{"id":6422,"date":"2015-10-06T12:15:31","date_gmt":"2015-10-06T11:15:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6422"},"modified":"2015-10-08T12:51:22","modified_gmt":"2015-10-08T11:51:22","slug":"vasco-da-gama-frueher-lafricaine-die-afrikanerin-berlin-deutsche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6422","title":{"rendered":"VASCO DA GAMA \u2013 DIE AFRIKANERIN &#8211; Berlin, Deutsche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Meyerbeer (1791-1864), Grand Op\u00e9ra in f\u00fcnf Akten, Libretto: Eug\u00e8ne Scribe. UA: <em>L\u2019Africaine :<\/em> 28. April 1865 Paris Op\u00e9ra, Erstauff\u00fchrung revidierten Fassung: 2. Februar 2013 Chemnitz, Theater<\/p>\n<p>Regie: Vera Nemirova\/Sonja Nemirova, B\u00fchne: Jens Kilian, Kost\u00fcme: Marie-Th\u00e9r\u00e8se Jossen<\/p>\n<p>Dirigent: Enrique Mazzola, Orchester der Deutschen Oper Berlin, Chor der Deutschen Oper Berlin, Choreinstudierung: William Spaulding,<\/p>\n<p>Solisten: Seth Carico (Don Pedro), Andrew Harris (Don Diego), Nino Machaidze (Ines), Roberto Alagna (Vasco da Gama), Paul Kaufmann (Don Alvar), Dong-Hwan Lee (Der Gro\u00dfinquisitor), Markus Br\u00fcck (Nelusco), Sophie Koch (Selica), Albert Pesendorfer (Oberpriester der Brahmanen), Irene Roberts (Anna), Matthew Pe\u00f1a (1. Matrose), Gideon Poppe (2. Matrose), Thomas Lehmann (3. Matrose), Michael Adams (4. Matrose\/Gerichtsdiener)<\/p>\n<p>Auff\u00fchrung: 4. Oktober 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Berlin-Deut_Vasco.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6423\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Berlin-Deut_Vasco.jpg\" alt=\"Berlin Deut_Vasco\" width=\"582\" height=\"409\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Berlin-Deut_Vasco.jpg 582w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Berlin-Deut_Vasco-300x211.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 582px) 100vw, 582px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der portugiesische Seeheld Vasco da Gama ist nach einer Expedition in die Neue Welt verschollen. Seine adlige Verlobte Ines soll nun den Inquisitor Don Pedro heiraten. Doch Vasco hat \u00fcberlebt und kehrt mit dem indischen Sklavenpaar Selica und Nelusco zur\u00fcck. In Folge einer Auseinandersetzung mit der Inquisition wird er ins Gef\u00e4ngnis gesperrt, wo Selica, in Wirklichkeit indische K\u00f6nigin, sich in ihren Eroberer verliebt. Dessen Verlobte Ines befreit den Geliebten durch Heirat mit Don Pedro, der mit ihr und den indischen Gefangenen auf Entdeckungsreise geht. Heimlich folgt ihnen Vasco. Die Expedition erleidet Schiffbruch und wird in Indien gekapert. Nachdem Selica Vasco nicht f\u00fcr sich gewinnen kann, l\u00e4\u00dft sie ihn und Ines ziehen und sucht den Tod unter einem giftigen Baum.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eine Weltenscheibe mit gro\u00dfen Schiffssegeln bestimmt das B\u00fchnenbild. Die Erdscheibe l\u00e4\u00dft sich wahlweise zu Wand oder Tisch umgestalten, die orangefarben ausgeleuchteten Segel k\u00f6nnen sich zur B\u00fchne hin \u00f6ffnen. In der Inszenierung von <strong>Vera Nemirova <\/strong>verwandeln sich Portugiesen und Inder des 16. Jahrhunderts in Boat People, religi\u00f6se Fundamentalisten und moderne Piraten, die Schiffe kapern und die Besatzung mit Maschinengewehren niederm\u00e4hen. Im fernen Indien wird kitschige Folklore mit Tempeltanz, Bambus und Elefantenk\u00f6pfen geboten. Ein orangefarbenes Bl\u00fctenmeer mit Blumengirlanden ist Hochzeitskulisse f\u00fcr die indische K\u00f6nigin und den Eroberern.