{"id":6503,"date":"2015-11-24T18:54:15","date_gmt":"2015-11-24T17:54:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6503"},"modified":"2015-11-26T18:57:01","modified_gmt":"2015-11-26T17:57:01","slug":"aida-berlin-deutsche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6503","title":{"rendered":"AIDA &#8211; Berlin, Deutsche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Opera lirica in vier Akten, Libretto: Antonio Ghislanzoni nach einem Entwurf von Auguste Mariette, ausgearbeitet von Camille du Locle in Zusammenarbeit mit Giuseppe Verdi. UA: 24. Dezember 1871 Kairo<\/p>\n<p>Regie: Benedikt von Peter, B\u00fchne: Katrin Wittig, Kost\u00fcme: Lene Schwind, Licht: Ulrich Niepel,<\/p>\n<p>Dirigent: Andrea Battistoni, Orchester der Deutschen Oper sowie Chor und der Extrachor der Deutschen Oper, Choreinstudierung: William Spaulding, Berlin<\/p>\n<p>Solisten: Ante Jerkunica (Der K\u00f6nig), Anna Smirnova (Amneris), Tatiana Serjan (Aida), Alfred Kim (Radames), Simon Lim (Ramfis), Markus Br\u00fcck (Amonasro), Attilio Glaser (Ein Bote), Adriana Ferfezka (Eine Priesterin)<\/p>\n<p>Auff\u00fchrung: 21. November 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Berlin-DeutOperAida.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6504 alignright\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Berlin-DeutOperAida.jpg\" alt=\"DeutscheOperAida\" width=\"606\" height=\"403\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Berlin-DeutOperAida.jpg 606w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Berlin-DeutOperAida-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 606px) 100vw, 606px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4gypten befindet sich im Krieg mit \u00c4thiopien. Der \u00e4gyptische Hauptmann Radames wird von der Pharaonentochter Amneris begehrt, liebt aber seinerseits die Gefangene Aida, die sich sp\u00e4ter als Tochter des \u00e4thiopischen K\u00f6nigs Amonasro entpuppen wird. Auf Gehei\u00df ihres Vaters entlockt Aida dem Geliebten seinen geheimen Angriffsplan. Dieses Gespr\u00e4ch belauscht Amneris, die sofort nach den Wachen ruft. W\u00e4hrend Aida und Amonasro fliehen k\u00f6nnen, wird Radames als Verr\u00e4ter gefangen genommen und zum Tode verurteilt. Aida versteckt sich in der Grabkammer des Tempels, in dem Radames lebendig begraben werden soll, um gemeinsam mit ihm in den Tod zu gehen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Auf der eigentlichen B\u00fchne spielt, hinter einem Gazevorhang, das Orchester. Davor steht neben einer gro\u00dfformatigen Projektion und vielen kleinen Bildschirmen nur ein Tisch mit St\u00fchlen. Eine Nilkarte, Reisef\u00fchrer und Zeitungen liegen darauf, mit Bildern von Krieg und Vertreibung. Sie werden dem siegreich zur\u00fcckkehrenden Radames wie Orden an die Brust geheftet. Keine pr\u00e4chtigen Triumphm\u00e4rsche und exotischen Tempelszenen. Der Chor ist auf Parkett und R\u00e4nge verteilt, auch K\u00f6nige und Priester singen aus dem OFF. Auf der B\u00fchne agiert das Dreiecksgespann. W\u00e4hrend Radames und Amneris als Mann und Frau am Tisch gezeigt werden, findet zwischen Aida und Radames keinerlei Interaktion statt. Aida bleibt blo\u00dfe exotische Projektion eines vertr\u00e4umten Anti-Helden.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Sopranistin <strong>Tatjana Serjan <\/strong>verk\u00f6rperte eine \u00e4therische, in ihrem Kleid aus wei\u00dfem T\u00fcll fast k\u00f6rperlose, Titelheldin mit wenig B\u00fchnenpr\u00e4senz. Dabei ist ihre Stimme ber\u00fcckend sch\u00f6n. Sie beherrscht das Pianosingen, die schwebenden Pianissimi, meisterlich. Mit reiner, fl\u00fcssiger Tongebung und genau geformten Linien verwandelte Serjan die Klagen der Sklavin in ein inniges Gebet. Zart und mit sch\u00f6n fokussiertem Ton sang sie das hohe C der Nil-Arie <em>Qui Radames verr\u00e0 \u2013 Hier werde ich Radames sehen <\/em>(3. Akt). Demgegen\u00fcber wirkten ihre dramatischen Gesten oft verfehlt und nicht im Einklang mit der Musik, was vermutlich einer mangelnden