{"id":6466,"date":"2015-10-26T18:28:00","date_gmt":"2015-10-26T17:28:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6466"},"modified":"2015-10-26T18:28:00","modified_gmt":"2015-10-26T17:28:00","slug":"candide-hannover-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6466","title":{"rendered":"CANDIDE &#8211; Hannover, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Leonard Bernstein (1918-1990), Comic Operetta in zwei Akten \u2013 Scottish Opera Version (1956\/1988), Libretto: Hugh Wheeler <em>Candide oder der Optimismus, <\/em>Roman von Voltaire, Libretto: Richard Wilbur\/Stephen Sondheim\/John Latouche\/Lillian Hellmann\/Dorothy Parker\/Leonard Bernstein, deutsche Dialoge: Stephan Kopf\/Zelma\/Michael Millard, UA: 1. Dezember 1956 New York, Martin Beck Theatre<\/p>\n<p>Regie: Matthias Davids, B\u00fchne &amp; Video: Mathias Fischer-Dieskau, Kost\u00fcme: Susanne Hubrich, Licht: Susanne Reinhard<\/p>\n<p>Dirigentin: Karen Kamensek, Nieders\u00e4chsisches Staatsorchester Hannover und Chor, Choreinstudierung: Dan Ratiu<\/p>\n<p>Solisten: Frank Schneiders (Voltaire, Pangloss, Cacambo, Martin), Sung-Keun Park (Candide), Ania Vegry (Cunegonde), Carmen Fuggiss (Paquette), Christopher Tonkin (Maximilian), Diane Pilcher (alte Lady), Daniel Drewes (Schauspieler), Jan Viethen (Schauspieler) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. Oktober 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Hannover_candide.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6467\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Hannover_candide.jpg\" alt=\"Hannover_candide\" width=\"623\" height=\"414\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Hannover_candide.jpg 623w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Hannover_candide-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 623px) 100vw, 623px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Candide w\u00e4chst als illegitimer Neffe des Barons von Thunder-Ten-Tronckh zusammen mit dessen Kindern Cunegonde und Maximilian in Westphalia auf, alle drei werden von Doktor Pangloss unterrichtet. Candide und Cunegonde beobachten Pangloss und das Hausm\u00e4dchen Paquette beim Geschlechtsakt und werden beim naiven Nachstellen erwischt. Candide wird daraufhin versto\u00dfen und schlie\u00dft sich der bulgarischen Armee an. Diese f\u00fchrt Krieg in Westphalia, wo Candide Pangloss wieder trifft und mit ihm nach Lissabon aufbricht. Dort wird Pangloss als Ketzer gehenkt und Candide reist weiter nach Paris, wo er zuf\u00e4llig der totgeglaubten Cunegonde begegnet. Mit Hilfe einer alten Lady fliehen die beiden nach S\u00fcdamerika, wo sie sich wieder aus den Augen verlieren. Mit Cacambos Hilfe wird ein Wiedersehen in Venedig arrangiert. Bei diesem stellen Candide und Cunegonde fest, da\u00df sie sich nicht mehr lieben wie fr\u00fcher, beschlie\u00dfen aber trotzdem gemeinsam alt zu werden.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das Orchester sitzt nicht im B\u00fchnengraben, sondern auf der B\u00fchne, die S\u00e4nger und Schauspieler agieren auf Podesten vor und hinter den Musikern. An einigen Stellen werden diese sogar in die Szene eingebunden. Gleich zu Beginn treten zwei Schauspieler im Frack auf, die Anstalten machen, das Orchester zu dirigieren, bevor die eigentliche Dirigentin ihren Platz einnimmt. In Gro\u00dfbuchstaben steht <em>Candide<\/em> auf einer Leinwand hinter dem Orchester. Die Schrift verschwindet nach der Ouvert\u00fcre, und auf der Leinwand erscheint von Szene zu Szene wechselnd ein neues B\u00fchnenbild, welches durch eine variable Seilkonstruktion zur dreidimensionalen Kulisse erg\u00e4nzt wird. Zun\u00e4chst sieht man ein schlichtes Haus, sp\u00e4ter ein verbranntes Dorf oder das Meer. Die Seile fungieren unter anderem als Boot, Galgen oder abstrakte Formen, die sich dann auch auf der Leinwand wiederfinden. Die Chors\u00e4nger sind als Harlekine verkleidet, Voltaire f\u00fchrt durch die Handlung und verwandelt sich vor den Augen des Publikums nacheinander in Pangloss, Cacambo und Martin. Alle kleineren Sprechrollen werden von <strong>Daniel Drewes<\/strong> und<strong> Jan Viethen<\/strong> (Schauspieler) \u00fcbernommen, die mit Sprache, Gestik und Mimik jeder Rolle ein anderes Gesicht geben.