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Dirigent <strong>Enrique Mazzola<\/strong> f\u00fchrte das <strong>Orchester <\/strong>der Deutschen Oper Berlin agil und grazil durch die lyrisch und dramatisch expressive Partitur dieser Grand Op\u00e9ra. Die exotischen Klangwelten und die seinerzeit neuartigen Orchesterfarben arbeitete Mazzola bis ins Detail heraus, die Tempi gerieten dabei ein wenig verschleppt. In seiner Verhaltenheit bot das Orchester den glanzvollen Gesangspartien einen perfekten Rahmen.<\/p>\n<p><strong>Nino Machaidze <\/strong>(Ines)<strong>, <\/strong>ein dramatischer Sopran par excellence, \u00fcberzeugte mit hoher Agilit\u00e4t und starker Dynamik. Mit beeindruckendem Timbre, in den Tiefen leicht kehlig, weich und glatt in den H\u00f6hen, sorgte sie f\u00fcr musikalische H\u00f6hepunkte. Ba\u00dfbariton <strong>Markus Br\u00fcck<\/strong> (Nelusco) stand der S\u00e4ngerin in nichts nach. Rund und abwechslungsreich in der F\u00e4rbung, bildete er auf beeindruckende Weise den verzweifelten Liebhaber und Gegenspieler in der Stimme ab. Seine Arie <em>Roi des vague Adamastor, K\u00f6nig der Wogen<\/em> (2. Akt) meisterte er mit einer grandiosen darstellerischen wie gesanglichen Expressivit\u00e4t in der Zerrissenheit zwischen liebend und intrigant. Auch Titelheld <strong>Roberto Alagna<\/strong> (Vasco da Gama) war seiner schwierigen Partie rein technisch gewachsen. Ein strahlender Heldentenor mit nasal elegantem Timbre. An diesem Abend verfehlte er jedoch, vermutlich aufgrund einer im Vorfeld angek\u00fcndigten Erk\u00e4ltung, die lyrischen Partien g\u00e4nzlich. Entsprechend angestrengt und d\u00fcnn in den H\u00f6hen geriet so die einzige unvergessene Arie dieser Oper <em>O <\/em><em>Paradis<\/em> <em>\u2013 Land so wunderbar <\/em>(4. Akt)<em>.<\/em> <strong>Sophie Koch<\/strong> als vermeintliche Sklavin Selica steigerte sich im Laufe des Abends. Ihrem runden, dramatischen Mezzo mangelte es ein wenig an Agilit\u00e4t. In Selicas Abschlu\u00dfarbeit <em>Sur mes genoux \u2013 Auf meinem Knien <\/em>(5. Akt) stellte sie jedoch unter Beweis, wozu ihre Stimme f\u00e4hig ist, die sich wie ein Teppich \u00fcber die B\u00fchne legte. <strong>Seth Carico <\/strong>als arroganter Don Pedro sang mit starkem, leicht metallischem Ba\u00dfbariton. F\u00fcr die Rolle des Rivalen fehlte es zuweilen an gef\u00e4hrlicher Tiefe. <strong>Paul Kaufmann<\/strong> (Don Alvar) war etwas zu hoch und zu laut. Dagegen setzte der volumin\u00f6se Ba\u00df von <strong>Albert Pesendorfer<\/strong> (Oberpriester) weitere Glanzpunkte.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die 1865 uraufgef\u00fchrte Grand-Op\u00e9ra <em>Vasco da Gama<\/em> \u2013 in ihrer rund viereinhalbst\u00fcndigen kritischen Neufassung \u2013 ist Auftakt eines Meyerbeer-Zyklus an der Deutschen Oper Berlin. Vor dem Hintergrund der aktuellen Fl\u00fcchtlingsdebatte bekommen Inhalte wie religi\u00f6ser Fanatismus, Eroberungsfeldz\u00fcge und kulturelle Konflikte eine neue Dimension. Doch ist es der Inszenierung nur selten gelungen, \u00fcber blo\u00dfe Exotik hinauszuwachsen. Spektakel wie der unfreiwillig komische Stammestanz mit schwachbr\u00fcstigem Gebr\u00fcll des Chores und eine allzu platte, vordergr\u00fcndige Folklore machen noch lange keine Grand Op\u00e9ra. Musikalisch zeigten sich Orchester und S\u00e4nger dem enormen Kraftakt gewachsen und wurden mit entsprechend begeistertem Applaus bedacht.<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: Bettina St\u00f6\u00df<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Nino Machaidze (Ines), Roberto Alagna (Vasco da Gama)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Meyerbeer (1791-1864), Grand Op\u00e9ra in f\u00fcnf Akten, Libretto: Eug\u00e8ne Scribe. UA: L\u2019Africaine : 28. April 1865 Paris Op\u00e9ra, Erstauff\u00fchrung revidierten Fassung: 2. 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