{"id":6410,"date":"2015-09-20T21:29:24","date_gmt":"2015-09-20T20:29:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6410"},"modified":"2015-09-20T21:29:24","modified_gmt":"2015-09-20T20:29:24","slug":"les-troyens-hamburg-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=6410","title":{"rendered":"LES TROYENS  &#8211; Hamburg, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Hector Berlioz (1803-1869), Oper in 5 Akten, Libretto: Hector Berlioz nach Vergils <em>\u00c4neis<\/em>, Strichfassung f\u00fcr die Hamburger Auff\u00fchrung von Pascal Dusapin, UA: 5.-6. Dezember 1890 Karlsruhe, Hoftheater<\/p>\n<p>Regie: Michael Thalheimer, B\u00fchne: Olaf Altmann, Kost\u00fcme: Michaela Barth, Licht: Norman Plathe, Dramaturgie: Johannes Blum<\/p>\n<p>Dirigent: Kent Nagano, Philharmoniker Hamburg, Chor der Hamburger Staatsoper<\/p>\n<p>Solisten: Torsten Kerl (En\u00e9e), Kartal Karagedik (Chor\u00e8be), Alin Anca (Panth\u00e9e), Petri Lindroos (Narbal), Markus Nyk\u00e4nen (Iopas), Christina Gansch (Ascagne), Catherine Naglestad (Cassandre), Elena Zhidkova (Didon), Katja Pieweck (Anna), Julian Pr\u00e9gardien (Hylas), Stanislav Sergeev (Priam), Zak Kariithi (Un chef grec), Bruno Vargas (L&#8217;ombre d&#8217;Hector-Mercure), Daniel Todd (Helenus), Marta Swiderska (H\u00e9cube), Catrin Striebeck (Andromache)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. September 2015 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Hamburg-LESTROYENS1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6411\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Hamburg-LESTROYENS1.jpg\" alt=\"Hamburg LESTROYENS1\" width=\"597\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Hamburg-LESTROYENS1.jpg 597w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Hamburg-LESTROYENS1-300x201.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 597px) 100vw, 597px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Oper orientiert sich am bekannten Aeneis-Mythos: Troja f\u00e4llt durch die List der Griechen, die Seherin Kassandra mu\u00df dabei tatenlos zusehen. Der Tojaner Aeneas flieht mit seinen Leuten, da die G\u00f6tter ihm den Auftrag gegeben haben, mit Rom ein zweites Troja in Italien zu errichten. Unterwegs landen sie in Karthago, wo sich die dortige K\u00f6nigin Dido unsterblich in Aeneas verliebt. Nach kurzem Liebesgl\u00fcck jedoch verl\u00e4\u00dft Aeneas Dido wieder in Richtung Italien, da ihn der Auftrag ruft. Dido verflucht Aeneas und die Trojaner, dann geht sie in den Freitod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die neue Strichfassung entfernt alle spektakul\u00e4ren Elemente, wie sie zum Stil der <em>grand op\u00e9ra<\/em> geh\u00f6ren und setzt rein auf die Kernhandlung, die hierdurch fragmentisch wirkt. Die Inszenierung pa\u00dft dazu: Gro\u00dfe B\u00fchneneffekte gibt es nicht mehr. Das Historische verschwindet in der Abstraktion, was sich auch an den Kost\u00fcmen erkennen l\u00e4\u00dft. Die Jagdszene im vierten Akt ist komplett schwarz, es regnet. Das Ballett der Sklaven ist ein \u201aentlarvendes\u2018, qu\u00e4lend langsames Vorbeiziehen der Besiegten. Abgesehen von zwei Holzw\u00e4nden an den Seiten und einem riesigen Tor, das sich wie ein M\u00fchlrad um sich selbst dreht, bleibt die B\u00fchne leer. Mehrmals ergie\u00dft sich von oben ein Schwall mit Blut auf das Tor, Tod und Ungl\u00fcck symbolisierend. Die Personenf\u00fchrung bleibt statisch, Bewegungen geschehen oft in Zeitlupe, als w\u00e4ren die Akteure gel\u00e4hmt. Vieles aus dem Libretto wird nur angedeutet, Requisiten gibt es fast keine.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><em>Kent Nagano<\/em> wird mit den <em>Philharmonikern Hamburg<\/em> seinem Ruf als Experte f\u00fcr die franz\u00f6sische Oper voll gerecht. Der Orchesterklang ist ungew\u00f6hnlich farbenreich, plastisch pr\u00e4sent, dabei luftig und wendig, den Gesang nie \u00fcberdeckend. Insbesondere die Holzbl\u00e4sersoli ragen hervor und verschmelzen mit dem Gesang, wodurch sich individuelle Klangeffekte ergeben. Wo das Orchester franz\u00f6sisch klingt, ist das im Ensemble nicht immer ganz der Fall. <strong>Catherine Naglestads<\/strong> (Kassandra) kommt schauspielerisch angemessen dramatisch daher, intonatorisch ger\u00e4t sie aber im ausufernden Duett mit Aeneas sowie in ihren Soli an die Grenze, nicht nur in Sachen Textverst\u00e4ndlichkeit, sondern auch in der stimmlichen Reichweite. <em>Elena Zhidkova<\/em> kann als ihr Gegenst\u00fcck Didone eher \u00fcberzeugen, da ihr Vortrag nicht nur durchdringend ist, sondern auch geschmeidiger in der H\u00f6he und wendiger in der Phrasierung. Ihr Schwanken zwischen Furie und gebrochener Frau am Ende wei\u00df zu ber\u00fchren. Ihr Liebesduett mit <em>Torsten Kerls<\/em> distanziertem Aeneas ger\u00e4t erwartungsgem\u00e4\u00df zum H\u00f6hepunkt der Auff\u00fchrung. Der eigentliche Protagonist neben diesen dreien ist jedoch der stimmgewaltige <strong>Chor <\/strong>der Hamburgische Staatsoper, der sowohl in voller Besetzung als auch bis ins Ensemble ausged\u00fcnnt eine gute Figur macht. Die zahlreichen kleinen Rollen sind von Didos Schwester Anna, <strong>Katja Pieweck,<\/strong> bis zu Hylas, <strong>Julian Pr\u00e9gardien<\/strong>, ebenfalls ad\u00e4quat besetzt, haben aber kaum etwas zu tun, so da\u00df ihre Beitr\u00e4ge wenig ins Gewicht fallen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das Premierenpublikum sparte nicht mit Jubel, zumal Kent Nagano mit dem Orchester zu begeistern wu\u00dfte. Davon abgesehen aber war diese Auff\u00fchrung der <em>Trojaner<\/em> Regietheaterstandard und auch gesanglich Durchschnittskost. \u00dcber die vollen vier Stunden konnte die Inszenierung leider nicht tragen. Daf\u00fcr fehlte auch schlichtweg, bei allem Respekt vor einer kritischen Sichtweise auf den Stoff, der Unterhaltungswert.<\/p>\n<p>Dr. Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Hans J\u00f6rg Michel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Catherine Naglestad (Cassandre), liegend, Chor der Hamburgischen Staatsoper<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hector Berlioz (1803-1869), Oper in 5 Akten, Libretto: Hector Berlioz nach Vergils \u00c4neis, Strichfassung f\u00fcr die Hamburger Auff\u00fchrung von Pascal Dusapin, UA: 5.-6. 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