{"id":6463,"date":"2015-10-12T22:01:22","date_gmt":"2015-10-12T21:01:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6463"},"modified":"2015-10-25T22:03:10","modified_gmt":"2015-10-25T21:03:10","slug":"goetterdaemmerung-nuernberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6463","title":{"rendered":"G\u00d6TTERD\u00c4MMERUNG &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Der Ring des Nibelungen in drei Aufz\u00fcgen und einem Prolog, dritter Tag Libretto: R. Wagner, UA 17. August 1876 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Georg Schmiedleitner, B\u00fchne: Stefan Brandtmayr, Kost\u00fcme: Alfred Mayerhofer<\/p>\n<p>Dirigent: Marcus Bosch, Staatsphilharmonie N\u00fcrnberg, Chor und Chorg\u00e4ste des Staatstheaters N\u00fcrnberg, Choreinstudierung: Tarmo Vaask<\/p>\n<p>Solisten: Vincent Wolfsteiner (Siegfried), Jochen Kupfer (Gunther), Woong-Jo Choi (Hagen), Rachael Tovey (Br\u00fcnnhilde), Antonio Yang (Alberich), Ekaterina Godovanets (Gutrune), Roswitha Christina M\u00fcller (Waltraute) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 11. Oktober 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/N\u00fcrnberg-Goetterdaemmerung_30.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6464\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/N\u00fcrnberg-Goetterdaemmerung_30.jpg\" alt=\"N\u00fcrnberg Goetterdaemmerung_30\" width=\"599\" height=\"399\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/N\u00fcrnberg-Goetterdaemmerung_30.jpg 599w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/N\u00fcrnberg-Goetterdaemmerung_30-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 599px) 100vw, 599px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Siegfried besitzt der von Alberich verfluchte Ring des Nibelungen ewige Macht. Auch Hagen, Halbbruder des F\u00fcrsten Gunther, m\u00f6chte den Ring besitzen. Als es Siegfried an den Rhein zu Gunther verschl\u00e4gt, verliert er unter dem Einflu\u00df eines Zaubertranks jede Erinnerung an Br\u00fcnnhilde, heiratet Gutrune und verspricht Gunther Br\u00fcnnhilde zur Frau. Ha\u00dferf\u00fcllt wendet sich Br\u00fcnnhilde gegen Siegfried und berichtet, da\u00df sie quasi verm\u00e4hlt seien. F\u00fcr seinen Betrug an Gunther t\u00f6tet Hagen auf der Jagd Siegfried, doch Hagen erringt nicht den Ring, denn Br\u00fcnnhilde st\u00fcrzt sich mit dem Ring in den f\u00fcr Siegfried brennenden Scheiterhaufen. Die Flammen erfassen Walhall, die G\u00f6tterd\u00e4mmerung bricht an: Der Ring versinkt im Rhein und die Welt ist erl\u00f6st vom Fluch.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Vorstellung beginnt vor dem geschlossenen Vorhang, die Nornen klettern durch die schmalen Reihen des Zuschauerraums, barfu\u00df im schwarzen Gewand und wickeln Tonb\u00e4nder von Spulen ab. Der Vorhang zeigt in Patchwork viele Schilder, eines davon ist <em>No Refugees welcome<\/em>. Aus der Versenkung taucht eine Nische auf: Siegfried und Br\u00fcnnhilde haben sich im Walk\u00fcrenfelsen ein spie\u00dfiges Eigenheim mit Fernseher, K\u00fchlschrank und Couch geschaffen. Den bayrischen Landburschen im Karohemd und Lederhose zieht es in die Welt der Gibichungen, der Nerds, der Designer-Ausstattung, der Video-Ballerspiele. Der B\u00fchnenboden kann hochkant gestellt werden und bietet darauf, darunter oder abrutschend Platz f\u00fcr Hagens M\u00e4nner oder Statisten als Fl\u00fcchtlinge. Darunter kommt auch der ausgetrocknete Pool der Rheint\u00f6chter hervor, die in furchtbar-farbenfrohen Strandkleidchen mit Strumpfhosen durch eine gr\u00fcne Landschaft tippeln.