{"id":6454,"date":"2015-10-21T09:42:17","date_gmt":"2015-10-21T08:42:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6454"},"modified":"2015-10-22T09:52:50","modified_gmt":"2015-10-22T08:52:50","slug":"moses-und-aron-paris-opera-bastille-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6454","title":{"rendered":"MOSES UND ARON &#8211; Paris, Op\u00e9ra Bastille"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Arnold Sch\u00f6nberg (1874-1971), Libretto: A. Sch\u00f6nberg, U.A. Hamburg 12. M\u00e4rz 1954, Musikhalle (konzertant);, UA: Z\u00fcrich 6. Juni 1957, Stadttheater (szenisch)<\/p>\n<p>Regie, B\u00fchne, Kost\u00fcme, Beleuchtung: Romeo Castellucci, Choreographie: Cindy Van Acker, Dramaturgie: Piersandra Di Matteo und Christian Longchamp<\/p>\n<p>Dirigent: Philippe Jordan, Orchester, Chor und Kinderchor der Op\u00e9ra National de Paris, Ma\u00eetrise des Hauts-de-Seine, Choreinstudierung: Jos\u00e9 Luis Basso<\/p>\n<p>Solisten: Thomas Johannes Mayer (Moses), John Graham-Hall (Aron), Julie Davies (Ein junges M\u00e4dchen), Catherine Wyn-Rogers (Eine Kranke), Nicky Spence (Ein junger Mann), Michael Pflumm (Der nackte J\u00fcngling), Chae Wook Lim (Ein Mann), Christopher Purves (Ein anderer Mann, Ephraimit), Ralf Lukas (Ein Priester) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 20. Oktober 2015 (Premiere,. Koproduktion Teatro Real de Madrid)<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_6455\" style=\"width: 560px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Paris-Moses-e1445503929905.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6455\" class=\"size-large wp-image-6455\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Paris-Moses-683x1024.jpg\" alt=\"Op\u00e9ra National de Paris 2015\/16               MOSES UND ARON Direction musicale: Philippe Jordan Mise en sc\u00e8ne\/D\u00e9cors\/Costumes\/Lumi\u00e8res: Romeo Castellucci Chor\u00e9graphie: Cindy van Acker Collaboration artistique: Silvia Costa Photo shows: J.S. Bou, Sir W.White, B.Hannigan, T.Lehitpuu, R.Shaham, A.Wolf, J.L. Ballestra, J.Mathevet, R.T.Guerrero\" width=\"550\" height=\"825\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6455\" class=\"wp-caption-text\">Op\u00e9ra National de Paris 2015\/16<br \/>MOSES UND ARON<br \/>Direction musicale: Philippe Jordan<br \/>Mise en sc\u00e8ne\/D\u00e9cors\/Costumes\/Lumi\u00e8res: Romeo Castellucci<br \/>Chor\u00e9graphie: Cindy van Acker<br \/>Collaboration artistique: Silvia Costa<br \/>Photo shows: J.S. Bou, Sir W.White, B.Hannigan, T.Lehitpuu, R.Shaham, A.Wolf, J.L. Ballestra, J.Mathevet, R.T.Guerrero<\/p><\/div>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p><em>Moses und Aron,<\/em> dieses unvollendete Sp\u00e4twerk des Meisters der Zw\u00f6lftonmusik, ist inhaltlich wie musikalisch eine schwierige und aufwendige Oper, die sich erst langsam auf den internationalen B\u00fchnen durchgesetzt hat. Sie ist aus dem Geiste des Alten Testaments ein sehr pers\u00f6nliches Glaubensbekenntnis Sch\u00f6nbergs in Form eines philosophisch-musikalischen Kunstwerks. Inhaltlich fallen in dieser Oper <em>Geist und Wort \u2013 und das Wort zu haben, bedeutet Macht \u2013 auseinander; und dort, wo sich das Wort doch in den Dienst des Geistes, der Idee, stellt, mu\u00df Moses die Erfahrung machen, da\u00df der Gedanke ins Bild gehoben und damit verf\u00e4lscht wird<\/em>. Die Musik unterstreicht diese Idee, denn <em>Arons Belcanto und die Abweichung von der Reihenstruktur bei seinem gro\u00dfen melodischen Hymnus in der zweiten Szene des ersten Aktes&#8230;halten diese Verf\u00e4lschung unmi\u00dfverst\u00e4ndlich fest \u2013 Verf\u00e4lschung jedenfalls im Hinblick auf die zw\u00f6lft\u00f6nig durchkomponierte Musik<\/em>. (Dieter Rexroth in Metzler Musik Chronik).