{"id":6413,"date":"2015-08-20T09:09:26","date_gmt":"2015-08-20T08:09:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6413"},"modified":"2015-09-24T09:16:37","modified_gmt":"2015-09-24T08:16:37","slug":"festwochen-der-alten-musik-2015-innsbruck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6413","title":{"rendered":"Festwochen der alten Musik 2015, Innsbruck"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong><em>Il Germanico<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Nicola Porpora (1686-1768), Opera seria in drei Akten von Niccolo Coluzzi, Auff\u00fchrungsfassung und Einrichtung f\u00fcr Orchester: Alessandro De Marchi, UA: 1732 Rom<\/p>\n<p>Regie: Alexander Schulin, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Alfred Peter<\/p>\n<p>Dirigent: Alessandro De Marchi, Academia Montis Regalis<\/p>\n<p>Solisten: Patricia Bardon (Germanico), David Hansen (Arminio), Klara Ek (Rosmonda), Emilie Renard (Ersinda), Hagen Matzeit (Cecina), Carlo Vincenzo Allemano (Segeste).<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 16. August 2015<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Innsbruck-Il-Germanico.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6415\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Innsbruck-Il-Germanico.jpg\" alt=\"Innsbruck Il Germanico\" width=\"559\" height=\"314\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Innsbruck-Il-Germanico.jpg 559w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Innsbruck-Il-Germanico-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 559px) 100vw, 559px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Seit 1997 war Ren\u00e9 Jacobs f\u00fcr bedeutsame Auff\u00fchrungen bei den Festwochen der Alten Musik in Innsbruck verantwortlich. Ab 2010 ist Alessandro De Marchi Leiter der Festwochen, und es ist ihm gelungen, die Festwochen zu einem der f\u00fchrenden Festivals zur Pflege der Barockmusik zu machen. Die Innsbrucker Festwochen boten 2015 ein reichhaltiges Programm mit wiederum drei Opern, Konzerten und vielerlei Kleinkunst. Die Hauptproduktionen im Tiroler Landestheater, das regelm\u00e4\u00dfig aus allen N\u00e4hten platzt. Dann der historische Innenhof der Theologischen Fakult\u00e4t, womit man j\u00fcngeres Publikum anziehen will, wo eine halbszenische Produktion im kleineren Rahmen <em>open air<\/em> gezeigt wird.<\/p>\n<p>Das Publikum war stets begeistert. Als ein weiterer Spielort wurde dieses Jahr der Spanischen Saal im Schlo\u00df Ambras, einer monumentalen Renaissance-Residenz vor den Toren Innsbrucks, genutzt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>In der in Rom aufgef\u00fchrten Oper <strong>Il Germanico<\/strong> geht es um die (nie stattgefundene) Gefangennahme und Unterwerfung des Arminius, des Siegers der Varusschlacht. W\u00e4hrend seine Gattin Rosmonda zu ihm steht, wechseln sein Schwiegervater Segeste und die in den r\u00f6mischen Feldherrn Cecina verliebte Ersinda die Seiten. Handlungsort ist eine ungenannte germanische Stadt, die von Germanicus erobert wird. Bildlich besteht sie aus vielen S\u00e4ulen, B\u00f6gen, Treppenabs\u00e4tzen und Str\u00e4uchern, die sich auf einer gro\u00dfen Drehb\u00fchne zu immer neuen Spielfl\u00e4chen ver\u00e4ndern lassen. Die Kost\u00fcme entsprechen der Entstehungszeit der Oper, sind sehr farbenfroh der italienischen Barockzeit entlehnt. Die Denkmalposen eines Herrscher-Standbildes wie Germanico werden Zentrum ganzer Akte.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester <\/strong><\/p>\n<p><strong>Alessandro De Marchi<\/strong> hat das richtige Gesp\u00fcr f\u00fcr barocke Gef\u00fchle und Effekte, findet L\u00f6sungen f\u00fcr das Ensemble, Frauenrollen werden m\u00f6glich, obwohl in Rom seinerzeit keine Frauen auf der B\u00fchne auftreten durften. Die <strong>Academia Montis Regalis<\/strong> ist ein bestens eingestelltes Barockorchester ohne Vibrato in den Streichern, das mit den entsprechenden barocken Spezialinstrumenten wie Theorbe erg\u00e4nzt ist.