Personenf\u00fchrung der Regie anzulasten ist. Gleiches traf auf <strong>Alfred Kim <\/strong>als<\/p>\n<p>Radames zu, der eigentlich nichts mehr zu brauchen schien als Aidas T\u00fcllkleid, in das er sein Gesicht vergraben konnte. Ein farbloser Tr\u00e4umer, der passiv \u00fcber die B\u00fchne geisterte und keinerlei dramatische Intensit\u00e4t vermitteln konnte. Zur Verk\u00f6rperung eines strahlenden Heldentenors verf\u00fcgt der Koreaner weder \u00fcber ausreichend stimmliche Mittel noch \u00fcber ausreichend musikalische M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Schon in der schwierigen Anfangsarie <em>Celeste Aida \u2013 Holde Aida <\/em>(1. Akt) wurde deutlich, dass es dem Tenor an expressiver Innigkeit, Klangsch\u00f6nheit und Glanz fehlt. Die T\u00f6ne wurden mit Kraft gestemmt und waren weder intensiv, noch lyrisch. Der Schlu\u00dfton dieser Arie, ein hohes B, ist in der Partitur mit einem <em>pp morendo<\/em> <em>versehen<\/em>, doch wie so viele Ten\u00f6re schmetterte Kim den Ton aus vollem Hals. Dabei h\u00e4tte ein ersterbendes B verraten k\u00f6nnen, da\u00df der Heerf\u00fchrer sich trotz seines milit\u00e4rischen Ehrgeizes in seiner Liebe zu Aida verlieren wird. Die einzige B\u00fchnenfigur aus Fleisch und Blut verk\u00f6rperte <strong>Anna Smirnova <\/strong>als Amneris im k\u00f6nigsblauen Hausfrauenkleid. Ihr geh\u00f6rten die B\u00fchne und der vierte Akt. Mit Autorit\u00e4t und tiefem Pathos interpretierte die Mezzosopranistin die Rolle der ungeliebten Rivalin. Ihr verzweifeltes Ringen um den geliebten Heerf\u00fchrer transportierte sie in <em>L\u2019aborrita rivale a me sfuggia \u2013 Die verha\u00dfte Rivalin ist mir entflohen <\/em>(4. Akt) durch d\u00fcstere Stimmkraft und furiose F\u00e4rbung. Aus dem OFF beeindruckte <strong>Ante<\/strong> <strong>Jerkunica <\/strong>(K\u00f6nig) mit sonorem Timbre und dynamischer Spannung. Jede Silbe f\u00fcllte der Bass mit Klang und ohne Druck. F\u00fcr wahrhaft bewegende Szenen sorgten der <strong>Chor und Extrachor der Deutschen Oper Berlin<\/strong>. Mitten im Publikum, mitten unter uns, schleuderten die S\u00e4nger mit drohenden Geb\u00e4rden ihre kriegerischen Parolen ins Publikum. Eindrucksvoll f\u00fchrten sie den Irrsinn eines Krieges vor, der sich nicht zwingend auf dem Schlachtfeld abspielen mu\u00df, sondern in be\u00e4ngstigende N\u00e4he r\u00fccken kann. Nicht minder intensiv waren die leisen Gebetsszenen, die als inniges Requiem den Saal fluteten. Ein Dank an Chorleiter William Spaulding!<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Verdis <em>Aida <\/em>ist mit ihrer Opulenz und Exotik ein bi\u00dfchen aus der Mode gekommen. Sie sind uns heute auch nicht mehr ganz geheuer. Also hat sich Regisseur <strong>Benedikt von Peter<\/strong> \u00fcberlegt, mal alles, was die Oper an Herrlichkeit und Prachtentfaltung hergibt, zu extrahieren \u2013 die <em>Aida <\/em>auf eine Dreiecksgeschichte zu reduzieren. \u00c4hnliches hatte schon Konwitschny 1994 in Graz gemacht. Und die Musik? Ob der \u00e4sthetische Genu\u00df einer Oper durch Regietheater besch\u00e4digt wird oder nicht, wurde auch an diesem Abend und bereits vor der Pause leidenschaftlich zwischen Buhs und Bravos ausgefochten. Das allein sagt noch lange nichts \u00fcber die Qualit\u00e4t der Inszenierung. Regisseur von Peter ist sich laut Programmheft bewu\u00dft, da\u00df man ein hohes Risiko eingeht, wenn man einen Gro\u00dfteil der Handlung der Phantasie des Zuschauers \u00fcberl\u00e4\u00dft. Dann ist schnell nichts mehr los. Und genau so ist es gekommen.<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: Marcus Lieberenz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Alfred Kim (Radames) li., Anna Smirnova (Amneris), Tatiana Serjan (Aida) re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Opera lirica in vier Akten, Libretto: Antonio Ghislanzoni nach einem Entwurf von Auguste Mariette, ausgearbeitet von Camille du Locle in Zusammenarbeit mit Giuseppe Verdi. UA: 24. 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