{"id":6521,"date":"2015-11-26T21:36:21","date_gmt":"2015-11-26T20:36:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6521"},"modified":"2015-12-02T21:56:11","modified_gmt":"2015-12-02T20:56:11","slug":"la-boheme-nuernberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6521","title":{"rendered":"LA BOH\u00c8ME &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Szenen in vier Bildern, Libretto: Giuseppe Giacosa und Luigi Illica nach Henry M\u00fcrgers <em>Scenes de la Vie de Boh\u00e8me<\/em>, UA: 1. Februar 1896 Turin, Teatro Regio<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Alexandra Szemeredy, Magdolna Parditka<\/p>\n<p>Dirigent: Gabor Kali, Staatsphilharmonie und Chor des Staatstheaters N\u00fcrnberg, Junger Chor N\u00fcrnberg, Choreinstudierung: Tarmo Vaask<\/p>\n<p>Solisten: Hrachuhi Bassenz (Mim\u00ec), Csilla Cs\u00f6vari (Musetta), Ilker Arcay\u00fcrek (Rodolfo), Antonio Yang (Marcello), Jens Waldig (Schaunard), Nicolai Karnolsky (Colline), Richard Kindley (Alcindoro), Suren Manukyan (Benoit), Klaus Brummer (Parpignol), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. November 2015<\/p><\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6522 alignright\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/N\u00fcrnberg-Boheme-2579.jpg\" alt=\"Staatstheater Nurnberg Spielzeit 2015\/2016\" width=\"630\" height=\"392\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/N\u00fcrnberg-Boheme-2579.jpg 630w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/N\u00fcrnberg-Boheme-2579-300x187.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Rodolfo, Marcello, Schaunard und Colline sind bettelarme K\u00fcnstler und unzertrennliche Freunde. Sie leben unbeschwert von der Hand in den Mund in einer Mansarde \u00fcber den D\u00e4chern des Pariser K\u00fcnstlerviertels Quartier Latin. Rodolfo begegnet Mim\u00ec und verliebt sich in sie. Marcello erobert seine ehemalige Geliebte Musetta zur\u00fcck. Den Weihnachtsabend verbringt man im Caf\u00e9 Momus. Nach der Trennung von Rodolfo verschlimmert sich Mim\u00ecs Krankheit. Sie kehrt zu ihm zur\u00fcck und stirbt im Kreis ihrer Freunde.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eine heruntergekommene Wohnung ohne Fenster (wo ist die Mansarde?) pr\u00e4gt den grauen Alltag der K\u00fcnstlerkommune im heruntergekommenen Paris nach der Befreiung 1945. Eine Freundin verl\u00e4\u00dft die K\u00fcnstler nachdem sie ein Aktmodell mit Farbe beschmiert hat. Ein schr\u00e4g \u00fcber die R\u00fcckwand verlaufener Ri\u00df vergr\u00f6\u00dfert sich und l\u00e4\u00dft zun\u00e4chst den Blick auf eine Parallelwelt im Rotlicht zu, bevor dort das Caf\u00e9 Momus auftaucht. Ein \u201eCaf\u00e9 American\u201c, in dem auch vergn\u00fcgungss\u00fcchtige US-G.I. und bestechliche Flics verkehren. Der Zugang der K\u00fcnstlerwohnung verwandelt sich dabei in den Wohnungseingang eines zerst\u00f6rten Nachbarhauses. \u201eDomina\u201c Musetta f\u00fchrt Alcindoro als H\u00fcndchen an der Leine vor, er zahlt aber dezent die Zeche, der alternative Schlu\u00dfgag des zweiten Bildes sind amerikanische Soldaten der Standort-Blaskapelle, die Bananen als Weihnachtsgeschenke an die Pariser verteilen, da der als Trottel dargestellte Parpignol nur einen Teddy an seinem Dreirad hinterherzieht.<\/p>\n<p>Das dritte Bild spielt vor dem n\u00e4chtlichen Cafe Momus, wo die Puppen tanzen und die H\u00fcllen fallen, Musetta und Marcello als Personal arbeiten. In der Mansarde findet vor der Sterbeszene noch ein Kunst-Akt der Kommune statt, der anhand des Nacktmodells zwischen Bodypainting und Gruppen-Vergewaltigung chargiert. Die Kost\u00fcme passen in die unmittelbare Nachkriegszeit und die halbseidene Vergn\u00fcgungsszene.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das Dirigat von<strong> Gabor Kali <\/strong>bleibt viel zu statisch, dynamische Emotionsexplosionen gibt es nicht, Wohlklang will sich nicht so recht einstellen. Puccinis Spielereien in der Melodie fallen nicht ins Gewicht, es klingt eher geradlinig und deutsch \u2013 und vor allem \u00fcber weite Teile viel zu laut: Gerade in dem akustisch ung\u00fcnstig gestalteten Erker als Mansarde h\u00f6rt man die K\u00fcnstler kaum \u201ejammern\u201c. Erst der Dialog im Forte zwischen Mim\u00ec und Rodolfo <em>O soave fanciulla \u2013 O s\u00fc\u00dfes M\u00e4dchen <\/em>kann das Orchester \u00fcbert\u00f6nen. Hier trifft ein ideales Paar aufeinander: Zum einen <strong>Hrachuhi Bassenz<\/strong> als Mim\u00ec: Mit ihrem schweren und gelenkigen Koloratursopran ist sie fast schon unterfordert. Sie findet immer das richtige Verh\u00e4ltnis zwischen Kraft und Strahlglanz: Leuchtend und volumin\u00f6s in den lyrischen Passagen mit viel technischem Glanz, aber auch ein wirklich leises, z\u00e4rtliches Pianissimo \u2013 zum Dahinsterben sch\u00f6n.