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Der Orchesterklang ist ausgewogen und pr\u00e4zise, die S\u00e4nger werden nicht \u00fcbert\u00f6nt. Hierf\u00fcr ist <strong>Karen Kamensek<\/strong>s differenzierte F\u00fchrung verantwortlich. Mit Bravour meistert <strong>Ania Vegry<\/strong> (Cunigonde) <em>Glitter and be Gay<\/em> (1. Akt) und begeistert mit der Vielseitigkeit ihrer Stimme, so da\u00df das Publikum ihr zujubelt. <strong>Sung-Keun Park <\/strong>(Candide) entwickelt sich vom eher zur\u00fcckhaltenden, teilweise falsettierenden zum voll aussingenden Operntenor, der mit seiner Stimme umzugehen wei\u00df. Leider kann man ihn in den deutschen Dialogen nicht immer gut verstehen, bei den englischen Musikst\u00fccken helfen die \u00dcbertitel. <strong>Frank Schneiders<\/strong> (Voltaire, Pangloss, Cacambo, Martin) singt und spielt souver\u00e4n und gibt jedem seiner Charaktere eine andere Stimme. Mit seinen gut gef\u00fchrten Bariton pr\u00e4sentiert er den Pangloss, zeigt aber im Schlu\u00dfsextett <em>Make our Garden Grow<\/em>, da\u00df er auch eine wohlklingende Tiefe zur Verf\u00fcgung hat. <strong>Diane Pilcher<\/strong> (alte Lady) tritt \u2013 wie es ihre Rolle verlangt \u2013 selbstbewu\u00dft auf, und verleiht der Lady eine authentische Ausstrahlung, die sie mit ihrer reifen Stimme darzustellen wei\u00df. <strong>Carmen Fuggiss<\/strong> (Paquette) hat ebenso wie <strong>Christopher Tonkin<\/strong> (Maximilian) kaum Solistisches darzubringen. Doch beide bereichern enorm das Ensemble. W\u00e4hrend Fuggiss als sch\u00fcchternes Hausm\u00e4dchen mit Zur\u00fcckhaltung kokettiert und dies mit ihrer vollen Sopranstimme persifliert, spielt Tonkin leicht \u00fcberspitzt den trotteligen Sohn des Barons, der seinem Standpunkt immer wieder mit durchdringendem Tenor Nachdruck verleiht. Der <strong>Chor<\/strong> kann \u2013 besonders beim fulminanten Schlu\u00df \u2013 das Publikum in seinen Bann ziehen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Bernsteins Candide ist eine Comic Operetta, d.h. sie ist eine Mischung aus Musical und Operette. Eine sehenswerte Auff\u00fchrung, was besonders dem Orchester zu verdanken ist. Das minimalistische aber einfallsreiche und abwechslungsreiche B\u00fchnenbild, ebenso wie die leidenschaftlichen S\u00e4nger taten ihr \u00fcbriges f\u00fcr eine gelungene Premiere. Donnernder Schlu\u00dfapplaus und einige Zuschauer lassen sich sogar zum Fu\u00dftrampeln hinrei\u00dfen Der Dirigentin gegen\u00fcber werden sogar mehrere Bravos laut.<\/p>\n<p>Aaron Bredemeier<\/p>\n<p>Bild: Thomas M. Jauk<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Christopher Tonkin (Maximilian, l.), Sung-Keun Park (Candide), Frank Schneiders (Pangloss), Ania Vegry (Cunegonde), Carmen Fuggiss (Paquette) v.l.n.r.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Leonard Bernstein (1918-1990), Comic Operetta in zwei Akten \u2013 Scottish Opera Version (1956\/1988), Libretto: Hugh Wheeler Candide oder der Optimismus, Roman von Voltaire, Libretto: Richard Wilbur\/Stephen Sondheim\/John Latouche\/Lillian Hellmann\/Dorothy Parker\/Leonard Bernstein, deutsche Dialoge: Stephan Kopf\/Zelma\/Michael Millard, UA: 1. 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