{"id":6459,"date":"2015-10-20T09:53:36","date_gmt":"2015-10-20T08:53:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6459"},"modified":"2015-11-29T12:00:04","modified_gmt":"2015-11-29T11:00:04","slug":"carmen-london-royal-opera-house-covent-garden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6459","title":{"rendered":"CARMEN &#8211; London, Royal Opera House Covent Garden"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von George Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra comique in 4 Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, UA: 3. M\u00e4rz 1875 Paris, Op\u00e9ra-comique (Salle Favart)<\/p>\n<p>Regie: Francesca Zambello , B\u00fchne und Kost\u00fcme: Tanya McCallin, Lichtdesign: Paule Constable, Choreographie: Arthur Pita<\/p>\n<p>Dirigent: Bertrand de Billy, Orchester des Royal Opera House<\/p>\n<p>Solisten: Elena Maximova (Carmen), Bryan Hymel (Don Jos\u00e9), Alexander Vinogradov (Escamillo), Nicole Car (Mica\u00ebla), Vlada Borovko (Frasquita), Mich\u00e8le Losier (Merc\u00e9d\u00e8s), Grant Doyle (Dancaire), Timothy Robinson (Remendado), Nicolas Courjal (Zuniga), Samuel Dale Johnson (Moral\u00e8s)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. Oktober 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/London-Carmen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-6460\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/London-Carmen.jpg\" alt=\"London Carmen\" width=\"626\" height=\"417\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/London-Carmen.jpg 1014w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/London-Carmen-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 626px) 100vw, 626px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Don Jos\u00e9 ist in die Zigeunerin Carmen verliebt. Doch diese ist ein Freigeist und will sich keinem Mann unterwerfen. Bei einem Streit verletzt Carmen eine Arbeiterin und soll verhaftet werden. Doch als sie mit Don Jos\u00e9 eine gemeinsame Liebesnacht f\u00fcr ihre Freiheit verspricht, l\u00e4\u00dft er sie fliehen. F\u00fcr diese Pflichtverletzung mu\u00df er zwei Monate Gef\u00e4ngnisstrafe absitzen. Als er aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen wird, werden die beiden ein Liebespaar. Nach kurzer Zeit aber verl\u00e4\u00dft Carmen Don Jos\u00e9 wieder, denn sie hat sich in den Torero Escamillo verliebt. Noch immer besessen von Carmen fleht Don Jos\u00e9 sie an, zu ihm zur\u00fcckzukommen. Als diese ihn erneut abweist ersticht er sie.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Ein Hof vor den Toren der Stadt, eingerahmt von zwei Hausfassaden im Hazienda-Stil, zeigt den Schauplatz. Die Kost\u00fcme sind an die spanische Gesellschaft des 19. Jahrhunderts angelehnt: die reicheren Damen tragen aufwendig drapierte Mantillen, die Zigeunerinnen Korsagen und Taftr\u00f6cke in Erdt\u00f6nen, die Soldaten dunkelblaue Milit\u00e4rwesten mit goldener Knopfreihe. Pr\u00e4sentiert wird dieses Stimmungsbild wie eine historische Miniaturabbildung in allen Facetten: \u00fcber das Einreiten Escamillos auf einem echten schwarzen Ro\u00df bis hin zur Choreographie eines wilden Flamenco-Tanzes.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Schon zur Ouvert\u00fcre entf\u00fchrt<strong> Bertrand de Billy<\/strong> in die Bizet\u2018sche Klangwelt spanischer M\u00e4rsche und Zigeunermusik. Mit einem raschen Tempo dirigiert er durch die Allegroteile der Partitur, nimmt das Orchester aber auch bei den Andante-Partien mit einem festen Dirigat zur\u00fcck, so da\u00df sich in Bl\u00e4sern und Streichern ein dramatisch schwelgender Klang entfalten kann, der auch auf das tragische Ende der Oper einstimmt. Im ersten Akt \u00fcberzeugt vor allem der <strong>Chor<\/strong> durch \u00fcppige Vielfalt der Stimmen, die trotzdem geb\u00fcndelt und rhythmisch akkurat zusammen harmonieren. Besonders die Kinderchoreinlage zur Begr\u00fc\u00dfung des Milit\u00e4rs hebt sich durch den einheitlichen Klang hervor.