<\/p>\n<p><em>Il Germanico<\/em> ist ein Vokalfeuerwerk der Virtuosit\u00e4t, der Zelebrierung von Gef\u00fchlswallungen aller Arten. Die Arien sind so gestaltet, da\u00df sie nie den Spannungsbogen verlieren. Das erfordert nat\u00fcrlich auch die Gestaltungsm\u00f6glichkeiten der Solisten heraus: An erster Stelle ist <strong>Patricia Bardon<\/strong> zu nennen, deren Mezzo weit in die Tiefe reicht: unverwechselbar mit tiefem m\u00e4nnlichen Timbre, genau richtig f\u00fcr den r\u00f6mischen Helden Germanico (oder eventuell f\u00fcr Oktavian im <em>Rosenkavalier<\/em>!), der den germanischen Heerf\u00fchrer Arminio unterwirft und durch den Countertenor <strong>David Hansen<\/strong> eine mitrei\u00dfende Verk\u00f6rperung erf\u00e4hrt: Technisch perfekt kann er seinen gro\u00dfen Stimmumfang nutzen, um mit schwerelosem Pathos gro\u00dfe Gef\u00fchlswelten zu vermitteln.<\/p>\n<p><strong>Hagen Matzeits<\/strong> ist der zweite Countertenor, der \u00fcber die richtige Leuchtkraft, gerade in den hohen Registern, verf\u00fcgt, um den Cecina als komischen Liebhaber zu charakterisieren. <strong>Carlo Vincenzo Allemano<\/strong> hat es als Segeste wesentlich einfacher, denn als grundsolider Tenor kann er mit sicherer Intention sich ausleben. Die beiden Damenrollen sind glaubhaft aufgehoben: <strong>Klara Ek<\/strong> als Arminios treue Gattin Rosmonda kann sich in Wut, Verzweiflung und inniger Liebe als jugendlich klarer Sopran darstellen, w\u00e4hrend <strong>Emilie Renard<\/strong> (Ersinda) als etwas leichtlebiger Mezzo durchgeht.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der Regisseur <strong>Alexander Schulin<\/strong> konzentriert sich darauf, die Handlung plastisch zu verdeutlichen, Beziehungen und Handlung sind rasch verst\u00e4ndlich. Die Personenchoreographie schafft nicht nur einzelne Szenen, sondern ganze Aneinanderreihungen von Bildern und Assoziationen. Viereinhalb Stunden vergehen wie im Flug, hier gelingt der Nachweis, da\u00df Barockopern auch ohne Striche nicht langweilig werden.<\/p>\n<blockquote><p><strong><em>Armide<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Jean-Baptiste Lully (1632-1687), Trag\u00e9die en musique in drei Akten, Libretto: Philippe Quinault, nach <em>La Gerusalemme liberata<\/em> (1575) von Torquato Tasso, UA: 25. Januar 1686, Paris<\/p>\n<p>Regie: Deda Cristina Colonna, B\u00fchnenbild, Kost\u00fcme und Lichtdesign: Francesco Vitali<\/p>\n<p>Dirigent: Patrick Cohen-Akenine, Les Folies fran\u00e7oises, Nordic Baroque Dancers, Tanzmeisterin: Karin Modigh<\/p>\n<p>Solisten: Elodie Hache (Armide), Joao Pedro Cabral (Renaud), Daniela Skorka (Phenice), Miriam Albano (Sidonie), Pietro di Bianco (Hidraot), Jeffrey Francis (La Haine), Tomislav Lavoie (Aronte\/Ubalde), Enguerrand de Hys (Artemidor\/Le chevalier danois)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 22.August 2015 (Innenhof der Theologischen Fakult\u00e4t)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Innsbruck-Armida.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6416\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Innsbruck-Armida.jpg\" alt=\"Innsbruck Armida\" width=\"465\" height=\"280\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Innsbruck-Armida.jpg 465w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Innsbruck-Armida-300x181.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 465px) 100vw, 465px\" \/><\/a>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Freilichtauff\u00fchrung der Oper <strong>Armide<\/strong> im Innenhof der Theologischen Fakult\u00e4t ist Teil des Projektes BAROCKOPER:JUNG. F\u00fcr junges Publikum wird das St\u00fcck im <em>theatergerecht gemachten Rahmen<\/em> der Gew\u00f6lbe und Arkaden entsprechend poppig inszeniert. Es gibt nur ein Podium, das sich S\u00e4nger und Orchester teilen. Ein B\u00fchnenbild besteht im H\u00f6chstfall aus Trennw\u00e4nden vor der gro\u00dfen Fassadenwand mit Rundb\u00f6gen, die farbenfrohen, sehr