<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Erster Akt: Moses erh\u00e4lt vom \u201eunvollstellbaren, unsichtbaren\u201c Gott den Auftrag das Volk Israel von falschen G\u00f6ttern und von der Knechtschaft des Pharao zu befreien. Da Moses nicht redegewandt ist, soll Aron sein Sprachrohr sein. Gemeinsam verk\u00fcnden sie dem Volk Gottes Willen und fordern zur Huldigung auf. Ein junger Mann und ein junges M\u00e4dchen sind erfreut, der Priester skeptisch. Das Volk ist entt\u00e4uscht, den neuen Gott weder sehen noch h\u00f6ren zu k\u00f6nnen und will ihn nicht annehmen. Es will eine bildliche Darstellung. Da nimmt Aron Moses\u2019 Stab und verwandelt ihn in eine Schlange. Das und andere Wunder \u00fcberzeugen. Nun ist das Volk bereit, durch die W\u00fcste ins Land zu ziehen, wo Milch und Honig flie\u00dft.<\/p>\n<p>Zweiter Akt: Seit 40 Tagen ist Moses auf dem Berge der Offenbarung. Das Volk murrt. Um es zu beruhigen, l\u00e4\u00dft Aron zu, da\u00df das Volk ein Goldenes Kalb anbetet. Nur ein junger Mann emp\u00f6rt sich. Er wird erschlagen. Das Fest um das Goldene Kalb wird zur Orgie. Als Moses endlich vom Berg herabsteigt zerst\u00f6rt er zornig das Idol. Aron versucht sich zu rechtfertigen. Als Moses ihm die g\u00f6ttlichen Gesetzestafeln aush\u00e4ndigen will, erwidert er, auch sie seien nur Idole und dem Volk unverst\u00e4ndlich. Da zerschmettert Moses die Tafeln. Eine Feuerseule erscheint am Horizont und leitet das Volk durch die W\u00fcste. Aaron h\u00e4lt sie f\u00fcr Gottes Gegenwart, Moses f\u00fcr ein Idol und bliebt verzweifelt zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Den 3. Akt hat der Komponist nie komponiert.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Im ersten Akt ist die \u00a0B\u00fchne in einen wei\u00dfen, stimmungsvollen Nebel geh\u00fcllt, in dem Moses und Aron und die quellenden Menschenmassen des Volks Israel nur schemenhaft erkennbar sind. Alle sind in wei\u00dfe Hemd-und-Hosen gekleidet. Im zweiten Akt ist die leere B\u00fchne erhellt, in der Schlu\u00dfszene von einer Schnee bedeckten Bergkulisse umgeben. Das Goldene Kalb ist ein Riesen-Zucht-Bulle, der sich erstaunlich ruhig auf der B\u00fchne herumf\u00fchren l\u00e4\u00dft. All das h\u00e4tte eigentlich f\u00fcr eine einfache, eindrucksvolle Inszenierung gereicht, und man h\u00e4tte sich besser auf die Musik konzentrieren k\u00f6nnen. Doch Castellucci wollte noch eine vielf\u00e4ltige, nicht ganzverst\u00e4ndliche Symbolik hinzuf\u00fcgen. Ein \u00fcber der B\u00fchne h\u00e4ngendes Tonbandger\u00e4t, das Gottes Wort zu Moses hinunterspult, der sich die Tonb\u00e4nder um den Arm wickelt. Ein Weltall-Satellit, der vom Himmel herunterkommt und Wunder vollbringt. M\u00f6glicherweise wird hier Wissenschaft und Technologie der g\u00f6ttlichen Allmacht gleichgesetzt. In schneller Abfolge auf die Wand projizierte Worte und Begriffe. Als dann das Volk Israel dem Charme des goldenen Kalbs erliegt, wird es, wie auch das goldene Kalb selbst, nicht vergoldet, sondern begossen mit einer schwarzen dicken Fl\u00fcssigkeit, in der sich alle am Boden sielen. Irgendwo auf der B\u00fchne liegt noch eine nackte Frau. Am Ende bliebt nur noch Aron als Idol-Popanz mit Maske und Glitzerumhang allein zur\u00fcck, um dem vom Berge herabsteigenden Moses entgegenzutreten.