{"id":6429,"date":"2015-10-04T10:25:43","date_gmt":"2015-10-04T09:25:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6429"},"modified":"2015-10-11T12:31:14","modified_gmt":"2015-10-11T11:31:14","slug":"norma-coburg-landestheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6429","title":{"rendered":"NORMA &#8211; Coburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Vincenzo Bellini (1801-1835), Tragedia lirica in 2 Akten, Libretto: Felice Romani. UA: 26. Dezember 1831 Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie\/Kos\u00fcme: Konstanze Lauterbach, B\u00fchne: Karen Simon<\/p>\n<p>Dirigent: Roland Kluttig, Philharmonisches Orchester, Chor und Extrachor des Landestheater Coburg, Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio<\/p>\n<p>Solisten: Celeste Siciliano (Norma), Milen Bozhkov (Pollione), Ana Cvetkovic-Stojnic (Adalgisa), Michael Lion (Oroveso), Heidi Peters (Clotilde), David Zimmer (Flavio).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 30. September 2015<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_6430\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Coburg-Norma40.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6430\" class=\"size-full wp-image-6430\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Coburg-Norma40.jpg\" alt=\"Norma | Oper von Vincenzo Bellini | ML Roland Kluttig; I\/K Konstanze Lauterbach; B Karen Simon | Premiere am 19. September 2015, Gro\u00dfes Haus\/ Landestheater Coburg\" width=\"625\" height=\"416\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Coburg-Norma40.jpg 625w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Coburg-Norma40-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6430\" class=\"wp-caption-text\">Norma | Oper von Vincenzo Bellini | ML Roland Kluttig; I\/K Konstanze Lauterbach; B Karen Simon | Premiere am 19. September 2015, Gro\u00dfes Haus\/ Landestheater Coburg<\/p><\/div>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung spielt etwa 50 v. Chr. im von R\u00f6mern besetzten Gallien. Norma, Tochter von Oroveso und Hohepriesterin der Druiden, liebt heimlich den r\u00f6mischen Konsul Pollione, von dem sie zwei Kinder hat, weshalb sie sich weigert zum Aufstand gegen die R\u00f6mer aufzurufen. Als sie erf\u00e4hrt, da\u00df Pollione sie mit der Priesterin Adalgisa betr\u00fcgt und diese statt ihrer nach Rom mitnehmen will, sinnt sie auf Rache, will sogar die Kinder t\u00f6ten und ruft zun\u00e4chst zum Krieg gegen die R\u00f6mer auf, klagt dann aber sich selbst an, ihre Religion verraten zu haben. Sie \u00fcberantwortet Oroveso ihre Kinder. Sie wird zum Tode verurteilt. Pollione ist \u00fcberw\u00e4ltigt von Normas Geradlinigkeit und Treue und folgt ihr auf den Scheiterhaufen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung <\/strong><\/p>\n<p>Im ersten Akt sehen wir ein Feld voller \u00d6lbohrt\u00fcrme. Neben den T\u00fcrmen liegen F\u00e4sser, in denen Alltagsgegenst\u00e4nde und Wasser aufbewahrt werden. F\u00fcr \u201eNormas Familiennest\u201c werden drei schmale Tafeln herabgelassen, die einen Blumenwald zeigen. Das zweite Bild zeigt eine wei\u00dfe W\u00fcstenlandschaft (Schnee? Sand?) mit viel Bruchholz. Am Schlu\u00df verschwinden Norma und Pollione hinter einem Berg schwarzer M\u00fclls\u00e4cke. Anhand der Kost\u00fcme ist eine zeitliche Zuordnung derselben schwierig: Die R\u00f6mer tragen gr\u00fcne Uniforme ohne Abzeichen, die Gallier dagegen bunte Alltagskleidung, deren Gruppenabzeichen nicht identifizierbar sind (eine zweik\u00f6pfige Schlange oder Leuchter?).