltszenen sind drastisch: Gorjantschikow wird vor seiner Mi\u00dfhandlung bis auf die Unterw\u00e4sche ausgezogen. Die im Slapstick-Stil dargebotene Theaterauff\u00fchrung des zweiten Aktes bringt nur vor\u00fcbergehend Auflockerung: Der wegen Mordes an seinem Nebenbuhler einsitzende Skuratow mu\u00df als geh\u00f6rnter M\u00fcller mitwirken und verliert \u00fcber den Parallelen zu seiner eigenen Geschichte den Verstand. Im Lazarett vegetieren die Kranken, sich selbst \u00fcberlassen, auf sterilen Krankenhausbetten dahin. Als Aljeja sich von Gorjantschikow nicht trennen will, lenkt ihn dieser mit dem Spielzeugadler ab. Das Schlu\u00dfbild zeigt Aljeja und die anderen Gefangenen auf dem R\u00fccken liegend und selbstvergessen mit den Armen wie mit Fl\u00fcgeln schlagend.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\n<strong>Ludwig Grabmeier<\/strong> (Gorjantschikow) hat wenig Gelegenheit, sich stimmlich zu profilieren, \u00fcberzeugt aber in der Darstellung des sanften Intellektuellen. <strong>Alfons Eberz<\/strong> (Luka) und <strong>Oleg Bryjak<\/strong> (Schischkow) k\u00f6nnen sich w\u00e4hrend ihrer Monologe optimal in Szene setzen, auch wenn beide etwas zu eindimensional auf die Demonstration ihrer imposanten stimmlichen Mittel bedacht sind. Differenzierter f\u00e4llt die Interpretation von <strong>Jan Vacik<\/strong> (Skuratow) und <strong>Bruce Rankin<\/strong> (Schapkin) aus, die sich offensichtlich etwas intensiver auf den Text eingelassen haben. Der junge <strong>Michael Pflumm<\/strong> (Aljeja) ber\u00fchrt vor allem in der Schlu\u00dfszene. Sein vielversprechender Tenor k\u00e4mpft jedoch mit dem Orchester, denn <strong>John Fiore<\/strong> und die <strong>D\u00fcsseldorfer Symphoniker<\/strong> n\u00e4hern sich der Partitur zwar mit Leidenschaft und Sinn f\u00fcr die Ecken und Kanten. Leider setzen sie zu sehr auf Lautst\u00e4rke \u2013 nicht nur zum Nachteil von stimmlichen Leichtgewichten, sondern auch von Details wie dem virtuosen Trompetensolo am Ende des ersten Aktes.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nNach Moses und Aron im M\u00e4rz kann die Rheinoper erneut mit der gelungenen Produktion eines schwierigen Werkes punkten. <strong>Stein Winges<\/strong> nur dezent modernisierende Inszenierung fesselt durch Szenen von gro\u00dfer emotionaler Intensit\u00e4t, ohne je in Kitsch abzugleiten. Musikalisch bietet die Auff\u00fchrung eine Ensembleleistung auf h\u00f6chstem Niveau, die durch die Lautst\u00e4rke des Orchesters etwas geschm\u00e4lert wird.<br \/>\nDas Publikum zeigt sich beeindruckt. Dennoch f\u00e4llt der Beifall etwas verhalten aus &#8211; was wohl in erster Linie auf die gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftige Dramaturgie des Werkes zur\u00fcckzuf\u00fchren sein mag, das ohne Handlung und Hauptfiguren im eigentlichen Sinn auskommt.<br \/>\nDr. Eva-Maria Ernst<\/p>\n<p>Bild: Eddy Straub<br \/>\nDas Bild zeigt Jan Vacik (Skuratow), rechts am Bildrand Michael Pflumm (Aljeja).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik und Text von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854-1928), Oper in drei Akten, UA 12. 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