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ilker Arcay\u00fcrek<\/strong> als ihr Liebhaber Rodolfo wird sicher einmal ein herausragender Puccini-Tenor werden. Am Anfang klingt die Stimme belegt und unflexibel, aber nach dem er sich befreit hat, kann er schon im Dialog mit Mim\u00ec Strahlkraft beweisen und ein leuchtendes Feuer entz\u00fcnden \u2013 auch in den h\u00f6heren Tonlagen klingt er nun sicherer. Sein weiches lyrisches Timbre kann Liebesqualen und Jubelarien \u00fcberzeugend darstellen. Als Marcello ist <strong>Antonio Yang <\/strong>ein tief fundierter Ba\u00dfbariton mit strahlend hellem Timbre und fast unersch\u00f6pflicher Durchschlagskraft. Er hat einen deutlichen Willen zur Gestaltung der Gesangslinie, verbunden mit einer deutlichen Artikulation. <strong>Nicolai Karnolsky <\/strong>kann mit seinem markigen Ba\u00df und seiner stimmigen Tiefe mit der Mantel-Arie des Colline gl\u00e4nzen <em>Vecchia zimarra, senti \u2013 Alter Mantel h\u00f6r hin<\/em> und wird mit Szenenapplaus belohnt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Jens Waldig <\/strong>hat als treffsicherer und durchschlagsstarker Spielbariton keine Probleme mit der Rolle des Schaunard, zumal er auch in den Ba\u00dfregistern sicher aufgestellt ist. <strong>Csilla Cs\u00f6vari <\/strong>kann die Rolle der Musetta eindrucksvoll gestalten. Ihre leuchtende und durchschlagsstarke Stimme ist auch in den h\u00f6heren Registern trittsicher. Ihren Schrei am Ende des zweiten Bildes paart sie mit einiger Dissonanz und schafft es immer wieder sich \u2013 auch gegen Mim\u00ec \u2013 in den Vordergrund zu singen.<\/p>\n<p>Unter den kleineren Rollen kann noch <strong>Richard Kindley<\/strong> als Grandseigneur \u00fcberzeugen, der den peinlichen Auftritt als Alcindoro &#8222;an der Leine&#8220; rettet. Eine gro\u00dfartige Leistung vollbringen der Chor und ganz besonders der Kinderchor. Die Klangwirkung im Zusammenspiel mit der B\u00fchnenmusik macht das Finale im zweiten Bild zu einem H\u00f6hepunkt des Abends &#8211; mit Pauken und Trompeten der GI-Blaskapelle.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Manchmal stellt man sich die Frage, warum in der Oper die Kontrollmechanismen versagen: Ein B\u00fchnenbild, das akustisch wenig s\u00e4ngerfreundlich ist, Regieeinf\u00e4lle, die die eigentliche Handlung um die beiden Liebespaare verdr\u00e4ngen, die an Weihnachten um einen Moment des Gl\u00fccks k\u00e4mpfen, bis hin zur Frage, wozu man eigentlich die Handlung in andere, \u201eaktuellere\u201c Zeitr\u00e4ume verlagert, die lediglich eine klappernde Schreibmaschine, G.I.s, Bananen und Rotlichtmilieu einbringen.<\/p>\n<p>Aber wenigstens die zentralen Momente k\u00f6nnen durch geschickte Personenf\u00fchrung \u00fcberzeugen und geben den S\u00e4ngern die M\u00f6glichkeit zu gl\u00e4nzen: Wie das zaghafte Kennenlernen um die verl\u00f6schende Kerze und <em>Che gelida manina<\/em> <em>\u2013 welch eiskaltes H\u00e4ndchen<\/em> im ersten Bild oder die Auseinandersetzung im dritten Bild zwischen den beiden Liebespaaren. Musikalisch ist daher die Produktion dank aller Solisten und dem perfekt gef\u00fchrten Kinderchor im zweiten Bild ein Puccini w\u00fcrdiges Erlebnis.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Jutta Missbach<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Richard Kindley (Alcindoro) an der roten Leine der Csilla Cs\u00f6vari (Musetta), Am Tisch: Antonio Yang (Marcello), Nikolai Karnolsky (Colline), Jens Waldig (Schaunard), Ilker Arcay\u00fcrek (Rodolfo), Hrachuhi Bassenz (Mimi) v.l.n.r.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Szenen in vier Bildern, Libretto: Giuseppe Giacosa und Luigi Illica nach Henry M\u00fcrgers Scenes de la Vie de Boh\u00e8me, UA: 1. 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