<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das Blech klingt sehr direkt aus dem Orchestergraben, d.h. <strong>Roland Kluttig<\/strong> gelingt es nicht, das Blech auszugleichen. Daher klingen die Zwischenmusiken eher wie Marschmusiken, filigrane Zwischent\u00f6ne sind kaum h\u00f6rbar. Auch bei der Untermalung der Solisten ist das Orchester streckenweise zu dominant, der schnelle Tempowechsel nimmt aber dem Chor <em>Guerra, Guerra \u2013Krieg, Krieg<\/em>, eindrucksvoll dargeboten, die Wirkung. Und <strong>Celeste Siciliano<\/strong> hat Probleme die Arie <em>Casta Diva<\/em> \u2013 <em>keusche G\u00f6ttin<\/em> piano anzustimmen. Da sie aber ein dramatischer Sopran und eher im italienischen Verismo zu Hause ist, hat sie keine Probleme sich durchzusetzen: Ihre langen Legatopassagen in dieser Arie ist blendend vorgetragen. <strong>Milen Bozhkov<\/strong> als ihr Liebhaber Pollione hat am Haus als Puccini-Tenor Erfolge gefeiert. Mit seinem weichen italienischen Timbre, verbunden mit strahlender H\u00f6he, gro\u00dfem Stimmvolumen und Durchschlagsf\u00e4higkeit, kann er von einem traumhaft leichten Piano zu einem durchaus kraftvollen Fortissimo anschwellen \u2013 so entstehen wahre Jubelarien. <strong>Ana Cvetkovic-Stojnic<\/strong> kann die Rolle der Adalgisa nicht wirklich im Stil des Belcantos gestalten. Sie hat zwar eine leuchtende und durchschlagsstarke Stimme, kann jedoch nicht hinsichtlich Strahlkraft mit Celeste Siciliano mithalten und geht auch bei manchen hohen T\u00f6nen fehl. <strong>Michael Lion<\/strong> ist der erfahrene Haus-Ba\u00dfbariton, der den Oroveso kraftvoll und mit viel Durchschlagskraft singt. Damit r\u00fcckt man diese Rolle aber in die N\u00e4he der bekannten Wagner-Ba\u00dfbaritone wie Wotan oder Marke, was sich auch daran zeigt, da\u00df man den gro\u00dfen Auftritt Orovesos im zweiten Akt mit der Einlegearie Richard Wagners <em>Norma il predisse &#8211; Norma, Vorherseherin\u00a0<\/em> (WWV 52) aus (1839) aufwertet, was auch durch die Vortragsweise vom Michael Lion unterstrichen wird.<\/p>\n<p><strong>Fazit <\/strong>(zusammengefa\u00dft f\u00fcr Coburg und Kassel)<\/p>\n<p>Die Werke Bellinis wurden in der Vergangenheit eher selten aufgef\u00fchrt, denn das Personal, das den Belcanto-Stil beherrscht, ist sehr d\u00fcnn ges\u00e4t. Kleinere H\u00e4user k\u00f6nnen f\u00fcr die Hauptpartien kaum ad\u00e4quate Gasts\u00e4nger finden. Viele Rollen werden mit Ensemble-Mitgliedern besetzt, die wenig bis gar keine Kenntnisse mit Belcanto haben. Ein Scheitern ist so fast vorprogrammiert.<\/p>\n<p>Im Falle von Coburg und Kassel geschah ein Scheitern auf hohem Niveau, das im Bem\u00fchen um eine ad\u00e4quate musikalische Umsetzung gipfelt. Da\u00df das Publikum dennoch etwas vom Belcanto-Singen versteht, beweis der schwache Szenenapplaus.<\/p>\n<p>Inszenatorisch kommt der Verdacht auf, durch die absurdesten Regieeinf\u00e4lle vom Musikalischen abzulenken.<\/p>\n<p>Beispiel: das unverst\u00e4ndliche Szenario in <strong>Coburg<\/strong>, das das Geschehen zwischen gewaltt\u00e4tigen, sektiererischen Umweltsch\u00fctzern und erd\u00f6lf\u00f6rderndem Milit\u00e4r ansiedelt.<\/p>\n<p>In <strong>Kassel<\/strong> versucht die franz\u00f6sische Resistance an einem Sandstrand (mit Laufgr\u00e4ben und Treppen) den (faschistischen) italienischen Truppen Widerstand zu leisten \u2013 am Schlu\u00df erschie\u00dfen die R\u00f6mer die Gallier und Flavio den Pollione. Um die tiefsinnigen Dialoge zwischen Norma und Pollione zu \u201e\u00fcberbr\u00fccken\u201c d\u00fcrfen die Faschisten franz\u00f6sische Dominas befriedigen: Als running gag gibt es auch noch ein Vergewaltigungsopfer, das mehrfach \u00fcber die B\u00fchne wankt und dadurch Normas Selbstanklage st\u00f6rt.<\/p>\n<p>Das Publikum sieht das wohl \u00e4hnlich: Zweimal freundlich m\u00e4\u00dfiger und sehr kurzer Pflichtapplaus: Buh-Rufer und Belcanto-Fans gehen wohl schon nach dem ersten Akt.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Andre Kremper<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Selbstmord im M\u00fcllberg von Norma (Celeste Siciliano), Pollione (Milen Bozhkov)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vincenzo Bellini (1801-1835), Tragedia lirica in 2 Akten, Libretto: Felice Romani. UA: 26. 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