<\/p>\n<p>Im Schlu\u00dfbild diktieren Br\u00fcnnhilde und die Rheint\u00f6chter per Twitter und BR-Kamerateam eine neue Weltordnung, w\u00e4hrend die untoten Gibichungen sich den Feuerschein auf den Displays ihrer Mobiltelefone ansehen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch ist es durchaus spannend zu sehen, wie sich das Ensemble dieser Produktion entwickelt: An erster Stelle ist <strong>Vincent Wolfsteiner<\/strong> (Siegfried) zu nennen. Er ist wieder einen Schritt vorangekommen in seiner Entwicklung zum Heldentenor, er hat keine Probleme hohe T\u00f6ne zu treffen, besonders im Zitat des <em>Waldv\u00f6geleins<\/em>. Zudem liefert er in den Dialogen mit Br\u00fcnnhilde eine \u00fcberzeugende Charakterisierung eines tumben, unbedarften Naturburschen. Man kann dabei nicht sagen, da\u00df sich <strong>Rachael Tovey<\/strong> (Br\u00fcnnhilde) in diesen Dialogen zur\u00fccknimmt. Sie ist ein dramatisch-jugendlicher Sopran, in Sachen Lautst\u00e4rke erreicht sie ein manchmal schmerzhaftes Furioso-Fortissimo, h\u00e4lt aber dabei die Gesangslinie. <strong>Antonio Yang<\/strong> (bislang der Wotan-Wanderer) gibt erstmals den Alberich und zeichnet ihn mit abgrundtiefer B\u00f6sartigkeit. Aber als tief grundierter Ba\u00dfbariton verf\u00fcgt er nicht nur \u00fcber finstere T\u00f6ne, sondern auch \u00fcber ein strahlend helles Timbre und bleibt immer wortverst\u00e4ndlich. <strong>Ekaterina Godovanets<\/strong> gibt der Gutrune eine jugendlich naive Ausstrahlung, verf\u00fcgt \u00fcber eine klare H\u00f6he und ebensolche Tiefe \u2013 etwas mehr Leuchtkraft w\u00e4re aber w\u00fcnschenswert. <strong>Roswitha Christina M\u00fcller<\/strong> gestaltet mit ihrem weichen Mezzo die Waltraute als verzweifelte Mahnerin, neigt aber bei l\u00e4ngeren Phrasen zum Tremolieren. <strong>Jochen Kupfer<\/strong> ist der Hausbariton und sein Mozart-Figaro-Graf war eine herausragende Leistung. Der Sprung von Mozart zu Wagner als Gunther ist jedoch sehr weit. Er versucht, jede Note, jede Phrase voll auszusingen, die Dynamik in der Harmonik der Romantik will sich nicht recht einstellen. So bleibt er \u00fcber weite Passagen nerv\u00f6s zur\u00fcckhaltend, versucht die Rolle zu gestalten, doch bleiben Emotionen auf der Strecke. Erst im Finale <em>Hagen, was tust Du?<\/em> kann er mit Kraft \u00fcberzeugen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr <strong>Woong-Jo Choi<\/strong> als Hagen, der wundersch\u00f6n singt, dem Ideal der unendlichen Melodie sehr nahe kommt, im Tonumfang scheinbar keine Grenzen kennt, aber der die D\u00e4monie dieser Rolle v\u00f6llig abgeht. <strong>Marcus Bosch<\/strong> f\u00fchrt die <strong>Staatsphilharmonie N\u00fcrnberg<\/strong> solide, aber leider stellenweise viel zu laut (deckt dabei auch Soloinstrumente und Solisten zu) \u2013 au\u00dferdem wartet das Blech mit einigen Unsauberkeiten auf. Das relativ flotte Tempo kommt den romantischen Klangempfindungen sehr entgegen (eineinhalb Stunden f\u00fcr den ersten Akt). Allerdings fehlt manchmal die Abstimmung: F\u00fcr <strong>Jochen Kupfer<\/strong> (Gunther) w\u00e4re gerade in den ersten beiden Akten eine konstruktive Zusammenarbeit hilfreich gewesen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die gesamte Produktion ist eine Aneinanderreihung halbherziger bis unverst\u00e4ndlicher Regieeinf\u00e4lle, von der sinnlos brutalen Vergewaltigung Br\u00fcnnhildes durch Siegfried bis zu den Fl\u00fcchtlingen, die vom B\u00fchnenbild zerquetscht oder von Hundings Mannen mit Bierflaschen verpr\u00fcgelt werden.<\/p>\n<p>Musikalisch ist diese <em>G\u00f6tterd\u00e4mmerung<\/em> auf der H\u00f6he der Zeit, dank eines sehr guten Ensembles und einem sehr flotten, spannungsgeladenen, manchmal zu lauten Dirigat von <strong>Markus Bosch<\/strong>. Das Publikum gab am Schlu\u00df einen kurzen und schmerzlosen Pflichtbeifall ab, Bravos f\u00fcr die Solisten, einige Buh-Rufer f\u00fcr das Regieteam.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Weltuntergang; Weltenbrand per Mobiltelefon (man beachte die wiederauferstanden Siegfried, Gunther und Hagen)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Der Ring des Nibelungen in drei Aufz\u00fcgen und einem Prolog, dritter Tag Libretto: R. Wagner, UA 17. 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