aufwendigen Kost\u00fcme entsprechen der Glanzzeit des Sonnenk\u00f6nig Ludwig XIV. Entsprechend jung auch das Ensemble! Diese sind Studenten des <em>Centre de musique baroque de Versailles<\/em> und damit Sch\u00fcler des <strong>Patrick Cohen-Akenine<\/strong>, der auch das auf historischen Instrumenten spielende Orchester <em>Les Folies fran\u00e7oises<\/em> gegr\u00fcndet hat. Die <em>Nordic Baroque Dancers<\/em> sind f\u00fcr die in barocker Tradition stehenden Ballett-Einlagen in dieser Oper zust\u00e4ndig: Die Unterschiede zum heutigen, klassischen Ballett sind zahlreich und gro\u00df.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die s\u00e4ngerischen Leistungen der am Anfang ihrer Kariere stehenden Solisten sind entsprechend verhei\u00dfungsvoll: <strong>Elodie Hache<\/strong> (Armide) und <strong>Joao Pedro Cabral<\/strong> (Renaud) spielen die Hauptrollen in dem St\u00fcck \u00fcber den Kreuzfahrer Rinaldo (unter diesem Namen erreichte die H\u00e4ndeloper seit der Urauff\u00fchrung 1711 gro\u00dfe Bekanntheit), der der Zauberin Armide verf\u00e4llt und ihr am Ende doch entkommt. <strong>Elodie Hache<\/strong> hat sich bereits als durchschlagskr\u00e4ftiger Mozartsopran einen Namen gemacht, <strong>Joao Pedro Cabral<\/strong> k\u00f6nnte sich als lyrischer Tenor im italienischen Fach oder als Mozarttenor durchsetzen. Von den Nebenrollen setzte sich Jeffrey Francis mit einer gro\u00dfen Arie als g\u00f6ttergleicher Ha\u00df (La Haine) als durchschlagskr\u00e4ftiger Tenor mit viel Schmelz in der H\u00f6he in Szene.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das geringe Platzangebot im Innenhof der Theologischen Fakult\u00e4t wird leider daf\u00fcr sorgen, da\u00df die erhoffte Breitenwirkung auf Jugendliche f\u00fcr BAROCKOPER:JUNG nur eingeschr\u00e4nkt wirksam wird: Viel zu begehrt waren die Karten!<\/p>\n<p>Szenisch sind die beiden besuchten Opernproduktionen an das moderne Regietheater angepa\u00dft \u2013 sozusagen \u201eBarockwerkgetreu\u201c. Der historischen Auff\u00fchrungspraxis f\u00fchlt man sich nicht verpflichtet. Musikalisch bewegt man sich auf \u201eFestspiel-Niveau\u201c. Das ist vor allem <strong>Alessandro De Marchi<\/strong> zuzurechnen, der eine spielbare Partitur aus dem historischen Notenmaterial erstellt hat, um <em>Il Germanico<\/em> \u00fcberhaupt auf die B\u00fchne bringen zu k\u00f6nnen. Die <em>Armide<\/em> von Lully in Zusammenarbeit mit dem <em>Centre de musique baroque de Versailles<\/em> erm\u00f6glicht einen Vergleich zwischen italienischem, deutschem und franz\u00f6sischen Barock.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bilder: Festwochen der Alten Musik, Innsbruck<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Il Germanico von Nicola Porpora (1686-1768), Opera seria in drei Akten von Niccolo Coluzzi, Auff\u00fchrungsfassung und Einrichtung f\u00fcr Orchester: Alessandro De Marchi, UA: 1732 Rom Regie: Alexander Schulin, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Alfred Peter Dirigent: Alessandro De Marchi, Academia Montis Regalis Solisten: Patricia<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6413\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6415,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47,266],"tags":[],"class_list":["post-6413","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-innsbrucker-festwochen-der-alten-musik"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6413","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6413"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6413\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6417,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6413\/revisions\/6417"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6415"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6413"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6413"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6413"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}