{"id":651,"date":"2009-05-12T11:29:36","date_gmt":"2009-05-12T09:29:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=651"},"modified":"2010-03-21T23:43:01","modified_gmt":"2010-03-21T22:43:01","slug":"leipzig-oper-carmen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=651","title":{"rendered":"Leipzig, Oper &#8211; CARMEN"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georges Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra comique in 3 Akten in vier Tableaus (Bildern), Libretto: Henri Meilhac u. Ludovic Hal\u00e9vy, UA: 3. M\u00e4rz 1875, Paris<br \/>\nRegie: Tatjana G\u00fcrbaca, B\u00fchnenbild\/Lichtdesign: Klaus Gr\u00fcnberg, Kost\u00fcme: Silke Willret, Choreinstudierung: S\u00f6ren Eckhoff<br \/>\nDirigent: Antonello Allemandi, Gewandhausorchester, Chor und Kinderchor der Oper Leipzig<br \/>\nSolisten: Ekaterina Semenchuk (Carmen), Neil Shicoff (Don Jos\u00e9), G\u00e1bor Bretz (Escamillo), Ainhoa Garmendia (Mica\u00ebla), Anett Fritsch (Frasquita), Jean Broekhuizen (Merc\u00e9d\u00e8s), Andreas David (Moral\u00e8s), Roman Astakhov (Zuniga), J\u00fcrgen Kurth (Dancairo),  Michael Bennett (Remendado), u. a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 10. Mai 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/leipzig-carmen.jpg\" TITLE=\"leipzig-carmen.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/leipzig-carmen.jpg\" ALT=\"leipzig-carmen.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Sergeant Don Jos\u00e9 verf\u00e4llt in blinder Liebe zu der in einer Zigarrenfabrik arbeitenden Zigeunerin Carmen. Dar\u00fcber vergi\u00dft er seine Vors\u00e4tze, zu seiner Mutter zur\u00fcckzukehren und das Bauernm\u00e4dchen Mica\u00ebla zu heiraten. Sp\u00e4ter geht Jos\u00e9 f\u00fcr Carmen sogar ins Gef\u00e4ngnis, damit jene einer Verhaftung entgeht und er schlie\u00dft sich, wieder auf freiem Fu\u00df, einer Schmugglerbande um Carmen an, um bei ihr sein zu k\u00f6nnen. Auch der Stierk\u00e4mpfer Escamillo ist in Liebe zur verf\u00fchrerischen Carmen entbrannt. Vor der Stierkampfarena in Sevilla kommt es schlie\u00dflich zum Showdown: Carmen gesteht Jos\u00e9, da\u00df sie allein Escamillo liebe und mit ihm ein neues Leben beginnen werde. In verzweifelter Wut ersticht Jos\u00e9 seine Geliebte, f\u00fcr die er alles aufzugeben bereit war.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nTristes Grau dominiert als Generalfarbe alle B\u00fchnenbilder, vom Gemeinschaftsschlafraum in der Kaserne mit r\u00fcckprojiziertem Kampfpanzer im Hintergrund im ersten Bild, \u00fcber die Kasernenhofatmosph\u00e4re mit Flutlicht im zweiten Bild, bis hin zum Grenz\u00fcbergang mit Durchfahrtsanzeigetafeln und vorgelagertem Spielplatz mit Rutsche und Schaukeln im dritten Bild. Das vierte Bild schlie\u00dflich zeigt einen monotonen Plattenbau mit Blick auf eine Einraumwohnung, in der Carmen und Escamillo bieder hausen. So bev\u00f6lkern Pl\u00fcschtiere den Schlafraum im ersten Akt, der Kinderchor tritt als von Soldaten mi\u00dfbrauchte Lolitas auf, die \u00dcberleitungen zwischen den Gesangsszenen in Originalsprache werden von deutschen (!) Sprechtexten zerhackt, wobei die sprechenden Akteure in zumeist am B\u00fchnenrand vorhandene Mikrofone raunzen, dabei nach vorne blickend und daher in keiner echten Interaktion zueinander stehen. Jos\u00e9 in moderner Soldatenmontur ersticht, ohne erkennbaren Grund (von Bizet nicht vorgesehen) Mica\u00ebla am Ende des dritten Tableaus.