{"id":6432,"date":"2015-10-04T10:30:03","date_gmt":"2015-10-04T09:30:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6432"},"modified":"2015-10-11T10:34:16","modified_gmt":"2015-10-11T09:34:16","slug":"norma-kassel-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6432","title":{"rendered":"NORMA &#8211; Kassel, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Vincenzo Bellini (1801-1835), Tragedia lirica in 2 Akten, Libretto: Felice Romani. UA: 26. Dezember 1831 Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie: Yona Kim, B\u00fchne: Etienne Pluss, Kost\u00fcme: Hugo Holger Schneider<\/p>\n<p>Dirigent: Joakim Unander, Staatsorchester Kassel, Opernchor und Extrachor, Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti<\/p>\n<p>Solisten: Hulkar Sabirova (Norma), Hector Sandoval (Pollione), Ulrike Schneider (Adalgisa), Hee Saup Yoon (Oroveso), Inna Kalinina (Clotilde), Paulo Paolillo (Flavio).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 3. Oktober 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_6433\" style=\"width: 651px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Kassel-Norma-16.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6433\" class=\"size-full wp-image-6433\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Kassel-Norma-16.jpg\" alt=\"Norma\" width=\"641\" height=\"426\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Kassel-Norma-16.jpg 641w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Kassel-Norma-16-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 641px) 100vw, 641px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6433\" class=\"wp-caption-text\">Norma<\/p><\/div>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung spielt etwa 50 v. Chr. im von R\u00f6mern besetzten Gallien. Norma, Tochter von Oroveso und Hohepriesterin der Druiden, liebt heimlich den r\u00f6mischen Konsul Pollione, von dem sie zwei Kinder hat, weshalb sie sich weigert zum Aufstand gegen die R\u00f6mer aufzurufen. Als sie erf\u00e4hrt, da\u00df Pollione sie mit der Priesterin Adalgisa betr\u00fcgt und diese statt ihrer nach Rom mitnehmen will, sinnt sie auf Rache, will sogar die Kinder t\u00f6ten und ruft zun\u00e4chst zum Krieg gegen die R\u00f6mer auf, klagt dann aber sich selbst an, ihre Religion verraten zu haben. Sie \u00fcberantwortet Oroveso ihre Kinder. Sie wird zum Tode verurteilt. Pollione ist \u00fcberw\u00e4ltigt von Normas Geradlinigkeit und Treue und folgt ihr auf den Scheiterhaufen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das Einheitsb\u00fchnenbild besteht aus einen wei\u00dfen Sandstrand mit Treibholz und D\u00fcnen. In den D\u00fcnen verbergen sich in den Versenkungen eine Treppe (zum raschen Auftritt des Chores) und eine hohe Stahlwand, die den Strand nach allen Seiten begrenzt. Ein Schiebetor erm\u00f6glicht Auftritte der durch Statisten gedoubelten Solisten, was zur Darstellung zus\u00e4tzlicher (Hintergrund-)Handlung dient. Die faschistische Armee in hellbraunen italienischen Designeruniformen, allerdings mit falschen faschistischen Hoheitszeichen, tritt mit wei\u00dfen Gesichtsmasken auf, um sich mit Frauen zu vergn\u00fcgen oder die Gallier zu erschie\u00dfen. Die Alltagskleidung der Gallier k\u00f6nnte in etwa der franz\u00f6sischen Alltagskleidung Mitte des 20 Jahrhunderts entsprechen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Der Orchestergraben ist nach unten gefahren. Daher werden die Blechbl\u00e4ser so ged\u00e4mpft, da\u00df man die Streicher gut vernimmt. <strong>Joakim Unander<\/strong> gelingt es, keine epische Klangbreite aufkommen zu lassen, sondern da\u00df Sch\u00f6nklang produziert wird. Zwar w\u00fcrde etwas weniger Vibrato den Streichern guttun, die sich noch am kontinuierlichen Auf- und Abschwellen in der Lautst\u00e4rke verbessern m\u00fc\u00dften. Aber Dirigent Unander hat den Bellini-Klang verstanden. Gleiches gilt auch f\u00fcr die Einbindung des Chores in den Sch\u00f6nklang, der Chor atmet mit dem Orchester, das <em>Guerra, Guerra<\/em> wird zu einem H\u00f6hepunkt des Abends. Der zweite H\u00f6hepunkt ist <strong>Hulkar Sabirovas<\/strong> (Norma) Arie <em>Casta Diva<\/em> von. Sie beginnt