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Thomas Johannes Mayer <\/strong>bestreitet halb singend, halb sprechend mit klangvollem Ba\u00df und klarer Diktion die Rolle des Moses, <strong>John Graham-Hall<\/strong> singt mit metallischem Tenor die des Aron. Die dritte Stimme ist das Volk Israel, das von Einzelstimmen und von den brillant einstudierten Pariser <strong>Opern-Ch\u00f6ren<\/strong>, verst\u00e4rkt durch die Ma\u00eetrise des Hauts-de-Seine, zugleich nuanciert und kraftvoll interpretiert wird. <strong>Philippe Jordan<\/strong> hat sich der schwierigen Aufgabe das gesamte Ensemble durch die dissonante Partitur zu f\u00fchren mit Meisterschaft entledigt. Man kann die Monate lange Probenarbeit nur ahnen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der italienische Avantgarde K\u00fcnstler\/Regisseur <strong>Romeo Castellucci<\/strong> sieht sich als Ikonoklast. Und es mag sein, da\u00df eine logisch strukturierte Philosophie hinter seinen <em>TeatroSocietas Raffaello Sanzio<\/em> Projekten steht, doch hier wird sie nicht offenbar. Handelt es sich bei Sch\u00f6nberg um die Nicht-Ikone, um die Nicht-Darstellbarkeit eines unfa\u00dfbaren Gottes, so geht es Castellucci nur darum, die Ikone zu zerst\u00f6ren. Ist also das philosophische Thema Sch\u00f6nbergs hier nur Mittel zum Ausdruck einer Theater revolutionierenden Ideologie? Vielleicht, denn nach eigener Aussage ist Castelluccis Hauptsorge, das zu zerst\u00f6ren, was existiert, um einen Bruch mit der uns schon vorliegenden Darstellung der Welt herbeizuf\u00fchren und bei Null neu anzufangen. (Romeo Castellucci, <em>Les P\u00e9lerins de la Mati\u00e8re,<\/em> Editions des Solitaires Intempestifs, 2001). Auf jeden Fall lenkt wieder einmal eine Operninszenierung von der Musik ab und geht ihre eigenen Wege ohne wesentlich zum eigentlichen Sinn der Oper beizutragen. Man ist dann versucht, wie der verzweifelnde Moses in der Schlu\u00dfszene der Oper, zu schreien:<\/p>\n<p><em>Unvollstellbarer Gott! \u2026.L\u00e4\u00dft du diese Auslegung zu?<\/em><\/p>\n<p>Trotz dieser Vorbehalte mu\u00df man dennoch die Op\u00e9ra National de Paris loben, ein so kompliziertes Werk in Angriff genommen und musikalisch erfolgreich auf die B\u00fchne gebracht zu haben. Diese Neuproduktion gilt als der eigentliche Auftakt der \u00c4ra des neuen Generaldirektors der Pariser Oper, St\u00e9phane Lissner. Sie wurde mit gro\u00dfem, wenn auch nicht ganz einhelligem Applaus aufgenommen.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Moses (Thomas Johannes Mayer) zertr\u00fcmmert die Gesetzestafel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Arnold Sch\u00f6nberg (1874-1971), Libretto: A. Sch\u00f6nberg, U.A. Hamburg 12. M\u00e4rz 1954, Musikhalle (konzertant);, UA: Z\u00fcrich 6. Juni 1957, Stadttheater (szenisch) Regie, B\u00fchne, Kost\u00fcme, Beleuchtung: Romeo Castellucci, Choreographie: Cindy Van Acker, Dramaturgie: Piersandra Di Matteo und Christian Longchamp Dirigent: Philippe<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6454\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6455,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,69],"tags":[],"class_list":["post-6454","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-paris-opera-bastille"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6454","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6454"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6454\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6458,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6454\/revisions\/6458"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6455"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6454"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6454"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6454"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}