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDer Mezzosopran der aus Minsk stammenden Hauptakteurin <strong>Ekaterina Semenchuk<\/strong> (Carmen) besticht insbesondere durch ihren dunkel sinnlichen Klang. Trotzdem bleibt ihr Ansatz ohne ausdruckvollen Esprit und temperamentvoll verf\u00fchrerisches Feuer glimmt selbst bei der <em>Habanera: L\u2019amour est un oiseau r\u00e9belle \u2013 die Liebe ist nur ein widerspenstiger Vogel<\/em> nur auf Sparflamme. Auch die Stimme des Tenors <strong>Neil Shicoff<\/strong> (Don Jos\u00e9) war wohl schon besser. Seine in den H\u00f6hen nicht mehr perfekt sitzende, schlanke Stimme, deren schwacher Grundglanz dort merklich um Luft ringend ausd\u00fcnnt, klingt insbesondere in den expressiven Passagen der letzten beiden Bilder deutlich angestrengt und gepresst. Beide Hauptakteure haben keinen z\u00fcndenden Zugang zueinander. Abgesehen vom letzten Tableau wirken sie derart gelangweilt, als l\u00e4sen sie sich aus dem Telefonbuch etwas vor. Lichtblicke tun sich mit <strong>Ainhoa Garmendia<\/strong> (Mica\u00ebla) auf. Ihr jugendlich wirkender Sopran l\u00e4\u00dft aufhorchen. Ihre Interpretation im Duett  ist voller leidenschaftlicher Hingabe, das <em>Je dis que rien m\u2019\u00e9pouvante \u2013 ich sagte, nichts k\u00f6nne mich erdr\u00fccken<\/em> erbl\u00fcht mit hinrei\u00dfend lyrisch-dramatischer Emphase. Weitere H\u00f6hepunkte: <strong>Anett Fritsch<\/strong> (Frasquita) und <strong>Jean Broekhuizen<\/strong> (Merc\u00e9d\u00e8s). Sie blitzen mit ihren herrlich ausdrucksstarken Stimmen wie lupenreine Diamanten. Technisch solide mit jedoch kantigem Relief zeigt sich der Ba\u00df <strong>G\u00e1bor Bretz<\/strong> (Escamillo). Die Leistungen der anderen Beteiligten sind besch\u00e4mend bla\u00df und uninspiriert.<br \/>\nDas <strong>Gewandhausorchester<\/strong> unter <strong>Antonello Allemandi<\/strong> spielt mit vollem Einsatz, jedoch entstehen, insbesondere im Zusammenklang mit den Chorszenen, schrill aufget\u00fcrmte Klangmassen. Die Spielweise ist zudem bisweilen zu stark sezierend. So wirken die Vorspiele des dritten und vierten Tableaus ungewohnt h\u00f6lzern und staksig. <strong>Chor und Kinderchor<\/strong> der Oper Leipzig singen technisch einwandfrei, wobei jedoch eine st\u00e4rkere Tiefenstaffelung w\u00fcnschenswert w\u00e4re.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nWas vielleicht modern provokativ wirken m\u00f6chte, erzeugt g\u00e4hnende Langeweile und Unverst\u00e4ndnis.<br \/>\nStatt schw\u00fcl schillernder Erotik und dem Feuer Spaniens, wird mit der Inszenierung uninspiriert fade, zuweilen unlogische und nervige Kost geboten, die sich auch im temperamentlosen Auftritt der Hauptakteure wiederspiegelt. Dar\u00fcber kann auch die z. T. \u00fcberdurchschnittliche Gesangsleistung einiger Nebenrollen nicht hinwegtr\u00f6sten.<\/p>\n<p>Dr. Andreas Gerth<\/p>\n<p>Bild: Andreas Birkigt<br \/>\nDas Bild zeigt: Ekaterina Semenchuk als Carmen und Neil Shicoff als Don Jos\u00e9.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georges Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra comique in 3 Akten in vier Tableaus (Bildern), Libretto: Henri Meilhac u. Ludovic Hal\u00e9vy, UA: 3. 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