mit einem fast kaum h\u00f6rbaren Pianissimo, das in ein Crescendo \u00fcbergeht, das im Forte (und nicht im Fortissimo) endet. Mit perlenden Koloraturen ist sie dieser Rolle gewachsen. Da kann <strong>Ulrike Schneider<\/strong> sogar fast mithalten, die als Mezzo mit warmer, angenehmer Stimme die verzweifelte Adalgisa ausdrucksvoll gestalten kann. Auch <strong>Hector Sandoval <\/strong>(Pollione) ist ein Tenor, der mit souver\u00e4ner Ausdruckskraft und strahlend sicherer H\u00f6he agiert. Seine Koloraturen schraubt er m\u00fchelos und ohne Problem nach oben. Bemerkenswert auch die Konstanz mit der er die langen Dialoge mit Norma durchsteht. <strong>Hee Saup Yoon<\/strong> ist am Haus der Ba\u00df f\u00fcr alle F\u00e4lle und sicherer Tiefe, verf\u00fcgt \u00fcber ein ba\u00dfbaritonales Timbre und gro\u00dfes Volumen f\u00fcr das Legato. Damit kommt er dem geforderten <em>basso cantate<\/em> sehr nahe.<\/p>\n<p><strong>Fazit <\/strong>(zusammengefa\u00dft f\u00fcr Coburg und Kassel)<\/p>\n<p>Die Werke Bellinis wurden in der Vergangenheit eher selten aufgef\u00fchrt, denn das Personal, das den Belcanto-Stil beherrscht, ist sehr d\u00fcnn ges\u00e4t. Kleinere H\u00e4user k\u00f6nnen f\u00fcr die Hauptpartien kaum ad\u00e4quate Gasts\u00e4nger finden. Viele Rollen werden mit Ensemble-Mitgliedern besetzt, die wenig bis gar keine Kenntnisse mit Belcanto haben. Ein Scheitern ist so fast vorprogrammiert.<\/p>\n<p>Im Falle von Coburg und Kassel geschah ein Scheitern auf hohem Niveau, das im Bem\u00fchen um eine ad\u00e4quate musikalische Umsetzung gipfelt. Da\u00df das Publikum dennoch etwas vom Belcanto-Singen versteht, beweis der schwache Szenenapplaus.<\/p>\n<p>Inszenatorisch kommt der Verdacht auf, durch die absurdesten Regieeinf\u00e4lle vom Musikalischen abzulenken.<\/p>\n<p>Beispiel: das unverst\u00e4ndliche Szenario in <strong>Coburg<\/strong>, das das Geschehen zwischen gewaltt\u00e4tigen, sektiererischen Umweltsch\u00fctzern und erd\u00f6lf\u00f6rderndem Milit\u00e4r ansiedelt.<\/p>\n<p>In <strong>Kassel<\/strong> versucht die franz\u00f6sische Resistance an einem Sandstrand (mit Laufgr\u00e4ben und Treppen) den (faschistischen) italienischen Truppen Widerstand zu leisten \u2013 am Schlu\u00df erschie\u00dfen die R\u00f6mer die Gallier und Flavio den Pollione. Um die tiefsinnigen Dialoge zwischen Norma und Pollione zu \u201e\u00fcberbr\u00fccken\u201c d\u00fcrfen die Faschisten franz\u00f6sische Dominas befriedigen: Als running gag gibt es auch noch ein Vergewaltigungsopfer, das mehrfach \u00fcber die B\u00fchne wankt und dadurch Normas Selbstanklage st\u00f6rt.<\/p>\n<p>Das Publikum sieht das wohl \u00e4hnlich: Zweimal freundlich m\u00e4\u00dfiger und sehr kurzer Pflichtapplaus: Buh-Rufer und Belcanto-Fans gehen wohl schon nach dem ersten Akt.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Nils Klinger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Hulkar Sabirova (Norma)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vincenzo Bellini (1801-1835), Tragedia lirica in 2 Akten, Libretto: Felice Romani. UA: 26. Dezember 1831 Mailand, Teatro alla Scala Regie: Yona Kim, B\u00fchne: Etienne Pluss, Kost\u00fcme: Hugo Holger Schneider Dirigent: Joakim Unander, Staatsorchester Kassel, Opernchor und Extrachor, Choreinstudierung: Marco<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6432\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6433,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[109,1],"tags":[],"class_list":["post-6432","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kassel-staatstheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6432","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6432"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6432\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6434,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6432\/revisions\/6434"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6433"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6432"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6432"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6432"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}