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend daran hinterl\u00e4\u00dft der Auftritt von <strong>Elena Maximova<\/strong> (Carmen) bleibenden Eindruck. Schnell \u00fcberwindet sie anf\u00e4ngliche Atemprobleme in der Eingangsarie und steigert sich von Akt zu Akt zu H\u00f6chstleistungen. Ihr \u00fcppiger, dunkler Mezzosopran verleiht ihrer Stimme einen unverwechselbaren Charakter, der zu der Rolle der feurigen Zigeunerin pa\u00dft. Dabei \u00fcberzeugt sie besonders in der Seguidilla<em> Pr\u00e8s de remparts de S\u00e9ville \u2013 Nahe der Stadtmauern von Sevilla<\/em> mit dem spielerischen Wechsel zwischen tief grollender Bruststimme und hoch gehauchten Spitzent\u00f6nen. Besonders die dynamische Steigerung vom Piano im ersten Durchlauf der Strophe bis zur letzten Wiederholung im Fortissimo, sorgen f\u00fcr dramatische H\u00f6hepunkte. Ihr weiblicher Konterpart wird von <strong>Nicole Car<\/strong> (Mica\u00ebla) gesungen, die in der tragischen Rolle der heimatverbundenen Familienfreundin eine hervorragende Leistung abliefert und vom Publikum mehrere Male lautstarken Zwischenapplaus erntet. Ihr lyrischer Sopran hat in den hohen T\u00f6nen einen geschmeidigen und zugleich kraftvollen Klang, dabei beherrscht sie das Anschwellen der Stimme in den Spitzent\u00f6nen besonders gut und schafft es in der Arie <em>Je dis que ne rien m\u2019\u00e9pouvante<\/em> \u2013 <em>Ich sagte, da\u00df nichts mich f\u00fcrchten k\u00f6nnte<\/em> auch bis zum zweigestrichen H noch glasklar zu intonieren. Im Duett mit <strong>Bryan Hymel<\/strong> (Don Jos\u00e9) entstehen im letzten Akt wundersch\u00f6ne Zusammenkl\u00e4nge, als Mica\u00ebla Don Jos\u00e9 an seine sterbende Mutter erinnert. <strong>Hymel <\/strong>intoniert seinen schlanken, k\u00fchlen Tenor sehr stark mit der Bruststimme und kommt damit auch noch bis in die hohen Lagen. In der Arie <em>La fleur qui tu m\u2019avais jet\u00e9<\/em> <em>&#8211; Die Blume, die du mir zugeworfen hast<\/em> im zweiten Akt, singt er die Fermate der Schlu\u00dfphrase <em>Je t\u2019aime<\/em> dramatisch lange aus und haucht im sotto voce was das Zuh\u00f6rerherz begehrt. Sein m\u00e4nnlicher Gegenspieler wird von <strong>Alexander Vinogradov<\/strong> (Escamillo) mit einem rauen Bariton, entsprechend seiner Rolle, \u00fcberspitzt ernst interpretiert. Dabei liefert Vinogradov eine stimmlich saubere Darstellung ab, bei der er gleichbleibend mezzoforte und sehr akzentuiert den Torero-Marsch <em>Tor\u00e9ador en garde \u2013 Torrero, sei auf der Hut <\/em>singt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung legt insgesamt sehr viel Wert auf eine authentische Widerspiegelung der im Libretto beschriebenen Szenerie, bei der der Freigeist der Zigeuner auf die starren Strukturen der gehobenen Gesellschaft prallt.<\/p>\n<p>Die Zambello Inszenierung ist nicht ohne Grund ber\u00fchmt und ein Kassenschlager, der seit 2006 nun schon zum f\u00fcnften Mal nach Covent Garden zur\u00fcckkehrt. Hier stimmt einfach alles: B\u00fchnenbild, Kost\u00fcme, musikalische Darbietung und Schauspiel. Dank der hervorragenden Leistung der S\u00e4nger und des Orchesters kommen die gro\u00dfen Emotionen des Librettos beim Zuschauer an; das originalgetreue B\u00fchnenbild und die Kost\u00fcme sorgen f\u00fcr G\u00e4nsehaut pur vom ersten bis zum letzten Moment. Einfach wundersch\u00f6n!<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild: Catherine Ashmore for Royal Opera House<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Bryan Hymel (Don Jos\u00e9), Elena Maximova (Carmen)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von George Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra comique in 4 Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, UA: 3. 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